Magisterarbeit, 2006
94 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Das Spinnennetz (1923)
2.1 Theodor Lohse - Produkt des wilhelminischen Kleinbürgertums
2.2 Theodors Aufstieg – Karriere im Zeichen des Hakenkreuzes
2.3 Theodors Antisemitismus – „Die Juden sind unser Unglück“
2.4 Theodor – Arier oder Semit?
2.5 Trebitsch, Efrussi und Pisk – Des Feindes Handlanger?
2.5.1 Dr. Trebitsch
2.5.2 Efrussi und Pisk
2.6 Benjamin Lenz – Sprengstoff für Europa!
2.7 Fazit
3 Tarabas – Ein Gast auf dieser Erde (1934)
3.1 Nikolaus Tarabas – Auf gottverlassenen Wegen
3.2 Das Pogrom von Koropta
3.2.1 Ramsin
3.2.2 Die Marienerscheinung
3.2.3 Das Pogrom
3.3 Tarabas` Überwindung des Judenhasses – Zurück auf Gottes Wegen
3.4 Tarabas’ Bußweg
3.5 Nathan Kristianpoller – Vermittler zwischen Juden und Christen
3.6 Fazit
4 Die Flucht ohne Ende (1927)
4.1 Judenemanzipation im Westen Europas und Bewahrung der jüdischen Tradition in Osteuropa
4.2 Flucht aus dem Shtetl
4.3 Ein Ostjude im Westen
4.4 Zwei ungleiche Brüder
4.5 Keine Rückkehr ins Shtetl
4.6 Fazit
5 Schlußbetrachtung
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Antisemitismus, Antijudaismus sowie die Lebenssituation des europäischen Judentums im Werk von Joseph Roth. Ziel ist es, anhand der Romane "Das Spinnennetz", "Tarabas. Ein Gast auf dieser Erde" und "Die Flucht ohne Ende" aufzuzeigen, wie Roth diese Phänomene in den zeitgeschichtlichen Kontext einbettet und das Verhältnis zwischen Ost- und Westjudentum thematisiert.
2.1 Theodor Lohse - Produkt des wilhelminischen Kleinbürgertums
Theodor Lohse stammt aus einer typisch kleinbürgerlichen Familie der Kaiserzeit. Der Vater war Bahnzollrevisor, eine Stellung die zu zumeist von Personen ausgeführt wurde, die bereits in der Armee gedient hatten. Diese Leute werden heute als das „Korsett“ des deutschen Obrigkeitsstaates angesehen. Folglich war des Vaters größter Wunsch eine Karriere Theodors in der Armee, die der Sohn auch selbst anstrebte. Doch der „große Krieg“ (S 5) ging verloren und er muß nun zu Beginn der Erzählung in der neuen Republik seinen Lebensunterhalt, neben seinem Jurastudium, als Hauslehrer beim jüdischen Juwelier Efrussi verdienen. Nicht nur Theodor ist enttäuscht vom Ausgang des Krieges und von seiner jetzigen Situation, auch seine Mutter und seine Schwestern „konnten es [ihm] nicht verzeihen, daß er nicht seine Pflicht [...] zu fallen, erfüllt hatte.“, denn „[e]in toter Sohn wäre immer der Stolz der Familie geblieben. Ein abgerüsteter Leutnant und ein Opfer der Revolution war [...] lästig.“ (S 6). Damit beschreibt Roth das Empfinden vieler aus dem Krieg heimgekehrter Soldaten, deren Familien die repressive wilhelminische Gesellschaft repräsentierten und die sich plötzlich in einer neuen Umwelt wiederfanden, die sie als ihnen feindlich erlebten.
Anfang der 1920er Jahre litten viele Deutsche nicht nur immer noch unter der Niederlage des Ersten Weltkrieges, sondern empfanden vor allem den Versailler Vertrag als zusätzliche nationale Demütigung. Zudem führte die katastrophale Wirtschaftslage zu großem sozialem Elend, das einen idealen Nährboden für extremistische Gruppierungen darstellte. So bildete sich eine unüberschaubare Parteienlandschaft heraus, die geprägt war von heftigen Kämpfen um die zukünftige Gestaltung Deutschlands. Folglich war das Land politisch zutiefst zerrissen und radikalisierte sich zunehmend. Außerdem hatten die Klassengegensätze der Monarchie den Krieg überlebt und manifestierten sich in den ideologischen Gegensätzen der Parteien und Vereinigungen.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Roths Weitsicht bezüglich des Antisemitismus und skizziert das Ziel der Arbeit, seine Auseinandersetzung mit der Judenfeindschaft und der Lage des europäischen Judentums zu untersuchen.
2 Das Spinnennetz (1923): Das Kapitel analysiert den Aufstieg des Antisemiten Theodor Lohse und die Darstellung verschiedener jüdischer Figuren im Kontext der Weimarer Republik.
3 Tarabas – Ein Gast auf dieser Erde (1934): Im Fokus steht die Läuterung des Sünders Nikolaus Tarabas sowie die kollektive Auswirkung von Antijudaismus am Beispiel eines Pogroms.
4 Die Flucht ohne Ende (1927): Das Kapitel behandelt die Konflikte zwischen Ost- und Westjuden sowie die Heimatlosigkeit am Beispiel der Brüder Franz und Georg Tunda.
5 Schlußbetrachtung: Die Zusammenfassung unterstreicht Roths fortwährenden literarischen und journalistischen Widerstand gegen Antisemitismus und die Notwendigkeit der moralischen Stellungnahme gegen die nationalsozialistische Bedrohung.
Joseph Roth, Antisemitismus, Antijudaismus, Ostjudentum, Westjudentum, Assimilation, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Fremdenfeindlichkeit, Identitätskrise, Diaspora, Pogrom, Religion, Aberglaube
Die Arbeit befasst sich mit Joseph Roths literarischer Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Antijudaismus und der komplexen Lebenssituation des europäischen Judentums in der Zwischenkriegszeit.
Die Themenfelder umfassen die Rolle des Antisemitismus in der Weimarer Republik, die Assimilationsbestrebungen der Westjuden, die Traditionen der Ostjuden sowie die religiösen Wurzeln des Juden- und Christenkonflikts.
Die Arbeit untersucht, wie Roth das Phänomen des Judenhasses darstellt, ob er Überwindungsstrategien aufzeigt und welche Spannungen zwischen Ost- und Westjuden im jeweiligen historischen Kontext bestehen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Charakterisierung von Protagonisten und der Interpretation handlungstragender Ereignisse in ihrem historischen Kontext basiert.
Im Hauptteil werden drei zentrale Romane analysiert: "Das Spinnennetz" (Karriere eines Antisemiten), "Tarabas" (individuelle Läuterung eines Antijudaisten) und "Die Flucht ohne Ende" (Konflikt zwischen Ost- und Westjuden).
Wichtige Begriffe sind Antisemitismus, Assimilation, Diaspora, Ostjudentum, Identität, Nationalismus und gesellschaftlicher Wandel in der Weimarer Republik.
Roth unterscheidet zwischen den traditionell verwurzelten Ostjuden, die ihre kulturelle Einheit bewahrten, und den in die westliche Gesellschaft assimilierten Juden, deren Anpassung oft zu Identitätsverlust führte.
Der Begriff nimmt Bezug auf die Vorstellung, dass irdisches Dasein nur eine vorläufige Etappe ist, was Roth als gemeinsame ethische Grundlage für Judentum und Christentum instrumentalisiert.
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