Diplomarbeit, 1995
133 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
Einleitung
1. Geschichtlicher Abriss Schwarzafrikas
2. Kenia
2.1 Land und Leute
2.2 Ökologie und Lebensraum
2.3 Bevölkerung
2.3.1 Der Viel-Völker-Staat Kenia
2.3.2 Die Frauen Kenias
2.3.3 Land-Stadt-Mensch
2.4 Politik und Staat
2.5 Ökonomie
2.6 Gesundheitswesen
2.7 Bildungswesen
2.7.1 Traditionelle afrikanische Erziehung
2.8 Religion
2.9 Fazit
3. Gesellschaftsstrukturen und Weltanschauung - Tradition und Gegenwart
3.1 Afrikanisches Zeitverständnis
3.2 Traditionelle Weltanschauung
3.3 Verwandtschaftliche Beziehungsgeflechte und ihre immanente Solidarität
3.4 Heutige Situation
3.5 Fazit
4. Entwicklungshilfe als Lösungsbeitrag der sogenannten Ersten Welt
4.1 Definition: Entwicklungsland und Entwicklungshilfe
4.2 Die Bedeutung westlicher Werte und Normen
4.2.1 Modernisierung- und Dependenztheorien der Entwicklungsforschung
4.3 Formen der Entwicklungshilfe
4.4 Entwicklungshilfe und Sozialpädagogik
4.4.1 Verwandtschaft von Zielen und Methoden
4.4.2 Bedarf an Experten sozialpädagogischer Arbeit am Beispiel des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED)
4.5 Fazit
5. Entwicklungshandeln am Beispiel der Community Development in Kenia
5.1 Bedeutung der Partizipation für entwicklungsfördernde Projekte
5.2 Community Development in Kenia
5.2.1 Definition: Community (Gemeinwesen)
5.2.2 Die Rolle des CD-Arbeiters
5.2.3 Wirkungsfaktoren der CD-Arbeit
5.2.4 Die Strategie Community Development
5.2.5 Soziale Aktions- bzw. Phasenmodelle der Community Development
5.3 Fazit
6. Westlich geprägte Sozialpädagogik
6.1 Berufsbild- und Verständnis
6.2 Gesellschaftliche Funktion
6.3 Sozialpädagogisches Handeln
6.4 Verständnis der Gemeinwesenarbeit
6.4.1 Die Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip
6.4.2 Ordnungskriterien der Gemeinwesenarbeit
6.5 Fazit
7. Transfer sozialpädagogischen Handelns
7.1 Vergleich der Theorie und Arbeitsmittel kenianischer CD und westlicher GWA
7.2 GWA bzw. CD im Kontext gesellschaftlicher und politischer Strukturen
7.3 Sozialpädagogisches Handeln im Rahmen der Entwicklungshilfe
7.4 Der mögliche Beitrag sozialpädagogischen Handelns
Schlussbetrachtung
Die Diplomarbeit untersucht die Übertragbarkeit westlich geprägter sozialpädagogischer Prinzipien und Handlungsformen auf entwicklungspädagogische Arbeitsbereiche in Kenia, insbesondere im Kontext der Gemeinwesenarbeit (Community Development). Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Sozialpädagogen im Rahmen der Entwicklungshilfe eine Rolle einnehmen können, die soziokulturelle Gegebenheiten respektiert, statt auf einem eurozentrischen Transfer zu beharren.
1. Geschichtlicher Abriss Schwarzafrikas
Aufgrund eigener Erfahrungen durch mehrmalige längere Reisen in mehrere transaharische Länder neben Kenia, halte ich es für notwendig, die Geschichte Schwarzafrika kurz vorzustellen. Sie ist bei weitem nicht einheitlich verlaufen. Doch die einschneidenden Erfahrungen des Kolonialismus eint sie. Unabhängig von der jeweiligen Kolonialmacht, wie z.B. England im heutigen Kenia oder Deutschland in Tansania, resultiert ein Bild von dem Wasungu (Weißer), welches das ganze Spektrum von allzu kritikloser Bewunderung bishin blanken Hass umfasst. Alleine schon die Tatsache, das noch viele der Menschen, welche die Zeit vor der jeweiligen Unabhängigkeit ihres von westlichen Mächten geschaffenen Staaten erlitten, noch leben, macht m.E. eine zumindest allgemeine Kenntnis dieser gemeinsamen, afrikanisch-europäischen Geschichte notwendig.
Der vorliegende Abriss, einer in wenigen Seiten nicht einzugrenzenden Geschichte (in Afrika leben je nach Klassifikation 1000 - 1500 Völker in 46 Staaten), konzentriert sich nach einer kurzen Beschreibung des präkolonialen Afrika bzw. Schwarzafrika auf die Zeit, in der die schwarzafrikanische Geschichte vornehmlich vom Tun und Lassen europäischer Staaten geprägt und beeinflusst wurde. Dies erscheint mir wichtig, da ein Gros der Eindrücke und Einstellungen, auf die man in europäischen Breitengraden trifft, in dieser Zeit ihre Wurzeln haben.
