Bachelorarbeit, 2006
62 Seiten, Note: 1,7
I. Einleitung
1. Die moderne Großstadt: Stadtbild und künstlerisches Abbild in den 20ern
2. Arbeitsziele: Absichten und Vorgehensweise
II. Medien, Kunstwerke und ihre Vermittlung zwischen den Künsten
1. Vom Einzelmedium zur Intermedialität
2. Wie die Form den Inhalt bestimmt: Medienspezifische Prozesse in Literatur, Hörspiel, Film und Fernsehen
3. Medienwechsel, Adaption und Werktreue
4. Das Wechselspiel der Künste: Montage, Collage und Zitat
III. Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf“
1. Struktur und Inhalt – ein Überblick
2. Die Großstadt als Mosaik der Sinne
2.1 Erzählstil und Montagetechniken
2.2 Schnitter Tod, Hure Babylon und die Morgenpost
3. Der Roman als „geschriebener Film“?
IV. „Die Geschichte vom Franz Biberkopf“ in der Hörspielfassung
1. Wie der Roman zum Hörspiel wurde
2. Wer spricht? Das akustische Szenario der urbanen Lebenswelt
3. Inhaltliche Differenzen zur Romanvorlage
V. Phil Jutzis „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte Franz Biberkopfs“
1. Der Autor als Cineast
2. Die Verfilmung des „geschriebenen Films“
3. Jutzis Berlin: die „filmische“ und die „reale“ Stadt
VI. Rainer Werner Fassbinders „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf“
1. Fassbinders Auseinandersetzung mit Döblins Romanvorlage
2. Die urbane Lebenswelt im heimischen Wohnzimmer
2.1 „Berlin Alexanderplatz“ als TV-Serial
2.2 Innen- und Außenräume: Die Stadt im Inneren des Menschen
3. Vereint im Werk? Fassbinder und Döblin: Versuch einer künstlerischen Annäherung
VII. Vergleichende Medienanalyse: Das Bild des Ganzen und die Demontage des Einzelnen
1. Die Stadt-Mensch-Beziehung
1.1 Die Sprache der Stadt und die Sprachlosigkeit ihrer Menschen
1.2 Der Mensch in der Großstadt
1.3 Die Übermacht der Dinge und der Verlust von Subjektivität
2. Stadt und Natur – Chaos und Harmonie – Tod und Leben
3. Die Stadt als Organ der Menschheitsgeschichte
VIII. Schlusswort
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den medienübergreifenden Wandel bei der Darstellung urbaner Lebenswelten, basierend auf Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“. Ziel der Arbeit ist es, die spezifischen Wahrnehmungsstrukturen und Wirklichkeitserfahrungen in den verschiedenen medialen Umsetzungen (Roman, Hörspiel, Film und TV-Serial) kritisch zu vergleichen und zu analysieren, wie der Mensch in der Großstadt dargestellt wird.
3. Medienwechsel, Adaption und Werktreue
Schriftliche, auditive und visuelle Kommunikationsformen existieren nicht nur nebeneinander sondern stehen in einem intensiven Austausch, der jedoch nicht ohne Reibung verläuft. Versteht man Intermedialität als „Form einer Differenz in einem spezifischen Formwandel“, so bildet der Medienwechsel dabei das Paradigma der Transformation eines medienspezifisch fixierten Produkts in die Form eines anderen Mediums. Dabei ist zu beachten, dass der Film immer intermediale Bezüge aufweisen, da sich sein filmischer Code nicht nur visueller sondern auch auditiver Zeichen bedient. Peter Zima ist sogar der Meinung, dass jede Kunstform über ihre Grenzen hinausweist und als „eine ars pro toto der Gesamtkunst zu betrachten“ ist. Er unterstreicht die Gemeinsamkeiten der einzelnen Künste, weist jedoch auch darauf hin, dass es sich jeweils um „den spezifischen, unverwechselbaren Charakter“ einer medialen Form handelt, womit betont wird, dass mit einem Medienwechsel keine bloße Übertragung eines Inhalts in ein anderes Medium mit denselben medialen Bedingungen zu verstehen ist, sondern die Notwendigkeit der Berücksichtigung medienspezifischer Prozesse erforderlich wird. Bei einem Medienwechsel von Literatur zum Film hat das zur Folge, dass abstrakte verbale Zeichen in konkrete visuelle Repräsentationen transformiert werden müssen. Dabei werden die während der Lektüre hervorgerufenen, innerlich visualisierten Bilder des Lesers, durch die Verfilmung visuell illustriert, was problematisch sein kann, da das imaginäre Bild nicht mit dem visuell realisierten übereinstimmen muss.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Urbanisierung Berlins in den 1920er Jahren und legt die methodische Herangehensweise an die Untersuchung von Döblins Großstadtroman fest.
