Magisterarbeit, 2006
108 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
Kapitel 1: Der Diskurs über die Öffnung der Medien
1.1 Der deutsche Diskurs über die Öffnung der Medien
1.2 Offenen Kanäle in Deutschland und ihre Zielsetzungen
1.3 Der brasilianische Diskurs über die Öffnung der Medien
Kapitel 2: Rahmenbedingungen für den Diskurs über die Öffnung der Medien in Brasilien
2.1 Ein kurzer Exkurs in die Geschichte Brasiliens
2.2 Die Entwicklungsgeschichte der brasilianischen Medienlandschaft
2.3 Charakteristika der brasilianischen Medienlandschaft
2.4 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.5 Rechtliche Rahmenbedingungen seit 1988
2.6 Aktuelle Tendenzen bei der Entwicklung der brasilianischen Medienlandschaft
Kapitel 3: Die Bewegung zur Demokratisierung der Kommunikation in Brasilien
3.1 Soziale Bewegungen in Brasilien
3.2 Die Gewerkschaftsbewegung
3.3 Die Stadtteilbewegung
3.4 Die Entwicklungsgeschichte der Rádios Comunitárias
3.5 Die Entwicklungsgeschichte der TV Comunitárias
Kapitel 4: Comunicação Popular
4.1 Begriffsbestimmung der Comunicação Popular
4.2 Projekte der Comunicação Popular
4.3 Die Associação Imagem Comunitária und Comunicação Popular
4.4 Die Associação Imagem Comunitária und Soziale Bewegungen
4.5 Paulo Freire und Educação Popular
4.6 Mario Kaplun und Comunicação Popular
4.7 Offene Fragen innerhalb der praktischen Umsetzung der Comunicação Popular
Kapitel 5: Medienpädagogik bei AIC und im Projekt CuCo
5.1 Die Medienpädagogik bei AIC
5.2 Praktisches Beispiel: der Film Julgamento da Televisão 2
5.3 Das Projekt CuCo
5.4 Die Bedeutung der Schule für das Projekt CuCo
5.5 Der Handlungsplan des Projektes CuCo und seine Umsetzung
5.6 Praktisches Beispiel: die Radioproduktion der Escola Municipal Presidente João Pessoa
5.7 Die Antworten der Associação Imagem Comunitária auf die offenen Fragen innerhalb der praktischen Umsetzung der Comunicação Popular
Kapitel 6: Diskussion
Die Arbeit untersucht die sozialpolitische Medienpädagogik in Brasilien, insbesondere die Praxis der Nichtregierungsorganisation Associação Imagem Comunitária (AIC) und deren Jugendprojekt „CuCo“. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Organisation durch ihre medienpädagogische Arbeit versucht, Antworten auf die praktischen Herausforderungen der sogenannten „Comunicação Popular“ zu finden und inwieweit diese Ansätze zur Demokratisierung gesellschaftlicher Strukturen beitragen.
1.1 Der deutsche Diskurs über die Öffnung der Medien
Der deutsche Diskurs über die Öffnung der Medien lässt sich bis in die Weimarer Republik und zu Bertold BRECHTs zwischen 1927 und 1933 verfassten Schriften „Radio -eine vorsintflutliche Erfindung?“(1927/28), „Vorschläge für den Intendanten des Rundfunks“(1928/29) und „Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks“(1932/33) zurückverfolgen. Seine Schriften werden unter dem Oberbegriff „Radiotheorie“ zusammengefasst. In der zuletzt genannten Schrift „Rede über die Funktion des Rundfunks“ forderte Brecht:
„Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müsste demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren."(Brecht, 1932, S.134)
Brecht wollte den Rundfunk als Medium nutzen, welches die aktive Mitarbeit und Einbindung der Rezipienten möglich und nötig macht. Er wünschte sich einen Hörfunk, der nicht nur sendet, sondern auch empfängt und bei dem die Hörer sich selbst in Sender verwandeln können. Es handelt sich hierbei um die Forderung nach Verschiebung des herkömmlichen Sender-Empfänger Modells und nach einer Demokratisierung der Kommunikation allgemein.