Von Charles Darwin vermutet, von der Wissenschaft Archäologie nachgewiesen: "Der Mensch wurde in Afrika geboren" (Michler 1991, S. 77). Afrika kann jedoch nicht alleine auf den ältesten Fund unserer Vorfahren in der Olduwei-Schlucht des heutigen Tansania (datiert auf 2,5 Millionen Jahre) verweisen. Es blickt auf eine Geschichte und Kulturentwicklung von mehr als 3000 Jahren zurück (vgl. Büttner, 1985; Michler, 1991, S. 81). Vor der zu erleidenden Versklavung ganzer Generationen und der folgenden Aufteilung dieses Kontinents in europäische Kolonien, gab es nachweißlich mindestens 100 afrikanische Reiche, die, politisch organisiert, als Staatswesen zu betrachten sind. Charakteristisch für die meisten dieser Reiche war, dass diese es zu Wohlstand, militärischer Stärke und der Hervorbringung von Kunstwerken gebracht hatten.
1. Geschichtlicher Abriss Schwarzafrikas: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die gemeinsame afrikanisch-europäische Geschichte, die stark durch den Kolonialismus geprägt wurde und heutige Einstellungen beeinflusst.
2. Kenia: Hier werden die geografischen, sozialen und demografischen Gegebenheiten Kenias dargelegt, einschließlich der Rolle der Frau und der ethnischen Vielfalt.
3. Gesellschaftsstrukturen und Weltanschauung - Tradition und Gegenwart: Das Kapitel erläutert traditionelle afrikanische Konzepte wie Zeitverständnis, Verwandtschaftsgeflechte und Solidarität sowie deren Konfrontation mit der Moderne.
4. Entwicklungshilfe als Lösungsbeitrag der sogenannten Ersten Welt: Es wird die westlich geprägte Definition von Entwicklungshilfe und deren Paradigmen kritisch analysiert, inklusive einer Darstellung der Modernisierungs- und Dependenztheorien.
5. Entwicklungshandeln am Beispiel der Community Development in Kenia: Der Fokus liegt auf der praktischen Anwendung von Community Development, der Bedeutung von Partizipation und den verschiedenen Aktionsmodellen der CD-Arbeit.
6. Westlich geprägte Sozialpädagogik: Dieses Kapitel definiert das Berufsbild und die gesellschaftliche Funktion der Sozialpädagogik sowie die theoretischen Grundlagen der Gemeinwesenarbeit (GWA).
7. Transfer sozialpädagogischen Handelns: Den Abschluss bildet die Synthese, in der der Transfer sozialpädagogischer Handlungsmöglichkeiten auf das kenianische Arbeitsfeld unter Berücksichtigung der unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen diskutiert wird.
Sozialpädagogik, Community Development, Gemeinwesenarbeit, Kenia, Entwicklungshilfe, Partizipation, Afrikanische Gesellschaft, Tradition, Kolonialismus, Solidarität, Soziale Aktion, Transfer, Modernisierungstheorie, Dependenztheorie, Lebenswelt.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Übertragbarkeit westlicher sozialpädagogischer Ansätze, speziell der Gemeinwesenarbeit, auf entwicklungspädagogische Projekte in Kenia.
Zentrale Felder sind die afrikanischen Gesellschaftsstrukturen, die historische Aufarbeitung des Kolonialismus, Theorien der Entwicklungshilfe sowie die Methoden und Praxis von Community Development.
Das Ziel ist es, den potenziellen Beitrag von Sozialpädagogen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit kritisch zu beleuchten und Möglichkeiten für eine effektivere, soziokulturell angepasste Arbeitsweise aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung und Literaturanalyse, ergänzt durch die Verknüpfung von sozialpädagogischen Fachdiskursen mit entwicklungspolitischen Rahmenbedingungen.
Der Hauptteil analysiert die kenianischen Rahmenbedingungen, vergleicht westliche GWA-Konzepte mit lokaler Community Development Praxis und untersucht die Rolle der Fachkräfte als Change Agents.
Wichtige Begriffe sind Sozialpädagogik, Community Development, Partizipation, Solidarität und der soziokulturelle Kontext Schwarzafrikas.
Die Arbeit betont, dass lokale Führungspersonen bei Entwicklungsprojekten oft übergangen werden, obwohl ihre Einbindung für die Akzeptanz und den Erfolg von Innovationen entscheidend ist.
Harambee steht für das Potenzial gemeinschaftlichen Handelns in Kenia und dient als Beispiel für traditionell verankerte Selbsthilfe, die von Entwicklungsprojekten aufgegriffen werden sollte.
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