Diplomarbeit, 2006
95 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Der Hooliganismus und seine Entstehung
1.1 Vom Zuschauer zum Hooligan: die Entwicklung eines Phänomens bei Sportveranstaltungen
1.1.1 Fußball und seine Fans – die Geschichte einer „gewaltigen“ Zweierbeziehung
1.1.2 Herkunft und Bedeutung des Begriffs „Hooligans“
1.1.3 „Die Geburt der Hooligans“
1.2 Stadionbesucher heute
1.2.1 Gängige Klassifikationen
1.2.2 „Normalos“
1.2.3 „Kutten“
1.2.4 „Ultras“
1.2.5 „Hools“
1.3 Zusammensetzung und Strukturierung von Hooliganmobs
1.3.1 Gruppengröße und –struktur
1.3.2 Hierarchisierung
1.4 Das äußere Erscheinungsbild der Hooligans
1.4.1 Kleidungsstil
1.4.2 Visualisierungen
1.5 Werte- und Normenstruktur des Hooliganismus
1.5.1 Der Verein – Identifikationsinstrument oder Mittel zum Zweck?
1.5.2 Gruppennormen und ihre Auswirkungen
1.6 Hooligangewalt
1.6.1 Ausformung der Gewalt
1.6.2 Bedeutung und Funktion der Gewalt
1.6.3 Die Funktionalität der Provokation
1.7 Ausgewählte Verhaltens- und Mentalitätsmuster
1.7.1 Alkohol- und Drogenkonsum bei Hooligans
1.7.2 Hooligans und politische Orientierungen
1.7.3 Die Bedeutung von Frauen im Hooliganismus
1.7.4 Ostdeutscher Hooliganismus
2. Hooliganismus – ein Jugendproblem?
2.1. Lebensbedingungen Jugendlicher und Gewalthandeln
2.1.1 Bedingungen der Jugendphase
2.1.2 Jugend im Zeitalter der Individualisierung
2.1.3 Hools – die „entwertete“ Jugend?
2.1.4 Hooligangewalt – die „misslungene“ Zivilisation?
2.1.5 „Hegemoniale Männlichkeit“ als Element des Hooliganismus
2.2. Jugendsubkulturen – Gruppendynamik und Identität
2.2.1. Theorie der Subkultur
2.2.2. Jugend und Subkultur
2.2.3. Hooliganismus – eine Jugend(sub)kultur?
2.2.4. Hooligangewalt – jugend(sub)kulturelle Gewalt?
3. Fußballfans und Kriminalisierung
3.1 Die Rolle der Medien
3.1.1 Darstellung von Fußballfans und Fangewalt in den Medien
3.1.2 Auswirkungen der Medienberichterstattung auf Fangewalt
3.2 Die Rolle der Polizei
3.2.1 Die Wechselwirkung von ordnungspolitischen Maßnahmen und Fangewalt
3.2.2 Kriminalisierung durch polizeiliches Eingreifen
3.3 Die Rolle von Vereinen und Verbänden
3.4 Von der besonderen Illegitimität jugendlicher Gewalt
4. Hooligans: Fußballfans, missverstandene Jugendliche, Gewalttäter?
Die Diplomarbeit untersucht die Ursachenbeziehungen des Hooliganismus vor dem Hintergrund der Frage, ob Hooligans als Fußballfans, missverstandene Jugendliche oder Gewalttäter zu klassifizieren sind. Dabei wird analysiert, inwiefern gesellschaftliche Prozesse, die Rolle der Medien und staatliche Kontrollinstanzen zur Entstehung und Stigmatisierung dieses Phänomens beitragen.
