Diplomarbeit, 2004
123 Seiten, Note: 2,1
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media
1. Einleitung
1.1 Vorüberlegungen zum Thema
1.2 Ziel und Schwerpunkt
1.3 Methode
1.4 Vorwissen, Quellenlage
1.5 Aufbau
1.6 Die „B.I.Z.“ als repräsentative Quelle
1.7 Propaganda und Werbung: Ein intimes Verhältnis
2. Organisationsstruktur der NS-Werbung
2.1. Allgemeine Rahmenbedingungen
2.1.1 Deutschland im Zeichen der Weltwirtschaftskrise
2.1.2 Zur Situation der Werbung
2.1.3 Die Einstellung der Nationalsozialisten zur Werbung
2.1.4 Leistungen der Reklame
2.1.4.1 Funktion der Auslese
2.1.4.2 Funktion der Sicherung
2.1.4.3 Funktion der Umsatz- und Verbrauchssteigerung
2.1.4.4 Die Funktion der Unterrichtung
2.1.5 Befund
2.2 Die institutionelle Ebene
2.2.1 Der „Werberat der deutschen Wirtschaft“
2.2.1.1 Verankerung im Rechtssystem
2.2.1.2 Aufbau und Struktur
2.2.1.3 Sanktionsmöglichkeiten und Ziele
2.2.1.4 Ordnende Tätigkeit
2.2.1.5 Wirtschaftsförderung und Absatzlenkung
2.2.1.6 Zurückdrängung ausländischer Einflüsse
2.2.2 Die Reichswerbeschule
2.2.2.1 Professionalisierung und Kontrolle
2.2.2.2 Charakter der Ausbildung
2.2.3 Die private Marktforschung im Dienste des NS-Regimes
2.2.4 Die „Nationalsozialistische Reichsfachschaft Deutscher Werbefachleute“
2.2.5 Der „Reichsverband der Werbungtreibenden“
2.2.6 Einbindung von Werbevermittlern und Unternehmen
2.2.7 Die „Allgemeine Anzeigen GmbH“
2.2.7.1 Privatwirtschaftliche Phase
2.2.7.2 Einbindung in das nationalsozialistische Werbekonzept
2.2.8 Befund
3. Regulierungsmechanismen der Zeitschriftenwerbung
3.1 Die Versorgungslage: Prägendes Element der Werbung
3.1.1 Papierknappheit und Werberegulierung am Beispiel der „B.I.Z.“
3.1.2 Die Lebenssituation der Bevölkerung (1933 bis 1945)
3.1.3 Wirtschaftspolitik im Wandel am Beispiel der Gemeinschaftswerbung
3.1.4 Von der Absatzwerbung zum Konsumverzicht
3.1.4.1 Aufklärungs- und Sparsamkeitswerbung
3.1.4.2 Trost für bessere Zeiten: Die Erinnerungswerbung
3.1.5 Die Großkampagnen des Werberates
3.1.5.1 „Kampf dem Verderb“
3.1.5.2 „Kohlenklau“
3.1.5.3 Das Projekt „Altmaterialsammlung“
3.1.5.4 „Aufruf zum faserschonenden Waschen“
3.1.6 Befund
3.2 „Werbung muss deutsch sein!“ Die Auswirkung des NS-Regimes auf Form und Stil der Anzeigenreklame
3.2.1 Sprachregelungen als Ausdruck des Autarkiegedankens
3.2.2 Die ambivalente Karriere der „Gotischen Schrift“
3.2.3 Kampf gegen den Missbrauch nationaler Symbole
3.2.4 Auf der Suche nach einem spezifischen NS-Werbestil
3.2.5 Einfluss des nationalsozialistischen Kunstideals
3.2.6 Die Interpretation des nationalsozialistischen Menschenbildes in der Werbung
3.2.6.1 Frauenbild und Mutterschaft
3.2.6.2 Frauen als Zielgruppe und Multiplikatoren
3.2.6.3 Der Mann in der Werbung
3.2.7 Befund
4. Fazit und Ausblick
4.1 Zwischen Ohnmacht und Allmacht
4.2 Folgen für die Werbeentwicklung der Nachkriegszeit
Ziel der Arbeit ist es, die Organisationsstruktur und die Regulierungspolitik der Zeitschriftenwerbung im Dritten Reich zu analysieren und deren Einfluss auf die Anzeigengestaltung zu untersuchen, wobei die „Berliner Illustrierte Zeitung“ als zentrales Fallbeispiel dient.
