Diplomarbeit, 2005
148 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
1. Problemhintergrund
2. Fragestellung und Hypothesen
3. Begriffe und Abgrenzungen
II. Historische Hintergründe in Deutschland und Frankreich
1. Historische Hintergründe in Deutschland
1.1 Familienunterstützung im Kaiserreich
1.2 Familienkontroverse in der Weimarer Republik
1.3 Bevölkerungspolitik im Nationalsozialismus
1.4 Die Familie in der DDR und in der BRD
1.5 Familienpolitik von der Wende bis heute
2. Historische Hintergründe in Frankreich
2.1 Natalistischer Impetus im Ancien Régime und der I. Republik
2.2 Malthus Einfluss in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert
2.3 Sozialpatronage in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
2.4 Das familienpolitische Rahmengesetz von 1939
2.5 Moderne Familienpolitik im Wohlfahrtsstaat
3. Motive der Familienpolitik
3.1 Familienpolitik als Bevölkerungspolitik
3.2 Familienpolitik als Institutionenpolitik
3.3 Familienpolitik als Familienmitgliederpolitik
4. Zusammenfassung
III. Demografische Tendenzen in Deutschland und Frankreich
1. Demografische Tendenzen in Deutschland
1.1 Geburtenrückgang
1.2 Alterung der Gesellschaft
1.3 Kinderlosigkeit
1.4 Bevölkerungsvorausberechnungen
1.5 Konsequenzen der demografischen Trends in Deutschland
2. Demografische Tendenzen in Frankreich
2.1 Gründe der hohen Geburtenrate in Frankreich
3. Zusammenfassung
IV. Lebensformen im Wandel
1. Einleitung
2. Einstellungen und Werte
3. Individualisierung
4. Pluralisierung
5. Funktionsverlust der Familie
6. Alleinerziehende Eltern
7. Individuelle Entscheidungsmotive für oder gegen Kinder
7.1 Motive gegen Kinder
7.2 Motive für Kinder
8. Zusammenfassung
V. Ein Vergleich Deutschlands und Frankreichs
1. Familienpolitische Instrumente und Akteure
1.1 Deutschland
1.2 Frankreich
2. Was kosten Kinder?
3. Wer erzieht die Kinder?
4. Familienlastenausgleich
4.1 Kindergeld
4.1.1 Kindergeld in Deutschland
4.1.2 Kindergeld in Frankreich
4.2 Mutterschutz
4.2.1 Mutterschutz in Deutschland
4.2.2 Mutterschutz in Frankreich
4.3 Erziehungsgeld und Elternzeit
4.3.1 Erziehungsgeld und Elternzeit in Deutschland
4.3.2 Erziehungsgeld und Elternzeit in Frankreich
4.4 Steuerliche Vergünstigungen
4.4.1 Ehegattensplitting in Deutschland
4.4.2 Familiensplitting in Frankreich
4.5 Sonstige Beihilfen in Frankreich
4.6 Zusammenfassung
5. Vereinbarkeit
5.1 Erwerbstätigkeit der Mütter
5.1.1 Erwerbstätigkeit der Mütter in Deutschland
5.1.2 Erwerbstätigkeit der Mütter in Frankreich
5.2 Kinderbetreuungsmöglichkeiten
5.2.1 Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Deutschland
5.2.2 Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Frankreich
6. Gleichberechtigung
6.1 Gleichberechtigung in Deutschland
6.2 Gleichberechtigung in Frankreich
7. Zusammenfassung
VI. Familienpolitik als Wahlkampfthema
1. Frankreich
2. Deutschland
VII. Zusammenfassung und Ausblick
VIII. Schluss
Diese Arbeit untersucht die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deutschen und französischen Familienpolitik, um zu ergründen, warum die Geburtenraten in beiden Ländern derart divergieren und welche staatlichen Instrumente die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den jeweiligen Gesellschaften beeinflussen.
1. Problemhintergrund
„Als junge Familie sollte man in Frankreich, als Rentner in der Bundesrepublik leben“ (SCHULTHEIS 1988, 21). In dieser und in anderen Aussagen werden, wie so oft im Alltag, relevante gesellschaftliche Erfahrungen und Wissensbestände mit einer augenzwinkernden Leichtigkeit und Treffsicherheit so sehr auf den Punkt gebracht, dass eine wissenschaftliche Erläuterung des Sachverhalts oft kaum von Nöten scheint. Überall kann man es in Deutschland in der Zeitung lesen: Der Spiegel ängstigt mit seiner Titelgeschichte „Der letzte Deutsche“ (vgl. BÖLSCHE, 5.1.2004), die Zeit ruft zehn Tage später die „Geburtenkrise“ aus – „Geburtenrate bei nur mehr 1,29“ (GASCHKE 15.1.2004, 3). Der Rheinische Merkur fordert seit jeher eine neue Bevölkerungspolitik (31.7.2001) und die FAZ widmete der „Demographischen Zeitbombe“ schon 2003 eine vierteilige Serie. Tatsächlich bildet die Bundesrepublik mit einer durchschnittlichen Geburtenrate von 1,29 Kindern pro Frau zusammen mit Italien, Spanien, Österreich und Griechenland das Schlusslicht in Europa. Das Familienministerium geht davon aus, dass von den 1965 geborenen Frauen im Westen Deutschlands voraussichtlich 31 Prozent und im Osten Deutschlands 26 Prozent der Frauen kinderlos bleiben werden. Bei den Akademikerinnen liegt die Anzahl der Kinderlosen mit 40 Prozent noch höher (vgl. BMFSFJ 2003b, 10 ff).
