Bachelorarbeit, 2007
43 Seiten, Note: sehr gut
I Einleitung
II Quellenkritik
II.1 Stand, Probleme und Tendenzen der gegenwärtigen Literatur
II.2 Methodische Probleme bei der Datenerhebung durch Interviews
II.3 Methodische Probleme bei der Datenerhebung durch Feldforschung
II.4 Abschluss Quellenkritik
III Freier als Kunden
III.1 Definition
III.2 Orte
III.3 Preise und Leistungen
III.4 Leistungen
IV Freier als soziales Phänomen
IV.1 Jedermann-Hypothese
IV.2 Freierzahlen
IV.3 Wissenstransfer
IV.4 Motive
IV.5 Freieridentität
V Freierforen im Internet
V.1 Inhalte
V.2 Fremdkörper in den Freierforen
V.3 Freierforen und Gruppenidentität
VI Schlussbemerkung
VII Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Freiers" aus einer ethnologischen Perspektive. Das primäre Ziel ist es, den Freier nicht nur als Akteur in einem Dienstleistungsmarkt zu verstehen, sondern auch die sozialen Dynamiken und die Identitätsbildung innerhalb dieser Gruppe zu beleuchten, wobei eine kritische Reflexion der methodischen Schwierigkeiten bei der Erforschung dieses tabuisierten Feldes im Mittelpunkt steht.
III.2 Orte
Oft taucht heterosexuelle Prostitution dort auf, wo sich viele Männer und keine oder nur sehr wenige Frauen aufhalten. Auf solche Orte bin ich vor allem am Anfang meiner Literaturrecherche gestoßen. Jedoch fand ich keine spezifische Untersuchung eines solchen Phänomens. Es sind nur Randbemerkungen, die Etablissements in der Umgebung von Kasernen oder entlang wichtiger Frachtverkehrsstrassen erwähnen. Der Arikel von Hanna Snellmann (1999)22 schildert das Phänomen Prostitution in einem entlegenen Holzabbaugebiet in Finnland, allerdings ohne auf die Freier im Detail einzugehen.
Die Etablissements, deren Freier genauer unter die Lupe genommen wurden, befinden sich fast ausschließlich in städtischen Ballungsgebieten. Dabei kann kategorisch unterschieden werden, zwischen dem Ort, an dem der Kontakt zwischen Freier und Prostituierter hergestellt wird und dem Ort, an dem die sexuellen Handlungen durchgeführt werden. Oft entsprechen beide Orte einander, dies ist jedoch nicht selbstverständlich.
Die Hydra-Studie (1991) trifft diese kategorische Unterscheidung nicht. Sie klassifiziert allgemein Prostitutionsarbeitsstätten23 nach folgendem Schema: Einmal gibt es Clubs/ Privatwohnungen. Das sind „kleine Wohnungen in normalen Wohnhäusern mit ein bis vier Zimmern, die zum Geschlechtsverkehr speziell eingerichtet sind [...]. Meistens sind hier nur wenige Frauen tätig“24. In solchen Clubs und Privatwohnungen kann der Kontakt hergestellt werden. Oft findet in diesem Fall die Kontaktaufnahme aber über Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften statt, auf die der Freier telefonisch reagiert. Dies ist auch der Grund, warum die von Hydra befragten Freier vorwiegend in diesen Bereichen der Prostitution aktiv sind: Sie lesen ohnehin entsprechende Anzeigen in den Printmedien und sind deshalb auch auf die Anzeige von Hydra gestoßen.
I Einleitung: Die Arbeit erläutert die dreiphasige Vorgehensweise bei der Untersuchung des Freiers, die von einer Literaturrecherche über Praxisbezug bis hin zur Analyse von Internetforen reicht.
II Quellenkritik: Es werden die methodischen Hürden und die Unterrepräsentation der Freier in der bestehenden wissenschaftlichen Literatur diskutiert, inklusive der Schwierigkeiten bei der Datenerhebung.
III Freier als Kunden: Dieses Kapitel definiert den Freier und analysiert den Markt sexueller Dienstleistungen unter Berücksichtigung von Orten, Preisgestaltung und den gefragten Leistungen.
IV Freier als soziales Phänomen: Hier werden die "Jedermann-Hypothese", statistische Schätzungen, der Wissenstransfer zwischen Freiern sowie Motive und Aspekte der Freieridentität behandelt.
V Freierforen im Internet: Die Untersuchung fokussiert auf virtuelle Treffpunkte, deren Inhalte, die Rolle von "Fremdkörpern" (wie Prostituierten oder Zuhältern) und die Bildung einer Gruppenidentität.
VI Schlussbemerkung: Der Autor reflektiert kritisch über die Grenzen der wissenschaftlichen Arbeitsweise bei der Untersuchung dieses schwer zugänglichen Feldes und plädiert für offenere Darstellungsformen.
VII Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Freier, Prostitution, Dienstleistungsmarkt, Internetforen, Ethnologie, Quellenkritik, Identität, Preismechanismen, Motive, Milieustudie, Sexualwissenschaft, soziale Phänomene, Kommunikation, Anonymität, Gruppenidentität.
Die Arbeit untersucht den Freier als Akteur im Kontext von Prostitution und beleuchtet sowohl ökonomische Aspekte als auch soziale und psychologische Identitätsmerkmale.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Quellenlage zur Prostitution, die Marktstrukturen (Preise/Orte/Leistungen), die Motivationen der Männer sowie die Rolle digitaler Foren.
Das Ziel ist es, den Freier aus der Forschungslücke zu holen und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Rolle der Kunden in der Prostitution zu ermöglichen.
Der Autor kombiniert Literaturanalyse mit einer explorativen Feldforschung, insbesondere durch die qualitative Auswertung von Internetforen und persönlichen Kontaktversuchen.
Der Hauptteil analysiert, wie Freier auf den Markt zugreifen, wie sie sich untereinander vernetzen und welche Strategien sie zur Bewahrung ihrer Anonymität und Identität entwickeln.
Zentrale Begriffe sind Freieridentität, Wissensübertragung durch "Learning by Doing", die Rolle des Internets und die Grenzen ethnologischer Datenerhebung.
Formelle Faktoren sind feste Preise für Standardleistungen, während informelle Faktoren wie Dringlichkeit, äußeres Erscheinungsbild, Alkoholpegel oder persönliche Beziehungen die Preisbildung maßgeblich beeinflussen können.
Das Internet fungiert als Plattform, auf der Freier erstmals eine kollektive Identität und ein Bewusstsein ihrer Gemeinschaft entwickeln können, abseits der direkten Kontrolle oder stigmatisierenden Beobachtung.
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