Diplomarbeit, 2006
129 Seiten, Note: 1,7
E. Einleitung
I. Überschuldungssituation privater Haushalte in Deutschland
1. Definitionen von Überschuldung
2. Quantität der Überschuldung
3. Merkmale überschuldeter Haushalte
4. Auslöser von Überschuldung
5. Zwischenfazit
II. Arbeitsfeld Schuldnerberatung
1. Formen von Schuldnerberatung
2. Definition des Arbeitsfeldes Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit
3. Gesetzliche Rahmenbedingungen nach Hartz IV
4. Finanzierung
5. Grundsätze der sozialen Schuldnerberatung
6. Zwischenfazit
III. Das Verbraucherinsolvenzverfahren
1. Entwicklung des Verbraucherinsolvenzverfahrens
2. Geplante Reform
3. Ablauf
3.1 Außergerichtlicher Einigungsversuch
3.2 Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
3.3 Eröffnung des vereinfachten Insolvenzverfahrens
3.4 Wohlverhaltensperiode
4. Insolvenzberatung als neues Arbeitsfeld der Schuldnerberatung
5. Zwischenfazit
IV. Wirkung von Schuldnerberatung
1. Aktuelle Notwendigkeit einer Wirkungsuntersuchung
2. Stand der sozialwissenschaftlichen Forschung
2.1 Effektivität der Insolvenzberatung in Bayern
2.2 Wirtschaftliche Einsparpotentiale durch Schuldnerberatung?
2.3 Empirische Studie zur Wirksamkeit
2.4 Wirksamkeit aus Klientenperspektive
3. Zwischenfazit
V. Die Befragung
1. Zielgruppe
2. Methode
3. Untersuchungsaufbau
3.1 Leitfaden
3.2 Kurzfragebogen
3.3 Tonbandaufzeichnung
3.4 Postskriptum
3.5 Transkription
3.6 Auswertung
VI. Die Auswertung
1. Interview mit Herrn A
1.1 Biographische Daten und Überschuldung
1.2 Interviewsituation und Interaktion
1.3 Inhaltliche Auswertung
2. Interview mit Herrn B
2.1 Biographische Daten und Überschuldung
2.2 Interviewsituation und Interaktion
2.3 Inhaltliche Auswertung
3. Interview mit Frau C
3.1 Biographische Daten und Überschuldung
3.2 Interviewsituation und Interaktion
3.3 Inhaltliche Auswertung
4. Themenbezogene Auswertung und Quervergleiche
4.1 Familie
4.2 Arbeitsmarkt
4.3 Beruf
4.4 Gesundheit
4.5 Kontakte und Freizeit
4.6 Zukunft
5. Zwischenfazit
S. Resümee
Die Diplomarbeit untersucht die Wirksamkeit von Schuldnerberatung und privaten Insolvenzverfahren aus der Perspektive der betroffenen Klienten. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie Schuldner die Wirkung des privaten Insolvenzverfahrens während der Wohlverhaltensperiode beurteilen und welche Veränderungen sie in ihrem Leben wahrnehmen.
1. Definitionen von Überschuldung
In der heutigen westlichen Welt, und somit auch in Deutschland, finanzieren die meisten Menschen kurz- oder langlebige Konsumgüter wie Autos, Handys, etc. durch die Aufnahme von Krediten oder zahlen die Hypotheken für ihr Einfamilienhaus ab. Dabei vertrauen sie auf ein konstant hohes Einkommen. Obwohl auch diese Menschen Schulden haben, wird hier nicht von Überschuldung, sondern von Verschuldung gesprochen. Diese Verschuldung ist unproblematisch, wenn genügend finanzieller Spielraum für die Rückzahlung vorhanden ist und vor der Kreditnahme unvorhersehbare Risiken miteinkalkuliert worden sind.
Von Überschuldung spricht man, wenn das Einkommen nicht mehr ausreicht um die fixen Lebensunterhaltungskosten sowie fällige Raten und Rechnungen zu bezahlen.
In der Insolvenzordnung heißt es in § 17 Abs. 2: „Der Schuldner ist zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Zahlungsunfähigkeit ist in der Regel anzunehmen, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat“.
I. Überschuldungssituation privater Haushalte in Deutschland: Ein Überblick über die aktuelle Überschuldungssituation in Deutschland sowie deren Definition und sozioökonomische Faktoren.
II. Arbeitsfeld Schuldnerberatung: Erläuterung verschiedener Formen der Schuldnerberatung sowie deren gesetzliche Rahmenbedingungen und Grundprinzipien.
III. Das Verbraucherinsolvenzverfahren: Detaillierte Darstellung des Ablaufs, der Entwicklung und der geplanten Reformen des Verbraucherinsolvenzverfahrens.
IV. Wirkung von Schuldnerberatung: Analyse des Forschungsstands zur Wirksamkeit von Schuldnerberatung und Begründung der Notwendigkeit einer Untersuchung aus Klientenperspektive.
V. Die Befragung: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, der Zielgruppenauswahl und des Aufbaus der qualitativen Interviews.
VI. Die Auswertung: Präsentation der Interviewergebnisse und deren themenbezogene Auswertung sowie Quervergleiche zwischen den Betroffenen.
Schuldnerberatung, Verbraucherinsolvenzverfahren, Überschuldung, Wohlverhaltensperiode, Restschuldbefreiung, Sozialarbeit, qualitative Sozialforschung, Insolvenzrecht, Klientenperspektive, Armut, soziale Ausgrenzung, Schuldenthematik, Haushaltssanierung, Prävention, Lebensqualität.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Situation überschuldeter Haushalte in Deutschland und der Rolle der sozialen Schuldnerberatung, insbesondere im Zusammenhang mit dem privaten Insolvenzverfahren.
Die Arbeit gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Überschuldungssituation und des Insolvenzrechts sowie einen empirischen Teil, der die subjektive Wahrnehmung betroffener Klienten untersucht.
Das Hauptforschungsinteresse liegt in der Beantwortung der Frage, wie betroffene Schuldner die Auswirkungen des privaten Insolvenzverfahrens während der Wohlverhaltensperiode beurteilen.
Es wurde die Methode der qualitativen Sozialforschung angewandt, konkret problemzentrierte Leitfadeninterviews mit drei überschuldeten Personen geführt und ausgewertet.
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen der Schuldnerberatung, den Ablauf des Insolvenzverfahrens, bestehende Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit und die eigene qualitative Interviewstudie.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schuldnerberatung, Verbraucherinsolvenzverfahren, Restschuldbefreiung und qualitative Wirkungsanalyse charakterisiert.
Die Interviews zeigen, dass die Benachrichtigung des Arbeitgebers durch den Treuhänder von den Betroffenen oft als unangenehm oder bedrohlich wahrgenommen wird, auch wenn dies in den untersuchten Fällen zu keinem Arbeitsplatzverlust führte.
Das Wohlbefinden ist zentral; alle Befragten berichten von einer deutlichen psychischen Entlastung und einer positiveren Zukunftsperspektive durch das Insolvenzverfahren, da der konstante Druck der Gläubigerforderungen wegfällt.
Die Autorin weist darauf hin, dass eine Verlängerung der Wohlverhaltensperiode und Einschränkungen des Vollstreckungsschutzes als soziale Rückschritte angesehen werden, die insbesondere einkommensschwache Gruppen treffen könnten.
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