Diplomarbeit, 2006
115 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
2. Begriffsklärungen und Theoretische Grundlagen
2.1. Subkultur
2.2 Gewalt
2.2.1 Definition physische Gewalt
2.2.2 Definition strukturelle Gewalt
2.3 Ausdifferenzierung der Fußballfanszene
2.4 Hooligan/Hooliganismus
2.4.1 Ursprung des Wortes
2.4.2 Geschichte des Hooliganismus
2.4.3 Definition Hooligan/Hooliganismus
2.4.4 Gewalt im Zusammenhang mit Hooliganismus
3. Ursachen für Hooliganismus
3.1 Die Frage nach dem Warum
3.2 Die Rolle der Medien
3.3 Die Polizei als Aggressor
4. Spezifische Merkmale und Verhaltensweisen der Hooligansubkultur
4.1 Identifikation mit dem Verein
4.2 Äußerliche Erscheinung
4.3 Ehrenkodex
4.4 Solidarität und Anerkennung
4.5 Konsum von Alkohol und Drogen
5. Rechtliche Grundlagen zu diesem Thema
5.1 Deutschland
5.1.1 Nationales Konzept Sport und Sicherheit
5.1.2 Richtlinien des Deutschen Fußballbundes
5.1.2.1 Stadionverbote
5.1.2.2 Ordnungsdienst
5.1.3 Gewalttäter Sport Datei
5.2 Österreich
5.2.1 Stadionverbote
5.2.2 Sicherheitspolizeigesetz
6. Sozialarbeit mit Fußballfans und Hooligans in Deutschland
6.1 Fanprojekte
6.1.1 Geschichte der Fanprojekte
6.1.2 Was sind Fanprojekte
6.1.3 Ziele der Fanprojekte
6.1.4 Arbeitsweise von Fanprojekten
6.1.4.1 Freizeitpädagogische Arbeit
6.1.4.2 Aufsuchende Arbeit
6.1.5 Personelle Ausstattung von Fanprojekten
6.1.6 Fanprojekt Berlin
7. Sozialarbeit mit Fußballfans und Hooligans in Österreich
7.1 Geschichte von Streetwork Wien
7.1.1 Zielgruppe
7.1.2 Streetwork als Methode
7.2 Vereine
7.2.1 Fankoordinator
8. Vergleich Österreich/Deutschland
9. Empirischer Teil
9.1 Hintergründe, Hypothesen und empirische Herangehensweisen
9.1.1 Hypothesen
9.1.2 empirische Herangehensweisen
9.1.2.1 Auswahl der InterviewpartnerInnen
9.1.2.2 Interviewleitfaden
9.2 Forschungsergebnisse
9.2.1 Sozialisation/Ausbildung
9.2.2 Trinkverhalten
9.2.3 politische Orientierung von gewaltbereiten Fußballfans
9.2.4 Auftreten der Polizei im Rahmen eines Fußballspiels
10. Resümee
11. Schlussbemerkung
12 Abstract
12.1 Deutsch
12.2 English
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und den Bedarf sozialarbeiterischer Interventionen bei gewaltbereiten männlichen Fußballfans. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche soziologischen und situativen Faktoren – wie Sozialisation, Alkoholkonsum, politische Orientierung und polizeiliches Auftreten – ursächlich für Gewalt bei Fußballspielen sind und wie eine präventive sozialpädagogische Betreuung, nach deutschem Vorbild, in Österreich implementiert werden kann.
3.3 Die Polizei als Aggressor
Strafverfolgung und Gefahrenabwehr sind die klar definierten Aufgaben der Polizei. Dies sind ihre Pflichent und ihr gesellschaftlicher Auftrag. Seit den Ausschreitungen von Brüssel 1985 versteht die Polizei unter anderem Folgendes darunter in Fußballstadien:
An Treffpunkten der Fans eine deutliche Präsenz
Die Fangruppen müssen vom und zum Stadion begleitet werden
Fanbusse müssen Durchsucht werden
zivile wie auch uniformierte Polizisten begleiten die Fans bei Auswärtsfahrten
Videoüberwachung im Fanblock
Stadionverbote werden ausgesprochen
Der Einsatz von Gummiknüppeln und Reizgas, sowie das Bereitstellen von Wasserwerfern
Anlegen so genannter Fandateien
Diese übermäßig stark repressiven Maßnahmen standen sehr schnell in der Kritik. Gunter A. Pilz findet, dass durch den vermehrten Einsatz und das Eingreifen der Polizei bei Auseinandersetzungen zwischen Fans die Selbstregulierungsmechanismen der Fans verloren gehen. Es entwickeln sich brutalere Auseinandersetzungen beim Kampf Mann gegen Mann und der Einsatz von Distanzwaffen geht verloren.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Sozialarbeit mit gewaltbereiten Fußballfans ein und begründet den Vergleich zwischen der Tradition der Fanprojekte in Deutschland und der Streetwork-Methodik in Österreich.
