Diplomarbeit, 2003
136 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Jugend heute
2.1.1 Was ist los mit der Jugend?
2.1.2 Gesellschaftlicher Wandel und die Folgen für Jugendliche heute
2.1.3 Betrachtung der Lebensphase Jugend heute
2.1.4 Peergroup, Clique, Jugend(sub)kultur
2.2 Jugend und Sozialraum
2.2.1 Sozialraum und Lebenswelt – Zwei Begriffe, eine Richtung?
2.2.2 Zwei sozialökologische Modelle
2.2.3 Der Stadtteil als Sozialraum
3. Sozialräumliche Jugendarbeit im Stadtteil
3.1 „Zu Gast im Sozialraum“
3.1.1 Jugendliche Aneignung des Sozialraums
3.1.2 Der sozialräumliche Ansatz in der Jugendarbeit
3.2 Ansätze sozialräumlich orientierter Jugendarbeit im Stadtteil
3.2.1 Straßensozialarbeit und Mobile Jugendarbeit - „Streetwork im Stadtteil“
3.2.2 Offene Jugendarbeit im Stadtteil - „Stützpunkt und sicherer Hafen“
3.2.3 Cliquenorientierte Jugendarbeit
4. Überlegungen zu einer sozialraum- und stadtteilorientierten Jugendarbeit
4.1 Sozialräumliche Jugendarbeit im Stadtteil
4.1.1 Jugendarbeit in der Krise?
4.1.2 Die Konkurrenz zum Freizeitsektor
4.1.3 Mobilität – Ein bisher zu wenig beachteter Faktor sozialräumlicher Jugendarbeit?
4.1.4 Ausländische Jugendclique und sozialräumliche Jugendarbeit
4.2 Stadtteilorientierung in der sozialräumlichen Jugendarbeit
4.2.1 Öffentlichkeitsarbeit – Nicht nur Imagepflege
4.2.2 „Advokat und Vermittler“ – Den Konfliktlinien begegnen
4.2.3 Vernetzung und Kooperation
5. Ergänzende Überlegungen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von jugendlichen Cliquen, Jugend(sub)kulturen und dem Sozialraum innerhalb der Stadt, um Perspektiven für eine stadtteil- und sozialraumorientierte Jugendarbeit zu entwickeln. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, inwieweit Jugendliche sich Räume im Stadtteil aneignen, welche Konfliktlinien dabei entstehen und wie pädagogische Ansätze diesen Prozess unterstützen oder als Vermittler wirken können.
3.1.1 Jugendliche Aneignung des Sozialraums
Die Bedürfnisse von Jugendlichen nach räumlicher Exploration und eigenständiger Raumverfügung werden durch die „räumliche Verschlossenheit“ stark eingeschränkt. Becker, Eigenbrodt & May (1984b) sprechen von einem „Widerspruch zwischen der Funktionalisierung von Räumen unter Kapitalverwertungsgesichtspunkten … und den konkreten Reproduktionsinteressen von … Jugendlichen“ (ebd., S.28). Aber sind Jugendliche nur passive „Opfer“ dieser „strukturellen Gewalt“ (vgl. Grymer, 1981, S.4ff)? Jugendliche „eignen“ sich im Gegenzug nämlich auch ihre Umwelt an. Was aber beinhaltet diese Aneignung, was zeichnet sie für Jugendliche aus?
