Magisterarbeit, 1994
81 Seiten, Note: sehr gut
I. EINLEITUNG UND FORSCHUNGSSTAND
II. ALLGEMEINE EINFÜHRUNG IN DIE TOILETTENSZENEN-THEMATIK
II. 1. Deutungsmöglichkeiten von Frau und Spiegel innerhalb der Toilettenszenenthematik
III. DAS "GESICHT" UND DER VANITASGEDANKE AM BEISPIEL VON GERARD TER BORCHS "DAME AM SPIEGEL" VON CA. 1650
IV. ENTSCHLÜSSELUNGSVERSUCHE EINZELNER BILDELEMENTE ANHAND DER EMBLEMATIK
IV. 1. Ter Borchs "Dame bei der Toilette" im Detroit Institute of Arts
IV. 2. Ter Borchs "Dame bei der Toilette" im Metropolitan Museum in New York
IV. 3. Ter Borchs "Dame, die sich die Hände wäscht" in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister
IV. 4. Ter Borchs "paradoxe" Darstellungsweise und sein Verhältnis zur niederländischen Emblematik
V. ASPEKTE DER VERFÜHRUNG
V. 1. Die "leichtfertigen" Mädchen (Kleidung und Dekolletè im 17. Jahrhundert)
V. 2. Die Frau im geschlossenen Raum
V. 3. Ter Borchs "Damen bei der Toilette" und die "Distanzierung" zum Betrachter
VI. MÄSSIGUNG ALS LEBENSMAXIME
VII. ABSCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die Toilettenszenen des niederländischen Malers Gerard Ter Borch im Kontext der gesellschaftlichen, historischen und ikonographischen Strömungen des 17. Jahrhunderts. Das primäre Ziel ist es, den symbolischen Gehalt dieser Darstellungen zu klären und zu hinterfragen, ob es sich bei den sittsam erscheinenden Frauen um Sinnbilder der Tugend oder um maskierte Darstellungen von Lastern wie der Vanitas handelt.
II. 1. Deutungsmöglichkeiten von Frau und Spiegel innerhalb der Toilettenszenenthematik
Spiegel haben bei den Bildbetrachtern des 17. Jahrhunderts viele unter-schiedliche Assoziationen hervorgerufen. Im Zusammenhang mit den Toi-lettenszenen kommt dem Spiegel eine wichtige, aber oft völlig gegensätzliche Bedeutung zu, die auch häufig nur im Gesamtkontext eines Bildes zu erschließen ist. In den Beschreibungen der Toilettenszenen werden Frau und Spiegel immer wieder mit Allegorien wie z.B. Prudentia, Superbia oder Luxuria in Verbindung gebracht. Darum sollen zu Beginn der Arbeit einige exemplarisch ausgewählte Bildwerke zum besseren Verständnis des Themas vorgestellt und kurz erörtert werden.
In Cesare Ripas Allegorienkatalog "Iconologia", der 1644 in Paris und Amsterdam erschienen ist, werden die Begriffe der Prudentia (Klugheit), der "weiblichen Schönheit", der Veritas (Wahrheit) und der Superbia (Hochmut) neben weiteren Beispielen als weibliche Allegorien abgebildet und mit einem Spiegel als Attribut ausgestattet.
Die Verkörperung der Veritas (Ripa; Abb. 5) hält einen Spiegel in ihrer Hand. Ripas Anweisung zu dieser Personifikation besagt, daß der Spiegel nur die hineinschauen-de weibliche Figur zum Inhalt hat. Er gibt nur das wieder, was sich in seiner unmittelbaren Nähe befindet - nämlich die Wahrheit.
I. EINLEITUNG UND FORSCHUNGSSTAND: Die Einleitung umreißt die Ausgangslage und konstatiert, dass eine umfassende kunsthistorische Untersuchung der Toilettenszenen von Gerard Ter Borch bisher fehlte.
II. ALLGEMEINE EINFÜHRUNG IN DIE TOILETTENSZENEN-THEMATIK: Dieses Kapitel erläutert Ter Borchs Beitrag zur Genremalerei und beschreibt die typischen Merkmale und die Atmosphäre seiner Toilettenszenen.
II. 1. Deutungsmöglichkeiten von Frau und Spiegel innerhalb der Toilettenszenenthematik: Es werden allegorische Traditionen vorgestellt, die das Motiv von Frau und Spiegel in der Kunst des 17. Jahrhunderts prägten.
III. DAS "GESICHT" UND DER VANITASGEDANKE AM BEISPIEL VON GERARD TER BORCHS "DAME AM SPIEGEL" VON CA. 1650: Eine vertiefende Analyse des Amsterdamer Gemäldes, das als Fallbeispiel für die Vanitas-Symbolik dient.
IV. ENTSCHLÜSSELUNGSVERSUCHE EINZELNER BILDELEMENTE ANHAND DER EMBLEMATIK: Detaillierte Untersuchung spezifischer Attribute wie Waschgeschirr, Kerzen und Kleidung in ausgewählten Werken Ter Borchs.
V. ASPEKTE DER VERFÜHRUNG: Analyse der Rolle von Mode, Dekolleté und des geschlossenen Raumes bei der Charakterisierung der dargestellten Frauen.
VI. MÄSSIGUNG ALS LEBENSMAXIME: Erörterung der stoischen Einflüsse und der bürgerlichen Ideale von Nüchternheit und Mäßigung im Werk Ter Borchs.
VII. ABSCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassendes Fazit über Ter Borchs raffinierte und mehrdeutige Art der Bildkomposition.
Gerard Ter Borch, Toilettenszenen, Vanitas, Emblematik, Genremalerei, Frau und Spiegel, niederländische Kunst, 17. Jahrhundert, bürgerliche Tugend, Luxuria, Prudentia, Mäßigung, Bildanalyse, Ikonographie, Sinnbild.
Die Arbeit befasst sich mit der Ikonographie und der moralischen Deutung von Toilettenszenen des Malers Gerard Ter Borch im Kontext der niederländischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts.
Die zentralen Themen sind das Vanitas-Motiv, die Bedeutung der Emblematik, das bürgerliche Rollenverständnis von Frau und Mann sowie die symbolische Aufladung alltäglicher Gegenstände in der Genremalerei.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der sittsam scheinenden Darstellung der Frauen und den im Hintergrund mitschwingenden moralischen Vorwürfen des Lasters (z. B. Prostitution, Eitelkeit) zu untersuchen.
Der Autor nutzt die ikonographische Bildanalyse, den Vergleich mit zeitgenössischer Emblemliteratur sowie die Einordnung der Gemälde in den sozio-historischen Kontext der niederländischen "Hausväterliteratur".
Der Hauptteil analysiert spezifische Gemälde (etwa die "Dame am Spiegel" oder "Dame, die sich die Hände wäscht") und untersucht Bildelemente wie Spiegel, Kerzen, Ringe und Hunde im Kontext moralischer Leitbilder.
Die wesentlichen Begriffe umfassen Vanitas, Emblematik, Sittsamkeit, Mäßigung und die paradoxe Darstellungsweise Ter Borchs.
Der Autor argumentiert, dass Ter Borch bewusst Mehrdeutigkeiten schafft, indem er lasterhafte Sujets in ein bürgerlich-sittsames Umfeld integriert, wodurch der Betrachter selbst gezwungen ist, zwischen Tugend und Laster zu entscheiden.
Durch die Gestaltung der Szenen als intime, oft den Betrachter ausschließende Momente (z. B. durch Rückenansichten) steigert Ter Borch den voyeuristischen Reiz und die psychologische Spannung des Bildes.
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