Diplomarbeit, 2006
133 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Lernkulturen und Bildungserfolg
2.1 Empirischer Anknüpfungspunkt
2.2 Auf dem Weg zu einer Studie in Deutschland
2.2.1 Die Ursprungsidee
2.2.2 Modifikationen durch erschwerten Feldzugang
2.3 Theoretische Anknüpfungspunkte
2.3.1 Kultur, was ist das?
2.3.2 Kultur versus Klima?
2.3.3 Geschlechtsspezifische Lernkulturen als Subkulturen
3 Operationalisierung für das Gymnasium
3.1 Lernkultur als interdisziplinäres Konstrukt
3.2 Bildungserfolg
3.3 Drittvariablen
3.3.1 Lehrkräfte
3.3.2 Klassen- und Schulklima
3.3.3 Devianzverhalten
3.3.4 Elterneinflüsse
3.3.5 Einflüsse aus dem Freundeskreis
4 Ergebnisse für das Gymnasium
4.1 Überblick über das Sample
4.1.1 Bildungserfolg von Jungen und Mädchen
4.1.2 Das Verhältnis zu den Lehrern
4.1.3 Klassen- und Schulklima
4.1.4 Verstöße gegen die Schulregeln
4.1.5 Elterneinflüsse
4.1.6 Einflüsse aus dem Freundeskreis
4.2 Test der Forschungshypothesen
4.2.1 Hypothese 1: Geschlechtsspezifischer Bildungserfolg
4.2.2 Hypothese 2: Geschlechtsspezifische Lernkulturen
4.2.3 Hypothese 3: Lernkultur → Bildungserfolg
4.3 Drittvariablenanalyse
4.3.1 Prädiktoren für die Lernkultur
4.3.2 Prädiktoren für den Bildungserfolg
4.4 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse für das Gymnasium
5 Operationalisierung für die Hauptschule
5.1 Lernkulturen an der Hauptschule
5.2 Bildungserfolg
5.3 Drittvariablen
5.3.1 Lehrkräfte
5.3.2 Klassen- und Schulklima
5.3.3 Devianzverhalten
5.3.4 Elterneinflüsse
5.3.5 Einflüsse aus dem Freundeskreis
6 Ergebnisse für die Hauptschule
6.1 Überblick über das Sample
6.1.1 Bildungserfolg von Jungen und Mädchen
6.1.2 Das Verhältnis zu den Lehrern
6.1.3 Klassen- und Schulklima
6.1.4 Devianzverhalten
6.1.5 Elterneinflüsse
6.1.6 Einflüsse aus dem Freundeskreis
6.2 Test der Forschungshypothesen
6.2.1 Hypothese 1: Geschlechtsspezifischer Bildungserfolg
6.2.2 Hypothese 2: Geschlechtsspezifische Lernkulturen
6.2.3 Hypothese 3: Lernkulturen → Bildungserfolg
6.3 Drittvariablenanalyse und Interpretation der Dritteinflüsse
6.4 Zusammenfassung der Ergebnisse für die Hauptschule
7 Zusammenfassung und Einordnung der Forschungsergebnisse
8 Begrenztheit der Studie und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwieweit geschlechtsspezifisch unterschiedliche Lernkulturen den Bildungserfolg von Mädchen und Jungen an weiterführenden Schulen erklären können. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Mädchen aufgrund einer lernorientierteren Einstellung und gruppenspezifischer kultureller Prägungen bessere Schulleistungen erzielen als Jungen.
2.3.3 Geschlechtsspezifische Lernkulturen als Subkulturen
Handeln ist, wie bereits angesprochen, immer mit kognitiven Prozessen verbunden. Die Psychologie, zu deren primären Forschungsfeldern die Analyse dieser Kognitionen gehört, geht davon aus, dass Kognitionen individuell und gruppenspezifisch differenziert sind. Demnach ist anzunehmen, dass es in Organisationen zwar eine kritische Masse geteilter kultureller Inhalte gibt, ohne die die Organisation nicht existieren könnte; diese aber Raum lassen für unterschiedliche Gruppenkulturen – so genannte Subkulturen. Tatsächlich deuten die empirischen Befunde auf die Existenz von Subkulturen innerhalb von Organisationen hin.
Wie an den Operationalisierungen in diesen Studien deutlich wird, ergeben sich Subkulturen entlang von Personen-Clustern, die in ähnlichen sozialen Umständen leben, dementsprechend ähnlich sozialisiert werden und daraus resultierende mehr oder weniger übereinstimmende Einstellungen, Werte und fundamentale Annahmen teilen. Dementsprechend kann die Schule als ein subkultureller Ort der Gesamtgesellschaft angesehen werden. Sie ist aber auch in sich differenziert, d. h. es gibt innerhalb der Schule kleinere „Klumpen“ von Subkulturen.
