Examensarbeit, 2003
75 Seiten, Note: 1,0
0. EINLEITUNG
1. AUSEINANDERSETZUNG MIT DER PHÄNOMENOLOGIE HUSSERLS
1.1 Intentionalität
1.2 Die Epoché
1.3 Das Ego als Objekt des Bewusstseins
1.4 Die Struktur des Bewusstseins
1.5 Bewusstsein als Schlüsselbegriff
1.6 Phänomenologische Ontologie
2. DAS SEIN UND DER URSPRUNG DES NICHTS
2.1 Das Sein des An-sich
2.2 Das Sein des Für-sich
2.3 Das Nichts
2.4 Das präreflexive Bewusstsein
2.5 Verbindung der beiden Seinsformen
3. SEIN UND HANDELN
3.1 Freiheit und Handlung
3.2 Existenzialismus versus Determinismus
3.3 Bedeutung des präreflexiven Bewusstseins für die Freiheit
3.4 Freiheit und Wille
3.5 Antrieb und Motiv
3.6 Entwurf oder In-der-Welt-sein
4. DIE „RÜCKSEITE“ DER FREIHEIT
4.1 Freiheit und Faktizität
4.2 Freiheit in Situation
4.3 Die Existenz des Anderen
4.4 Der Blick und das Phänomen der Scham
4.5 Das Für-Andere-Sein als Grenze meiner Freiheit
4.6 Realisierung der internen Negation in Freiheit
4.7 Kampf um die Freiheit - Konflikt als ursprünglicher Sinn des Für-Andere-Seins
4.8 Der Dualismus von Objekt- und Subjekt-Anderem
5. ETHIK UND ONTOLOGIE
5.1 Unbestimmtheit der Freiheit
5.2 Für-sich als Mangel an Sein
5.3 Das Sein des Wertes
5.4 Ontologie und Ethik – ein Widerspruch?
5.5 Moral der Freiheit − Freiheit als Wert
5.6 Die Freiheit des Anderen
5.7 Die moralphilosophische Entwicklung Sartres
6. SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Sartres ontologische Begründung der Freiheit nachzuzeichnen, indem sie die zentrale Bedeutung der Intentionalität und Negativität sowie die Schlüsselrolle des Bewusstseins in seiner Philosophie herausstellt und die daraus resultierenden Konsequenzen für das menschliche Handeln thematisiert.
1.2 Die Epoché
Bereits in einem seiner frühen philosophischen Werke, Die Transzendenz des Ego, setzt sich Sartre mit der Substanzlosigkeit des Bewusstseins auseinander. Er betont, dass das Bewusstsein durch vollkommene Transparenz und Leere gekennzeichnet sei. Demzufolge könne es dort also konsequenterweise auch keinen Ort für ein Ego geben. Anders als Husserl nimmt Sartre für sich in Anspruch, den weiteren fundamentalen Gedanken Husserls der phänomenologischen Reduktion oder Epoché auch auf das Ego anzuwenden. Unter Epoché versteht man den methodischen Schritt der phänomenologischen Reflexion, das was wir für die Wirklichkeit halten, zunächst außer Kraft zu setzen. Es bleibt dann als „Rest“ das reine Bewusstsein, welches ins Zentrum der Betrachtung rückt. Es handelt sich bei der Epoché also um die Einklammerung all dessen, was wir an Annahmen und Vorwissen an die Welt herantragen. Werden diese Annahmen zunächst eingeklammert, kommt die Welt als eine erst durch das Bewusstsein konstituierte in den Blick. Husserl schaltet somit die Frage nach dem bewusstseinsunabhängigen Sein der Dinge aus, das Phänomen wird nur als objektives Gegenüber betrachtet, auf welches sich das Bewusstsein richtet.
