Examensarbeit, 2001
121 Seiten, Note: 1.0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
0 EINLEITUNG
A THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1 ERZÄHLEN IM ALLTAG
Exkurs: Literarisches Erzählen
1.1 Erzählen in Abgrenzung zum Berichten und Beschreiben
1.2 Die „Ungewöhnlichkeit“ als Kennzeichen einer Erzählung
1.3 Das Erzählen nach dem Höhepunkt-Modell (LABOV/WALETZKY)
1.4 Kommunikative Funktionen des Erzählens
1.5 Resümee
2 DER ERZÄHLERWERB
2.1 Der Erzählerwerb als kognitiver Prozess (BOUEKE ET AL.)
2.1.1 Strukturmodelle in der bisherigen Erzählforschung
2.1.2 Die Entwicklung eines neuen Modells
2.1.3 Das Modell und die Ergebnisse der Untersuchung
2.1.4 Kritik am Verfahren
2.2 Der Erzählerwerb als interaktiver Prozess (HAUSENDORF/QUASTHOFF)
2.2.1 Das Modell und seine Konstituenten
2.2.2 Die Rolle des Zuhörers
2.2.3 Abschließende Ergebnisse
2.3 Der Vollzug des Erzählerwerbs beim Spracherwerb (WAGNER)
3 ERZÄHLEN IN DER GRUNDSCHULE
3.1 Zur Berücksichtigung des mündlichen Erzählens in den Richtlinien
Exkurs: Mündliches Erzählen vs. Schriftliches Erzählen
3.2 Resümee
B EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
4 DIDAKTISCHE KONZEPTE – EINE BESTANDSAUFNAHME
4.1 BARTNITZKY, Sprachunterricht heute
4.2 HAUSENDORF/WOLF, Erzählentwicklung und -didaktik
4.3 LUDWIG, Die Schulerzählung oder Erzählen in der Schule
4.4 Die Grundschulzeitschrift 132/2000
4.5 CLAUSSEN/MERKELBACH, Erzählwerkstatt
4.6 Zeitschrift „Grundschule“, Erzählen – Zuhören – Erzählen
4.7 CLAUSSEN, Erzählen lernen in der Grundschule
4.8 HAUEIS, Bildergeschichten nacherzählen – leichter gesagt als getan!
4.9 Ergebnisse der Untersuchung
5 UNTERRICHTSMATERIALIEN – EIN ÜBERBLICK
5.1 Pusteblume
5.1.1 2. Schuljahr
5.1.2 4. Schuljahr
5.2 Bausteine Sprachbuch
5.2.1 2. Schuljahr
5.2.2 4. Schuljahr
5.3 Ergebnisse der Untersuchung
C SCHLUSSWORT
Die Arbeit untersucht den Stellenwert des mündlichen Erzählens in der Grundschule im Vergleich zum schriftlichen Erzählen, um zu klären, ob Schulen angesichts der hohen Alltagsrelevanz eine Chancengleichheit zwischen beiden Erzählformen anstreben können.
0 Einleitung
„Erzählen? – Was kann man darüber schreiben? Es stimmt; in der Schule wird viel erzählt, aber darüber nachdenken oder darüber sprechen tut man eigentlich nicht.“
Diese und ähnliche Zitate, von Lehrern geäußert, gaben den Ansporn für die vorliegende Arbeit.
Erzählen gehört zum Alltag eines jeden Menschen. Jedoch ist unser Bild vom Erzählen geprägt von perfekten Erzählungen professioneller Erzähler, der Literaten. Dieses Erzählen ist allerdings ein schriftliches Erzählen, das gewissen Regeln unterliegt. Das alltägliche Erzählen gerät demgegenüber in den Hintergrund und erscheint als ebenso selbstverständlich wie belanglos; eine theoretische Beschäftigung damit gilt als überflüssig.
Eine solche Überlegung steht jedoch im Widerspruch zur tatsächlichen Rolle des Erzählens im Alltag, denn: „Wer gut erzählen kann, erfreut sich der Wertschätzung seiner Umgebung. Wer zu oft erzählt, kann in Konflikt geraten mit den institutionell verlangten Tätigkeiten; wer schlecht erzählt, steht leicht abseits, und wer es ganz lässt, sieht seine sozialen Handlungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt.“1 Dieser Aussage zufolge ist das Erzählen also viel zu wichtig, als dass eine bevorzugte Behandlung des literarischen Erzählens zu rechtfertigen wäre.
