Diplomarbeit, 2006
155 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Die sprachliche Situation in Kambodscha
2.1 Khmer und Englisch: genetische und typologische Klassifikation
2.2 Das Khmer in Kambodscha
2.2.1 Identität und Sprache: Die Khmer und das Khmer
2.2.2 Sprachgebiet und Sprecher
2.2.3 Lokale Varietäten und Sondersprachen
2.2.4 Englische Einflüsse auf den Wortschatz
2.3 Das Englische in Kambodscha
2.3.1 Geschichte des Englischen in Kambodscha von 1863 bis heute
2.3.2 “the most popular language“ – Englisch in Kambodscha heute
2.3.3 Einflussfaktoren auf die Stellung des Englischen
3 Der Fehler in der Fremdsprachenforschung
3.1 Begriffsklärung
3.1.1 Grundbegriffe der Fremdsprachenforschung
3.1.2 Sprachgebrauch im Rahmen dieser Arbeit
3.2 Was genau ist ein Fehler?
3.3 Definition
3.4 Der Fehler in den verschiedenen Strömungen der Fremdsprachenforschung
3.4.1 Die Kontrastivhypothese
3.4.2 Die kognitive Wende
3.4.3 Die Identitätshypothese
3.4.4 Die Interlanguage-Hypothese
3.5 Gewonnene Erkenntnisse für den Gebrauch in dieser Arbeit
3.6 “the crow very happyed” – Zum Einfluss der Muttersprache
3.6.1 Muttersprachlicher Einfluss in der Praxis
3.6.2 Corders Vorstellung von der Rolle der Muttersprache
3.6.3 Wahrgenommene und tatsächliche typologische Distanz
3.6.4 Muttersprachlicher Einfluss bei kambodschanischen Lernenden
3.6.5 Zusammenfassung
4 Beschreibung des Experiments und der Informanten
4.1 Beschreibung des Experiments
4.2 Beschreibung der Informanten
4.3 Begründung und Bewertung der Aufgabenstellung
4.4 Primäre und weitere Daten
5 Analyse ausgewählter Fehler
5.1 Zum Problem der Wortarten
5.1.1 Bestimmung der Wortarten des Khmer
5.1.2 Zusammenfassung und Bedeutung für die Lernenden
5.2 Verben
5.2.1 Fehler bei der Verwendung von to be
5.2.1.1 Verwendung von to be als Vollverb
5.2.1.2 Verwendung von to be als Kopula
5.2.2 Tempus- und Aspektfehler
5.2.2.1 Tempus und Aspekt in Khmer und Englisch
5.2.2.2 Spitzers Studie zum Tempuserwerb
5.2.2.3 Tempus- und Aspektfehler am Beispiel von to fly
5.2.2.4 Zusammenfassung
5.2.2.5 Ergänzende Beobachtung: Verwendung von was und is
5.3 Substantive und einige Pronomen
5.3.1 Numerus
5.3.2 Exkurs: Demonstrativpronomen
5.3.3 Genus am Beispiel der Personalpronomen He und It
5.4 Adverbien der Art und Weise
5.5 Artikel
5.6 Sonstige Beobachtungen
5.6.1 Partitive Relationen am Beispiel des gefüllten Kruges
5.6.2 Falschschreibung von immediately, (un)fortunately und until
5.7 Zusammenfassung
6 Einflüsse von Motivation und Tradition
6.1 Zur Motivation der Lernenden
6.1.1 Theorie der Motivation
6.1.2 Anwendung auf die kambodschanische Situation
6.1.3 Ergebnis: Auswirkungen der Motivation auf das Lernen
6.2 Zur Tradition von Bildung und Unterricht
6.2.1 Stellung und Aufgaben der Lehrenden
6.2.2 Das Bildungsideal des guten Menschen und Bürgers
6.2.3 Anspruch und Wirklichkeit
6.2.4 Aufgaben des Lehrers, Pflichten der Schüler
6.2.5 Der Unterricht
6.2.6 Englischunterricht nach Hardman, Neau und eigenen Beobachtungen
6.2.7 Ergebnis: Auswirkungen der Tradition auf das Lernerenglisch
7 Fazit und empfohlene Maßnahmen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und Analyse von Einflussfaktoren auf das Englischlernen kambodschanischer Jugendlicher, insbesondere unter Berücksichtigung der typologischen Distanz zwischen der Muttersprache Khmer und der Zielsprache Englisch sowie der traditionellen Unterrichtsmuster in Kambodscha.
3.6.4 Muttersprachlicher Einfluss bei kambodschanischen Lernenden
Khmer und Englisch sind typologisch recht weit entfernt voneinander, auch wenn die weitgehende Abwesenheit grammatischer Flexion im Englischen eine größere Nähe bewirkt als zwischen Khmer und Deutsch. Es kann nur gemutmaßt werden, wie groß die Ähnlichkeit ist, die die Lernenden wahrnehmen – vermutlich nicht sehr groß. Darauf deuten Kommentare im Unterricht hin, dass im Englischen alles so anders sei. Zudem müssen die Schüler täglich erfahren, dass sich die meisten ihrer grundsprachenbasierten Hypothesen als falsch herausstellen. Auch Spitzer geht von einer geringen wahrgenommenen Ähnlichkeit aus:
„The willingness of learners to borrow a specific linguistic feature from the native language and apply it to the target language is determined by their perception of the linguistic distance between the two languages. English and Khmer differ greatly in many areas, and I posit that a great linguistic distance is perceived. Very little borrowing is the result […].” (Spitzer 1989: v).
