Diplomarbeit, 2005
113 Seiten, Note: Mit Auszeichnung bestanden
2 Einleitung
6 Illusionen
20 Grenzen des Live-Theaters
30 Sehen und Hören
41 Rausch der Sinne
50 Filmische Dramaturgie
66 Plastische Musik
82 Ein Filmfestspiel
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und ästhetische Nähe von Richard Wagners Konzept des "Gesamtkunstwerks" zum modernen Medium Film. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Wagner bereits die Grundlagen einer filmischen Dramaturgie vorwegnahm und sein Ideal eines zeitgemäßen Theaters heute durch audiovisuelle Medien und moderne Aufzeichnungstechniken eine neue, zukunftsweisende Form der Verwirklichung finden kann.
Filmische Dramaturgie
Die dramaturgischen Grundlagen des Kunstwerks der Zukunft im Sinne Wagners und die des Spielfilms sind identisch: in beiden Fällen ist das Drama in eine epische Form eingebettet. Das „Drama der Zukunft“ ist demnach eigentlich überhaupt kein Drama, denn es kommt nicht ohne Erzählebene aus. Es ist eine Mischform aus Drama und Epos. Damit erweist sich Wagner als Begründer der Filmform. Die Neuigkeit dieser Form liegt in der Zusammenführung von Darstellungs- und Erzählebene. Dabei sind beide Ebenen in ihrer Dominanz variabel und beliebig kombinierbar. Diese Form des epischen Dramas oder Epidramas hat es vorher noch nicht gegeben. Analog der Funktionsweise des organischen Schöpfungsvorgangs, entstand auch hier in der Vereinigung von Verschiedenem eine völlig neue funktionelle Ganzheit. Und hier wie dort gilt, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Teile.
Daraus ergibt sich das Problem der angemessenen Benennung: „In dem vorliegenden Falle wüßte ich aber selbst mit dem besten Willen nicht, welchen Namen ich dem Kinde geben sollte, welches aus meinen Arbeiten einen guten Theil der Mitwelt ziemlich befremdet anlächelt. [...] Fast wäre ich geneigt gewesen, mich auf die Sichtbarkeit desselben einzig zu berufen, und somit an das »Schauspiel« mich zu halten, da ich meine Dramen gern als ersichtlich gewordene Thaten der Musik bezeichnet hätte. Das wäre denn nun ein recht kunstphilosophischer Titel gewesen.“ Die Unmöglichkeit der richtigen Bezeichnung besteht ferner darin, dass die neue Form kein neues, ihr angemessenes Medium mit sich brachte, sondern abhängig war von der herkömmlichen Guckkastenbühne. Die neue Form war also nicht frei und daher an alte Begrifflichkeiten gebunden, die ihr prinzipiell nicht gerecht werden konnten. Es ist jedoch im Rahmen dieser Arbeit einigermaßen aufschlussreich, dass Wagner sich bei der Namensgebung gerne auf die „Sichtbarkeit“ berufen hätte.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Wagners visionären Anspruch, sein Lebenswerk über die technischen Grenzen des 19. Jahrhunderts hinaus in die Zukunft zu führen, und etabliert die These seiner Nähe zum Medium Film.
Illusionen: Dieses Kapitel vergleicht Wagners Streben nach einer "idealen Traumwelt" mit der Ästhetik der "Grand Opera" und ordnet seinen Gestaltungswillen in den Kontext der Suche nach neuen, zukunftsweisenden Ausdrucksmedien ein.
Grenzen des Live-Theaters: Es werden die systemimmanenten Beschränkungen des traditionellen Opernbetriebs aufgezeigt und die Frage nach einer zeitgemäßen, technischen Alternative diskutiert.
Sehen und Hören: Dieses Kapitel analysiert das Wagnersche Gesamtkunstwerk als einen Prozess, der auf der integrierten Wahrnehmung verschiedener sinnlicher Reize basiert, und verknüpft dies mit aktuellen Erkenntnissen der Gehirnforschung.
Rausch der Sinne: Hier steht die manipulative und rauschhafte Wirkung von Musik und Bild im Vordergrund, wobei die auditive Komponente als entscheidender Faktor für die emotionale Intensität eines Erlebnisses hervorgehoben wird.
Filmische Dramaturgie: Das Kapitel belegt, dass Wagners Musikdramen in ihrer Struktur – insbesondere durch die Verschränkung von Erzählebene und Darstellung – identisch mit den Grundlagen der modernen Filmdramaturgie sind.
Plastische Musik: Der Fokus liegt auf der instrumentalen Farbigkeit und der "unendlichen Melodie" Wagners, die eine bildhafte Qualität besitzt, welche die Musik für eine filmische Umsetzung prädestiniert.
Ein Filmfestspiel: Das Fazit stellt die Verfügbarkeit von Wagner-Aufnahmen auf Tonträgern und Video der Bühnenrealität gegenüber und plädiert für eine neue filmische Realisierung von Wagners Visionen.
Richard Wagner, Gesamtkunstwerk, Filmische Dramaturgie, Musiktheater, Wahrnehmungspsychologie, Bühnentechnik, Unendliche Melodie, Filmform, Operngeschichte, Mediale Präsentation, Bildsprache, Audiovisuelle Medien, Bayreuther Festspiele, Illusionstheater, Ästhetik.
Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung zwischen Richard Wagners musikdramatischem Schaffen und den Möglichkeiten des modernen Films.
Die Schwerpunkte liegen auf der Wahrnehmungspsychologie des Musiktheaters, der filmischen Struktur der Wagnerschen Dramaturgie und der technischen Entwicklung von Aufzeichnungs- und Projektionsmedien.
Das Ziel ist es, Wagner als Vordenker einer filmischen Erzählweise zu identifizieren und aufzuzeigen, wie sein Ideal des "Kunstwerks der Zukunft" erst durch moderne Medientechnologien vollkommen realisiert werden kann.
Der Autor nutzt eine hermeneutische Analyse von Wagners eigenen Schriften und Briefen in Verbindung mit Erkenntnissen aus Wahrnehmungspsychologie, Gehirnforschung und medienhistorischen Statistiken.
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise des Wagnerschen Gesamtkunstwerks, die Grenzen des Live-Theaters und überträgt diese Erkenntnisse auf filmtechnische Möglichkeiten wie 3D-Technik und digitale Bildkonstruktion.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gesamtkunstwerk, Filmische Dramaturgie, Unendliche Melodie und audiovisuelle Wahrnehmung beschreiben.
Der Autor argumentiert, dass der "Ring" aufgrund seiner filmischen Struktur die Grenzen der traditionellen Bühne sprengt und für eine authentische Umsetzung neue mediale Ansätze benötigt.
Diese Techniken dienen als moderne Entsprechungen für Wagners Vision der "idealen Traumwelt", da sie die räumliche und visuelle Distanz zwischen Werk und Zuschauer aufheben können.
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