Diplomarbeit, 2006
110 Seiten, Note: 1,7
EINLEITUNG
1. BEGRIFFSBESTIMMUNG: JUNGE ERWACHSENE
2. ASPEKTE GESELLSCHAFTLICHEN WANDELS UND MÖGLICHE AUSWIRKUNGEN FÜR JUNGE ERWACHSENE
2.1 Individualisierung
2.1.1 Was unter Individualisierung zu verstehen ist
2.1.2 Auswirkungen der Individualisierungsprozesse auf das Individuum
2.1.3 Individualisierung und Wiedereinbindung
2.2 Pluralisierung der Lebensformen
2.2.1 Pluralisierung und Lebensform
2.2.2 Einflussfaktoren für die Entstehung neuer Lebensformen
2.2.3 Pluralität in Grenzen
2.2.4 Einschränkungen zur Pluralisierungsthese
2.3 Entscheidungsvielfalt und Individualisierungsdruck
3. VERSCHIEDENE AUFGABEN UND ANFORDERUNGEN AN DIE HERKUNFTSFAMILIE
3.1 Was sich hinter dem Begriff Familie verbirgt
3.2 Funktionen von Familie
3.2.1 Sozialisation und Erziehung
3.2.2 Emotionaler Spannungsausgleich
3.2.3 Placierungsfunktion
4. DIE ABLÖSUNG UND VERSELBSTSTÄNDIGUNG ALS ZENTRALE AUFGABEN JUNGER ERWACHSENER UND DIE DAMIT VERBUNDENEN ANFORDERUNGEN
4.1 Partnerwahl und Partnerschaftsformen
4.2 Familiengründung
4.3 Die Ehe
4.4 Kinder
4.4.1 Die schwierige Entscheidung für oder gegen Kinder
4.4.2 Funktionen und Bedeutungen von Kindern
4.4.3 Auswirkungen von Kindern auf den Alltag junger Erwachsener
4.5 Wird die Vielfalt der Optionen genutzt?
4.6 Die Ausbildungsphase
4.6.1 Unentschiedenheit in der Berufsqualifizierungsphase
4.6.2 Verlängerung der Ausbildungsphase
4.6.3 Die Postadoleszenz
4.6.4 Das Bildungsmoratorium
4.6.5 Interpretationen der Berufsqualifizierungsphase und Berufsstart
5. EINFLÜSSE VON ERWERBSARBEIT AUF DAS LEBEN JUNGER ERWACHSENER
5.1 Das Normalarbeitsverhältnis
5.1.1 Erosion des Normalarbeitsverhältnisses
5.1.2 Arbeitsmarktveränderungen und wirtschaftlicher Strukturwandel
5.2 Entwicklungen in der Beschäftigungslandschaft
5.2.1 Erwerbsarbeit als sinnstiftende Instanz
5.2.2 Offenhalten von Handlungsoptionen als Konsequenz
6. ABHÄNGIGKEITEN ZUR HERKUNFTSFAMILIE UND DER AUSZUG AUS DEM ELTERNHAUS
6.1 Abhängigkeiten junger Erwachsener im Einkommenspatchwork
6.2 Ökonomische Abhängigkeit des erwachsenen Kindes aus Sicht der Herkunftsfamilie
6.3 Der Auszug aus dem Elternhaus
6.4 Nesthocker und Nestflüchter
6.5 Wie sich das verlängerte Zusammenleben auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirkt
6.6 Die Eltern-Kind-Beziehung nach dem Auszug
7. SCHLUSSFOLGERUNG
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Lebenswirklichkeit junger Erwachsener in der modernen Gesellschaft Deutschlands, wobei der Fokus auf den komplexen Entscheidungsprozessen und den Anforderungen an die Lebensgestaltung liegt. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie das Individuum in einer durch Individualisierung und Pluralisierung geprägten Welt seine Biographie gestaltet, welche Rolle dabei die Herkunftsfamilie einnimmt und wie sich die sich wandelnden Bedingungen von Ausbildung und Arbeitswelt auf den Verselbstständigungsprozess auswirken.
Der Einzelne als Regisseur und Darsteller des individuellen Lebenslaufes
Menschen in Vereinzelungsprozessen sind einerseits Darsteller, andererseits Regisseure für die jeweils gewählte, individuell zu organisierende und zu planende Biographie. Beck spricht im Rahmen von Individualisierungsprozessen von »neue[n] Suchbewegungen« (Beck, 1986; 119) der Individuen. Junge Erwachsene müssen sich mit komplexen Themen befassen, welche die individuelle Lebensrichtung entscheidend beeinflussen. Es geht dabei um Themen und die damit verbundene »Qual der Wahl«, Ausbildung, Partnerwahl, Ehe, Kinderwunsch, Berufswahl, Erwerbsarbeit, alternative Lebensmodelle, Verweigerung oder Integration in die Gesellschaft, Lebensphilosophien, Politik, Werte, Normen, etc. (vgl. ebd.; 217).
»Subjekte erleben sich als Darsteller auf einer gesellschaftlichen Bühne ohne fertige Drehbücher.« (Keupp, 1999; 53). In diesem Zusammenhang wird die Ambivalenz ersichtlich: Es scheint verlockend, das eigene Leben selbst planen und kreieren zu können, also das Drehbuch für die Biographie selbst zu verfassen. Andererseits setzt dies einiges, für diese »Regiearbeit« erforderliche materielle, soziale und psychische Ressourcen voraus. Stehen diese dem Individuen nicht im benötigten Umfang zur Verfügung, dann wird die Selbstgestaltung zu einer schwer erträglichen Aufgabe, der das Subjekt dann u. U. gerne entfliehen will (vgl. Keupp, 1999; 53).
