Diplomarbeit, 2004
102 Seiten, Note: 1,5
1 EINLEITUNG
2 AGGRESSION
2.1 Definitionen
2.2 Aggressionstheorien
2.2.1 Frustrations-Aggressions-Hypothese
2.2.2 Die Katharsis
2.2.3 Soziale Lerntheorie
3 SOZIALISATION UND IDENTITÄTSENTWICKLUNG: EINE GRUNDLAGE FÜR AGGRESSIVITÄT UND GEWALT?
3.1 Allgemeine Grundüberlegungen zur Identitätsentwicklung und Sozialisation
3.1.1 Sozialisation
3.1.2 Identität
3.2 Identitätsentwicklung und Sozialisation von jungen Migranten
3.2.1 Definition Migration
3.2.1 Lebensbedingungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
3.2.2 Das Sozialisationstheoretische Modell
3.2.3 Hemmende Faktoren in der Sozialisation und Identitätsentwicklung von Migranten
4 JUGEND, GEWALT UND MIGRATION
4.1 Entwicklung und Gründe von Jugendgewalt
4.1.1 Familie
4.1.2 Peer-group
4.1.3 Medien
4.1.4 Schule
4.2 Auftreten von Jugendgewalt in Deutschland
4.2.1 Hellfeldstudien
4.2.2 Erkenntnisse aus Dunkelfeldstudien
4.3 Ist Jugendgewalt männlich?
4.4 Gewalt und Migration
4.4.1 Auftreten von und Studien zur Gewaltdelinquenz von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
4.4.2 Erklärungstheorien
4.4.3 Einstellungen von Migrantenjugendlichen zur Gewalt
5 ENTWICKLUNG DER JUGENDGEWALT IN EUROPA
6 JUGENDGEWALT IN WEIL AM RHEIN
6.1 Strukturdaten
6.2 Einrichtungen mit Unterstützungsangeboten für Jugendliche in Weil am Rhein
6.3 Expertengespräch mit dem Jugendsachbearbeiter der Polizei Weil am Rhein
7 ZUSAMMENFASSUNG DER HYPOTHESEN
8 BEFRAGUNG VON MÄNNLICHEN JUGENDHAUSBESUCHERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND IN WEIL AM RHEIN
8.1 Beschreibung der Untersuchungsgruppe
8.2 Das Befragungsinstrument: Fragebogen
8.3 Operationalisierung der Thesen und die Herstellung des Fragebogens
8.3.1 Die einzelnen Fragen und die Operationalisierung der oben aufgestellten Hypothesen
8.4 Beschreibung der Durchführung der Befragung
8.5 Auswertung der Befragung
9 FOLGERUNGEN
9.1 Allgemeine sozialarbeiterische Möglichkeiten
9.2 Folgerungen für die Jugendarbeit in Weil am Rhein
10 ANHANG
10.1 Glossar
10.2 Fragebogen
10.3 Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Gewaltanwendung bei männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, wobei der Fokus auf Jugendhausbesuchern in Weil am Rhein liegt. Es wird analysiert, inwieweit Sozialisationsbedingungen, Männlichkeitsnormen und Migrationserfahrungen delinquentes Verhalten beeinflussen, um daraus Ansätze für die sozialarbeiterische Praxis abzuleiten.
2.1 Definitionen
Von dem lateinischen Verb ‚aggredere’ sich herleitend hat der Begriff ‚Aggression’ drei Bedeutungen: 1. herangehen (zu gewinnen suchen, zu bestechen suchen), 2. angreifen und 3. unternehmen (etwas angehen, beginnen). Daraus lassen sich zwei Aspekte der Aggression herausfiltern, nämlich der des „Auf-Jemanden-Zugehens, des Zupackens und Gewinnen-Wollens“ 1, aber auch der Aspekt eines direkten, unmittelbaren Angriffs.2
Daher ist, obwohl der Terminus ‚Aggression’ in Deutschland negativ-angreifend, in Zusammenhang mit Gewalt stehend besetzt ist3, auch eine positive Auslegung der Aggression bzw. der Aggressivität verbreitet: Beispielsweise wird in vielen Sportarten ein ‚aggressives Zweikampfverhalten’ positiv bewertet und gefördert. Es ist daher möglich, Aggression sowohl positiv als auch negativ zu sehen. Allerdings kann gerade diese positive Reaktion auf aggressives Verhalten im Sport eine Förderung des Aggressionspotentials in anderen gesellschaftlichen Bereichen darstellen.
