Magisterarbeit, 2006
127 Seiten, Note: 1,3
O. Einleitung
I. Theoretischer Überblick
1. Integration – Sprache – Dialekt
1.1 Strukturelle und individuelle Integration
1.2 Grundlegende Funktionen und Bedeutungen der Sprache
1.2.1 Sprache symbolisiert die ‚Welt’
1.2.2 Identität und Sprache
1.2.3 Soziale Kategorisierung durch Sprache
1.3 Zusammenhang von Sprecher – Interaktion – Gesellschaft
1.3.1 Spracheinstellungen
2. Bedeutungen und Funktionen des Dialekts
3. Forscherfragen
II. Methoden und Auswertung
1. Methodendiskussion
1.1 Auswahl des Feldes
1.2 Feldzugang
1.3 Methoden
1.3.1 Teilnehmende Beobachtung
1.3.2 Leitfadeninterviews
1.3.3 Interviewsituation
1.3.4 Matched-guise Technik
1.3.5 Semantisches Differential
1.4 Probleme und Kritik an den Methoden
2. Vorgehen in der Datenauswertung und Interpretation
III. Das individuelle Varietäten- und Sprachenspektrum
1. Ziel und Vorgehen
1.1 Modell der Varietätendimensionen
1.2. Kurzbiografien
1.2.1 Gemeinsamkeiten der Kurzbiografien
1.3. Das Varietätenspektrum
1.4. Definition des Schwäbischen
2. Sprachanalyse
2.1. Fallbeispiel Tan, Sibel und Sara
2.1.1 Varietäten in der Abfragesituation
2.1.2 Varietäten in der Interviewsituation
2.1.3 Varietäten in der Gesprächssituation
2.2 Das individuelle Varietätenspektrum
2.3. Sprachtypen
2.3.1 ‚Spontan-authentische Schwäbisch-SprecherInnen’
2.3.2 ‚Hin und her wechselnde – regionale Schwäbisch-SprecherInnen’
2.3.3 ‚Zitierend-ironischer Schwäbisch-Sprecher’
2.3.4 ‚Ab und zu – ‚pure’ Schwäbisch-SprecherInnen’
2.3.5 ‚Nicht wollen – nicht können Schwäbisch-SprecherInnen’
3. Fazit
IV. Soziokulturelle Bedeutungen des Schwäbischen
1. Semantisches Differential
1.1. Bedeutungen und Qualitäten des Schwäbischen
1.1.1 Fazit
2. Integrationsqualitäten des Schwäbischen / Integrationskontext
2.1 Ergebnis des Semantischen Differentials
2.2 Freundschaften in der Kindheit und Jugend
2.3 Wohnsituation und ‚Heimat’
2.4 Religion und Partnerwahl
2.5 Fazit
3.Nutzen des Schwäbischen im Integrationsprozess
3.1 Fazit
V. Funktionen des Schwäbischen in der Sprachpraxis
1. Bedeutung des Codewechsels
1.1 Funktion des Schwäbischen am Telefon
1.2 Funktion des Schwäbischen im Zitat
1.3 Fazit
VI. Kategorisierungsprozess durch das Schwäbische
1.1 Schwäbisch als ‚soziokulturelles’ Signal
1.2 Aufnahmen
1.3 Zugang zum Feld
1.4 Auswertungsverfahren
1.5 Einschätzung der Sprachkenntnisse
1.5.1 Ergebnisse des Fragebogens
1.5.2 Ergebnisse des Semantischen Differentials
VII. Fazit
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die Bedeutungen und Funktionen des schwäbischen Dialekts im Integrationsprozess von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie der Dialekt als sprachliche Integrationsstrategie dient, um einen Zugang zur Mehrheitsgesellschaft zu finden und soziale Zugehörigkeit zu stiften.
1.2.1 Sprache symbolisiert die ‚Welt’
Durch Worte symbolisiert der Mensch die Alltagswelt, Gegenstände, Erfahrungen, die gesamte gesellschaftliche Wirklichkeit. Nach den Soziologen Peter L. Berger und Thomas Luckmann, die grundlegende Prinzipien zu gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktionen aufgedeckt haben, trägt Sprechen, verstanden als soziales Handeln, in höchstem Maße zum Verständnis und zur Konstruktion der Wirklichkeit bei.
