Diplomarbeit, 2004
76 Seiten, Note: Sehr Gut
1 Einleitung
2 Die geschichtliche Entwicklung des Gesundheitswesens und die Entstehung der Verbände
2.1 Die Ursprünge des Verbandswesens zu Beginn des 20. Jahrhunderts
2.2 Das erste Krankenversicherungsgesetz
2.3 Der Leipziger Verband entsteht
2.4 Reichsversicherungsordnung
2.5 I. Weltkrieg und Restauration
2.6 Weimarer Republik und Weltwirtschaftskrise
2.7 Notverordnung
2.8 Wachsender Einfluss der Nationalsozialisten
2.9 Nationalsozialismus
2.10 Nachkriegsperiode
2.10.1 Wiederaufbau des Verbandswesens
2.10.2 Einheitsversicherung
2.11 Das Verbandswesen in der jungen Bundesrepublik Deutschland
2.12 Der Gesundheitsmarkt heute
3 Die Gesundheitspolitik
3.1 Definition
3.2 Ziele der Gesundheitspolitik
4 Schwachstellen im Gesundheitsmarkt
4.1 Nulltarifmentalität der Nachfrageseite
4.2 Macht der Anbieter
4.2.1 Krankenhäuser
4.2.2 Ärzte
4.2.3 Pharmaindustrie
4.3 Strukturprobleme
4.3.1 Selbstverwaltung
4.3.2 Finanzierung und Versorgung
4.3.3 Sektorale Trennung
5 Interessenverbände und Akteure in der Gesundheitspolitik
5.1 Öffentlich rechtliche Interessenvertretung
5.1.1 Krankenkassen
5.1.2 Die kassenärztlichen/kassenzahnärztlichen Vereinigungen
5.1.3 Die Kammern der Heilberufe
5.2 Freie Interessenverbände
5.2.1 Apothekerverbände
5.2.2 Ärzteverbände
5.2.3 Krankenhausverbände
5.2.4 Pharmaverbände
5.2.5 Arbeitnehmerverbände
5.2.6 Sozialverbände
5.2.7 Patientenverbände
6 Lobbyarbeit
6.1 Grundlegende Definition
6.2 Gesellschaftliche Rolle der Lobbyarbeit
7 Einflussnahme
7.1 Voraussetzungen für eine effektive Einflussnahme
7.1.1 Mitgliederstärke
7.1.2 Finanzkraft
7.1.3 Organisationsfähigkeit, Zerreißfestigkeit und Konfliktfähigkeit
7.1.4 Privilegierte Machtchancen
7.1.5 Exklusive Informationen
7.2 Methoden der Einflussnahme
7.2.1 Verhandlungen
7.2.2 Überzeugungsarbeit
7.2.3 Druckausübung
7.3 Zielgruppen der Interessenvertreter im gesundheitspolitischen Entscheidungsprozess
7.3.1 Parteien
7.3.2 Parlament
7.3.3 Ministerialbürokratie
7.3.4 Der Bundeskanzler
7.3.5 Öffentliche Meinung
8 Interessenverbände, Staat und Gemeinwohl
8.1 Ältere Verbändeforschung - Verbändepluralismus
8.2 Neuere Verbändeforschung – Korporatismus
8.3 Transparenzstrategie
8.4 Verbände und Gemeinwohl
9 Abschließende Betrachtung
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Interessenverbänden im deutschen Gesundheitssystem und analysiert kritisch, inwieweit deren Lobbyarbeit das Patientenwohl beeinflusst und ob Partikularinteressen zulasten der Versichertengemeinschaft durchgesetzt werden.
4.2.3 Pharmaindustrie
Ca. 15.000 Pharmareferenten sorgen dafür, dass jeder Mediziner vom Studium bis zum Ruhestand eine „Rundumversorgung“ seitens der Pharmalobby erfährt; ein Mediziner wird durchschnittlich 170 Mal im Jahr besucht und beraten. Des Weiteren führt die Pharmaindustrie teilweise, wenn auch nicht offensichtlich, die ärztliche Fortbildung durch, für die eigentlich die KVen zuständig wären. Zwei Drittel der Veranstaltungen werden von der Pharmaindustrie durchgeführt und finanziert. Diese von der Pharmaindustrie organisierten Zirkeltreffen für Ärzte beeinflussen das Verschreibungsverhalten der Mediziner. So lud der englische Pharmariese SmithKleinBeecham 1998 hunderte Mediziner zu einem Wochenende in Paris ein. Durch solche Geschenke beeinflusst, ändert sich das Verschreibungsverhalten der Ärzte. Es ist festgestellt worden, dass sich bei einigen Ärzten die Verschreibungen von Medikamenten dieses Herstellers innerhalb eines Jahres verdreifachte.