1 EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die Fragestellung zur Gewaltanwendung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und erläutert die Struktur der Arbeit sowie die begriffliche Abgrenzung.
2 AGGRESSION: Dieses Kapitel definiert den Aggressionsbegriff und stellt wichtige Theorien wie die Frustrations-Aggressions-Hypothese, die Katharsis und die soziale Lerntheorie vor.
3 SOZIALISATION UND IDENTITÄTSENTWICKLUNG: EINE GRUNDLAGE FÜR AGGRESSIVITÄT UND GEWALT?: Es wird der Zusammenhang zwischen der Identitätsfindung und Sozialisationsprozessen untersucht, mit speziellem Blick auf die besondere Situation von jungen Migranten.
4 JUGEND, GEWALT UND MIGRATION: Das Kapitel analysiert Entwicklungsfaktoren von Jugendgewalt (Familie, Peers, Medien, Schule) und beleuchtet spezifische Aspekte von Migration und Gewaltdelinquenz.
5 ENTWICKLUNG DER JUGENDGEWALT IN EUROPA: Eine stichpunktartige Übersicht über die Entwicklung der Jugendgewalt in verschiedenen europäischen Ländern auf Basis einer Vergleichsstudie.
6 JUGENDGEWALT IN WEIL AM RHEIN: Eine fallbezogene Darstellung der Situation vor Ort, inklusive Strukturdaten, Unterstützungsangeboten und einer Experteneinschätzung der Polizei.
7 ZUSAMMENFASSUNG DER HYPOTHESEN: Hier werden die vorab aufgestellten Hypothesen zu Familieneinflüssen, Peer-Groups, sozioökonomischem Status, Männlichkeitsnormen und Aufenthaltsdauer zusammenfassend dargestellt.
8 BEFRAGUNG VON MÄNNLICHEN JUGENDHAUSBESUCHERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND IN WEIL AM RHEIN: Dieser Teil dokumentiert die empirische Untersuchung, von der Beschreibung der Zielgruppe und des Fragebogens bis zur Auswertung der Befragungsergebnisse.
9 FOLGERUNGEN: Abschließend werden sozialarbeiterische Interventionsmöglichkeiten diskutiert, sowohl allgemein als auch spezifisch für den Standort Weil am Rhein.
10 ANHANG: Enthält das Glossar, den verwendeten Fragebogen sowie das Literaturverzeichnis.
Jugendgewalt, Migrationshintergrund, Aggressionstheorie, Sozialisation, Identitätsentwicklung, Peer-Group, Männlichkeitsnormen, Delinquenz, Gewaltprävention, Jugendarbeit, Weil am Rhein, Dunkelfeldstudie, Opfererfahrungen, Erziehung, Migration.
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachen und Ausprägungen von Gewalteinstellungen und -erfahrungen bei männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund, insbesondere in der Stadt Weil am Rhein.
Zentrale Themen sind Aggressionstheorien, Sozialisationsbedingungen, der Einfluss von Peer-Groups und Medien, sowie die spezifischen Integrationsprobleme und Lebensbedingungen von jungen Migranten.
Ziel ist es, wissenschaftliche Erklärungsmodelle für Jugendgewalt auf die konkrete Situation von Migrantenjugendlichen anzuwenden und Ansätze für die sozialarbeiterische Praxis zu generieren.
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse zu Aggressions- und Sozialisationstheorien sowie auf eine empirische Befragung von 30 männlichen Jugendlichen in einem Jugendhaus mittels eines standardisierten Fragebogens.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Aggression und Sozialisation, eine Analyse von Jugendgewalt in Europa und Deutschland sowie die spezifische Untersuchungssituation in Weil am Rhein.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Jugendgewalt, Migrationshintergrund, Sozialisation, Identitätsentwicklung, Männlichkeitsnormen und Gewaltprävention beschreiben.
Weil am Rhein nimmt in der Region eine herausragende Position bei registrierten Gewalttaten ein, wobei laut Polizei zwar keine festen Gang-Strukturen existieren, aber ein bekannter Personenkreis von Gewalttätern mit hohem Migrationsanteil auffällig ist.
Die Befragung zeigt, dass elterliche Gewalt in der Kindheit für die Jugendhausbesucher ein weit verbreitetes Phänomen ist, wobei ein signifikanter Zusammenhang zwischen solchen Gewalterfahrungen und späterem eigenem delinquentem Verhalten besteht.
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