Magisterarbeit, 2007
144 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Neue Institutionenökonomik und Finanzsystementwicklung
3. Die Rolle der Bankenintermediation in einer Volkswirtschaft
3.1 Finanzintermediäre und ihre Bedeutung im Entwicklungsprozess
3.2 Volkswirtschaftliche Funktionen der Banken
3.2.1 Transformationsfunktionen
3.2.1.1 Losgrößentransformation
3.2.1.2 Fristentransformation
3.2.1.3 Risikotransformation
3.2.2 Aufbau und Management des Zahlungssystems
3.2.3 Informationsproduktion und Kontrollfunktion
4. Elemente einer Bankensystemreform
4.1 Restrukturierung gefährdeter Kreditportfolios
4.1.1 Weiche Budgetrestriktionen und Bedeutung für Transformationsländer
4.1.2 Lösungen zur Altschuldenproblematik in Transformationsländern
4.2 Liberalisierung
4.2.1 Ausgewählte Formen der Deregulierung im Bankensektor
4.2.1.1 Liberalisierung (geld-)politischer Parameter
4.2.1.2 Privatisierung
4.2.1.3 Auslandsbanken und Wettbewerb
4.3 Regulierung
4.3.1 Formen der Regulierung im Bankensektor
5. Die Rolle der Bankenintermediation in China
5.1 Historische Ausgangsbedingungen
5.2 Diversifizierung, Wandel und Struktur der Bankenintermediation
5.3 Die Schwächen der Finanzintermediation in China
5.3.1 Der Staat als Spieler auf dem Finanzmarkt
5.3.2 Unzureichende Anpassungen in der Bankensystemneugestaltung
5.4 Entwicklungspolitische Dimension und Determinanten des Wachstums
5.4.1 Bankaktivitäten im Entwicklungsbereich
5.4.2 Alternative Determinanten des Wachstums
5.4.2.1 Hohe Sparquote
5.4.2.2 Privater Unternehmenssektor und informelle Kapitalmärkte
5.5 Zwischenfazit
6. Zentralbereiche der Systemreform
6.1 Restrukturierung
6.1.1 Die drei Restrukturierungswellen
6.1.2 Sonstige Restrukturierungsbemühungen
6.1.2.1 Effizienzfördernde Maßnahmen
6.1.2.2 Bemühungen in anderen Bankinstitutionen
6.2 Liberalisierungsschritte
6.2.1 Die Einführung von Markt- und Wettbewerbselementen
6.2.1.1 Zinsliberalisierung
6.2.1.2 Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO)
6.2.2 Teilprivatisierung der Staatsbanken
6.2.2.1 Die Rolle der kleineren Geschäftsbanken
6.3 Regulierung
7. Beurteilung ausgewählter Reformparameter
7.1 Restrukturierung
7.1.1 Stock – Komponente
7.1.1.1 Uneinbringliche Kreditforderungen
7.1.1.2 Die Rolle der AMCs
7.1.1.3 Eigenkapitaldecke
7.1.2 Flow – Komponente
7.1.2.1 Sektorale Komposition der Kreditvergabe
7.1.2.2 Rentabilität
7.2 Liberalisierung
7.2.1 (Lokal-)politische Interventionen und operationale Herausforderungen
7.2.2 Implementierung von Wettbewerbselementen
7.2.3 Teilprivatisierung der Staatsbanken
7.3 Regulierung und pfadabhängige Transformation
8. Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht die Transformation des chinesischen Bankensystems von einem planwirtschaftlichen zu einem marktorientierten Modell. Dabei liegt der Fokus auf der Rolle der Bankenintermediation und der Analyse der Reformbemühungen zur Bewältigung historischer Erblasten sowie der Frage, wie trotz struktureller Ineffizienzen ein anhaltend hohes Wirtschaftswachstum ermöglicht werden konnte.
3.2.1.2 Fristentransformation
Die von den Kapitalgebern präferierten Kapitalüberlassungsdauern können sich von der geplanten Kapitalnutzungsdauer des Kapitalnehmers wesentlich unterscheiden. Während Realinvestitionen zur sicheren Kostenplanung häufig eine langfristige und in den Konditionen nur geringfügig veränderbare Mittelbindung erfordern (präferentiell zu geringen Zinssätzen), bevorzugen Kapitalgeber aufgrund nicht vorhersagbarer Liquiditätsbedürfnisse kurzfristige oder kurzfristig liquidierbare Anlagen (präferentiell risikolose und hochverzinsliche Anlagen). Ohne Zwischenschaltung eines Finanzintermediärs müsste ein Unternehmen seine Investitionen grundsätzlich kurzfristig und durch wenige (im Extremfall nur einen) Sparer finanzieren. Sollte ein Sparer seine Ersparnisse aufgrund eines höheren Liquiditätsbedarfs kurzfristig abziehen müssen, müsste das Unternehmen seine Investition abbrechen. Dies ist jedoch oft nur mit großen Verlusten möglich und könnte das Unternehmen in seiner Existenz gefährden. Um eine derartige Konstellation zu vermeiden, werden die Unternehmen einen Teil des Sparkapitals in Reserve halten. Diese Reserven können im Fall eines Kapitalabzuges anstelle der Investition aufgelöst werden. Die Liquiditätsreserve kann jedoch keiner produktiven Verwendung zugeführt werden. Es entstehen Opportunitätskosten.