Die wahrgenommene und tatsächliche typologische Distanz spricht so eindeutig gegen die Übertragung vieler Khmerelemente ins Englische. Dennoch ist es mehr als nur ein Verdacht, dass die Lernersprachen meiner Informanten sehr stark vom Khmer beeinflusst sind. Was für eine Art Einfluss liegt also vor? Auf lexikalischer Ebene finden kaum Übertragungen statt. Grammatik und Semantik aber scheinen stark beeinflusst. Hier liegt kein borrowing vor, denn kambodschanische Englischlerner können etwa das Tempus- und Aspektsystem des Khmer schlecht beleihen, da es im Khmer kein grammatisch realisiertes Tempus gibt.
Für Sprecher einer typologisch so weit entfernten Sprache ist daher noch ein anderer, wichtiger Einfluss ihrer Muttersprache auszumachen, der sich besonders in der Morphologie und der Syntax zeigt, nämlich im Erlernen von Kategorien. Diese Tatsache kommt etwa beim Erlernen der Wortarten (siehe Abschnitt 5.1), beim Erlernen des englischen Tempus- und Aspektsystems (siehe Abschnitt 5.2.2) und beim Erlernen partitiver Relationen (siehe Abschnitt 5.6.1) zum Tragen. Was sind nun Kategorien? Ich meine damit die Art einer Sprachgemeinschaft, die außersprachliche Wirklichkeit in Worte zu fassen. Über dieses Thema ist viel geschrieben worden; legendär ist Whorf (1997). Kellerman (1995: 137) ist der Auffassung, dass auch in diesem Bereich von Transfer gesprochen werden muss und schreibt: „In this case, big differences really do mean learning difficulties […]. But this principle does not so much refer to differences in grammatical form as to differences in the way languages predispose their speakers to conceptualize experience.“
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt den Vormarsch des Englischen in Kambodscha, formuliert die Thesen zur Erschwerung des Erwerbs durch typologische Distanz und Unterrichtsmuster und stellt das methodische Vorgehen dar.
2 Die sprachliche Situation in Kambodscha: Dieses Kapitel klassifiziert Khmer und Englisch genetisch und typologisch und gibt einen historischen Überblick über die Stellung des Englischen im kambodschanischen Bildungs- und Gesellschaftssystem.
3 Der Fehler in der Fremdsprachenforschung: Es erfolgt eine theoretische Einordnung des Fehlerbegriffs in der Sprachlehrforschung sowie eine Diskussion der drei Hauptströmungen: Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese.
4 Beschreibung des Experiments und der Informanten: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Design der Untersuchung, die Auswahl der Informanten aus verschiedenen Lerngruppen und die Aufgabenstellung der Bildgeschichten-Nacherzählung.
5 Analyse ausgewählter Fehler: Im Kernstück der Arbeit werden auf Basis der erhobenen Daten spezifische Fehler in den Bereichen Wortarten, Verben (insb. Kopula und Tempus), Substantive, Artikel und Partitive Relationen analysiert und diskutiert.
6 Einflüsse von Motivation und Tradition: Dieses Kapitel beleuchtet die motivationale Ausrichtung der Lernenden sowie die traditionelle, lehrerzentrierte Bildungspraxis in Kambodscha und deren Auswirkungen auf das Sprachenlernen.
7 Fazit und empfohlene Maßnahmen: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und leitet daraus konkrete Empfehlungen für eine Anpassung und Verbesserung des Englischunterrichts in Kambodscha ab.
Fremdsprachenforschung, Kambodscha, Englischunterricht, Khmer, Interlanguage, Fehleranalyse, Kontrastivhypothese, Motivation, Spracherwerb, typologische Distanz, Kopula, Tempus, Aspekt, Wortarten, Bildungsgeschichte
Die Arbeit untersucht, wie kambodschanische Jugendliche die englische Sprache erlernen und welchen spezifischen Einfluss ihre Muttersprache Khmer sowie die lokalen Unterrichtsbedingungen auf diesen Prozess haben.
Die zentralen Themen umfassen die Fehleranalyse in der Fremdsprachenproduktion, die typologische Untersuchung von Khmer und Englisch, die Rolle der Lerner-Motivation und die Analyse traditioneller Unterrichtsmuster in Kambodscha.
Das Ziel ist es, den Gesamtzusammenhang zwischen sprachlichen, motivationalen und kulturell-traditionellen Einflüssen aufzuzeigen und für Lehrende nutzbar zu machen, um den Englischunterricht effektiver zu gestalten.
Der Autor führt eine empirische Fehleranalyse durch, basierend auf schriftlichen Nacherzählungen einer Bildergeschichte, die von 32 kambodschanischen Lernenden angefertigt wurden.
Der Hauptteil analysiert konkret aufgetretene Fehler der Lernenden in den Bereichen Wortarten, Tempus, Aspekt, Artikelgebrauch und Substantive und setzt diese in Bezug zur typologischen Distanz zwischen Khmer und Englisch.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Fremdsprachenforschung, Interlanguage, typologische Distanz, Fehleranalyse, Khmer, Englischunterricht und Sprachlehrforschung.
Die Analyse zeigt, dass Lernende häufig die Kopula „to be“ weglassen oder fehlerhaft verwenden, da dieses Konzept in der grammatischen Struktur des Khmer, das anders konzipiert ist, nicht in derselben Weise präsent oder obligatorisch ist.
Die traditionell geprägte Erwartung, eine „korrekte“ Antwort liefern zu müssen, führt bei vielen Schülern zu einer Blockade, die kreative Äußerungen verhindert und zu einem auswendig gelernten, formelhaften Sprachgebrauch führt.
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