Diplomarbeit, 2005
110 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Vorgehensweise
1.4. Begriffsbestimmung
1.4.1 Problematik bei der Definition
1.4.2 Definitionen
1.4.3 Formen aggressiven Verhaltens
1.5. Prävalenz
2. Modelle zur Entstehung gewalttätigen Verhaltens
2.1. Klassische psychologische Theorien
2.1.1 Aggression als angeborene Verhaltensdisposition
2.1.2 Aggression als Reaktion auf Umweltreize
2.1.3 Aggressives Verhalten als Folge von Lernprozessen
2.2. Klassische soziologische Theorien abweichenden Verhaltens
2.2.1 Die Anomietheorie
2.2.2 Subkulturtheorien
2.2.3 Theorien des differentiellen Lernens
2.2.4 Die Theorie der Neutralisierungstechniken
2.2.5 Die Etikettierungstheorie (labeling approach)
2.2.6 Die Selbstkontrolltheorie
2.3. Sozialpsychologische Theorien
2.4. Neuere Ansätze zur Erklärung von Gewalttätigkeit
3. Gewalt als Konfliktlösungsstrategie
3.1. Ablauf von Konflikten
3.1.1 Ablauf der ‚Rechenschaftsepisode’
3.1.2 Die Eskalationstreppe
3.2. Seelische Faktoren im Konfliktgeschehen
3.2.1 Auswirkungen von Konflikten auf die seelischen Faktoren
3.2.2 Auswirkungen auf das Verhalten, dessen Funktionen und Effekte
3.3. Gewalttaten unter dem Aspekt der emotionalen Erregung
3.3.1 Biologische Basics und Erregungsindikatoren
3.3.2 Differenzierung aggressiven Verhaltens anhand der beteiligten Erregung
4. Ablauf von Gewalttaten
4.1. Voraussetzungen für Gewalt
4.2. Der Ablauf gewaltsamer Vorfälle
4.2.1 Die Angriffsphasen
4.2.2 Warnhinweise auf die Eskalationsphase
4.2.3 Zusammenfassung
5. Mögliche Ansätze zur Deeskalation
5.1. Die Katharsis-Hypothese
5.2. Erste Ableitungen aus den vorgestellten Theorien
5.2.1 Das ‚Belastungsmodell’
5.2.2 Ansatzpunkte für Prävention und Deeskalation
6. Die Lebenssituation der Zielgruppe
6.1. Eingrenzung der Zielgruppe
6.2. Spezielle Belastungen wohnungsloser Menschen
6.2.1 Die Lebensrealität
6.2.2 Konsequenzen der Lebensrealität
6.3. Spezielle Belastungen drogenabhängiger Menschen
6.3.1 Die Lebensrealität
6.3.2 Konsequenzen der Lebensrealität
6.4. Auswirkungen auf die Lebensrealität (und –qualität):
7. Auswirkungen der Lebensrealität auf die Gewaltbereitschaft
7.1. Einwirkung von Alkohol und Drogen auf das Gewaltpotential
7.1.1 Spezielle Auswirkungen von Alkohol
7.1.2 Spezielle Auswirkungen des Drogenkonsums
7.2. Auswirkungen des sozialen Umfeldes
8. Zusammenfassende Wertung
9. Prävention durch Gestaltung der Rahmenbedingungen
9.1. Niedrigschwelligkeit: Menschenbild, Ziele und Ansätze
9.2. Entlastende Angebote
9.2.1 Grundversorgung
9.2.2 Beschäftigung und Ermöglichen positiver Erlebnisse
9.3. Anforderungen an Räumlichkeiten und Inventar
9.3.1 Übersichtlichkeit
9.3.2 Ausweich-, Rückzugs- und Fluchtmöglichkeiten
9.3.3 Atmosphäre der Räume
9.3.4 Weitere Anforderungen an die Räumlichkeiten der Einrichtung
10. Prävention als Aufgabe der Mitarbeiter
10.1. Grundsätzliches über Einstellung und Verhalten
10.1.1 Die Einstellung zu Arbeit und Klientel
10.1.2 Grundsätzliches Auftreten
10.1.3 Grundsätzliches zum Umgang mit eigener Erregung
10.2. Exkurs: Voraussetzungen für erfolgreiches Handeln
10.2.1 Die Soziale Einflusstheorie
10.2.2 Die Interventionsberechtigung
10.3. Präventives Arbeiten
10.3.1 Beziehungsaufbau und Präsenz
10.3.2 Klare Regeln
11. Strategien für den Konfliktfall
11.1. Vorüberlegungen unter Berücksichtigung des eigenen Interventionstyps
11.1.1 Variable 1: Der Klient, Art und Stadium des Konfliktes