Kapitel 1: Der Diskurs über die Öffnung der Medien: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Diskurs über Medienöffnungen, beginnend mit deutschen Ansätzen (Brecht, Enzensberger, Busch) bis hin zur brasilianischen Perspektive, und setzt diese in den Kontext von Demokratisierungsbestrebungen.
Kapitel 2: Rahmenbedingungen für den Diskurs über die Öffnung der Medien in Brasilien: Hier werden die historischen, politischen und medienökonomischen Rahmenbedingungen Brasiliens beschrieben, wobei insbesondere die Konzentration der Medienmacht und die historische Zensur unter der Militärdiktatur beleuchtet werden.
Kapitel 3: Die Bewegung zur Demokratisierung der Kommunikation in Brasilien: Dieses Kapitel widmet sich den sozialen Bewegungen Brasiliens und ihrer Rolle bei der Demokratisierung, einschließlich der Entwicklung von freien Radios (Rádios Comunitárias) und Community-Fernsehen.
Kapitel 4: Comunicação Popular: Hier erfolgt eine begriffliche und inhaltliche Bestimmung der „Comunicação Popular“ im lateinamerikanischen Kontext, unter Einbeziehung der Ansätze von Paulo Freire und Mario Kaplun.
Kapitel 5: Medienpädagogik bei AIC und im Projekt CuCo: Das Kapitel analysiert die konkrete medienpädagogische Praxis der NRO Associação Imagem Comunitária, illustriert durch Fallbeispiele wie den Film „Julgamento da Televisão 2“ und das Projekt „CuCo“.
Kapitel 6: Diskussion: Abschließend wird kritisch reflektiert, inwieweit die Ansätze der AIC erfolgreich zur Demokratisierung und Veränderung gesellschaftlicher Strukturen beitragen konnten.
Brasilien, Medienpädagogik, Comunicação Popular, Associação Imagem Comunitária, Demokratisierung der Medien, Soziale Bewegungen, Paulo Freire, Medienkompetenz, Radio, Fernsehen, Partizipation, Zivilgesellschaft, Medienmacht, Medienkritik, CuCo.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der „Comunicação Popular“ (Volkskommunikation) in Brasilien als Instrument zur Demokratisierung der Medien und gesellschaftlichen Teilhabe, untersucht anhand der Praxis der Organisation Associação Imagem Comunitária (AIC).
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der brasilianischen Medien, soziale Bewegungen im Kontext der Demokratisierung, pädagogische Theorien (insbesondere Paulo Freire) und die medienpraktische Umsetzung durch NROs.
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie medienpädagogische Ansätze wie „mídia processo“ dazu beitragen können, Menschen aus benachteiligten Schichten zu aktiven Medienproduzenten zu befähigen und so bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten zu adressieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse des theoretischen Diskurses, historische Dokumentationen, interne Methodentexte der Organisation AIC sowie qualitative Auswertungen von Film- und Radioproduktionen der beteiligten Jugendlichen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische und politische Kontextualisierung der brasilianischen Medienlandschaft, eine Darstellung der Rolle sozialer Bewegungen sowie eine detaillierte medienpädagogische Fallstudie des Projekts „CuCo“.
Die zentralen Begriffe sind Comunicação Popular, Medienpädagogik, Partizipation, Demokratisierung, soziale Bewegungen und subjektorientierte Pädagogik.
Das Projekt „CuCo“ zeichnet sich durch einen stark subjektorientierten Ansatz aus, bei dem Jugendliche schrittweise zu „Propositoren“ (Vorschlagenden) ausgebildet werden, um eigenständig medienpädagogische Arbeit in Schulen zu leisten, anstatt nur Medienprodukte zu konsumieren.
Freires Pädagogik des kritisch-transitiven Bewusstseins bildet das theoretische Fundament für die von AIC entwickelte Methode „mídia processo“, da sie Kommunikation nicht als einseitige Übertragung, sondern als dialogischen Prozess der Weltveränderung begreift.
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