1.1 Vorüberlegungen zum Thema
Wenn man auf das Thema Propaganda im Zusammenhang mit dem Dritten Reich zurückkommt, werden bei den Angesprochenen meist sofort Assoziationen zu Hitler oder Göbbels bei ihren antisemitischen Hetzreden geweckt. An zweiter Stelle folgen politische Plakate, schön gefärbte Wochenschaubeiträge oder Spielfilme à la Leni Riefenstahl. Nur wenige wissen jedoch, dass auch der Bereich der Wirtschaftswerbung zu den Spielfeldern der nationalsozialistischen Propaganda gehörte. Dies verwundert, gehört doch die Reklame als System der gezielten Massenmanipulation gestern wie heute zur unmittelbaren Alltagserfahrung der Menschen. Quantitativ überwog sie im Dritten Reich die direkte politische Propaganda sogar bei weitem. So wurden 1935 die Werbeflächen der Berliner Litfasssäulen zu 75,5% Konsumgütern und Vergnügungsveranstaltungen überlassen. In vielen Bereichen wurde die Konsumartikelwerbung sogar finanziell und organisatorisch unterstützt. Dieses „gönnerhafte Verhalten“ eines Regimes, dem der Ruf einer antikapitalistischen Wirtschaftsauffassung anhaftet verwundert, sofern man sich nicht eine spezifische Leistung von der Werbung versprach.
In diesem Zusammenhang sei an die Definition von Propaganda als „Werbung für außerwirtschaftliche Ziele“ von Manfred Schütter erinnert, was bereits mögliche Anwendungsfelder der Wirtschaftsreklame nahe legt. Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, die Reklame nur unter diesem eindimensionalen Aspekt zu sehen. Vielmehr handelt es sich bei der Wirtschaftswerbung um einen Interessensraum, in dem privatwirtschaftliche und politische Zielvorstellungen aufeinander trafen, was oft zu erstaunlichen Wechselwirkungen führte: So begannen etwa anfänglich deckungsgleiche Positionen im Laufe der Zeit zu manövrieren, um sich schließlich am jeweils entgegengesetzten Ende einzufinden. War die Absatzsteigerung, eine der Grundaufgaben jeder Wirtschaftswerbung, von den Nationalsozialisten in den Nachwehen der Wirtschaftskrise von 1929 als
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen ab, thematisiert die Rolle der Wirtschaftswerbung im NS-Staat und erläutert die methodische Herangehensweise sowie die Auswahl der Quellen.
2. Organisationsstruktur der NS-Werbung: Dieses Kapitel behandelt die institutionellen Akteure des Werbesystems, insbesondere den „Werberat der deutschen Wirtschaft“, und analysiert die Rahmenbedingungen sowie die Einflussnahme auf die Branche.
3. Regulierungsmechanismen der Zeitschriftenwerbung: Hier wird der Fokus auf die konkreten Auswirkungen staatlicher Eingriffe gelegt, wobei die Rohstoffknappheit und die Entwicklung spezifischer Werbeformen wie der „Sparsamkeits-“ und „Erinnerungswerbung“ detailliert analysiert werden.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Effektivität des Regimes bei der Steuerung der Werbung und diskutiert die langfristigen Folgen für die deutsche Werbebranche in der Nachkriegszeit.
Werbewirtschaft, NS-Regime, Propaganda, Zeitschriftenwerbung, Werberat, Wirtschaftslenkung, NS-Ideologie, Konsumverzicht, Berliner Illustrierte Zeitung, Verbraucherlenkung, Gemeinschaftswerbung, Marktregulierung, Autarkie, Marktforschung, Berufsstand.
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Wirtschaft, Werbung und Politik im Dritten Reich, mit einem spezifischen Fokus auf die Regulierung der Zeitschriftenwerbung.
Zentral sind die Organisationsstruktur der staatlichen Werbeaufsicht, die Einflussnahme auf Inhalt und Stil von Anzeigen sowie die Instrumentalisierung der Reklame für ideologische Ziele.
Die Arbeit fragt nach den Rahmenbedingungen der Werbung, den Aufgaben der steuernden Institutionen und wie das NS-Regime den Charakter der Zeitschriftenanzeige systematisch prägte.
Die Untersuchung basiert auf einer hermeneutischen Analyse, die durch deskriptive Methoden ergänzt wird, um das damalige Werbesystem in seinen zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen.
Der Hauptteil analysiert die Rolle des Werberates, die Instrumente der staatlichen Regulierung (z.B. Papierrationierung) und die Veränderung der Anzeigeninhalte von der Absatzförderung hin zur politischen Propaganda.
Zu den zentralen Begriffen zählen Werbewirtschaft, Werberat, Verbraucherlenkung, NS-Ideologie, Propaganda und Zeitschriftenwerbung.
Aufgrund ihrer hohen Reichweite und des durchgehenden Erscheinens von 1933 bis 1945 eignet sie sich ideal als Referenzmedium, um die Entwicklung der Anzeigengestaltung im Zeitverlauf abzubilden.
Er dient als methodisches Werkzeug, um die Anzeigen nicht nur isoliert zu betrachten, sondern sie aus der Gesamtsituation der NS-Wirtschaftspolitik heraus zu verstehen und umgekehrt.
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