Examensarbeit, 2006
112 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Grundlegende terminologische und literaturhistorische Aspekte der Thematik
2.1 Terminologische Problematik
2.2 Das historische Ereignis – Formen der literarischen Überlieferung
2.3 Fiktionalität versus Historizität – die narrative Vergegenwärtigung des Holocaust
3 Theoretische Überlegungen zur Vermittlung des Themas „Holocaust“
3.1 Psychologische Erinnerungsbarrieren und deren Folgen für die erzieherische Arbeit
3.1.1 Der Umgang der Kinder mit dem Tod
3.2 Diskussion über psychische Voraussetzungen von Grundschulkindern für die Thematisierung des Holocaust oder „Ist Überforderung noch ein Argument?“
3.2.1 Piagets entwicklungstheoretisches Stufenmodell
3.2.2 Kritik an Piagets Stufenmodell
3.2.3 Ein Konsens und die Konsequenzen
3.3 Die Rolle der Pädagogik bei der Aufarbeitung des Holocaust
3.3.1 Zukunft braucht Vergangenheit: „Und was geht mich das an?“
3.3.2 Gegenwartsbezug: Aktuelle Ereignisse mit neonazistischem Hintergrund in der Öffentlichkeitsdarstellung
3.3.3 Spuren der Vergangenheit: Der Holocaust und die Kultur des Erinnerns
3.3.4 Im Spannungsfeld zwischen Perspektivlosigkeit und Hoffnung: Angemessene Darstellung historischer Realität und der Schutz der kindlichen Integrität
3.3.5 Erziehungsideale in der pädagogischen Diskussion: Die Forderung, „dass Auschwitz nicht noch einmal sei...“
4 Didaktisch-methodisches Vorgehen bei der Umsetzung im Unterricht
4.1 Lehrer- und Erzieherrolle bei der Vermittlung des Holocaust
4.2 Selbstreflexion der Lehrperson und die Rolle der Eltern
4.3 Wie sag ich es? Zur Vermeidung von Sprachlosigkeit
4.4 Unterrichtsgestaltung
5 Literaturtheoretische Betrachtungen
5.1. Kinder- und Jugendliteratur – Definition und Genese
5.1.1 Historische und definitorische Aspekte der Kinder- und Jugendliteratur
5.1.2 Fiktonale Kinder- und Jugendliteratur: eine Merkmalsbestimmung
5.1.3 Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur
5.2 Narrative Texte als Zugang zum Holocaust und das Dilemma der Ästhetisierung
5.2.1 Was ist Holocaustliteratur?
5.2.2 Wozu fiktionale Holocaustliteratur?
5.2.3 Identifikation durch fiktionale Holocaustliteratur: Möglichkeiten und Grenzen
5.3 Besondere Aspekte des Themas in der Kinder- und Jugendliteratur
5.3.1 Genese der Kinder- und Jugendliteratur über den Holocaust von der Nachkriegszeit bis heute
5.3.2 Zur Übersetzungsproblematik
5.3.3 Deutungen des Faschismus in Kinder- und Jugendbüchern
5.4 Beurteilungskriterien für die literarische Analyse von Kinder und Jugendbüchern nach Ernst Cloer
6 Narratologische Analyse des Jugendromans Lauf, Junge, lauf
6.1 Einleitende Informationen und formaler Aufbau des Buches
6.2 Autorenporträt
6.3 Aufbau und Bewertung nach Cloers Beurteilungsraster
6.3.1 Inhalt
6.3.2 Historischer Hintergrund
6.3.3 Faschismusverständnis
6.3.4 Literarische Gestaltung
6.3.4.1 Zum Titel des Buches
6.3.4.2 Erzählinstanz
6.3.4.3 Spannungsgestaltung
6.3.4.4 Zwischen Abenteuergeschichte und Zeitgeschichtlichem Roman
6.3.4.5 Erzählte Zeit – Erzählzeit: zwischen Stunden und Jahren
6.3.4.6 Erzählweise
6.3.4.7 Sprachprofil
6.3.5 Verknüpfung von Individual- und Gesellschaftsgeschichte
6.3.6 Handlungsfiguren
6.3.6.1 Entwicklung der Hauptfigur
6.3.6.2 Figurenkonstellationen
6.3.7 Adressaten
6.3.8 Kritische Würdigung / Beurteilung
6.3.9 Medien
7 Fachdidaktische Überlegungen und Vorschläge für die Umsetzung der Unterrichtseinheit im Deutschunterricht
7.1 Begründung für den Einsatz des Romans im Deutschunterricht
7.2 Wege eines gelungenen Einstiegs in den Roman
7.3 Textanalytisches Vorgehen
7.4 Produktionsorientierter Unterricht
7.5 Handlungsorientierter Unterricht
7.6 Legitimation der Thematik im Literaturunterricht durch den Lehrplan der Haupt- und Realschule des Hessischen Kultusministeriums
7.6.1 Der Literaturunterricht im Bildungsgang Realschule
7.6.2 Lernzielformulierung
8 Schlussbetrachtung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der Holocaust im Deutschunterricht der Grund- und frühen Sekundarstufe vermittelt werden kann, wobei der Fokus auf der narrativen Vermittlung durch fiktionale Literatur liegt. Dabei wird analysiert, wie trotz der historischen Distanz und der emotionalen Belastung eine sinnstiftende Auseinandersetzung mit dem Thema möglich ist, ohne die kindliche Integrität zu verletzen.