Die phänomenologische Methode bezieht also die Objekte der Welt, ihre Bedeutungen und Sinngebungen auf das Subjekt und fundiert sie in diesem, indem sie sie als subjektive Bewusstseinsleistungen ausweist. Grundlegend ist die Annahme, dass Erscheinungen nicht nur Erscheinungen von etwas sind, sondern darüber hinaus Erscheinungen für jemanden, nämlich für ein Subjekt. Somit können Welt und Bewusstsein nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Das Programm der Phänomenologie besteht folglich in der Thematisierung der Relation von Welt und Bewusstsein, wobei Aussagen über die Welt als abhängig von einem Bewusstseinsakt erscheinen. Die phänomenologische Einstellung Husserls macht das reine Bewusstsein zum Gegenstand der Betrachtung und versucht dabei jedes vorgängige empirische Wissen außer Kraft zu setzen, da dessen Geltung erst durch die phänomenologische Reflexion nachgewiesen werden soll. Das reine Bewusstsein verliert nun allerdings durch die Epoché nicht an Gegenstandsbezogenheit, so dass es eines Garanten der äußeren Welt bedürfe, sondern durch die Konzeption des Bewusstseins als Intentionales hat Husserl die Problematik zweier isolierter Seinsweisen, des Subjekts und des Objekts, überwunden. Dies soll im Folgenden noch verdeutlicht werden.
0. EINLEITUNG: Darstellung von Sartres Engagement für die Freiheit und die Zielsetzung, seine ontologische Begründung der Freiheit nachzuzeichnen.
1. AUSEINANDERSETZUNG MIT DER PHÄNOMENOLOGIE HUSSERLS: Analyse der frühen Bewusstseinskonzeption Sartres und seiner Abkehr von einem transzendentalen Ich zugunsten eines subjektlosen Bewusstseins.
2. DAS SEIN UND DER URSPRUNG DES NICHTS: Untersuchung der Seinsweisen des „An-sich“ und des „Für-sich“ sowie der Rolle des Nichts als ontologisches Kriterium menschlicher Freiheit.
3. SEIN UND HANDELN: Analyse des Handlungsbegriffs, der Bedeutung von Motiven und Antrieben und der Zurückweisung des Determinismus durch den freien Entwurf.
4. DIE „RÜCKSEITE“ DER FREIHEIT: Erörterung des Zusammenhangs von Freiheit und Faktizität sowie der Rolle der Existenz des Anderen für die menschliche Selbstkonstitution.
5. ETHIK UND ONTOLOGIE: Untersuchung der Vereinbarkeit von Sartres Ontologie mit der Möglichkeit einer normativen Ethik und der moralphilosophischen Entwicklung Sartres.
6. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Rückschau auf die zentrale Bedeutung des präreflexiven Bewusstseins für die Begründung der Freiheit bei Sartre.
Jean-Paul Sartre, Freiheit, Bewusstsein, Ontologie, Für-sich, An-sich, Phänomenologie, Intentionalität, Existenzialismus, Determinismus, Faktizität, Anderer, Ethik, Wert, Negation
Die Arbeit behandelt den Freiheitsbegriff bei Jean-Paul Sartre, insbesondere dessen ontologische Begründung in seinem Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“.
Zentrale Themen sind die Struktur des Bewusstseins, das Verhältnis von Sein und Nichts, die Freiheit des Handelns, das Verhältnis zum Anderen und die ethischen Implikationen dieser Ontologie.
Das primäre Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie Sartre Freiheit nicht als Eigenschaft des Menschen, sondern als Grundbestimmung seines Seins ontologisch begründet.
Die Arbeit nutzt die phänomenologische Methode, um die Seinsweisen des Bewusstseins und seine Interaktion mit der Welt zu analysieren.
Im Hauptteil werden die Auseinandersetzung mit Husserl, die Einteilung des Seienden in An-sich und Für-sich, die Bedeutung von Handlung und Faktizität sowie die Grenzen der Freiheit durch den Anderen diskutiert.
Neben Sartre und Freiheit stehen Begriffe wie Intentionalität, präreflexives Bewusstsein, ontologische Negation, Faktizität, Situation und der Konflikt mit dem Anderen im Fokus.
Sartre argumentiert, dass der Mensch durch seine Fähigkeit zu „nichten“ einen Abstand zu den Gegebenheiten schafft, wodurch diese für ihn erst als Motive oder Hindernisse innerhalb eines Entwurfs Bedeutung gewinnen.
Sartre lehnt eine allgemeingültige, inhaltlich festgelegte Ethik ab, da die Freiheit des Menschen absolut und unbestimmt ist; dennoch sieht er eine moralische Komponente in der aufrichtigen Übernahme der Verantwortung für die eigene Freiheit.
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