Diplomarbeit, 2006
88 Seiten, Note: 2,0
1. Problemstellung
2. Gläubigerschutz
2.1. Institutioneller Gläubigerschutz durch Kapitalerhaltung
2.2. Gläubigerschutz durch Ausschüttungssperren
2.2.1. Die Bilanzaufgabe „Ausschüttungssperre“
2.2.2. Eigner-Gläubiger-Interessenkonflikt
2.2.3. Aussagegrenzen von Bilanzen und Finanzplanüberlegenheit
2.3. Gläubigerschutz durch Information
2.4. Gläubigerschutz durch Solvenztests
2.4.1. Der Solvenzbegriff nach US-amerikanischem Recht
2.4.1.1. Die Aufgabe des Konzeptes vom legal capital im RMBCA
2.4.1.2. Insolvency test
2.4.1.2.1. Equity insolvency test
2.4.1.2.2. Balance sheet test
2.4.1.3. Der Ausschüttungsbegriff nach dem Cal. Corp. Code
2.4.2. Der Solvenzbegriff nach europäischem und deutschem Recht
2.4.2.1. Der Reformprozess des europäischen Gesellschafts- und Kapitalerhaltungsrechts
2.4.2.2. Die Überprüfung der Solvenz nach dem „Rickford-Bericht“
2.4.2.3. Die deutschen Insolvenztatbestände nach der InsO
2.4.2.3.1. Die Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO)
2.4.2.3.2. Die Überschuldung (§ 19 InsO)
2.4.2.3.3. Die drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO)
3. Erfordernis einer bilanziellen Kapitalerhaltung?
3.1. Gründe für gesetzliche Kapitalerhaltungsregeln
3.1.1. Reduzierung der „financial agency“- Kosten
3.1.2. Verminderung negativer externer Effekte – eine Analyse der Anreizwirkungen der Kapitalerhaltung
3.2. Problematik stiller Reserven
3.3. Die Auswirkungen bilanzieller Wahlrechte auf den Gläubigerschutz
3.4. Funktionsfähigkeit des entziehbaren Gewinns zur Vermeidung von Unternehmensinsolvenzen
3.5. Fazit
4. Würdigung von Solvenztests als Alternative zum System der Kapitalerhaltung
4.1. Kritik an bestehenden US-amerikanischen Solvenztests
4.1.1. Bedeutung der Rechnungslegung im Rahmen der insolvency tests
4.1.2. Problem einer justiziablen Definition der equity insolvency
4.2. Kritik an den europäischen Reformvorschlägen
4.3. Bestehende Instrumente zur Solvenzeinschätzung in Deutschland
4.3.1. Nutzung von finanzplanorientierten Zahlungsgrößen – Kernstück der Prüfung eingetretener oder drohender Zahlungsunfähigkeit nach IDW PS 800
4.3.2. Statistische Jahresabschlussanalysen zur Früherkennung der Insolvenzgefahr
4.3.3. Prüfung der going concern-Prämisse
4.3.4. Bonitätsbeurteilung anhand von Ratings
4.4. Ausgestaltung eines „Gläubigerschutz-idealen“ Solvenztests
4.5. Fazit
5. Thesenförmige Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht vor dem Hintergrund eines effektiven Gläubigerschutzes, ob das traditionelle System der bilanziellen Kapitalerhaltung im deutschen Recht noch gerechtfertigt ist und ob Solvenztests eine adäquate Alternative darstellen können. Dabei wird die Wirksamkeit bereits etablierter Solvenztests in den USA sowie europäischer Reformvorschläge analysiert und deutschen Solvenzeinschätzungsinstrumenten gegenübergestellt, um zu beurteilen, welches Konzept den Gläubigerschutz besser gewährleisten kann.
2.2.2. Eigner-Gläubiger-Interessenkonflikt
Das Verhältnis zwischen Eigner und Gläubiger spielt im Rahmen einer zweckgerechten Gestaltung des Gläubigerschutzes eine wichtige Rolle. Aufgrund des nicht deckungsgleichen Interesses zwischen Gesellschafter und Gläubiger (Kreditgeber) und der Komplexität des Gläubigerschutzproblems bedient man sich der finanziellen Agency-Theorie, um sowohl diese komplexen Probleme zu reduzieren als auch die Grundstruktur des Gläubigerschutzes sichtbar zu machen.
Die divergierenden Zahlungsbemessungsinteressen zwischen Anteilseigner und Gläubiger äußern sich dadurch, dass Gläubiger an einem möglichst hohen Haftungskapital im Unternehmen interessiert sind, während die Anteilseigner vielmehr eine höhere Ausschüttung bevorzugen. Bei Kapitalgesellschaften mit Haftungsbegrenzung kommt erschwerend hinzu, dass Kapital durch Ausschüttungen an die Anteilseigner in den haftungsfreien Bereich übertragen werden kann.