Dieser Bericht soll untersuchen, inwiefern familienpolitische Instrumente und Ziele, sozial und arbeitsmarktpolitische Regelungen sowie die Ausgestaltung der Kinderbetreuungseinrichtungen und des Schulsystems in der Bundesrepublik Deutschland geeignet sind, vor allem die Frauen bei dem Wunsch zu unterstützen, das Großziehen von Kindern und die eigene berufliche Aktivität unter einen Hut zu bringen. In diesem Zusammenhang wird ein direkter Vergleich mit dem Nachbarland Frankreich erbracht, denn Frankreich wird nicht zu Unrecht – und wie im Folgenden aufgezeigt werden soll – als „Pionier in der Familienpolitik“ betitelt. Frankreich ist Deutschlands engster Verbündeter in Europa. Dies ist das Ergebnis eines beispiellosen Prozesses jahrzehntelanger Annäherung, vorangetrieben auch durch die beiden Staatsmänner Mitterand und Kohl in den 90er Jahren.
I. Einleitung: Stellt den Problemhintergrund, die zentrale Fragestellung und die grundlegenden Begriffe der Familienpolitik dar.
II. Historische Hintergründe in Deutschland und Frankreich: Analysiert die unterschiedlichen historischen Traditionen und Motive der Familienpolitik in beiden Ländern von der Industrialisierung bis heute.
III. Demografische Tendenzen in Deutschland und Frankreich: Beleuchtet demografische Kennzahlen wie Geburtenrückgang, Alterung der Gesellschaft und Kinderlosigkeit im europäischen Kontext.
IV. Lebensformen im Wandel: Untersucht den gesellschaftlichen Wertewandel, die Pluralisierung von Lebensstilen und die Auswirkungen auf die Entscheidung für Kinder.
V. Ein Vergleich Deutschlands und Frankreichs: Führt einen detaillierten Vergleich der Instrumente, Akteure, Kosten, Kinderbetreuungsmöglichkeiten und steuerlichen Rahmenbedingungen durch.
VI. Familienpolitik als Wahlkampfthema: Diskutiert, wie Familienpolitik in den politischen Diskursen von Frankreich und Deutschland verhandelt wird.
VII. Zusammenfassung und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf notwendige Weiterentwicklungen für eine familienfreundlichere Zukunft.
Familienpolitik, Geburtenrate, demografischer Wandel, Kinderbetreuung, Vereinbarkeit, Erwerbstätigkeit, Deutschland, Frankreich, Institutionenpolitik, Sozialpolitik, Kinderlosigkeit, Lebensformen, Familienlastenausgleich, Gleichberechtigung, Wohlfahrtsstaat.
Die Arbeit analysiert die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der familienpolitischen Ansätze in Deutschland und Frankreich, um die divergenten Geburtenraten zu erklären und die Wirksamkeit familienpolitischer Maßnahmen zu bewerten.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Familienpolitik, demografische Trends, der Wandel von Lebensformen sowie ein direkter Vergleich familienpolitischer Instrumente wie Kinderbetreuung, finanzielle Transfers und steuerliche Vergünstigungen.
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche staatliche Rahmenbedingungen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinflussen und warum Frankreich in der Familienpolitik als Pionierland betrachtet wird.
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden, politikwissenschaftlichen Ansatz unter Einbeziehung soziologischer Theorien und der Auswertung statistischer Daten sowie aktueller Studien zum demografischen Wandel.
Der Hauptteil widmet sich einem detaillierten Vergleich der familienpolitischen Instrumente beider Staaten, beleuchtet die Kosten von Kindern, das Erziehungssystem, den Familienlastenausgleich und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Familienpolitik, Geburtenrate, demografischer Wandel, Vereinbarkeit, Erwerbstätigkeit und der Ländervergleich zwischen Deutschland und Frankreich stehen im Zentrum der Arbeit.
Frankreich hat eine wesentlich längere, historisch gewachsene Tradition in der Familienpolitik und verfolgt eine explizite, zentralstaatliche Strategie, die bereits frühzeitig Maßnahmen zur Geburtenförderung und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf implementierte.
Das deutsche Ehegattensplitting wird kritisch beleuchtet, da es eher die Versorger-Ehe fördert, während das französische Familiensplitting direkt kinderreiche Familien finanziell entlastet und somit die Geburt weiterer Kinder stärker unterstützt.
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