Examensarbeit, 2006
90 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Bestandaufnahme der Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund
2.1 Entwicklung der Schülerzahlen von 1970 bis 2004
2.2 Verteilung auf die Schularten
2.3 Verteilung nach Schulabschlüssen
2.4 Verteilung nach Geschlecht
2.5 Regionale und nationalitätenspezifische Unterschiede in der Bildungsbeteiligung
2.6 Schulleistungsvergleichsstudie PISA
2.6.1 Jugendliche aus Migrantenfamilien
2.6.2 Basiskompetenzen der Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund
2.6.3 Geschlechterunterschiede in Basiskompetenzen
2.6.4 Befunde zu den beiden größten Herkunftsgruppen bei der PISA-Studie 2003
2.6.4.1 Zugewanderte Jugendliche aus der ehemaligen Sowjetunion
2.6.4.2 In Deutschland geborene Jugendliche mit Eltern aus der Türkei
2.7 Schlussfolgerungen und Datenkritik
3 Erklärungsansätze für die Bildungsbenachteiligung
3.1 Soziokulturelle und sozioökonomische Faktoren
3.1.1 Das Einreisealter
3.1.2 Wohnort- und Lebensbedingungen der Migrantenfamilien
3.1.3 Sozioökonomischer Status und das Einkommen der Eltern
3.1.4 Bildungsstand der Eltern und kulturelles Kapital
3.1.5 Soziale Herkunft und Kompetenzerwerb
3.2 Bildungspolitische Faktoren
3.3 Schulsystemimmanente Faktoren
3.3.1 Das deutsche Bildungssystem – integrativ oder selektiv?
3.3.2 Institutionelle Diskriminierung
3.3.2.1 Die Einschulung
3.3.2.2 Überweisung auf eine Sonderschule für Lernbehinderte (SOLB)
3.3.2.3 Übergang in die Sekundarstufe
3.4 Sprache und Sprachkompetenz
3.5 Zusammenfassung
4 Anregungen für die Veränderung schulischer Angebotsstrukturen
4.1 Die Aufgabe der deutschen Schule
4.2 Fördermaßnahmen im Elementar-, Primar- und Sekundarbereich
4.2.1 Sprachliche Fördermaßnahmen
4.2.2 Außerschulische Fördermaßnahmen
5 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im selektiven deutschen Schulsystem, analysiert die Ursachen für deren im Durchschnitt schlechtere Schulleistungen und zeigt Ansätze für eine gelungene Integration auf.
1. Einleitung
Kadir Dağlar von der Föderation der türkischen Elternvereine in Düsseldorf beschreibt die Lage der deutschen Einwanderungsgesellschaft und zugleich den Bildungsnotstand der Migrantenkinder und –jugendlichen, den die PISA-Studie offenbart hat, mit diesen Worten "Wir Migranten fühlten uns all die Jahre oft wie Passagiere dritter Klasse auf einem Luxusdampfer und wir kämpften mühsam darum, von den unteren Decks nach oben zu gelangen. Heute müssen wir feststellen, dass das ganze Schiff ins Schlingern geraten ist. Nur gemeinsam können wir es wieder auf Kurs bringen" (Kabis, AID 2002).
Jahrelang wurde in der Bundesrepublik eine verfehlte Bildungspolitik mit einer halbherzigen Integrationspolitik durchgeführt. Nach der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse, die eine Herausforderung an die Bildungs- und an die Migrationspolitik sind, kam man in der Öffentlichkeit und in der Politik rasch zu dem Ergebnis, dass die Migrantenkinder schuld seien am katastrophalen deutschen Abschneiden. "Ohne Migranten würde Deutschland in der Bewertung einen Riesensprung machen: vom einundzwanzigsten auf den neunzehnten Rang" - so lautet der zynische Kommentar, den der Bildungsforscher Klaus Klemm auf einer Fachtagung der Forschungsstelle für Interkulturelle Studien in Köln formulierte (ebd.).