„Die allgemeinen und gemeinsamen Objektivationen der Alltagswelt behaupten sich im Wesentlichen durch ihre Versprachlichung. Vor allem anderen ist die Alltagswelt Leben mit und mittels der Sprache, die ich mit den Mitmenschen gemein habe. Das Verständnis des Phänomens Sprache ist also entscheidend für das Verständnis der Wirklichkeit der Alltagswelt.“ (Berger/Luckmann 1999: 39)
Diese objektivierten Symbolisierungen werden in der Sprache gespeichert, was unter anderem durch Typisierungen geschieht. Beispielsweise kann der Ärger über die Schwiegermutter mit Hilfe der Typisierung ‚die böse Schwiegermutter’ ausgedrückt werden (Vgl. Miebach 1991: 266f.).
O. Einleitung: Die Einleitung begründet das wissenschaftliche Interesse an der Verbindung von Dialekt und Integration und formuliert die grundlegende Fragestellung der Untersuchung.
I. Theoretischer Überblick: Dieses Kapitel verknüpft Konzepte der Integrationsforschung mit soziolinguistischen Theorien über Sprache, Identität und soziale Kategorisierung.
II. Methoden und Auswertung: Hier werden der qualitative Forschungsansatz, die Auswahl des Feldes sowie die angewandten ethnographischen Methoden (Beobachtung, Interviews, Matched-guise-Technik) detailliert beschrieben.
III. Das individuelle Varietäten- und Sprachenspektrum: Dieses Kapitel ermittelt anhand von Kurzbiografien und Sprachanalysen das individuelle Sprachrepertoire der Probanden und entwickelt daraus Sprachtypen.
IV. Soziokulturelle Bedeutungen des Schwäbischen: Die Untersuchung befasst sich hier vertiefend mit den Einstellungen der Probanden zu den soziokulturellen Bedeutungen des Dialekts und weiteren Integrationsaspekten wie Heimat und Religion.
V. Funktionen des Schwäbischen in der Sprachpraxis: Hier wird der Codewechsel in alltäglichen Interaktionen analysiert, insbesondere die Funktionen des Schwäbischen am Telefon und in Zitaten.
VI. Kategorisierungsprozess durch das Schwäbische: Dieses Kapitel beleuchtet die umgekehrte Perspektive, nämlich wie Schwaben den Sprachgebrauch der Migranten im Rahmen der „Matched-guise“-Technik bewerten.
VII. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Mikrostudie zusammen und plädiert für eine differenziertere Sicht auf Sprachkompetenz und Integration.
Schwäbischer Dialekt, Integration, Migrationshintergrund, Sprachrepertoire, Varietäten, Codewechsel, Soziale Kategorisierung, Spracheinstellungen, Identität, Zweitsprachenerwerb, Ethnische Zuschreibung, Alltagssprache, Qualitative Forschung, Deutschlandtürken, Kultureller Code.
Die Arbeit untersucht, welche Rolle der schwäbische Dialekt im Integrationsprozess von Migranten türkischer Herkunft spielt und wie dieser zur sozialen Einbindung beitragen kann.
Die Themen umfassen die soziolinguistische Untersuchung von Sprachrepertoire, Identitätsbildung, die soziale Kategorisierung durch Sprache sowie die Bedeutung von Dialekt als „kultureller Code“.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern der Gebrauch des Schwäbischen für Menschen mit Migrationshintergrund einen Zugang zur einheimischen Bevölkerung ermöglicht und welche Funktionen der Dialekt dabei übernimmt.
Die Autorin nutzt einen qualitativen, ethnographischen Forschungsansatz, bestehend aus teilnehmenden Beobachtungen, Leitfadeninterviews und einer modifizierten „Matched-guise“-Technik sowie semantischen Differentialen.
Der Hauptteil analysiert das individuelle Sprachspektrum der Probanden, die Funktionen des Dialekts in der Sprachpraxis (z.B. am Telefon) und die Bewertung des Sprachgebrauchs durch die schwäbische Mehrheitsgesellschaft.
Wichtige Begriffe sind Integration, Varietäten, Codewechsel, Spracheinstellungen, Identität, Soziale Kategorisierung und Schwäbischer Dialekt.
Die Probanden nutzen den Dialekt oft situationsadäquat, um sich als „Teil der Region“ zu positionieren, wobei sie dennoch ihre türkisch-kurdische Identität nicht vollständig aufgeben möchten.
Der Wechsel zum Schwäbischen dient oft strategischen Zwecken, beispielsweise um im beruflichen Kontext Vertrauen aufzubauen, als „echt“ wahrgenommen zu werden oder um ethnische Zuschreibungen durch die Mehrheitsgesellschaft aufzubrechen.
Diese Methode dient dazu, die unbewussten Einstellungen der autochthonen Schwaben gegenüber dem Sprachgebrauch der Migranten (z.B. Dialekt vs. Deutsch mit Akzent) objektiv zu untersuchen.
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