1.1.1 Fußball und seine Fans – die Geschichte einer „gewaltigen“ Zweierbeziehung
Die Entstehung des Fußballs – vom Spieler zum Fan
„Am Anfang war nur der Ball. Als das runde Leder rollen lernte, gab es auf den Zuschauerrängen keine bengalischen Feuer, keine Fahnenschwenker, keine Trommler, keine Vereins-hymnen und keine Hassgesänge. Es gab überhaupt keine Fans, nicht einmal Zuschauerränge“ (Schulze-Marmeling 1995: 11). Der Ausgangspunkt des heutigen Volkssports Fußball – damals noch eher dem heutigen Rugby ähnlich, bei dem auch die Hände eingesetzt werden dürfen – ist im heute als „Mutterland des Fußballs“ bekannten England zu suchen. Die ersten überlieferten Fußballspiele auf englischem Boden sind auf das zehnte Jahrhundert datiert. Der Fußball gilt in der Agrargesellschaft der damaligen Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes, zunächst als Massenveranstaltung, an der sich ganze Stadtviertel oder auch Dorfgemeinschaften beteiligen. Normen, im Sinne eines Regelwerks, existieren nicht. Die Spielzeit wird lediglich durch den Sonnenuntergang begrenzt, die Teilnehmerzahl überhaupt nicht und das Spielfeld kann z.B. den Raum zwischen zwei Stadttoren oder zwei Dörfern einnehmen. Diesen Eigenheiten des damaligen Fußballspiels kann man entnehmen, dass Zuschauer im Verständnis von passiv Beteiligten noch nicht existieren – und schon gar keine Fans. Trotzdem, oder gerade deswegen, sind Gewalttätigkeiten der involvierten Gruppen an der Tagesordnung. Es handelt sich mehr um einen spielerisch ausgetragenen Kampf, als um ein kampfbetontes Spiel, in dem jeder Beteiligte unter Einsatz seiner kompletten körperlichen Kräfte für seine „Mannschaft“ kämpft. „Die Betonung [der fußballerischen Auseinandersetzung, AdV (= Anmerkung des Verfassers)] lag unmissverständlich auf Kraft und Gewalt, nicht auf Geschicklichkeit“ (Schulze-Marmeling 1992: 15).
1. Der Hooliganismus und seine Entstehung: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des Fußballs und wie sich daraus Gewaltphänomene und spezifische Stadionkulturen entwickelten.
2. Hooliganismus – ein Jugendproblem?: Hier wird untersucht, ob der Hooliganismus als Antwort auf die spezifischen Herausforderungen der Jugendphase, wie Individualisierung und Identitätssuche, verstanden werden kann.
3. Fußballfans und Kriminalisierung: Das Kapitel analysiert die Rolle von Medien, Polizei und Vereinen sowie deren Einfluss auf die Stigmatisierung und Kriminalisierung von Fußballfans.
4. Hooligans: Fußballfans, missverstandene Jugendliche, Gewalttäter?: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und ordnet das Phänomen Hooliganismus kritisch ein.
Hooliganismus, Fußballfans, Jugendkultur, Gewalt, Individualisierung, Männlichkeit, Solidarität, Kriminalisierung, Medien, Stigmatisierung, Sozialisation, Subkultur, Stadion, Identität, Gewalttäter-Theorem
Die Arbeit befasst sich soziologisch mit den Ursachen und Wirkungszusammenhängen des Hooliganismus im Umfeld des Fußballs.
Die zentralen Felder umfassen die Entstehungsgeschichte des Fußballs, die Struktur der Hooligan-Subkultur, die Lebensbedingungen Jugendlicher sowie die gesellschaftliche Kriminalisierung von Fans.
Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob Hooligans primär als Fußballfans, missverstandene Jugendliche oder klassische Gewalttäter zu betrachten sind.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer Konzepte, wie das Habitusmodell von Bourdieu, die Zivilisationstheorie von Elias und den Labeling-Approach.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Jugendphase auch die spezifischen Verhaltens- und Mentalitätsmuster von Hooligans sowie die Rolle von Polizei und Medien bei der Etikettierung dieser Gruppen beleuchtet.
Wichtige Begriffe sind unter anderem hegemoniale Männlichkeit, Distinktion, Entwertung, Sensation-Seeking und die Rolle der Sozialisationsinstanzen.
Der Autor argumentiert, dass eine pauschale Bezeichnung als „Gewalttäter“ die hintergründigen Ursachen und den zweckrationalen Charakter der Handlungen ausblendet und zur Stigmatisierung beiträgt.
Der Ehrenkodex dient als Regulierungsmechanismus, um Gewalt in einen sozialen, „fairen“ Rahmen zu zwingen und Exzesse zu begrenzen.
Medien dramatisieren Fangewalt durch eine marktorientierte Berichterstattung, was zur Folge hat, dass Fangruppen stärker stigmatisiert und als Bedrohung wahrgenommen werden.
Das Konzept erklärt, wie Hooligans versuchen, ihren gesellschaftlichen Status durch körperliche Überlegenheit und Risikobereitschaft zu festigen, um so ein traditionelles Männlichkeitsbild zu erfüllen.
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