Tatsächlich haben die Migrantenjugendlichen in der PISA-Erhebung geringere Kompetenzwerte in allen Bereichen erzielt als die deutschen. Um die Ursachen des schlechten Abschneidens zu analysieren, wurde der Blick auf die Bildungspolitik und auf das deutsche Bildungssystem gerichtet, das wie die Integrationspolitik seit Jahren auf Inklusion statt Exklusion setzt (ebd.).
So stellt z.B. die Selektion am Ende der Grundschule bzw. der sechsten Klasse für die Migrantenkinder und –jugendlichen mit ungünstigen Eingangsvoraussetzungen eher eine Hürde dar. Die aktuelle Bildungspolitik gibt bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider keinen Anlass dafür, das Problem der Benachteiligung als gelöst zu betrachten. Die traditionelle, monolinguale und monokulturelle deutsche Schule hat sich den sprachlich-kulturellen Neuerungen nicht anpassen können.
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die prekäre Bildungssituation von Migrantenkindern, die durch PISA-Ergebnisse verdeutlicht wurde, und formuliert die zentrale Fragestellung nach den Ursachen und Integrationsmöglichkeiten im deutschen System.
2 Bestandaufnahme der Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund: In diesem Kapitel werden Bildungsbeteiligung und -erfolg anhand statistischer Daten und PISA-Ergebnisse differenziert nach Nationalität, Geschlecht und Herkunftsländern dargestellt.
3 Erklärungsansätze für die Bildungsbenachteiligung: Hier werden Ursachen untersucht, die von soziokulturellen und ökonomischen Faktoren bis hin zu institutioneller Diskriminierung im selektiven deutschen Bildungssystem reichen.
4 Anregungen für die Veränderung schulischer Angebotsstrukturen: Dieses Kapitel diskutiert Strategien für eine modernere Schule, insbesondere durch sprachliche und außerschulische Fördermaßnahmen, um Chancengerechtigkeit zu erreichen.
5 Ausblick: Der Ausblick fordert ein konsequentes Umdenken der bildungspolitischen Institutionen hin zu interkultureller Bildung und individueller Förderung für alle Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft.
Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, PISA-Studie, selektives Schulsystem, Sprachkompetenz, Chancengerechtigkeit, Integration, institutionelle Diskriminierung, sozioökonomischer Status, Fördermaßnahmen, interkulturelle Pädagogik, Sprachförderung, Zweisprachigkeit, Schulerfolg, Bildungspolitik.
Die Arbeit befasst sich mit der Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im selektiven deutschen Schulsystem und sucht nach Wegen, diese Bildungsungleichheiten abzubauen.
Zentrale Schwerpunkte sind die statistische Bestandaufnahme der Bildungssituation, die Analyse sozioökonomischer und systembedingter Erklärungsansätze für Bildungsmisserfolge sowie konkrete Anregungen zur strukturellen Verbesserung schulischer Angebote.
Das Ziel ist es, die Gründe für das schlechtere Abschneiden von Migrantenkindern aufzuzeigen und Möglichkeiten zu identifizieren, wie diese besser in die deutsche Bildungslandschaft integriert werden können, um ihre Teilhabechancen zu erhöhen.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung existierender statistischer Daten und wissenschaftlicher Studien (wie PISA, IGLU, BIJU) sowie die Analyse bildungspolitischer Diskurse und Ansätze der Migrationsforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte quantitative Bestandsaufnahme (Kapitel 2) und die systematische Untersuchung von Erklärungsfaktoren, wie familiäre Bedingungen und institutionelle Barrieren (Kapitel 3).
Wichtige Begriffe sind Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, PISA-Studie, selektives Schulsystem, Chancengerechtigkeit und interkulturelle Pädagogik.
Der Autor kritisiert die frühe Selektion nach der vierten bzw. sechsten Klasse scharf, da sie Kinder mit ungünstigen Startbedingungen benachteiligt und nicht ausreichend Zeit für individuelle Förderung lässt.
Die Lesekompetenz ist laut der Arbeit eine basale Voraussetzung für den Erfolg in fast allen Schulfächern; Defizite hier wirken sich kumulativ auf die gesamte Schullaufbahn und die Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe aus.
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