2. Begriffsklärungen und Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Subkultur und Gewalt und erarbeitet den theoretischen Hintergrund von Hooliganismus, insbesondere unter Berücksichtigung der Theorie der Subkultur der Gewalt.
3. Ursachen für Hooliganismus: Hier werden die Beweggründe für Gewalt im Stadionkontext beleuchtet, wobei die Rolle der Medien und die wahrgenommene Provokation durch die Polizei analysiert werden.
4. Spezifische Merkmale und Verhaltensweisen der Hooligansubkultur: Der Abschnitt beschreibt die Identifikation mit dem Verein, äußere Erkennungsmerkmale, den Ehrenkodex unter Hooligans sowie die Rolle von Solidarität und Alkoholkonsum.
5. Rechtliche Grundlagen zu diesem Thema: Es erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Sicherheitsrichtlinien für Fußballspiele in Deutschland und Österreich, inklusive Stadionverboten und polizeilicher Erfassungssysteme.
6. Sozialarbeit mit Fußballfans und Hooligans in Deutschland: Das Kapitel erläutert die Entstehung, die Ziele und die Arbeitsweise deutscher Fanprojekte als präventive Maßnahme der Jugendhilfe.
7. Sozialarbeit mit Fußballfans und Hooligans in Österreich: Fokus auf die historische Entwicklung des Streetwork-Ansatzes in Wien und die Zusammenarbeit mit Fußballvereinen.
8. Vergleich Österreich/Deutschland: Ein direkter Vergleich der sozio-politischen Positionierung der Sozialarbeit in beiden Ländern und der daraus resultierenden Konzepte zur Fanbetreuung.
9. Empirischer Teil: Die Arbeit präsentiert die Ergebnisse qualitativer Interviews zur Sozialisation, zum Trinkverhalten, zur politischen Orientierung und zum polizeilichen Auftreten bei Fußballspielen.
10. Resümee: Eine Zusammenfassung der Ergebnisse, in der die Notwendigkeit einer institutionalisierten Fanarbeit in Österreich zur präventiven Gewaltminderung betont wird.
Sozialarbeit, Fußballfans, Hooliganismus, Fanprojekt, Streetwork, Gewaltprävention, Polizei, Stadionverbote, Subkultur der Gewalt, Alkoholkonsum, Fankultur, Deeskalation, Fanbetreuung, Jugendhilfe, Gewalt.
Die Diplomarbeit untersucht die Anwendung sozialarbeiterischer Methoden bei männlichen gewaltbereiten Fußballfans und beleuchtet die Notwendigkeit solcher Projekte vor dem Hintergrund der zunehmenden Kommerzialisierung und Sicherheitsmaßnahmen im Fußball.
Zu den Kernpunkten gehören die soziologische Analyse von Hooliganismus, die Rolle der Polizei bei der Eskalation oder Deeskalation von Konflikten, der Einfluss von Alkohol und die rechtliche Situation der Stadionverbote.
Das Ziel ist es, den Bedarf und die Rechtfertigung für eine explizite sozialarbeiterische Fanbetreuung in Österreich aufzuzeigen, indem die erfolgreichen Arbeitsmodelle der Fanprojekte in Deutschland als Vergleich herangezogen werden.
Der theoretische Teil basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, während der empirische Teil auf qualitativen Leitfadeninterviews mit zwei gewaltbereiten Fußballfans und einer erfahrenen Streetworkerin beruht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Hooligan-Strukturen und rechtlichen Grundlagen, eine detaillierte Beschreibung der Fanprojekt-Arbeit sowie eine empirische Auswertung der Interviews zu Sozialisation, Trinkverhalten und Polizei-Wahrnehmung.
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Sozialarbeit mit Fußballfans, Fanprojekt, Hooliganismus, Gewaltprävention und polizeiliches Auftreten definieren.
Die Befragten empfinden polizeiliche Maßnahmen, insbesondere bei Auswärtsspielen, oft als unverhältnismäßig massiv und provokant, was nach ihrer Ansicht eher zu Aggressionen führt als zur Beruhigung der Lage beiträgt.
Deutschland verfügt über eine langjährige, institutionalisierte Tradition von Fanprojekten mit staatlicher und vereinsseitiger Unterstützung, während in Österreich explizite präventive Sozialarbeit mit Fußballfans seit dem Ende des Streetwork-Projekts 1999 weitgehend fehlt.
Nein, sowohl die Interviews als auch die Expertin Mella Synek verdeutlichen, dass gewaltbereite Fußballfans aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen und keineswegs pauschal dem klassischen "Unterschicht-Klischee" oder einer bestimmten politischen Richtung zugeordnet werden können.
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