Um nun die Interessen beider Seiten – Sparer und Investor – zu berücksichtigen, bedarf es der Zwischenschaltung eines Finanzintermediärs. Ein Finanzintermediär betreibt Fristentransformation, wenn er die unterschiedlichen Zeithorizonte für Kapitalanlage und -aufnahme in laufzeitmäßige Übereinstimmung bringt. Diese geschieht durch die geschickte Auswahl von Kapitalgebern und -nehmern oder dadurch, dass kurzfristige Einlagen erneuert oder von anderen zur Verfügung gestellt werden. Bei der Transformation von Fristen wird die Umwandlung kürzerfristiger Passiva- in längerfristige Aktivgeschäfte als positive Fristentransformation und die Umwandlung von längerfristigen Passiva- in kürzerfristige Aktivgeschäfte als negative Fristentransformation bezeichnet.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Transformation des chinesischen Wirtschaftssystems und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Rolle der Staatsbanken im Reformprozess.
2. Neue Institutionenökonomik und Finanzsystementwicklung: Dieses Kapitel erläutert, wie sich die Transformation des Finanzsystems als evolutionärer Prozess beschreiben lässt, bei dem Institutionen und Regeln die ökonomische Entwicklung maßgeblich beeinflussen.
3. Die Rolle der Bankenintermediation in einer Volkswirtschaft: Es wird die ökonomische Bedeutung von Finanzintermediären als Vermittler im Prozess des Kapitaltransfers und zur Lösung von Informationsasymmetrien identifiziert.
4. Elemente einer Bankensystemreform: Hier werden theoretische Ansätze zur Restrukturierung, Liberalisierung und Regulierung von Bankensystemen in Transformationsländern erörtert.
5. Die Rolle der Bankenintermediation in China: Dieses Kapitel arbeitet die historische Ausgangslage und die spezifischen Schwächen des chinesischen Finanzsektors unter Berücksichtigung staatlicher Eingriffe heraus.
6. Zentralbereiche der Systemreform: Es werden die konkreten Schritte der chinesischen Regierung, wie Restrukturierungswellen und Öffnungsmaßnahmen des Finanzmarktes, chronologisch und inhaltlich dargestellt.
7. Beurteilung ausgewählter Reformparameter: Das Kapitel liefert eine kritische Evaluation des Erfolgs der durchgeführten Reformmaßnahmen anhand von Leistungsindikatoren und Restrukturierungskriterien.
8. Schlussfolgerungen: Die Arbeit schließt mit einem Fazit, das die Evolution des chinesischen Bankensystems bewertet und einen Ausblick auf künftige Herausforderungen der Systemtransformation gibt.
Bankensystemreform, China, Finanzintermediation, Neue Institutionenökonomik, Pfadabhängigkeit, Restrukturierung, Notleidende Kredite, Liberalisierung, Regulierung, Staatsbanken, Wirtschaftswachstum, Transformation, Kapitalallokation, Eigenkapital, Marktmechanismen.
Die Arbeit analysiert die Transformation des chinesischen Bankensystems während des Übergangs von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft und beleuchtet die Rolle der Banken als Finanzintermediäre in diesem Prozess.
Die zentralen Themen sind die Bewältigung notleidender Kredite, die Rolle staatlicher Eingriffe, der Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen der Liberalisierung und Öffnung gegenüber ausländischen Investoren.
Die Arbeit untersucht, welche Rolle den chinesischen Staatsbanken im Transformationsprozess zukam und wie die chinesische Volkswirtschaft trotz der Schwächen der Finanzintermediation ein hohes Wachstum aufrechterhalten konnte.
Der Autor stützt sich auf Konzepte der Neuen Institutionenökonomik und nutzt eine institutionalistische, teilweise chronologische Analyse der Reformschritte im chinesischen Bankensektor unter Einbeziehung zahlreicher Statistiken und Makroindikatoren.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Bankenfunktion, eine Analyse der historischen Ausgangsbedingungen in China sowie eine detaillierte Auswertung der Restrukturierungs- und Liberalisierungsschritte des Bankensystems.
Wichtige Begriffe sind Restrukturierung, Pfadabhängigkeit, weiche Budgetrestriktionen, Nicht-performende Kredite (NPL) und die systemimmanente Rolle des Staates im Bankwesen.
Asset Management Corporations (AMCs) wurden gegründet, um die Bilanzen der Staatsbanken von faulen Krediten zu entlasten; ihre Effektivität bei der Bereinigung der Bankbilanzen ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Systemreform.
Der WTO-Beitritt zwang China zur schrittweisen Öffnung des Bankensektors für ausländische Institute, was den Reformdruck auf die Staatsbanken erhöhte und Wettbewerbselemente in den Sektor brachte.
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