Magisterarbeit, 2007
89 Seiten, Note: 1,0
1. Poetik der Erinnerung
2. Erinnerungsstrukturen
2. 1. Räume und Orte
2. 2. Bilder
2. 2. 1. Traumbilder
2. 2. 2. Fotografien
2. 2. 3. Gemälde
2. 2. 4. Film
3. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentralen Erinnerungsstrukturen in den Prosawerken von W. G. Sebald. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, mit welchen literarischen und medialen Verfahren der Autor versucht, die Vergangenheit zu rekonstruieren, menschliches Leid vergegenwärtigbar zu machen und dem kollektiven Vergessen nach dem Holocaust entgegenzuwirken.
1. Poetik der Erinnerung
„Selbst jetzt, wo ich mich mühe, mich zu erinnern, […] löst sich das Dunkel nicht auf, sondern verdichtet sich bei dem Gedanken, wie wenig wir festhalten können, was alles und wie viel ständig in Vergessenheit gerät, mit jedem ausgelöschten Leben, wie die Welt sich sozusagen von selber ausleert, indem die Geschichten, die an den ungezählten Orten und Gegenständen haften, welche selbst keine Fähigkeit zur Erinnerung haben, von niemandem je gehört, aufgezeichnet oder weitererzählt werden […].“
Das angeführte Zitat drückt das aus, was den Schriftsteller W. G. Sebald zeit seines Lebens beschäftigt hat. Mit seinem Schreiben will er der „Selbstentleerung der Welt“, die für ihn nach dem Zweiten Weltkrieg und den Schrecken des Holocaust eingesetzt hat, entgegen wirken. Die Geschichten der Individuen, Orte und Gegenstände möchte er auf ewig festhalten und ihnen eine zeitlose „Aura“ verleihen. Sich der Vergangenheit tastend anzunähern ist Aufgabe seiner Erinnerungstheorie, welche sowohl seine Prosa als auch seine wissenschaftlichen Essays behandeln. Im Verlaufe dieser Arbeit soll sein Programm der literarischen Memoria vordergründig anhand der Prosabände Die Ausgewanderten, Schwindel. Gefühle., Die Ringe des Saturn und Austerlitz ergründet werden.
1. Poetik der Erinnerung: Dieses Kapitel erläutert Sebalds zentrales Anliegen, der „Selbstentleerung der Welt“ durch ein literarisches Programm der Memoria entgegenzuwirken und vergangenes Leid zu rekonstruieren.
2. Erinnerungsstrukturen: Hier werden die verschiedenen methodischen Zugänge Sebalds analysiert, darunter die Rolle der Schrift, die Bedeutung spezifischer Räume und Orte sowie der Einsatz technischer und bildnerischer Medien zur Vergegenwärtigung des Vergangenen.
3. Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, wie Sebald durch die Verschränkung von Literaturwissenschaft und Prosa sowie Fakt und Fiktion eine neue Form der Geschichtsschreibung entwickelt, die den Holocaust kritisch in den Blick nimmt.
W. G. Sebald, Erinnerungspoetik, Gedächtnistheorie, Holocaust, Intertextualität, Koinzidenz, Fotografie, Ruinenästhetik, kollektives Gedächtnis, Oral History, Literaturwissenschaft, Geschichtsschreibung, Trauma, Medialität, Räume der Erinnerung
Die Arbeit analysiert, wie der Schriftsteller W. G. Sebald in seinen Prosawerken die Vergangenheit durch verschiedene künstlerische und mediale Strategien für die Gegenwart bewahrt und erinnert.
Im Zentrum stehen die Konzepte des kulturellen und kommunikativen Gedächtnisses, das Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Fiktion sowie die ästhetische Aufarbeitung von Geschichte und Trauma.
Das Ziel ist es, Sebalds „Erinnerungspoetik“ zu entschlüsseln und zu zeigen, wie er Orte, Bilder und Schriften als Instrumente nutzt, um das menschliche Leid der Vergangenheit vor dem Vergessen zu schützen.
Die Autorin kombiniert literaturwissenschaftliche Textanalyse mit kulturwissenschaftlichen Theorien zum Gedächtnis, insbesondere unter Rückgriff auf Jan und Aleida Assmann.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erinnerungsorten (wie Jerusalem oder Ruinen) sowie den Einsatz visueller Medien (Fotografien, Gemälde, Filme) als „Gedächtnisinseln“ im Werk.
Kritische Begriffe wie „Koinzidenzpoetik“, „Schule des Sehens“, „Ästhetik des Details“ und das Konzept der „Wiedergänger“ prägen die Analyse der Texte.
Sebald nutzt oft fingierte Dokumente oder manipulierte Fotografien, um den Leser für die Unzuverlässigkeit von Quellen zu sensibilisieren und die Frage nach Wahrheit und Fälschung in der Geschichtsschreibung zu thematisieren.
Der Staub fungiert als Metapher für vergangene Zeitschichten, die sich abgelagert haben; das „Graben“ durch diese Schichten stellt für die Protagonisten einen schmerzhaften, aber notwendigen Prozess der Erkenntnis dar.
Die Arbeit argumentiert, dass Sebalds Leben in England einen distanzierten, objektiven Blick auf die deutsche Geschichte ermöglichte, der für die Entstehung seines Werks und dessen kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit essenziell war.
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