Diplomarbeit, 2006
166 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Ziele und Fragen
1.2 Die Kapitel im Überblick
2. Annäherung an den Intersectionality-Ansatz
2.1. Intersectionality - Eine Theorieperspektive zu Race, Class, Gender?
2.1.1 Was bedeutet Intersectionality?
2.1.2 Unterschiedliche theoretische Herangehensweisen und soziologische Ebenen
2.1.3 Terminologische Diskussion zu Race, Class, Gender
2.1.3.1 Race – Rassismus und Sexismus
2.1.3.2 Ethnizität – Ethnische Gruppe – Nationaler Bezugsrahmen
2.1.3.3 Gender zwischen Differenz und Ungleichheit
2.1.3.4 Class – Klassische Ungleichheitsforschung – Gender and Class Debate
3. Black Feminist und Women of Color zu den Ursprüngen in den USA
3.1 Geschichtliche Rückblicke – Zeitliche Kontextualisierung
3.2 Auswahl von Autorinnenbeiträgen zum Intersectionality-Ansatz
3.2.1 Das Combahee River Collective: „neither solely racial nor solely sexual“
3.2.2 Patricia Hill Collins – Wissenschaftskritik schwarzer Forscherinnen
3.2.3 Kimberlé Crenshaw: Politik u. Rechtsprechung im Zeichen v. Intersectionality
3.4 Zusammenfassungen der „Autorinnenschau“ in den USA
4. Diskurse über Intersektionalität von Geschlecht und Ethnie in Deutschland
4.1 Intersectionality oder Multiaxialität in der deutschen Diskussion?
4.2 Auswahl der Autorinnenbeiträge: Nationalkonstruktion und „Gastarbeit“
4.2.1 FeMigra: Soziale Differenzen unter Frauen
4.2.2 Sedef Gümen: Nationalstaatlichkeit – „Ausblendung“ und „Besonderlichung“
4.2.3 Encarnación Gutiérrez Rodríguez: Postkoloniale Kritik u. Kontextualisierung
4.3 Zusammenfassungen der „Autorinnenschau“ in Deutschland
5. Zusammenschau: Felder der Rezeption von Race, Class, Gender
5.1 Themenkreise – Standpunkte und Perspektiven
5.1.1 US-amerikansiche Diskussion
5.1.2 Deutsche Diskussion
5.2 Lücken in der Intersectionality- Forschung
5.3 Weiterführendes und Fazit zur intersektionellen Forschung
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung des Intersectionality-Ansatzes in der feministischen Diskussion, mit dem Ziel, ein adäquates theoretisches Modell zur Analyse gesellschaftlicher Ungleichheiten zu identifizieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich Machtverhältnisse über die Kategorien Race, Class und Gender überschneiden und wie diese Erkenntnisse für eine fundierte Ungleichheitsforschung nutzbar gemacht werden können.
1. Einleitung
Während meines Aufenthalts in Mexiko machte ich die Beobachtung, dass Arbeitgeber der exportorientierten Maquila-Industrie Personal v.a. nach dem Geschlecht und nach der ethnischen Zugehörigkeit in prekäre Arbeitsverhältnisse rekrutieren. Der Lohn wird im Süden Mexikos noch weiter nach unten gedrückt, da hier überwiegend Menschen indigener Gruppen leben und im ganzen Land ist der Faktor Geschlecht gleich auch ein Lohnfaktor. Frauen verdienen weniger für vergleichbare Arbeit. Im Norden Mexikos gibt es dieses Phänomen prekärer Arbeitsverhältnisse v.a. für Frauen, denn qualifizierte und technische Tätigkeiten sind den Männern in der Maquila-Industrie „vorbehalten“.
Die ungleiche Behandlung von Menschen wiederfährt Mexikanerinnen in ihrem eigenen Land aber auch in dem reichen Nachbarstaat der USA. Ähnlich werden eingewanderte „Gastarbeiterinnen“ oder Osteuropäerinnen in Deutschland diskriminiert. Aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und ihres Geschlechts werden sie in prekären niedrig entlohnten Arbeitsverhältnissen beschäftigt.