2.1 Terminologische Problematik
Es existieren viele Bezeichnungen für den Völkermord. In der Wahl eines jeden ist eine perspektivische Interpretation impliziert. Annegret Ehmann weist auf diese nicht immer bewussten Bedeutungszusammenhänge hin:
Die Schwierigkeiten der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen beginnen mit der Sprache. Die Begriffe und Metaphern, die wir wählen, um das historische Geschehen zu beschreiben, sagen etwas über das Verhältnis zu dieser Geschichte aus (Ehmann in Heyl 1997: 10).
Auch James E. Young betrachtet die terminologische Festlegung als wichtig und bestimmend:
Die Benennung ist einer der ersten hermeneutischen Schritte bei der Betrachtung eines Ereignisses. Sie prägt die Ereignisse und hält sie in der Erinnerung lebendig, während sie zugleich ein ganz bestimmtes Verständnis dieser Ereignisse bedingt (Young in Feuchert 2000: 7).
Der amerikanische Literaturwissenschaftler und Holocaust-Forscher bringt damit deutlich zum Ausdruck, dass bei einer bestimmten Begriffswahl, seien es die hierzulande gebräuchlichen Begriffe Holocaust und Schoah oder auch das Toponym Auschwitz, stets eine Konnotation mitschwingt.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Holocaust für heutige Schüler und betont die Notwendigkeit einer pädagogischen Vermittlung zur ethischen Erziehung und politischen Bildung.
2 Grundlegende terminologische und literaturhistorische Aspekte der Thematik: Dieses Kapitel klärt die Schwierigkeiten der Begriffsfindung für den Völkermord und untersucht die Funktion literarischer Texte bei der Erinnerungsarbeit.
3 Theoretische Überlegungen zur Vermittlung des Themas „Holocaust“: Es werden psychologische Barrieren beim Erinnern erörtert und diskutiert, wie mit Kindern altersgerecht über den Holocaust und den Tod gesprochen werden kann.
4 Didaktisch-methodisches Vorgehen bei der Umsetzung im Unterricht: Dieses Kapitel widmet sich der Rolle der Lehrperson, der Bedeutung der Selbstreflexion und der konkreten Gestaltung eines sensiblen Unterrichts.
5 Literaturtheoretische Betrachtungen: Hier werden Definitionen von Kinder- und Jugendliteratur diskutiert sowie die spezifische Rolle fiktionaler Holocaustliteratur und deren Identifikationspotenzial untersucht.
6 Narratologische Analyse des Jugendromans Lauf, Junge, lauf: Das Kapitel bietet eine detaillierte narratologische Untersuchung von Orlevs Roman basierend auf spezifischen Beurteilungskriterien.
7 Fachdidaktische Überlegungen und Vorschläge für die Umsetzung der Unterrichtseinheit im Deutschunterricht: Es werden konkrete methodische Vorschläge für den Unterrichtseinsatz des Romans unter Einbeziehung von Lehrplänen entwickelt.
8 Schlussbetrachtung und Ausblick: Die Schlussbetrachtung resümiert die Notwendigkeit, das Thema Holocaust im Unterricht zu behandeln und betont die pädagogische Verantwortung, dabei authentisch und reflektiert zu bleiben.
Holocaust, Nationalsozialismus, Kinder- und Jugendliteratur, Holocaustliteratur, Geschichtsunterricht, Pädagogik, Identifikation, Erinnerungskultur, Auschwitz, Fiktionalität, Didaktik, Antisemitismus, Gedenken, Lauf Junge lauf, Uri Orlev.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie der Holocaust als komplexes und belastendes Thema in der Kinder- und Jugendliteratur sowie im Deutschunterricht vermittelt werden kann.
Zu den Schwerpunkten gehören psychologische Voraussetzungen der Erinnerung, die didaktische Aufbereitung des Themas, literaturtheoretische Analysen von Holocaust-Literatur und die Rolle der Lehrperson.
Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Kinder und Jugendliche eine fundierte und reflektierte Auseinandersetzung mit dem Holocaust führen können, ohne von der Thematik überwältigt zu werden.
Die Arbeit stützt sich auf theoretische Reflexionen, psychologische und pädagogische Forschungsergebnisse sowie eine narratologische Textanalyse des Jugendromans „Lauf, Junge, lauf“.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Reflexionen zur Pädagogik, eine Analyse der Kriterien für Holocaust-Literatur und eine praktische narratologische Untersuchung eines konkreten Jugendromans.
Wichtige Begriffe sind Holocaust, Geschichtsdidaktik, Kinder- und Jugendliteratur, Erinnerungskultur, Identifikation und pädagogische Verantwortung.
Der Roman dient als konkretes Beispiel, um die Theorie der Holocaust-Literatur praktisch anzuwenden und die didaktischen Kriterien für eine gelungene Vermittlung im Unterricht zu erproben.
Die Verfasserin betont, dass Lehrkräfte sich ihrer eigenen familiären Vorbelastung und emotionalen Betroffenheit bewusst sein müssen, um authentisch und offen mit Schülern über den Holocaust zu sprechen.
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