Examensarbeit, 2006
79 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Akzeptanzkriterien und Akzeptanzforschung
2.1 Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz
2.2 Wissenschaftliche Akzeptanzforschung
2.3 Technikakzeptanz und Technikfeindlichkeit
2.4 Abschließende Bemerkungen
3. Diskursanalyse in Anlehnung an Foucault
3.1 Die Beschreibung eines Diskurses
3.2 Das genealogische Prinzip
3.3 Abschließende Bemerkungen
4. Anwendungen der foucaultschen ‚Werkzeugkiste’
4.1 Der biopolitische Diskurs (Siegfried Jäger)
4.2 Der Abfalldiskurs (Reiner Keller)
4.3 Der Luftreinhaltungsdiskurs (Maarten Hajer)
4.4 Zusammenfassung
5. Analyse des Akzeptanzdiskurses der Windkraft
5.1 Die Auswahl des Korpus
5.2 Leitfaden zur Analyse
5.3 Diskursive Formationen im Windkraftstreit
5.3.1 Die Homepage des Bundesumweltministeriums
5.3.2 Die Webseiten der Bürgerinitiativen
5.3.3 Zusammenfassung und Vergleich
5.4 Die Verschränkung der Diskurse
5.4.1 Risiko- und Umweltwahrnehmung
5.4.2 Natur- und Technikwahrnehmung
5.4.3 Abschließende Bemerkungen
6. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Diskursanalyse nach Michel Foucault, wie das Bundesumweltministerium (BMU) und Bürgerinitiativen (BIs) über die Windkraft kommunizieren, um Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz zu erzeugen, und welche Machtstrukturen sowie strategischen Vorgehensweisen in ihren Internetauftritten erkennbar sind.
3.1 Die Beschreibung eines Diskurses
Ein Diskurs steht nach Foucault zwar in primären Beziehungen zu seiner Umwelt, dennoch stellt er eine durch diskursive Beziehungen verbundene Einheit dar. Die Basis für deren Beschreibung bilden zwei Diskursebenen: die Ebene der Aussagen und die Ebene der Formationsregeln. Beide Ebenen zusammen bilden eine diskursive Einheit, die sich von anderen diskursiven Einheiten oder nicht-diskursiven Beziehungen abgrenzt (s. Grafik 4 auf der folgenden Seite). Die Ebene der Aussagen ist die sichtbare Ebene, die „wahrgenommene, sprachlich verfaßte Realität“. (Diaz-Bone 2002: 89). Eine einzelne Aussage beschreibt Foucault als kleinstes Teilchen, als „Atom“.
„Beim ersten Blick erscheint die Aussage als ein letztes, unzerlegbares Element, das in sich selbst isoliert werden kann und in ein Spiel von Beziehungen mit anderen ihm ähnlichen Elementen eintreten kann. Ein Punkt ohne Oberfläche, der aber in Verteilungsplänen und spezifischen Formen von Gruppierungen ausgemacht werden kann. Ein Korn, das an der Oberfläche eines Gewebes auftaucht, dessen konstitutives Element es ist. Ein Atom des Diskurses.“ (Foucault 1973: 116f).
Eine Gruppe von Aussagen kann durch Form und Typ ihrer Verkettung bestimmt werden. Die Art der Verkettung kann zum Beispiel der verwandte Stil sein, den eine wissenschaftliche Disziplin zu einem Zeitpunkt anwendet (Foucault 1973: 54). Eine weitere Möglichkeit der Gruppierung der Aussagen ist die „Identität und Hartnäckigkeit“ der auftretenden Themen. In dem Diskurs der Biologie wäre dies z.B. die Thematik der Evolutionstheorie (Foucault 1973: 54). Eine Gruppe von Aussagen, die sich in einem bestimmten Diskursfeld befinden, gilt es nach Foucault zu beschreiben, um anschließend auf die Ebene der Formationsregeln schließen zu können.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung der Windenergie als regenerative Energieform ein und stellt die Fragestellung zur Akzeptanzproblematik sowie die methodische Vorgehensweise vor.
2. Akzeptanzkriterien und Akzeptanzforschung: Dieses Kapitel definiert Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz soziologisch und beleuchtet den Stand der wissenschaftlichen Forschung sowie das Phänomen der Technikakzeptanz.
3. Diskursanalyse in Anlehnung an Foucault: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Diskursanalyse nach Michel Foucault, insbesondere das Konzept der Diskursebenen und das genealogische Prinzip, dargelegt.
4. Anwendungen der foucaultschen ‚Werkzeugkiste’: Die Arbeit analysiert beispielhaft drei Ansätze zur Diskursanalyse im umweltbezogenen Kontext von Jäger, Keller und Hajer als methodische Inspiration.
5. Analyse des Akzeptanzdiskurses der Windkraft: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem die Internetauftritte von BMU und Bürgerinitiativen anhand der zuvor erarbeiteten Leitfäden ausgewertet und verglichen werden.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, wonach der Windkraftstreit als ein von strategischen Interessen geleitetes, wechselseitiges „Sprachspiel“ zwischen den Akteuren zu verstehen ist.
Windkraft, Akzeptanz, Diskursanalyse, Michel Foucault, Bundesumweltministerium, Bürgerinitiativen, Technikakzeptanz, Risiko, Naturverständnis, Internetauftritt, politische Kommunikation, Machtstrukturen, Argumentationsstrategien, Windenergieanlagen, soziale Konstruktion
Die Arbeit untersucht den öffentlichen Diskurs über die Windkraft in Deutschland, wobei die Internetauftritte von Befürwortern (Bundesumweltministerium) und Gegnern (Bürgerinitiativen) analysiert werden, um zu verstehen, wie Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz konstruiert wird.
Die zentralen Felder, in denen sich der Diskurs abspielt, sind Technik, Wirtschaft und Ästhetik/Landschaft.
Es wird untersucht, welche Argumente und strategischen Kommunikationsmittel die Kontrahenten nutzen, um ihre jeweilige Position durchzusetzen und Deutungsmacht über das Thema Windkraft zu erlangen.
Die Arbeit verwendet eine Diskursanalyse in Anlehnung an die theoretischen Ansätze von Michel Foucault, ergänzt durch methodische Anregungen von Siegfried Jäger, Reiner Keller und Maarten Hajer.
Im Hauptteil erfolgt die praktische Analyse der Korpusmaterialien (Homepages) von BMU und BIs, wobei die diskursiven Formationen, die Verwendung von Schlüsselthemen sowie die Verschränkung der Diskurse hinsichtlich Risiko- und Naturwahrnehmung untersucht werden.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Windkraft, Akzeptanz, Diskursanalyse, politische Kommunikation, Bürgerinitiativen und Technikakzeptanz.
Das Thomas-Theorem ("If men define situations as real, they are real in their consequences") erklärt, dass für den politischen Erfolg der Windkraft nicht zwingend objektive technische Fakten entscheidend sind, sondern wie die Bevölkerung und die Akteure die Situation interpretieren.
Der Hauptunterschied liegt in der Perspektive: Das BMU argumentiert national aus der Rolle eines globalen Akteurs für den wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt, während die BIs lokal aus der Betroffenheit ihrer Region für den Schutz der ursprünglichen Landschaft protestieren.
Visualisierungen wie Fotos, Montagen und Verbotszeichen dienen als distinktive Ausdrucksformen, die den Argumenten Nachdruck verleihen und gezielt Emotionen oder Assoziationen bei den Lesern auslösen sollen.
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