Unterschiedliche soziale Merkmale kommen für die Differenzierung in Subkulturen in Frage, beispielsweise der soziale Status, aber auch das Geschlecht. Das Geschlecht ist von Geburt an eines der wichtigsten sozialen Differenzierungsmerkmale beim Menschen – wenn nicht sogar das wichtigste. Jedes Neugeborene wird sofort nach der Geburt einem der beiden kulturell legitimierten Geschlechter zugewiesen. Diese Zuweisung ist entgültig und wird normalerweise nicht in Frage gestellt. Hagemann-White (1984, vgl. Kap. III) bezeichnet diesen Mechanismus als „kulturelles System der Zweigeschlechtlichkeit“, welches durch biologische Faktoren begründet wird. Wenn Geschlecht ein so wichtiges Differenzierungskriterium unserer Gesellschaft ist, dann muss das Geschlecht einer der primären Einflüsse in der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen sein. Mädchen und Jungen werden unterschiedlich sozialisiert. Diese geschlechtsspezifische Sozialisation findet dabei weniger durch die Eltern statt, die die Kinder eher als Person sehen, als vielmehr durch gesellschaftliche Institutionen und v. a. durch die Kinder selbst (vgl. Hagemann-White 1984, Kap. II).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Bildungsbeteiligung von Mädchen und Jungen und führt in die Fragestellung ein, warum Mädchen heute in vielen Bereichen des Bildungssystems erfolgreicher sind.
2 Lernkulturen und Bildungserfolg: Dieses Kapitel verankert die theoretischen Konzepte von Lernkultur und Subkulturen und diskutiert den empirischen Anknüpfungspunkt durch die Arbeiten von Mieke van Houtte.
3 Operationalisierung für das Gymnasium: Hier wird der Prozess der Messbarmachung von Lernkultur, Schulerfolg und verschiedenen Drittvariablen am Gymnasium detailliert beschrieben.
4 Ergebnisse für das Gymnasium: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Daten der Befragung am Gymnasium und testet die aufgestellten Forschungshypothesen mittels statistischer Analysen.
5 Operationalisierung für die Hauptschule: Analog zum Gymnasium werden hier die methodischen Anpassungen und die Operationalisierung des Konstrukts Lernkultur für das Hauptschulsample erläutert.
6 Ergebnisse für die Hauptschule: Die statistische Auswertung und Interpretation der Ergebnisse für das Hauptschulsample werden hier dargelegt und den Befunden des Gymnasiums gegenübergestellt.
7 Zusammenfassung und Einordnung der Forschungsergebnisse: Das Kapitel synthetisiert die zentralen Ergebnisse der Studie und diskutiert diese im Kontext gesellschaftlicher und soziologischer Theorien.
8 Begrenztheit der Studie und Ausblick: Kritische Reflexion der methodischen Limitationen der Untersuchung und Vorschläge für zukünftige Forschungsansätze.
Lernkultur, Bildungserfolg, Geschlechtsspezifität, Bildungssoziologie, Sozialisation, Subkultur, Gymnasium, Hauptschule, Schul-Commitment, Lern-Commitment, Leistungsdruck, Bildungsungleichheit, Schülerbefragung, soziale Herkunft, Peer-Group.
Die Diplomarbeit untersucht, ob und wie unterschiedliche Lernkulturen von Mädchen und Jungen deren Bildungserfolg beeinflussen, um eine Erklärung für die derzeitige geschlechtsspezifische Diskrepanz in Schulleistungen zu finden.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Wechselwirkung zwischen individuellen Lernkulturen, institutionellen Rahmenbedingungen (Schule) und sozialen Einflussfaktoren wie Elternhaus und Freundeskreis.
Ziel ist es zu klären, warum Mädchen im Durchschnitt bessere Schulleistungen als Jungen erzielen, und zu prüfen, ob dies durch eine „lernorientiertere“ Lernkultur der Mädchen plausibel erklärt werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Schülerbefragung an zwei verschiedenen Schulformen (Gymnasium und Hauptschule) im Raum München, deren Daten mittels statistischer Verfahren (Faktorenanalyse, Regressionsanalyse) ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodische Operationalisierung der Variablen sowie die detaillierte Präsentation und Diskussion der Ergebnisse für beide untersuchten Schulformen.
Lernkultur, Bildungserfolg, Geschlechtsspezifität, Sozialisation, Subkultur und Bildungsungleichheit sind zentrale Begriffe.
Die Studie zeigt, dass Jungen und Mädchen am Gymnasium qualitativ andere Lernkulturen aufweisen. Mädchen zeigen eine höhere Lernorientierung und Loyalität gegenüber der Schule, während bei Jungen die mentale Stabilität in einem anderen Verhältnis zum Schulerfolg steht.
Ja, der sozio-ökonomische Status und das Bildungsniveau der Eltern zeigen auch an der Hauptschule Effekte, wobei der Bildungserfolg der Jungen stark von externen Faktoren wie der familiären Unterstützung abhängt.
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