II. Medien, Kunstwerke und ihre Vermittlung zwischen den Künsten: Dieses Kapitel definiert medientheoretische Grundlagen, insbesondere Intermedialität, und erörtert, wie unterschiedliche Formen der Medienvermittlung den Inhalt beeinflussen.
III. Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf“: Der Hauptteil analysiert die komplexe Montagestruktur des Romans und hinterfragt die Rolle der Großstadt als eigentliche Hauptfigur.
IV. „Die Geschichte vom Franz Biberkopf“ in der Hörspielfassung: Dieses Kapitel beschreibt die radiophonen Herausforderungen der Hörspieladaption und die damit einhergehende inhaltliche Reduktion der Romanvorlage.
V. Phil Jutzis „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte Franz Biberkopfs“: Fokus ist die erste filmische Umsetzung des Stoffes und die Schwierigkeit, die literarische Vielstimmigkeit in visuelle Bilder zu übertragen.
VI. Rainer Werner Fassbinders „Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf“: Untersuchung der monumentalen Fernsehverfilmung, die den Fokus auf die psychologische Innensicht der Charaktere und den gesellschaftshistorischen Kontext legt.
VII. Vergleichende Medienanalyse: Das Bild des Ganzen und die Demontage des Einzelnen: Eine übergreifende Gegenüberstellung, wie die verschiedenen Medien die Beziehung zwischen Stadt, Mensch und Sprache interpretieren.
VIII. Schlusswort: Zusammenfassung der medienhistorischen Erkenntnisse über die Verarbeitungen des Döblin-Stoffes im Wandel der Zeit.
Berlin Alexanderplatz, Alfred Döblin, Intermedialität, Großstadtroman, Montage, Collage, Medienwechsel, Literaturverfilmung, Hörspiel, Rainer Werner Fassbinder, Phil Jutzi, Urbane Lebenswelt, Subjektivität, Medientheorie, Weimarer Republik
Die Arbeit untersucht die mediale Darstellung der modernen Großstadt in Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ und vergleicht diese mit den Adaptionen als Hörspiel, Kinofilm und TV-Mehrteiler.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Intermedialität, der Montagetechniken in verschiedenen Medien, der Einfluss der Großstadt auf die menschliche Identität und der Wandel der Wahrnehmungsstrukturen zwischen den 1920er und 1980er Jahren.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Medien die „urbane Erfahrung“ rekonstruieren und welche medienspezifischen Mittel dabei genutzt werden, um die komplexe Struktur von Döblins Vorlage zu vermitteln.
Es handelt sich um eine medienhistorische und vergleichende Analyse, die medientheoretische Ansätze (u.a. Luhmann, Adorno, Rajewsky) nutzt, um die Unterschiede zwischen literarischen, auditiven und audio-visuellen Adaptionen herauszuarbeiten.
Der Hauptteil analysiert detailliert den Roman selbst, die Hörspielfassung von 1930, Phil Jutzis Film von 1931 und Fassbinders 15-teiliges TV-Epos, wobei besonders auf die Inszenierung von Stadt, Mensch und Sprache eingegangen wird.
Schlüsselwörter sind unter anderem Intermedialität, Montage, Großstadterfahrung, Adaption, mediale Transformation und die Entsubjektivierung des Individuums im urbanen Raum.
Er ist eine psychologisch labile Figur, die versucht, sich in einer überfordernden urbanen Umgebung zurechtzufinden, wobei er oft zum Spielball medialer und gesellschaftlicher Einflüsse wird.
Während Jutzi die Dynamik der Großstadt durch schnelle Schnitte betont, fokussiert sich Fassbinder stärker auf die psychologische Innensicht der Figuren und nutzt Innenräume als Spiegel für die seelischen Zustände der Charaktere.
Es fungiert als zentrale Metapher für die Entmenschlichung des Individuums und die grausamen gesellschaftlichen Mechanismen, die den Menschen in der modernen Großstadt wie Vieh behandeln.
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