Examensarbeit, 2006
136 Seiten, Note: 1,0
I. EINFÜHRUNG
1. Problemstellung
2. Vorgehensweise
3. Begriffsklärung
II. INTERNE KRITIK
1. Der Irrgarten
2. Bedingte Freiheit
2.1 Handeln und Wollen
2.2 Freie Entscheidungen
2.3 Erfahrungen der Unfreiheit
2.4 Kritische Anmerkungen
3. Unbedingte Freiheit
3.1 Argumente für unbedingte Freiheit
3.2 Die falsche Fährte
3.3 Begriffliche Überprüfung
3.4 Freiheit von innen und von außen
3.5 Kritische Anmerkungen
4. Angeeignete Freiheit
4.1 Der artikulierte Wille
4.2 Der verstandene Wille
4.3 Der gebilligte Wille
4.4 Das Geheimnis der „Selbst“-Bestimmung
4.5 Kritische Anmerkungen
5. Abschlusskritik
III. EXTERNE KRITIK
1. Nicht alle Wege führen nach Rom
1.1 Ein Problem der Methode?
1.2 Der andere Weg
2. Leib-Seele-Problem
2.1 Dualismus und Monismus
2.2 Argumente gegen den Interaktionismus
2.3 Argumente gegen die Identitätstheorie
2.4 Leib-Seele-Problem – gelöst?
2.5 Bieris Auflösungsvorschlag
2.6 Die Naturalisierung der Willensfreiheit
3. Der Geist fiel nicht vom Himmel
3.1 Der freie Wille – ein Evolutionsprodukt?
3.2 Das „halbdurchlässige“ Paradoxon
3.3 Kleine Evolution des „bewussten“ Gehirns
4. Der freie Wille auf dem Prüfstand
4.1 Die Illusion des „klaren Verstandes“
4.2 Warum Einsicht so schwer zu erkennen ist
4.3 Hängt alles von einer halben Sekunde ab?
4.4 Gründe vs. Ursachen
4.5 Das Gefühl der Urheberschaft
5. Zusammenfassung
IV. AUSBLICK
Die Arbeit untersucht kritisch die Position des Philosophen Peter Bieri zur Willensfreiheit. Ziel ist es, die Plausibilität von Bieris Thesen in "Das Handwerk der Freiheit" zu prüfen, indem diese mit aktuellen Erkenntnissen aus den empirischen Wissenschaften, insbesondere der Neurobiologie, konfrontiert und hinterfragt werden.
1. Problemstellung
„Es ist 6 Uhr Abends, die Tagesarbeit ist beendigt. Ich kann jetzt einen Spatziergang machen; oder ich kann in den Klub gehen; ich kann auch auf den Thurm steigen, die Sonne untergehn zu sehn; ich kann auch ins Theater gehen; ich kann auch diesen, oder aber jenen Freund besuchen; ja, ich kann auch zum Thor hinauslaufen, in die weite Welt, und nie wiederkommen. Das Alles steht allein bei mir, ich habe völlige Freiheit dazu; thue jedoch davon jetzt nichts, sondern gehe ebenso freiwillig nach Hause, zu meiner Frau.“
Woher kommt dieses Gefühl, dass uns Tag für Tag, Stunde um Stunde begleitet? Warum fühlen wir uns in Entscheidungsmomenten derart frei, mehrere Handlungsoptionen zu haben, wenn wir am Ende doch nur das eine tun? Man könnte soviel mit seinem Leben anfangen, bleibt in Wahrheit jedoch in Gewohnheiten und Pflichten verankert. Warum scheinen all diese Möglichkeiten nur in der Vorstellung zu existieren? Wenn es darum geht, sie in der Realität umzusetzen, stößt man sehr schnell an seine Grenzen. Im Rückblick auf vergangene Taten, erscheint es einem vielmehr so, als hätte es nur diesen einen Weg für einen gegeben. Doch niemand käme auf die Idee zu glauben, dass dies immer so ist.
Jeder macht im Laufe seines Lebens die manchmal äußerst traumatisierende Erfahrung, von anderen Menschen enttäuscht oder betrogen zu werden. Immer wenn eine Person uns verletzt, fragen wir nach den Ursachen ihres Verhaltens. Wir versuchen verborgene Motive aufzudecken und uns ihre Handlungsweise zu erklären. Wir fragen aber auch, warum der Betreffende nicht anders gehandelt hat und es entstehen in uns Gefühle des Misstrauens, der Angst und des Vorwurfs. Vielleicht war die Person betrunken, konnte ihre Triebe nicht kontrollieren oder wusste es einfach nicht besser. Egal welcher Grund das Verhalten scheinbar erklärt, wir neigen dazu, den anderen auf seine unmoralische Handlungsweise aufmerksam zu machen.
I. EINFÜHRUNG: Dieses Kapitel umreißt die Problematik der Willensfreiheit, legt die Vorgehensweise der Untersuchung fest und definiert grundlegende Begriffe zur Handlungs- und Willensfreiheit.
II. INTERNE KRITIK: Hier wird Bieris Argumentation, insbesondere die Unterscheidung zwischen bedingter, unbedingter und angeeigneter Freiheit, einer kritischen Analyse unterzogen.
III. EXTERNE KRITIK: Dieses Kapitel konfrontiert Bieris philosophischen Ansatz mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, insbesondere der Neurobiologie, und beleuchtet das Leib-Seele-Problem sowie evolutionäre Aspekte des Gehirns.
IV. AUSBLICK: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Konsequenzen für unser Menschenbild und das strafrechtliche Verständnis von Verantwortung.
Willensfreiheit, Determinismus, Peter Bieri, Neurobiologie, Handlungsfreiheit, Intelligibilität, Urheberschaft, Leib-Seele-Problem, Evolution, Identitätstheorie, Bewusstsein, Selbstbild, Bedingtheit, Verantwortung, Hirnforschung.
Die Arbeit analysiert kritisch das Werk "Das Handwerk der Freiheit" von Peter Bieri und untersucht, ob dessen philosophische Argumente zur Willensfreiheit wissenschaftlich haltbar sind.
Die Arbeit behandelt die Vereinbarkeit von Determinismus und Willensfreiheit, die neurobiologischen Grundlagen des Gehirns sowie die Frage nach der persönlichen Verantwortung.
Das primäre Ziel ist es, Bieris Thesen zur Freiheit des Willens zu prüfen und die Plausibilität seiner Argumentation vor dem Hintergrund empirischer Wissenschaften zu hinterfragen.
Die Autorin verwendet eine kritische philosophische Analyse in Kombination mit Erkenntnissen aus den empirischen Wissenschaften, vorzugsweise der Neurobiologie.
Der Hauptteil gliedert sich in eine interne Kritik von Bieris Argumentationslogik und eine externe Kritik, die sich auf empirische Evidenzen (Neurobiologie, Evolutionsbiologie) stützt.
Willensfreiheit, Determinismus, Neurobiologie, Verantwortung, Identitätstheorie, Bewusstsein.
Die Autorin sieht in Bieris Konzept des "klaren Verstandes" eine Illusion, da die Hirnforschung zeigt, dass emotionale und unbewusste Prozesse die Entscheidungsfindung maßgeblich beeinflussen.
Die Autorin hinterfragt das auf klassischer Willensfreiheit basierende Schuldkonzept und plädiert dafür, Verantwortung eher funktional oder sozial zu begründen, da eine "völlig freie" Entscheidung neurobiologisch nicht plausibel ist.
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