Wissenschaftlicher Aufsatz, 2002
8 Seiten
1. Wie Wagner und Verdi zusammenkamen
Diese wissenschaftliche Untersuchung beleuchtet das komplexe und spannungsreiche Verhältnis zwischen den Komponisten Richard Wagner und Giuseppe Verdi. Ziel ist es, trotz ihrer Stilisierung als Antipoden durch die zeitgenössische Kritik und die Wagner-Familie, Berührungspunkte in ihrer ästhetischen Auffassung von Musiktheater, ihre gegenseitige (oft ablehnende) Rezeption sowie den Einfluss von Verdis Schaffen auf die nachfolgende Generation im Hause Wagner, insbesondere Siegfried Wagner, aufzuzeigen.
WIE WAGNER UND VERDI ZUSAMMENKAMEN
"'Ich bin Verdi und du bist Wagner.' Leise sann der Maestro diese Worte vor sich hin, und kaum waren sie gedacht, hatte sich seine Ahnung enträtselt! 'Nicht Vignas, des Sterbenden, wegen bin ich nach Venedig gekommen, sondern im diesen Wagner zu sehn, ihm zu begegnen. - Gott weiß, warum! - Wir beide sind alt. Im gleichen Jahr geboren. Er bewegt und beherrscht alles. Ich bin schüchtern und stumm, noch immer der scheue Dorfköter von Roncole.- Dies dürfte die Wahrheit sein!'"
Die Begegnung zwischen Verdi und Wagner in Venedig gehört ins Reich der Legende, der zitierte Gedankengang Giuseppe Verdis entstammt Franz Werfels Verdi-Roman aus dem Jahr 1923. Werfels Roman "Verdi" wird heute von der Literaturkritik als ein Wagner-Roman eingestuft, bei dem Verdi quasi nur titelgebender Vorwand ist.
Die beiden Kinder des Jahrgangs 1813, Wagner im Tierkreiszeichen des Zwillings, Werdi in dem der Waage geboren, und damit beide dem Element der Luft zugehörig und damit beide Sanguiniker, sie wurden in erster Linie von ihrer Umwelt zu Antipoden gestempelt. Da Verdi Wagner um beinahe achtzehn Jahre überlebte, konnte Verdi - was Wagner versagt blieb - ein abschließendes Urteil über den Kollegen fällen. An Giulio Ricordi schrieb Verdi am 14. Februar 1883: "Traurig, traurig, traurig! Wagner ist tot! Als ich gestern die Depesche las, war ich das darf ich wohl sagen, völlig niedergeschmettert. Keine Diskussion! Es entschwindet eine große Persönlichkeit! Ein Name, der in der Geschichte der Kunst eine überaus mächtige Spur hinterläßt."
1. Wie Wagner und Verdi zusammenkamen: Dieses Kapitel führt in die historische und legendäre Beziehung zwischen den beiden Komponisten ein, thematisiert ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten sowie den gegenseitigen Respekt trotz ihrer Stilisierung als gegensätzliche musikalische Pole.
Richard Wagner, Giuseppe Verdi, Musiktheater, Antipoden, Operngeschichte, Bayreuth, Siegfried Wagner, Kompositionsstil, Rezeption, Ästhetik, Musikdrama, 19. Jahrhundert, Regiekunst, Musikalische Parallelen, Risorgimento
Die Arbeit untersucht das Verhältnis der beiden bedeutenden Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, Richard Wagner und Giuseppe Verdi, und hinterfragt deren künstliche Trennung als musikalische Gegenspieler.
Zu den zentralen Themen gehören die gegenseitige Wahrnehmung der Werke, die Rolle der Musikdramaturgie, die künstlerische Auffassung vom Theaterbetrieb sowie die ideologische Instrumentalisierung durch Zeitgenossen und die Wagner-Familie.
Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und den gegenseitigen, teils unbewussten Einfluss der beiden Komponisten herauszuarbeiten und die einseitige Sichtweise des "Antipoden-Verhältnisses" zu relativieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Briefwechseln, zeitgenössischen Tagebuchaufzeichnungen (insbesondere von Cosima Wagner), künstlerischen Äußerungen und die musikwissenschaftliche Untersuchung von Partituren sowie Opernstrukturen.
Im Hauptteil werden biographische Parallelen, die Einschätzung der "Großen Oper", die Auseinandersetzung mit der deutschen bzw. italienischen Kultur sowie der spätere Einfluss von Verdi auf die Werke von Siegfried Wagner analysiert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Musikdrama, Wagner, Verdi, Bayreuth, Opernästhetik, musikalische Rezeption und künstlerische Transformation charakterisiert.
Cosima Wagner lehnte Verdi konsequent ab und reagierte auf Vergleiche oder positive Erwähnungen mit Unverständnis oder eisiger Zurückweisung, da sie Verdi als dem "Bayreuther Meister" unterlegen betrachtete.
Siegfried Wagner schätzte Verdis Melodik und integrierte in seinen eigenen Opern, wie etwa "Sternengebot", melodramatische Elemente und Orchesterstrukturen, die stilistisch eine deutliche Verwandtschaft zu Verdi aufweisen.
Diese Bezeichnung stammt primär aus der zeitgenössischen Literaturkritik und der bewussten Abgrenzungspolitik des Hauses Wagner in Bayreuth, um den deutschen Musikstil gegen den vermeintlichen Einfluss italienischer Opernkonventionen zu schützen.
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