Die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel waren im Jahr 2003 (23 Milliarden Euro) doppelt so hoch wie im Jahr 1990. Die Kassen geben seit Jahren mehr für Arzneimittel aus, als für die 120.000 niedergelassenen Mediziner. Ein 65 Jahre alter Patient nimmt im Durchschnitt täglich sechs verschiedene Arzneimittel zu sich. Alleine von 2001 auf 2002 steigerten sich die Kosten für Arzneimittel um 11,7%. Diese Kostensteigerung basiert nicht auf der Entwicklung neuer Medikamente - nur 15% der seit 1990 zugelassenen 1.000 Präparate enthalten neue Wirkstoffe - sondern darauf, dass alte Medikamente durch teurere Medikamente ersetzt wurden; angeblich zum Nutzen des Patienten. Gegen die Volkskrankheiten Herztod und Krebs ist noch kein Heilmittel gefunden ebenso wenig wie für Rheuma, Allergien, Demenzen oder Stoffwechselerkrankungen. Es gibt viele hochrangige Wissenschaftler, die von der Pharmaindustrie bezahlt werden, um mit Gutachten und Dissertationen einen gegenteiligen Eindruck zu vermitteln. Diese Praktiken sind schon seit Jahrzehnten bekannt und der Kranke zahlt indirekt die Rechnung, da die dafür aufgewendeten Summen natürlich auf die Medikamentenpreise aufgeschlagen werden.
1 Einleitung: Darstellung der Problemstellung und der kritischen Analyse des Einflusses von Interessenverbänden auf das deutsche Gesundheitssystem.
2 Die geschichtliche Entwicklung des Gesundheitswesens und die Entstehung der Verbände: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der sozialen Krankenversicherung und die Ausformung der heutigen Verbandsstrukturen.
3 Die Gesundheitspolitik: Definition des Begriffs Gesundheitspolitik und Erörterung der gesundheitspolitischen Ziele im Vergleich zwischen WHO-Standards und deutscher Gesetzgebung.
4 Schwachstellen im Gesundheitsmarkt: Analyse struktureller Probleme, wie der Nulltarifmentalität der Patienten und der Machtpositionen von Anbietern (Krankenhäuser, Ärzte, Pharmaindustrie).
5 Interessenverbände und Akteure in der Gesundheitspolitik: Systematische Kategorisierung von öffentlich-rechtlichen und freien Interessenverbänden im Gesundheitssektor.
6 Lobbyarbeit: Theoretische Definition des Begriffs Lobbyismus und Einordnung seiner gesellschaftlichen Rolle.
7 Einflussnahme: Untersuchung der Voraussetzungen und Methoden der Lobbyarbeit sowie Identifikation der primären Adressaten im Entscheidungsprozess.
8 Interessenverbände, Staat und Gemeinwohl: Auseinandersetzung mit Debatten zu Pluralismus, Korporatismus und dem Transparenzkonzept im Kontext des Gemeinwohlauftrags.
9 Abschließende Betrachtung: Zusammenfassendes Fazit zur kritischen Rolle der Interessenverbände und deren Einfluss auf das Patientenwohl im deutschen Gesundheitssystem.
Gesundheitspolitik, Interessenverbände, Lobbyismus, Patientenwohl, Krankenkassen, Ärzteschaft, Pharmaindustrie, Selbstverwaltung, Gesundheitsmarkt, Gemeinwohl, Korporatismus, Einflussnahme, Arzneimittelkosten, Sektorale Trennung, Sozialversicherung.
Die Diplomarbeit analysiert die Rolle von Interessenverbänden im deutschen Gesundheitssystem und deren Einfluss auf gesundheitspolitische Entscheidungen.
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entwicklung der Verbände, strukturelle Probleme des Gesundheitsmarktes, Methoden der Lobbyarbeit und das Spannungsfeld zwischen Partikularinteressen und dem Gemeinwohl.
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern Lobbyarbeit das Patientenwohl beeinflusst und ob diese im Sinne eines gerechten Gemeinwohls handelt.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte der Verbändeforschung mit historischen Entwicklungen und aktuellen Gegebenheiten im Gesundheitswesen verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Untersuchung von Markt-Schwachstellen, die Vorstellung verschiedener Akteure sowie die detaillierte Darstellung von Methoden und Zielgruppen der Lobbyarbeit.
Die wichtigsten Begriffe sind Gesundheitspolitik, Lobbyismus, Patientenwohl, Interessenverbände, Selbstverwaltung und Korporatismus.
Durch die Finanzierung von Fortbildungen und Zirkeltreffen sowie durch die Arbeit von Pharmareferenten nehmen die Unternehmen Einfluss auf das Verschreibungsverhalten, was zu höheren Arzneimittelkosten beiträgt.
Die Selbstverwaltung wird als anfällig für die Verfolgung von Partikularinteressen beschrieben, wobei die eigentlich intendierte Eigenkontrolle oft in Richtung "Selbstbedienungsläden" kippt.
Als Fazit stellt der Autor fest, dass die Transparenzstrategie aufgrund praktischer Realisierbarkeitsprobleme und mangelnder Eignung zur Verhinderung einseitiger Interessendurchsetzung nicht ausreicht.
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