Auch wenn die Ungleichheiten zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern in ihren Extremen schwanken, zeigen sich diese Formen als weltweites Muster in vielen Beispielen. In Deutschland arbeiten osteuropäische Frauen als saisonale Erntehelferinnen, türkische und osteuropäische Frauen als Reinigungspersonal oder osteuropäische Männer in Fleischereifabriken jeweils unter schwierigen und ungesicherten Arbeitsverhältnissen. Weitere Beispiele gäbe es unzählige. Ethnische und geschlechtliche Differenzen transformieren sich in Form der Lohnhöhe und Qualität des Arbeitsverhältnisses zur sozialen Ungleichheit.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet anhand von Beispielen aus der internationalen Arbeitswelt die Verknüpfung von Geschlecht, Ethnie und sozialer Ungleichheit.
2. Annäherung an den Intersectionality-Ansatz: Dieses Kapitel erörtert theoretische Ansätze und Begriffe rund um den Intersectionality-Diskurs und reflektiert soziologische Ebenen der Ungleichheitsanalyse.
3. Black Feminist und Women of Color zu den Ursprüngen in den USA: Der Abschnitt widmet sich den historischen Wurzeln des Intersektionalitäts-Ansatzes in der US-amerikanischen schwarzen Frauenbewegung.
4. Diskurse über Intersektionalität von Geschlecht und Ethnie in Deutschland: Hier wird die Rezeption und spezifische Anpassung des Konzepts an den deutschen Kontext, insbesondere im Bereich der Migrationsforschung, untersucht.
5. Zusammenschau: Felder der Rezeption von Race, Class, Gender: Das Schlusskapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und identifiziert Potenziale sowie Lücken für zukünftige Forschungsansätze.
Intersektionalität, Intersectionality, Race, Class, Gender, Soziale Ungleichheit, Feministische Theorie, Migrationsforschung, Herrschaftsmatrix, Black Feminist Thought, Ethnisierung, Vergeschlechtlichung, Diskriminierung, Machtverhältnisse, Gesellschaftsanalyse.
Die Arbeit analysiert das theoretische Konzept der Intersektionalität (Intersectionality) und untersucht, wie dieses genutzt werden kann, um komplexe gesellschaftliche Ungleichheitsstrukturen, die durch das Zusammenspiel von Geschlecht, Ethnie und Klasse entstehen, besser zu verstehen.
Die zentralen Felder sind die US-amerikanische Ursprungsdebatte des schwarzen Feminismus und die spezifische Rezeption und Anwendung dieser Theorieperspektive im deutschen Kontext, insbesondere innerhalb der Migrations- und Frauenforschung.
Das Ziel ist die theoretische begriffliche Erschließung des Intersectionality-Ansatzes und die Identifizierung eines angemessenen analytischen Modells, das die gleichzeitige Verschränkung von Unterdrückungsmechanismen (Rassismus, Sexismus, Klassenherrschaft) erfassen kann.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse und Auswertung existierender theoretischer Literatur, wissenschaftlicher Diskurse und zentraler Texte maßgeblicher Autorinnen aus den USA und Deutschland.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Annäherung an den Begriff, die Darstellung US-amerikanischer Black Feminist Theorien (z.B. von Patricia Hill Collins und Kimberlé Crenshaw) sowie eine Analyse deutscher Diskurse, die sich mit Nationalstaatlichkeit und Arbeitsmarkt verknüpfen.
Zentrale Begriffe sind Intersektionalität, Race, Class, Gender, Herrschaftsmatrix, Soziale Ungleichheit und feministische Theoriebildung.
Kimberlé Crenshaw nutzt diese Metapher, um zu visualisieren, wie Diskriminierungen aus verschiedenen Richtungen (z.B. Rassismus und Sexismus) an einem Punkt zusammenlaufen und Betroffene spezifisch treffen; die Arbeit diskutiert diese bildhafte Darstellung kritisch hinsichtlich ihrer Kontextgebundenheit.
Die Arbeit diskutiert "Weißsein" als eine oft unsichtbare, privilegierte Norm in der Wissenschaft, deren Dekonstruktion notwendig ist, um die einseitige Fokussierung der Forschung auf "fremde" oder "marginalisierte" Gruppen zu überwinden.
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