Diplomarbeit, 2006
80 Seiten, Note: 1,3
1. Problematik
1.1 Einleitung
1.2 Historischer Abriss der Liberalisierung des deutschen Elektrizitätsmarktes
1.3 Charakteristika des deutschen Elektrizitätsmarktes
2. Anreizregulierung
2.1 Grundlagen der Anreizregulierung
2.2 Auswirkungen der Anreizregulierung auf die Produktqualität
2.3 Methoden der Anreizregulierung
2.3.1 „Profit-sharing“- oder “Sliding-scale”-Regulierung
2.3.2 Yardstick-Regulierung
2.3.3 Preisobergrenzen-Regulierung (Price-Caps)
2.3.3.1 Price-Cap im Einproduktfall
2.3.3.2 Price-Cap bei zwei und mehr Produkten
2.3.4 Erlösobergrenzen-Regulierung (Revenue-Cap)
2.3.5 Wahl der Regulierungsform durch das Unternehmen
2.4 Rolle und Bestimmung des X-Faktors
2.4.1 Funktionsweise des X-Faktors
2.4.2 Festlegung der Höhe des X-Faktors
2.4.3 Zusammenspiel von X-Faktor und der Länge der Regulierungsperiode
2.4.4 Bestimmung der relativen Produktivität durch Benchmarking-Ansätze
2.4.5 Funktionsweise, Vor- und Nachteile der verschiedenen Benchmarkingverfahren
2.4.5.1 Data Envelopment Analysis (DEA)
2.4.5.2 Methode der kleinsten Quadrate
2.4.5.3 Corrected Ordinary Least Squares (COLS)
2.4.5.4 Stochastic Frontier Analysis (SFA)
2.4.5.5 Törnquist-Index
2.4.5.6 Malmquist-Index
3. Anreizregulierungskonzept der Bundesnetzagentur
3.1 Beeinflussbare und nicht-beeinflussbare Kostenbestandteile
3.2 Erreichbarkeit und Übertreffbarkeit
3.3 Zumutbarkeit
3.4 Effizienzvorgaben und konkrete Ausgestaltung
3.4.1 Bestimmung des generellen X-Faktors
3.4.2 Kritik an der Bestimmung des generellen X-Faktors
3.4.3 Bestimmung des individuellen X-Faktors
3.4.4 Kritik an der Bestimmung des individuellen X-Faktors
3.5 Qualitätsregulierung und Investitionshemmnisse
3.5.1 Maßnahmen zum Abbau von Investitionshemmnissen
3.5.2 Implementierung der Qualitätsregulierung
3.6 Regulierung der Transportnetzbetreiber
3.6.1 Erlösobergrenzenregulierung bei Transportnetzbetreibern
3.6.2 Investitionsbudgets für Erweiterungs- und Umstrukturierungsinvestitionen
3.7 Regulierungsformel
3.8 Internationale Erfahrungen
3.9 Bewertung des Konzeptes der Bundesnetzagentur
3.9.1 Die Berechnung des generellen X-Faktors weist methodische Mängel auf
3.9.2 Durchschnittsorientiertes Benchmarking hat politisch-ökonomische Vorteile
3.9.3 Mehr Wettbewerb, höhere Produktivität, aber nicht unbedingt sinkende Strompreise
3.9.4 Die Bundesnetzagentur steht vor großen Herausforderungen
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit analysiert das Konzept der Bundesnetzagentur zur Einführung einer Anreizregulierung auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt. Das primäre Ziel besteht darin, die theoretischen Grundlagen der Anreizregulierung darzustellen und die konkrete Ausgestaltung des von der Regulierungsbehörde vorgeschlagenen Systems kritisch zu bewerten, insbesondere vor dem Hintergrund der notwendigen Liberalisierung des Strommarktes und der Errichtung eines EU-Binnenmarktes.
1.1 Einleitung
Im März 2000 formulierten die Regierungschefs der Europäischen Union auf dem Gipfel in Lissabon ein neues strategisches Ziel für das kommende Jahrzehnt. Das Ziel, die Union zum wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. In diesem Zusammenhang wurde dazu aufgerufen, die Liberalisierung in den Bereichen Gas, Strom, Postdiensten und Beförderung zu beschleunigen. Angestrebt wurde die Verwirklichung eines voll funktionsfähigen EU-Binnenmarktes.