Im Rahmen der Theorie fremdfinanzierungsbedingter Agency-Probleme sollen demnach solche Reichtumsverlagerungen von den Gläubigern an die Eigner erkannt und entsprechend verhindert werden. Wenn sich haftungsbeschränkte Unternehmen über Fremdmittel finanzieren, müssen Gewinnausschüttungen begrenzt werden, um die Aufnahme von zusätzlichem – gleichberechtigtem oder vorrangigem – Fremdkapital durch die Eigner mit anschließender Ausschüttung (fremdfinanzierte Ausschüttungen) zu verhindern. Unterbleibt in diesem Falle eine Ausschüttungsbegrenzung, so könnten die Eigner das Investitionsprogramm der Unternehmung ganz oder teilweise veräußern und es käme zu einer sog. liquidationsfinanzierten Ausschüttung, wenn die so erhaltenen Mittel ausgeschüttet werden.
1. Problemstellung: Die Arbeit beleuchtet die aktuelle Drucksituation des deutschen Kapitalschutzsystems durch europäische Reformen und die Diskussion über Solvenztests als Alternative zur bilanziellen Kapitalerhaltung.
2. Gläubigerschutz: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Mechanismen des Gläubigerschutzes, wie Kapitalerhaltung, Ausschüttungssperren und Information, sowie die Rolle von Solvenztests im US-amerikanischen und europäischen Recht.
3. Erfordernis einer bilanziellen Kapitalerhaltung?: Hier werden die theoretischen Begründungen für Kapitalerhaltungsregeln hinterfragt und die Problematik stiller Reserven sowie bilanzieller Wahlrechte kritisch diskutiert.
4. Würdigung von Solvenztests als Alternative zum System der Kapitalerhaltung: Dieses Kapitel bewertet die Wirksamkeit von Solvenztests, kritisiert bestehende Ansätze und untersucht deutsche Instrumente zur Solvenzeinschätzung im Hinblick auf deren Eignung als Alternative.
5. Thesenförmige Zusammenfassung: Die Arbeit endet mit einer pointierten, thesenartigen Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und einer abschließenden Einschätzung zur Beibehaltung der bilanziellen Kapitalerhaltung.
Gläubigerschutz, Kapitalerhaltung, Solvenztests, Ausschüttungssperre, Agency-Theorie, Insolvenzrecht, Rechnungslegung, Eigenkapital, Jahresabschluss, Fremdfinanzierung, Equity Insolvency Test, Balance Sheet Test, Insolvenzrisiko, Finanzplanung, Risikomanagement
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob das traditionelle deutsche System der bilanziellen Kapitalerhaltung im Zuge des europäischen Rechtsumbruchs noch zweckmäßig ist und ob Solvenztests als moderne Alternative zum Schutz von Gläubigern dienen können.
Zu den zentralen Themen gehören die Agency-Theorie zwischen Eignern und Gläubigern, die Analyse der Kapitalerhaltungsregeln, die Funktionsweise von US-amerikanischen Solvenztests (Equity Insolvency und Balance Sheet Test) sowie die Bewertung bestehender deutscher Instrumente zur Solvenzeinschätzung.
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob ein Festhalten an der bilanziellen Kapitalerhaltung durch den deutschen Gesetzgeber angesichts der Schwächen dieses Systems gerechtfertigt ist oder ob Solvenztests ein überlegenes Schutzkonzept bieten.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie eine rechtsvergleichende und ökonomische Analyse bestehender Konzepte und Instrumente, um deren Wirksamkeit für den Gläubigerschutz zu beurteilen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des aktuellen Kapitalschutzsystems, die Kritik an den US-amerikanischen Solvenztests, die Bewertung der deutschen Praxis (z.B. IDW PS 800) und den Versuch, ein theoretisch ideales Solvenzschutzmodell zu skizzieren.
Wesentliche Begriffe sind Kapitalerhaltung, Gläubigerschutz, Solvenztests, Agency-Probleme, Insolvenzgründe, Jahresabschluss und Finanzplanung.
Der Autor steht dieser Übertragung sehr skeptisch gegenüber, da die US-amerikanischen Tests unter einer vagen Definition der Equity Insolvency leiden und der deutschen Rechtspraxis die nötigen justiziablen Kriterien sowie explizite Handlungsanweisungen für eine vergleichbare Umsetzung fehlen.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass trotz der aufgezeigten Schwächen des traditionellen Systems an der bilanziellen Kapitalerhaltung festgehalten werden sollte, da die Alternativen (insbesondere Solvenztests) ebenfalls mit zu großen Unsicherheiten und Objektivierungsproblemen behaftet sind.
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