11.1.2 Variable 2: Die Beziehung des Sozialarbeiters zu Klient und Konflikt
11.1.3 Variable 3: Die situativen Gegebenheiten
11.1.4 Verzerrungen bei der Gefahrenprognose
11.1.5 ‚Gefährdungskriterien’ bei Sozialarbeitern
11.2. Interventionsstrategien bei Konflikten zwischen Klienten
11.2.1 Grundsätze und in fast allen Stadien anwendbare Techniken
11.2.2 Vorgehen im frühen Konfliktstadium (Auslösephase)
11.2.3 Strategien für weiter fortgeschrittene Stadien (Eskalationsphase)
11.2.4 Vorgehen im Extremfall (Krise)
11.2.5 Verhalten in der Erholungsphase
11.2.6 Konsequente Nachbereitung (Sanktionieren)
11.3. Spezialfall: Sozialarbeiter als Zielscheibe von Gewalt
11.3.1 Grundsätze, Strategien und Techniken für die gesamte Dauer des Vorfalles
11.3.2 Vorgehen in einem niedrigen Eskalationsstadium (Auslösephase)
11.3.3 Techniken für spätere Konfliktstadien (Eskalationsphase)
11.3.4 Vorgehen bei aussetzender Selbststeuerung des Aggressors (Krise)
11.3.5 Nach der Krise
12. Ansätze für ein Deeskalationstraining
12.1. Überprüfen der Sicherheitsstandards der Einrichtung
12.2. Workshopinhalte
12.2.1 Selbsteinschätzungsübung
12.2.2 Arbeit am Deeskalationstyp
12.2.3 Stressprophylaxe
12.2.4 Übungsvorschläge
13. Schlussgedanken
Die Diplomarbeit untersucht Strategien und Konzepte zur Prävention von Gewalttätigkeit in niedrigschwelligen Einrichtungen der Drogen- und Wohnungslosenhilfe. Sie analysiert die Entstehung von Aggressionen und Gewalt, erarbeitet ein Belastungsmodell zur situativen Einschätzung und leitet daraus konkrete Handlungsanweisungen für Mitarbeiter ab.
1.1. Problemstellung
Die Frage, um die sich diese Diplomarbeit dreht, heißt: „Was ist zu tun, wenn eine Situation eskaliert und was kann bereits im Vorfeld getan werden, damit es gar nicht erst soweit kommt?“
Dieses Thema hat sich aus einem Vorfall während meiner Arbeit in einer niedrigschwelligen Einrichtung der Suchthilfe ergeben, bei dem wir Mitarbeiter nur knapp einem Übergriff entgingen. Aggressives Verhalten der Klienten ist in Kontaktläden – gerade im Suchtbereich - keine Seltenheit. Doch das Bedrohen von Mitarbeitern oder gar Angriffe gehören nicht zur Tagesordnung.
Diese Begebenheit unterschied sich dadurch, dass die üblicherweise vor allem intuitiv wahrnehmbaren Anhaltspunkte dafür, wie weit der Klient noch von Gewalttätigkeiten entfernt ist, nicht spürbar waren. Dies machte die Situation uneinschätzbar. Anscheinend reagierten wir damals ‚richtig’, fragten uns danach aber, inwiefern die von uns eingesetzten Strategien und Verhaltensweisen im Widerspruch zu empfohlenen Vorgehensweisen aus der Fachliteratur stehen. Denn in einigen (von Kollegen besuchten) Deeskalationsschulungen wurden Verhaltensweisen gelehrt, die unserer Meinung nach in dieser Situation unweigerlich zum Ausbruch körperlicher Gewalt geführt hätten.
Derzeit ist es so, dass die von verschiedenen Autoren und ‚Deeskalationstrainern’ empfohlenen Strategien und Techniken sich teilweise widersprechen – ohne dies explizit zu begründen. Auch scheint es keine Literatur speziell für die Deeskalation in niedrigschwelligen Einrichtungen mit drogensüchtigem und/oder wohnungslosem Klientel zu geben.
Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu schließen.
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die Problemstellung, Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit und nimmt eine erste Begriffsbestimmung vor.