Nach Buba ist zu beachten, dass Individualisierungsprozesse zur Ausdifferenzierung der Vielfalt der Möglichkeiten für das Individuum führen. Allerdings können diese »Optionen« faktisch nur in Grenzen realisiert werden (vgl. Buba, 1996; 346).
Nach Keupp verlangt es in modernen individualisierten Gesellschaften einer individuellen »Planungs- und Gestaltungshoheit für das eigene Leben. Es erhöhen sich die Chancen, Vorstellungen von einem Stück eigenem Leben zu realisieren (…) Die zeitgemäßen Webmuster der sozialen Beziehungen setzen ein aktives Subjet voraus. Jeder von uns wird zum Baumeister seines eigenen Beziehungsnetzwerkes. Aber das ist, nicht nur eine Freiheit, sonder eine unabdingbare Notwendigkeit« (Keupp, 1999; 38).
1. BEGRIFFSBESTIMMUNG: JUNGE ERWACHSENE: Dieses Kapitel definiert das junge Erwachsenenalter anhand verschiedener wissenschaftlicher Lebenslaufmodelle und grenzt es von der Jugendphase ab.
2. ASPEKTE GESELLSCHAFTLICHEN WANDELS UND MÖGLICHE AUSWIRKUNGEN FÜR JUNGE ERWACHSENE: Hier werden die zentralen gesellschaftlichen Transformationen wie Individualisierung und Pluralisierung diskutiert und deren Konsequenzen für die Entscheidungsspielräume des Einzelnen beleuchtet.
3. VERSCHIEDENE AUFGABEN UND ANFORDERUNGEN AN DIE HERKUNFTSFAMILIE: Dieses Kapitel analysiert die Rolle der Familie als Instanz für Sozialisation, emotionalen Spannungsausgleich und soziale Platzierung.
4. DIE ABLÖSUNG UND VERSELBSTSTÄNDIGUNG ALS ZENTRALE AUFGABEN JUNGER ERWACHSENER UND DIE DAMIT VERBUNDENEN ANFORDERUNGEN: Der Fokus liegt hier auf dem Prozess des Erwachsenwerdens, inklusive Partnerwahl, Familiengründung, Kinderwunsch sowie der Verlängerung der Ausbildungsphase.
5. EINFLÜSSE VON ERWERBSARBEIT AUF DAS LEBEN JUNGER ERWACHSENER: Dieses Kapitel thematisiert den Wandel des Normalarbeitsverhältnisses und die Bedeutung von Erwerbsarbeit als sinnstiftende Komponente im Leben.
6. ABHÄNGIGKEITEN ZUR HERKUNFTSFAMILIE UND DER AUSZUG AUS DEM ELTERNHAUS: Abschließend werden die Ablösungsprozesse vom Elternhaus, die Problematik der "Nesthocker" sowie die Eltern-Kind-Beziehung nach dem Auszug untersucht.
7. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Schlussfolgerung reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und hinterfragt die Metaphern von Puzzle und Mosaik für das Verständnis der modernen Lebensführung.
Junge Erwachsene, Individualisierung, Pluralisierung, Lebensformen, Herkunftsfamilie, Sozialisation, Ablösungsprozess, Erwachsenenalter, Postadoleszenz, Erwerbsarbeit, Normalarbeitsverhältnis, Nesthocker, Identitätsbildung, Entscheidungsdruck, Bildungsmoratorium.
Die Arbeit befasst sich mit den Lebensbedingungen und den Herausforderungen von jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren in der modernen deutschen Gesellschaft.
Zu den Kernbereichen gehören der gesellschaftliche Wandel (Individualisierung/Pluralisierung), die Rolle der Herkunftsfamilie, der Prozess der Ablösung und Verselbstständigung sowie der Einfluss der Arbeitswelt auf die junge Generation.
Ziel ist es, die Puzzle- bzw. Mosaikstücke des Lebens junger Erwachsener zusammenzutragen und deren subjektive Entscheidungsprozesse im Kontext gesellschaftlicher Anforderungen zu beleuchten.
Der Autor stützt sich primär auf eine tiefgehende Literaturanalyse und -synthese soziologischer und pädagogischer Theorien und Studien des 20. und frühen 21. Jahrhunderts.
Der Hauptteil analysiert die Definition des jungen Erwachsenenalters, die Auswirkungen gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse, die Funktionen der Familie, die Ablösungsphase (Partnerwahl, Familiengründung, Ausbildungsphasen) sowie die Bedingungen der Erwerbsarbeit.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Individualisierung, Pluralisierung der Lebensformen, Postadoleszenz, Bildungsmoratorium, Normalarbeitsverhältnis und Ablösungsprozess charakterisiert.
Sie beschreibt die Ablösung des Subjekts aus traditionellen Bindungen, was zwar neue Freiheiten in der Lebensgestaltung schafft, aber auch einen hohen Individualisierungsdruck und das Risiko der Vereinzelung birgt.
Der Autor sieht "Nesthocker" nicht als einheitliche Gruppe, sondern als Folge vielfältiger Motive – von finanziellen Zwängen über veränderte Ausbildungssituationen bis hin zu einem veränderten, liberaleren Zusammenleben im Elternhaus.
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