Wissenschaftlicher Aufsatz, 2004
21 Seiten
Albtraum-Wachtraum-Traumata – 'Die Trauung' in Schauspiel und Oper – Witold Gombrowicz und Volker David Kirchner
Zunächst aber zu Witold Gombrowicz und seiner Dramenvorlage.
Über sein Drama „Die Trauung“ schreibt Gombrowicz selbst:
ZUR REGIE DES DRAMAS
ZUR OPER VOLKER DAVID KIRCHNERS
Volker David Kirchner
DIE INNERE MUSIK DES TRAUMES
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Zusammenspiel von Witold Gombrowicz’ Schauspiel „Die Trauung“ und dessen Adaption als Oper durch Volker David Kirchner, wobei die psychologischen und strukturellen Mechanismen von Traum, Macht und Identitätsverlust im Kontext der Entstehung des modernen Menschen analysiert werden.
Die Deformation auf Gegenseitigkeit
Einerseits deformiert Heinrichs Innenwelt die Außenwelt: ihm träumt dies alles ja, er ist „allein“, die Personen sind lediglich sein Traum und sprechen zuweilen unmittelbar seine eigenen Gefühlszustände aus. Wenn also die Szene plötzlich wollüstig, pathetisch oder geheimnisvoll wird, wenn eine Figur auf einmal bösartig oder traurig wird, dann kraft der angespannten Arbeit von Heinrichs Geistes.
Andererseits drängt sich die Außenwelt Heinrich auf. Manchmal geschieht es, wie gesagt, dass die Personen des Stücks plötzlich den Ton ändern und etwas Unerwartetes sagen, weil Heinrich es so von ihnen erwartet hat. Manchmal aber verhält sich Heinrich auf eine für ihn selbst unvorhergesehene und unverständliche Weise, weil er sich seinen Partnern anpassen muss; sie diktieren ihm den Stil.
Es ist also eine Deformation auf Gegenseitigkeit - das ständige Ringen zweier Kräfte, einer inneren und einer äußeren, die einander begrenzen. Solch doppelter Deformation ist jeglicher künstlerische Kreationsakt unterworfen, und deshalb gleicht Heinrich eher einem Künstler im Zustand der Inspiration als einer Person, die träumt. Alles ist hier ständig dabei, „sich zu erschaffen“: Heinrich erschafft den Traum, und der Traum erschafft Heinrich, auch die Handlung erschafft sich unablässig selbst, die Menschen erschaffen einander, und das Ganze stürmt voran zu unbekannten Lösungen.
Albtraum-Wachtraum-Traumata – 'Die Trauung' in Schauspiel und Oper – Witold Gombrowicz und Volker David Kirchner: Einführung in die tragische Grundkonstellation von Gombrowicz' Werk und deren Adaption durch Volker David Kirchner.
Zunächst aber zu Witold Gombrowicz und seiner Dramenvorlage.: Biografischer Abriss zu Witold Gombrowicz und Übersicht über sein literarisches Schaffen sowie die zentralen Themen seiner Romane und Dramen.
Über sein Drama „Die Trauung“ schreibt Gombrowicz selbst:: Zusammenstellung von Gombrowicz' eigenen Aufzeichnungen und Überlegungen zum Entstehungsprozess und zur Konzeption seines Dramas.
ZUR REGIE DES DRAMAS: Analyse von Gombrowicz' Anforderungen an die Inszenierung und den Umgang mit der „Form“ als zentralem Element des Stücks.
ZUR OPER VOLKER DAVID KIRCHNERS: Darstellung der inhaltlichen Transformation des Stoffes in die Oper von Volker David Kirchner unter Einbeziehung musikdramaturgischer Gesichtspunkte.
Volker David Kirchner: Kurze Biografie des Komponisten, seine musikalischen Einflüsse und sein kompositorischer Werdegang.
DIE INNERE MUSIK DES TRAUMES: Detaillierte Untersuchung der musikalischen Struktur der Oper und deren Konvergenz mit der Dramaturgie des Traumspiels.
Witold Gombrowicz, Volker David Kirchner, Die Trauung, Traumspiel, Deformation, Zwischenmenschlichkeit, Musiktheater, Form, Identität, Richard Wagner, Dramaturgie, Moderne, Oper, Existenz, Heinrich.
Die Arbeit analysiert die inhaltliche und ästhetische Beziehung zwischen Witold Gombrowicz’ Schauspiel „Die Trauung“ und der gleichnamigen Oper von Volker David Kirchner.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Formbildung, die Machtmechanismen zwischen Individuen, das Verhältnis von Traum und Wirklichkeit sowie die musikalische Gestaltung von existentiellen Grenzerfahrungen.
Die Arbeit untersucht, wie die spezifische Ästhetik des „Zwischenmenschlichen“ und die „Deformation“ der Realität von der literarischen Vorlage in die musikdramaturgische Form der Oper übersetzt werden.
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die biografische Kontexte, Werkbesprechungen des Autors sowie musikwissenschaftliche Partituranalyse miteinander verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gombrowicz' Dramentheorie, die Analyse der Regieanforderungen und eine eingehende musikdramaturgische Interpretation der Oper.
Schlüsselwörter sind unter anderem Deformation, Traumlogik, zwischenmenschliche Form, Musiktheater und die existenzielle Identitätssuche.
Gombrowicz teilt mit Wagner das Interesse an einer gesamtkunstwerkartigen Wirkung, betont jedoch in der Umsetzung eine Abgrenzung durch eine spezifische, oft ironisch gebrochene Harmonik.
Dies beschreibt das dynamische, wechselseitige Ringen zwischen innerer subjektiver Traumwelt und äußerem sozialen Zwang, bei dem sich beide Ebenen ständig gegenseitig verformen.
Der Begriff verweist auf die Tendenz, die äußere Handlung zugunsten einer inneren, musikalisch-psychologischen Entladung in den Hintergrund zu rücken.
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