2. Modelle zur Entstehung gewalttätigen Verhaltens: Das Kapitel stellt klassische psychologische und soziologische Theorien zur Aggressionsentstehung vor, um Grundlagen für ein tieferes Verständnis zu schaffen.
3. Gewalt als Konfliktlösungsstrategie: Hier werden der typische Ablauf von Konflikten sowie psychische und physische Begleiterscheinungen von Konfliktgeschehen und emotionaler Erregung analysiert.
4. Ablauf von Gewalttaten: Dieses Kapitel definiert Voraussetzungen für Gewalt und beschreibt das Phasenmodell eines gewaltsamen Übergriffs.
5. Mögliche Ansätze zur Deeskalation: Aus verschiedenen Katharsis-Theorien wird ein eigenes ‚Belastungsmodell’ abgeleitet, das als Grundlage für präventive Strategien dient.
6. Die Lebenssituation der Zielgruppe: Es erfolgt eine detaillierte Darstellung der Lebensumstände wohnungsloser und drogenabhängiger Menschen sowie deren spezifische Belastungsfaktoren.
7. Auswirkungen der Lebensrealität auf die Gewaltbereitschaft: Dieses Kapitel untersucht, wie sich Substanzkonsum und ein prekäres soziales Umfeld konkret auf das Gewaltpotenzial auswirken.
8. Zusammenfassende Wertung: Eine Synthese der zuvor erarbeiteten Erkenntnisse über Stressfaktoren und deren Einengung des Handlungsspielraums des Klientels.
9. Prävention durch Gestaltung der Rahmenbedingungen: Vorstellung niedrigschwelliger Ansätze und baulicher Anforderungen zur Schaffung einer entlastenden Umgebung.
10. Prävention als Aufgabe der Mitarbeiter: Das Kapitel behandelt die professionelle Einstellung, das Auftreten und den Umgang mit eigener Erregung als Kernkompetenzen präventiven Arbeitens.
11. Strategien für den Konfliktfall: Eine praktische Sammlung von Handlungsanweisungen, unterteilt nach Eskalationsstadien und spezifischen Konfliktsituationen.
12. Ansätze für ein Deeskalationstraining: Anleitung zur Durchführung eines Teamtrainings mit Fokus auf Sicherheitsstandards und Workshopinhalten wie der Selbsteinschätzung.
13. Schlussgedanken: Ein resümierender Blick auf die Arbeit, der die Relevanz der Sicherheitskultur und die Grenzen der Handlungsanweisungen betont.
Gewalt, Deeskalation, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, Aggression, Konfliktmanagement, Belastungsmodell, Prävention, Soziale Arbeit, Eskalation, Gewaltprävention, Deeskalationstraining, Niedrigschwelligkeit, Selbstkontrolle, Interventionsstrategien
Die Arbeit beschäftigt sich mit Strategien zur Prävention von Gewalttätigkeit und mit Techniken zur Deeskalation in niedrigschwelligen Einrichtungen der Sucht- und Wohnungslosenhilfe.
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Erklärungsmodelle für Gewalt, die Lebenssituation der Klienten, präventive Rahmenbedingungen, das Verhalten von Mitarbeitern und konkrete Handlungsstrategien im Akutfall.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Phänomen Gewalt in diesen speziellen Einrichtungen zu schaffen und Mitarbeitern einen Leitfaden zu geben, um in Konflikten situationsadäquat und sicher zu intervenieren.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch psychologische und soziologische Modelle sowie der Ableitung eines praxisorientierten ‚Belastungsmodells’ zur Unterstützung der Deeskalationsarbeit.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (Modelle), die Analyse der Lebensrealität des Klientels, sowie einen umfassenden Praxisteil mit Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von Einrichtungen und das konkrete Krisenmanagement.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Gewalt, Deeskalation, Belastungsmodell, Sucht- und Wohnungslosenhilfe sowie Deeskalationstraining gekennzeichnet.
Es dient als Integrationsmodell für die unterschiedlichen theoretischen Ansätze der Gewaltforschung und bietet den Mitarbeitern ein anschauliches Werkzeug, um die aktuelle Gefährdungslage eines Klienten besser einschätzen zu können.
Sie betont, dass der Umgang mit Übergriffen und die Unterstützung durch das Management ein entscheidender Indikator für die Qualität der Teamarbeit und die Arbeitszufriedenheit im Sozialwesen ist.
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