Der Elektrizitätsmarkt gehört zu den Netzindustrien. Diese Industrien zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Produkte auf Netzinfrastrukturen beruhen. Netzindustrien erfordern meist einen hohen Einsatz von Kapital, der zum Aufbau des Netzes nötig ist. Dieses Kapital wird in der Form versunkener Kosten („Sunk costs“) gebunden und führt dazu, dass die Konsumenten nach Aufbau des Netzes über einen Verhandlungsvorteil verfügen. In solchen Infrastrukturen, wie etwa dem Stromnetz, bestehen monopolistische Engpässe (auch „Bottlenecks“ genannt), wenn es einerseits nicht möglich ist, parallele Infrastrukturen aufzubauen bzw. dies mit zu hohen Kosten verbunden wäre, und andererseits jedes Unternehmen, welches in der Branche tätig sein möchte, auf die Nutzung der Engpass-Struktur angewiesen ist. Man spricht in diesem Fall von einer „Essential facility“.
Der Zugang Dritter zum monopolistischen Bottleneck wird in der Regulierungstheorie als „Third Party Access“ (TPA) bezeichnet. Bei Stromhändlern, die Zugang zu den Übertragungs- und Verteilungsnetzen brauchen, liegt dieser Fall vor. Stromerzeugung und -lieferung hingegen werden in der Regel als wettbewerbsfähige Bereiche angesehen. Monopolistische Bottlenecks rufen einen Regulierungsbedarf hervor, der zum Ziel hat, den Wettbewerb auf den vor- bzw. nachgelagerten Märkten zu ermöglichen. Dafür müssen einerseits Unternehmen auf diesen Märkten diskriminierungsfreien Zugang zur Infrastruktur bekommen, und andererseits die Zugangsgebühren reguliert werden, um Monopolpreise und allokative Ineffizienz zu vermeiden.
1. Problematik: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit der Regulierung von Netzindustrien und gibt einen historischen Abriss über die Liberalisierung des deutschen Strommarktes.
2. Anreizregulierung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Anreizregulierung, verschiedene Methoden wie Price-Cap und Yardstick-Regulierung sowie die Bestimmung des X-Faktors und Benchmarking-Verfahren detailliert analysiert.
3. Anreizregulierungskonzept der Bundesnetzagentur: Dieses Kapitel stellt das spezifische Konzept der Bundesnetzagentur zur Einführung der Anreizregulierung vor, bewertet es kritisch und diskutiert die Herausforderungen für die Netzbetreiber.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Anreizregulierung als geeignetes Mittel zur Effizienzsteigerung und Förderung des Wettbewerbs auf dem deutschen Strommarkt.
Anreizregulierung, Elektrizitätsmarkt, Bundesnetzagentur, X-Faktor, Netznutzungsentgelte, Benchmarking, Data Envelopment Analysis, Stochastic Frontier Analysis, Preisobergrenzen, Erlösobergrenzen, Qualitätsregulierung, natürliches Monopol, Netzbetreiber, Wettbewerb, Liberalisierung.
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und der praktischen Implementierung der Anreizregulierung durch die Bundesnetzagentur für deutsche Stromnetzbetreiber.
Zentrale Themen sind die ökonomische Theorie der Regulierung, Methoden des Benchmarking zur Effizienzbestimmung, sowie die konkreten rechtlichen und wirtschaftlichen Anforderungen an die Anreizregulierung in Deutschland.
Das Ziel ist die kritische Analyse des Konzepts der Bundesnetzagentur, insbesondere im Hinblick darauf, ob es die Ineffizienzen der kostenbasierten Regulierung überwinden kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse von Regulierungsmodellen, eine Auseinandersetzung mit regulatorischen Benchmarking-Methoden (DEA, SFA) und die Evaluierung nationaler und internationaler Regulierungsansätze.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Herleitung der verschiedenen Anreizmechanismen sowie eine detaillierte Prüfung des Konzepts der Bundesnetzagentur, einschließlich der Kritik der Marktakteure.
Die zentralen Schlagworte sind Anreizregulierung, X-Faktor, Netznutzungsentgelte, Benchmarking, Effizienzvorgaben und regulatorische Herausforderungen.
Da Netzbetreiber unter Anreizregulierung Anreize zur Kostensenkung haben, besteht die Gefahr, dass sie notwendige Investitionen in die Versorgungsqualität vernachlässigen, weshalb diese durch Standards und Anreizsysteme gesichert werden muss.
Die Kritik entzündet sich an der Methodik und den Annahmen der Bundesnetzagentur bei der Berechnung, da verschiedene Gutachten zu drastisch unterschiedlichen Werten kommen, was die Ergebnisorientierung der Behörde in Frage stellt.
Norwegen und Schweden dienen als positive Beispiele für den erfolgreichen Übergang von einer kostenbasierten Regulierung hin zu einer wettbewerbsorientierten Anreizregulierung unter Einbeziehung von Qualitätsvorgaben.
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