Deinet (1992) beschreibt den Aneignungsprozess als „schöpferische Leistung“ (ebd., S.54; vgl. Deinet, 2002, S.285), welcher sich besonders in der Umnutzung von Raumfunktion zeigt (vgl. Deinet, 1992, S.52). Unter Anlehnung an Leontjews Aneignungskonzept sind die subjektiv empfundenen Qualitäten des Raums (seine Möglichkeiten und Einschränkungen) gewichtiger als der materielle Raum selbst, das Kind bzw. der Jugendliche ist aktiver Gestalter und nicht nur passiver Empfänger (vgl. Deinet, 1992, S.26ff; 2001, S.119f; 2002, S.288f). Die Umwelt des Menschen wird als „eine mit einem Netz unsichtbarer … Bedeutung überzogene Welt“ (Harms, Preissing & Richtermeier, 1985, S.24) beschrieben. Zwischen Umwelt und Mensch besteht demnach ein dialektisches Verhältnis (vgl. Deinet, 2002, S.288ff). Dabei „präsentiert sich [die Umwelt] dem Menschen in wesentlichen Teilen als eine Welt, die bereits durch menschliche Tätigkeit geschaffen bzw. verändert wurde“ (Deinet, 1991, S.254; vgl. Deinet, 2002, S.289; Harms, Preissing & Richtermeier, 1985, S.10).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Situation der Jugend im gesellschaftlichen Wandel und stellt die forschungsleitende Frage nach der Rolle der Jugendarbeit in Bezug auf den Sozialraum.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die Lebensphase Jugend unter Berücksichtigung von gesellschaftlichem Wandel, Sozialraum- und Lebensweltkonzepten sowie sozialökologischen Modellen.
3. Sozialräumliche Jugendarbeit im Stadtteil: Hier werden theoretische Aspekte der Aneignung sowie spezifische methodische Ansätze (Streetwork, offene Jugendarbeit, cliquenorientierte Arbeit) detailliert erörtert.
4. Überlegungen zu einer sozialraum- und stadtteilorientierten Jugendarbeit: Dieses Kapitel diskutiert Herausforderungen wie die Krise der Jugendarbeit, Konkurrenz durch den Freizeitsektor, Mobilitätsfragen und die besondere Situation ausländischer Jugendlicher.
5. Ergänzende Überlegungen: Abschließend werden Strategien zur Weiterentwicklung der Arbeit diskutiert, insbesondere im Hinblick auf Sozialraumanalyse, Vernetzung und die Rolle der Jugendarbeit als Moderatorin.
Jugendforschung, Sozialraum, Stadtteilorientierung, Cliquenorientierte Jugendarbeit, Lebenswelt, Aneignung, Mobile Jugendarbeit, Streetwork, Freizeitsektor, Sozialisation, Ausländische Jugendliche, Mobilität, Sozialraumaneignung, Jugendkultur, Integration.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Bedeutung von Räumen für Jugendliche und untersucht, wie eine stadtteilorientierte soziale Arbeit auf die Bedürfnisse von Jugendlichen in Cliquen und Szenen reagieren kann.
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung des Sozialraumbegriffs, die Analyse jugendlichen Raumverhaltens und die methodische Ausgestaltung verschiedener Ansätze der Jugendarbeit.
Ziel ist es, das Verhältnis von Jugendliche, Clique und Sozialraum zu beleuchten und Kriterien für eine stadtteilorientierte Jugendarbeit zu definieren, die Jugendlichen bei der Konstruktion ihrer Lebenswelt unterstützt.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer, pädagogischer und sozialökologischer Fachdiskurse, ergänzt durch die Reflexion eigener praktischer Erfahrungen im Studium.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Jugendphase und Sozialraumkonzepte, eine Darstellung verschiedener Methoden der sozialräumlichen Jugendarbeit sowie eine kritische Reflexion über die Konkurrenz zum Freizeitsektor und spezielle Herausforderungen bei der Arbeit mit ausländischen Jugendlichen.
Zentrale Begriffe sind Sozialraum, Aneignung, Cliquenorientierung, Lebenswelt, Jugendkulturen und stadtteilorientierte Sozialarbeit.
Das Jugendhaus wird nicht als isolierte Einrichtung gesehen, sondern als Stützpunkt und "sicherer Hafen", der in ein stadtteilorientiertes Netz eingebunden sein muss, um den Jugendlichen bei der Aneignung ihrer Umwelt zu helfen.
Der Autor argumentiert gegen eine rein repressive "Befriedungspolitik" und plädiert stattdessen für eine parteiliche Arbeit, die den Jugendlichen hilft, Raumansprüche zu artikulieren, anstatt sie bloß in ein vorgefertigtes pädagogisches Raster zu pressen.
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