Diplomarbeit, 2005
93 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Formen der Selbstverletzung
2.1 Religiöse und rituelle Selbstverletzung
2.2 Alltägliche Selbstverletzung
2.3 Selbstverletzung als Krankheit
3 Begriffliche Einordnung und Abgrenzung von anderen Begriffen
3.1 Begriffsklärung
3.2 Abgrenzung von artifiziellen Krankheiten
3.3 Abgrenzung von indirekten Selbstverletzungen
3.4 Abgrenzung vom Suizid
4 Epidemiologie
5 Erscheinungsbild und diagnostische Zuordnung
5.1 Art und Schwere der Symptome
5.2 Häufigkeit und Lokalisation der Symptomhandlungen
5.3 Begleiterkrankungen
5.4 Diagnostische Zuordnung
6 Erklärungsmodelle
6.1 Biologische Erklärungsmodelle
6.2 Lerntheoretische Erklärungsmodelle
6.3 Psychoanalytisch-psychodynamische Erklärungsmodelle
7 Funktionen der Selbstverletzung
7.1 Allgemeine Aspekte
7.2 Intrapersonelle Funktionen
7.3 Interpersonelle Funktionen
8 Therapie und Selbsthilfe
8.1 Medikamentöse Therapie
8.2 Traumatherapie
8.3 Dialektisch-Behaviorale Therapie
8.4 Sonstige Therapieformen
8.5 Selbsthilfemöglichkeiten
9 Zum Umgang mit Selbstverletzung
9.1 Im privaten Umfeld
9.2 Auf der Station
10 Schlußbemerkung
Die vorliegende Diplomarbeit zielt darauf ab, ein fundiertes Verständnis für das Phänomen des selbstverletzenden Verhaltens (SVV) zu entwickeln, die Hintergründe und Ursachen zu beleuchten sowie differenzierte Interventions- und Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene und ihr Umfeld aufzuzeigen.
2.1 Religiöse und rituelle Selbstverletzung
Betrachtet man die Entwicklungsgeschichte der Menschheit, so wird deutlich, daß selbstverletzende Handlungen in den verschiedensten Kulturen seit jeher immer wieder aufgetreten sind und z.T. auch heute noch auftreten. Häufig werden Selbstverletzungen im Rahmen von Ritualen und Religionen vorgenommen.
Als Rettung vor dem völligen Verderben wird selbstverletzendes Verhalten z.B. schon in der Bibel thematisiert. So heißt es im Neuen Testament:
„Wenn dich aber deine Hand zum Abfall verführt, so haue sie ab! Es ist besser für dich, daß du verkrüppelt zum Leben eingehst, als daß du zwei Hände hast und fährst in die Hölle, in das Feuer, das nie verlöscht“ (Markus 9, 43).
Religiös motivierte Verletzungen des eigenen Körpers sind häufig als Akt der Buße zu verstehen, durch den die Seele von Schuld befreit und/oder gewissermaßen eine höhere Daseinsform erreicht werden soll. So waren selbstverletzende Praktiken bspw. ein wichtiger Bestandteil der Flagellanten-Bewegung, einer religiösen Laienbewegung, die im 12. Jahrhundert in Mittelitalien entstand. Ihre Anhänger – auch unter dem Begriff „Geißler“ bekannt - peitschten sich selbst bis aufs Blut, um Buße zu tun. Als Instrument der Selbstverletzung dienten ihnen dabei Stöcke, an denen Lederriemen angebracht waren. An den großen Knoten, in denen die Riemen endeten, waren eiserne Dorne befestigt, die beim Peitschen des eigenen Rückens tiefe blutige Striemen hinterließen. Ihren Höhepunkt fand die Bewegung während der ersten Pestwelle in Europa Mitte des 14. Jahrhunderts, zumal die Menschen ihr Schicksal als Strafe Gottes für ihr sündhaftes Leben begriffen und sich mittels der Selbstgeißelung von ihrer Schuld befreien zu können glaubten.
1 Einleitung: Einführung in das Phänomen des selbstverletzenden Verhaltens, dessen gestiegene gesellschaftliche Bedeutung und die Zielsetzung der Arbeit.
2 Formen der Selbstverletzung: Darstellung verschiedener Ausprägungen, von kulturell akzeptierten Riten bis hin zur pathologischen Selbstverletzung.
3 Begriffliche Einordnung und Abgrenzung von anderen Begriffen: Definition des Begriffs Selbstverletzung und Abgrenzung zu artifiziellen Krankheiten, indirekten Verletzungen sowie zum Suizid.
4 Epidemiologie: Überblick über den aktuellen Wissensstand zur Häufigkeit und Verbreitung von selbstverletzendem Verhalten.
5 Erscheinungsbild und diagnostische Zuordnung: Beschreibung von Art, Schwere, Häufigkeit und Lokalisation der Verletzungen sowie Diskussion der diagnostischen Einordnung.
6 Erklärungsmodelle: Vorstellung biologischer, lerntheoretischer und psychoanalytisch-psychodynamischer Ansätze zur Erklärung von SVV.
7 Funktionen der Selbstverletzung: Analyse der intrapersonellen und interpersonellen Funktionen und Motive hinter dem selbstverletzenden Verhalten.
8 Therapie und Selbsthilfe: Überblick über therapeutische Verfahren wie Traumatherapie und Dialektisch-Behaviorale Therapie sowie Möglichkeiten der Selbsthilfe.
9 Zum Umgang mit Selbstverletzung: Handlungsempfehlungen für Angehörige, Freunde und professionelle Helfer im privaten und stationären Kontext.
10 Schlußbemerkung: Zusammenfassende Einschätzung des Phänomens und Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer Forschung.
Selbstverletzung, Selbstbeschädigung, SVV, Automutilation, Psychopathologie, Traumatherapie, Dialektisch-Behaviorale Therapie, DBT, Borderline-Störung, Autoaggression, Impulskontrollstörung, Psychodynamik, Körperbild, Adoleszenz, Traumatisierung.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der medizinischen und psychologischen Problematik des selbstverletzenden Verhaltens (SVV), analysiert dessen Hintergründe und bietet Ansätze für Therapie und Umgang.
Die Arbeit gliedert sich in die Bereiche Definition und Abgrenzung, Epidemiologie, Erscheinungsbild, theoretische Erklärungsmodelle, Funktionen des Verhaltens sowie verschiedene Therapie- und Selbsthilfemaßnahmen.
Das Ziel ist es, das Verständnis für Betroffene zu fördern, das komplexe Störungsbild transparent zu machen und professionelle wie private Helfer im Umgang mit SVV zu unterstützen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung der einschlägigen psychologischen und medizinischen Fachliteratur, um den aktuellen Forschungsstand systematisch darzustellen.
Der Hauptteil erörtert detailliert, warum SVV auftritt (biologische, lerntheoretische, psychodynamische Modelle), wozu es den Patienten dient (Funktionen) und wie es fachgerecht therapiert werden kann.
Wesentliche Begriffe sind Selbstverletzung (SVV), Automutilation, Borderline-Störung, Trauma, Impulskontrolle und die verschiedenen therapeutischen Ansätze wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie.
Ja, die Arbeit unterstreicht, dass die meisten Betroffenen SVV nicht mit der Absicht ausführen, ihr Leben zu beenden, sondern um Spannungszustände abzubauen oder sich selbst zu regulieren.
Die Arbeit stellt fest, dass SVV, das früher eher selten diagnostiziert wurde, zunehmend an Bedeutung gewonnen hat und heute als ernstzunehmendes, weit verbreitetes Problem wahrgenommen werden muss.
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