Wenn die Schule sich des Erzählens annimmt, muss sie sich vor Augen führen, dass sie sich mit einem Gegenstand befasst, der für die Schüler, auch außerhalb der Schule und jenseits literarischer Erwartungen, von großer Bedeutung ist.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem mündlichen Erzählen in der Grundschule. Die Entscheidung für die Thematik des mündlichen Erzählens liegt zum einen darin begründet, dass der mündliche Sprachgebrauch Ausgangspunkt und Medium des Unterrichts ist; er macht den größten Teil des Unterrichts aus. In ihm findet Austausch, Erarbeitung und Verständigung statt. Die Kinder bringen hier die am weitesten ausgebauten sprachlichen Fähigkeiten mit.
0 EINLEITUNG: Einleitung in die Problematik des mündlichen Erzählens und dessen Vernachlässigung in der schulpraktischen Theoriebildung.
1 ERZÄHLEN IM ALLTAG: Theoretische Abgrenzung des Alltags-Erzählens von Berichten und Beschreiben sowie Erläuterung der Bedeutung von Ereigniskern und Erzählfunktionen.
2 DER ERZÄHLERWERB: Darstellung der Entwicklungsmodelle zur Erzählkompetenz aus kognitiver sowie interaktionstheoretischer Sichtweise.
3 ERZÄHLEN IN DER GRUNDSCHULE: Analyse der institutionellen Bedingungen und der Schwierigkeiten bei der Integration des Erzählens in den Schulalltag.
4 DIDAKTISCHE KONZEPTE – EINE BESTANDSAUFNAHME: Vorstellung und Diskussion verschiedener erzähldidaktischer Ansätze aus Schulbuchverlagen.
5 UNTERRICHTSMATERIALIEN – EIN ÜBERBLICK: Empirische Analyse der Realisierung und des Stellenwerts des mündlichen Erzählens in ausgewählten Sprachbüchern für das 2. und 4. Schuljahr.
mündliches Erzählen, Grundschule, Erzählerwerb, Erzählkompetenz, Erzähldidaktik, Sprachbuch, Erzählschema, interaktiver Prozess, alltägliches Erzählen, Sprachunterricht, Erlebniserzählung, Bildgeschichte, Kommunikation, Narrative Strukturen.
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die schulpraktische Umsetzung des mündlichen Erzählens in der Grundschule und stellt die Frage, ob diesem Bereich in der schulischen Didaktik ein angemessener Stellenwert beigemessen wird.
Zu den Schwerpunkten zählen die Rolle des Erzählens im menschlichen Alltag, die Erforschung des kindlichen Erwerbs von Erzählfähigkeiten sowie eine Bestandsaufnahme aktueller didaktischer Konzepte und Unterrichtsmaterialien.
Das Ziel ist es zu überprüfen, ob die Grundschule in der Lage ist, eine Chancengleichheit zwischen dem mündlichen und dem oft bevorzugten schriftlichen Erzählen herzustellen und das Erzählen als eigenständiges Lernziel zu fördern.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse zu linguistischen und pädagogischen Erzähltheorien sowie einer empirischen Untersuchung bzw. Bestandsaufnahme von didaktischen Materialien und Sprachbüchern.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Erzählerwerbs erläutert, gefolgt von einer kritischen Analysedidaktischer Ansätze und einer quantitativen sowie qualitativen Auswertung von Erzählanlässen in verschiedenen Sprachbüchern.
Die zentralen Schlagworte sind mündliches Erzählen, Erzählkompetenz, Schulpädagogik, Erzähldidaktik und Sprachförderung im Kontext des Grundschulunterrichts.
Der Autor führt an, dass Bildergeschichten Kinder oft dazu verleiten, die Bilder lediglich zu beschreiben, statt einen eigenen, spannenden Erzählfluss zu entwickeln, und dass sie den freien Prozess des Erzählens durch eine starre visuelle Vorgabe einschränken können.
Die Lehrkraft wird als wichtiger „Anreger“ gesehen, der durch aktives Zuhören und die Schaffung einer wertschätzenden, entspannten Atmosphäre (z. B. durch Sitzkreise) das mündliche Erzählen maßgeblich stützen und fördern kann.
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