Examensarbeit, 2006
99 Seiten, Note: 2,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1 Einleitung
2 Analyse ausgewählter Gedichtverfilmungen
2.1 Ernst Jandl – glauben und gestehen
2.2 Mascha Kaléko – Sozusagen grundlos vergnügt
2.3 Ingeborg Bachmann – Nach grauen Tagen
2.4 Kurt Tucholsky – Aus!
2.5 Erich Kästner – Kleines Solo
2.6 Hans Arp – Sophie
2.7 Else Lasker-Schüler – An den Ritter aus Gold
2.8 Heinrich Heine – Der Schiffbrüchige
2.9 Rainer Maria Rilke – Siehe, ich wußte, es sind
3 Filmanalyse
3.1 Kategorien
3.1.1 Kategorien der Gedichtverfilmungen
3.1.2 Kategorien der Analyse von Gedichtverfilmungen
4 Film im Unterricht
4.1 Medienkompetenz
4.1.1 Medienkompetenz als Projektaufgabe
4.2 Besonderheiten von AV-Medien
4.3 Film im Deutschunterricht
4.4 POEM als Beispiel
5 POEM im Unterricht
5.1 Lernziele
5.2 Phase 1: Gedichtanalyse
5.3 Phase 2: Filmanalyse
5.4 Phase 3: Produktion
5.5 Lernzielkontrolle
6 Zusammenfassung
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das mediale Phänomen der Lyrikverfilmung am Beispiel von Ralf Schmerbergs Film POEM (2003) zu analysieren und didaktische Begründungen für deren Einsatz im Deutschunterricht abzuleiten. Dabei steht die Untersuchung der Wechselbeziehung zwischen dem literarischen Text und der filmischen Umsetzung im Fokus, um die Besonderheiten und Potenziale für den Unterricht herauszuarbeiten.
2.1 Ernst Jandl – glauben und gestehen
ich glaube
daß meinem toten großvater anton
und meiner toten großmutter marie
und meiner toten mutter luise
und meinem toten vater viktor
und meinen toten vettern herbert und hans
und meinen toten onkeln und tanten
und meinem toten freund dietrich
und allen toten die ich lebendig gekannt habe
ich niemals irgendwo wieder begegnen werde
und
ich gestehe
daß irgend einem von ihnen
wie sehr ich ihn auch geliebt haben mochte
jemals irgendwo wieder zu begegnen
ich nicht den leisesten wunsch hege
(Jandl 1980, S. 104)
Der Clip zeigt Videoaufnahmen eines Amateurfilmers. Zu sehen sind Bilder eines Hochzeitsfestes: salbungsvolle Orgelmusik, alte und junge Menschen, das Brautpaar beim Fototermin, Tische voller Geschenke, überall Umarmungen, Küsschen und aufgeregt herumspringende Kinder - ein intelligenter, wirkungsvoller Kunstgriff, der die Brechung zwischen Wort und Bild perfekt macht, denn der Text des Gedichts passt so gar nicht zu der gezeigten Familien- und Hochzeitsidylle. Subversiv, mit einer zynischen Note, inszeniert Schmerberg Ernst Jandls „glauben und gestehen" und setzt bewusst auf den Kontrast zwischen Wort und Bild.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Lyrikverfilmung ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, das Medium Film und den literarischen Text als zwei eigenständige Kunstwerke in einer Analyse zu verbinden.
2 Analyse ausgewählter Gedichtverfilmungen: In diesem Kapitel werden neun spezifische Clips aus dem Film POEM detailliert analysiert, wobei Struktur, Inhaltszusammenfassung und Interpretation der filmischen Umsetzung der Gedichte im Vordergrund stehen.
3 Filmanalyse: Dieses Kapitel erörtert methodische Kategorien zur Analyse von Gedichtverfilmungen und ordnet den Film POEM in den theoretischen Diskurs der Lyrikverfilmung und Filmanalyse ein.
4 Film im Unterricht: Hier wird die Bedeutung von Film und Medienkompetenz für den modernen Deutschunterricht dargelegt und begründet, warum die Arbeit mit dem Medium Film heute unverzichtbar ist.
5 POEM im Unterricht: Dieses Kapitel präsentiert ein konkretes didaktisches Konzept für den Unterrichtseinsatz von POEM, unterteilt in die Phasen der Gedichtanalyse, Filmanalyse und Produktion.
6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Ergebnisse der Arbeit und formuliert Konsequenzen für den Einsatz von Lyrikverfilmungen als bereichernde, jedoch anspruchsvolle Aufgabe im Deutschunterricht.
Lyrikverfilmung, POEM, Ralf Schmerberg, Filmanalyse, Medienkompetenz, Deutschunterricht, Literaturdidaktik, Gedichtanalyse, Filmdidaktik, Sequenzanalyse, Wort-Bild-Schere, mediale Kompetenz, Filmproduktion, Projektunterricht, Rezitation
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Lyrikverfilmungen im Film POEM von Ralf Schmerberg und untersucht deren Potenzial für den Einsatz im Deutschunterricht.
Die zentralen Themen sind die filmische Interpretation von Lyrik, die Entwicklung von Kriterien für die Filmanalyse, Medienpädagogik und die praktische Umsetzung in Form von Unterrichtseinheiten.
Das primäre Ziel ist es, die spezifische Ästhetik von Lyrikverfilmungen zu erfassen und zu zeigen, wie Schüler durch eine analytische und produktive Auseinandersetzung mediale Kompetenzen erwerben können.
Es werden gängige Methoden der Filmanalyse (wie Sequenzanalyse und Untersuchung filmischer Mittel) mit literaturwissenschaftlichen Ansätzen verknüpft, um das Spannungsfeld zwischen Wort, Bild und Ton zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse einzelner Gedichtverfilmungen, eine theoretische Filmanalyse sowie die praktische didaktische Einordnung und Planung einer Unterrichtsreihe.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Lyrikverfilmung, Medienkompetenz, Filmanalyse, didaktische Methoden und intermediale Transformation.
Die Sprecherrolle (On- oder Off-Rezitation) wird als zentrales Element der Interpretation bewertet, da sie die Beziehung zwischen dem Gedicht und den gezeigten filmischen Bildern maßgeblich beeinflusst und kommentiert.
Die Produktion zwingt die Schüler dazu, theoretisch erworbene Kenntnisse über Filmcodes und Produktionsbedingungen in die Praxis umzusetzen, was zu einem tieferen Verständnis der Konstruiertheit von Medien führt.
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