Examensarbeit, 2006
136 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Definitionsversuche
1.1. Der Begriff der Chancengleichheit in der Bildung
1.2. Erläuterung der sozialen Herkunft anhand des Schichtbegriffs
2. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen
3. Ursachen der schichtspezifischen Chancenungleichheit
3.1. Genetisch-biologische Ursachen
3.2. Die Rolle des Elternhauses
3.2.1. Der schichtspezifische familiale Sozialisationsprozess (primärer Herkunftseffekt)
3.2.1.1. Schichtspezifische Leistungsmotivation und -bereitschaft
3.2.1.2. Schichtspezifischer Sprachgebrauch
3.2.1.3. Schichtspezifische Bildungsinhalte und Bildungserwerbsprozesse
3.2.1.4. Zusammenfassende Betrachtung: primärer Herkunftseffekt
3.2.2. Schichtspezifische Bildungsentscheidungen (sekundärer Herkunftseffekt)
3.2.2.1. Ökonomische Gründe
3.2.2.2. (Un-) Informiertheit und affektive Distanz
3.2.2.3. Soziokulturelle Entscheidungsgründe
3.2.2.4. Zusammenfassende Betrachtung: sekundärer Herkunftseffekt
3.2.3. Zusammenfassung : Rolle des Elternhauses
3.3. Die Rolle der Schule
3.3.1. Aufgaben und Funktionen der Schule
3.3.2. Die Dreigliedrigkeit des Schulsystems
3.3.3. Die Schule als „Mittelklasseninstitution“
3.3.4. Schichtspezifisches Beurteilungs- und Ausleseverhalten der Lehrer
3.3.4.1. Schichtspezifische Leistungsbeurteilung
3.3.4.2. Schichtspezifische Schullaufbahnempfehlungen
3.3.4.3. Erklärungsversuche für das schichtspezifische Beurteilungs- und Ausleseverhalten der Lehrer
3.3.5. Zusammenfassung: Rolle der Schule
3.4. Resümee: Ursachen für die schichtspezifische Chancenungleichheit
4. Lösungsansätze zum Abbau der schichtspezifischen Chancenungleichheit
4.1. Vorschulische Förderung – eine Möglichkeit zur Kompensation des primären Herkunftseffektes?
4.2. Aufklärung und Unterstützung sozial schwacher Schichten
4.3. Die Ganztagsschule
4.4. Die Gesamtschule- eine Alternative zur Selektion des dreigliedrigen Schulsystems?
4.5. Reform in der Lehrerausbildung
4.6. Standards und Evaluation hinsichtlich Leistungsbewertung und Schullaufbahnempfehlung
4.7. Zusammenfassung: Lösungsmöglichkeiten
5. Das Problem der schichtspezifischen Chancenungleichheit aus Sicht der Lehrer
5.1. Begründung und Intention der empirischen Untersuchungen
5.2. Der Fragebogen
5.2.1. Die schriftliche Befragung mittels Fragebogen als wissenschaftliche Methode
5.2.2. Konzeption des Fragebogens
5.2.3. Durchführung der schriftlichen Befragung
5.2.4. Auswertung der Ergebnisse
5.2.4.1. Vorbemerkungen zur Vorgehensweise
5.2.4.2. Präsentation und Interpretation der Fragebogen-Ergebnisse
5.2.4.3. Zusammenfassung: Fragebogenergebnisse
5.3. Das Interview
5.3.1. Die mündliche Befragung mittels Interview als wissenschaftliche Methode
5.3.2. Begründung des Interviews und der Interviewfragen
5.3.3. Durchführung der mündlichen Befragung
5.3.4. Auswertung der Interview-Ergebnisse (als Essay)
6. Fazit, Diskussion und Ausblicke
Die vorliegende Arbeit untersucht die schichtspezifische Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem. Ziel ist es, die Ursachen für die hohe Korrelation zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufzuzeigen, bestehende Lösungsansätze zu bewerten und die Sichtweise der Lehrerschaft auf diese Problematik empirisch zu erfassen.
3.2.1.2. Schichtspezifischer Sprachgebrauch
Ebenso wie die Leistungsmotivation ist auch die Sprache keine angeborene Fähigkeit, sondern wird im Sozialisationsprozess angeeignet, indem Kinder die Sprache durch ihre Eltern erlernen (vgl. Zimbardo/ Gerrig, 1999, S. 476 f.).
In diversen sozio-linguistischen Untersuchungen konstatierte der britische Soziologe Basil Bernstein das Bestehen von schichtspezifischen Formen des Sprachgebrauchs. Nach seiner Theorie verwenden Mitglieder der Unter- und Mittelschicht verschiedene Varianten derselben Kultursprache, welche er als Sprachcodes bezeichnet. Bernstein differenziert einen sog. restringierten (eingeschränkten/ beschränkten) und einen sog. elaborierten (reichhaltigen) Sprachcode (vgl. Bernstein, 1959, S. 64 ff.).
Während Angehörige der Mittelschicht nicht nur den elaborierten Sprachcode, sondern in der Regel auch den restringierten Sprachcode der Unterschicht beherrschen, steht letzterer Schicht ausschließlich der restringierte Sprachcode als einzige Sprachform zur Verfügung (vgl. ebd., S. 69).
Dieser restringierte Sprachcode, welcher bei Angehörigen der Unterschicht vorherrscht, ist durch einen kurzen, grammatisch einfachen und oft unvollständigen Satzbau mit dürftigem Syntax und bescheidenem Wortschatz gekennzeichnet, so dass eine hohe Vorhersagbarkeit bezüglich des Satzaufbaus und der Wortwahl besteht. Zudem beinhaltet dieser Sprachcode die Verwendung häufiger Floskeln sowie kurzer Fragen und Befehle und weist einen geringen Abstraktionsgrad auf. Typisch für den restringierten Sprachcode ist ferner die Verwechselung von Begründung und Schlussfolgerung und die Formulierung von Feststellungen als Fragen sowie ein kontextabhängiger Sprachgebrauch d.h. die Rede impliziert die Kenntnis der Randbedingungen und Umstände (vgl. Bernstein, 1959, S. 67; vgl. Bernstein, 1972, S. 203 f.).
1. Definitionsversuche: Klärung der Kernbegriffe Chancengleichheit und soziale Schicht sowie Vorstellung theoretischer Modelle zur Messung von Chancengleichheit.
2. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen: Historische Betrachtung der Entwicklung der Bildungschancen und Analyse der anhaltenden Korrelation zwischen Herkunft und Schulerfolg.
3. Ursachen der schichtspezifischen Chancenungleichheit: Umfassende Analyse der primären und sekundären Herkunftseffekte im Elternhaus sowie der Rolle der Schule bei der sozialen Selektion.
4. Lösungsansätze zum Abbau der schichtspezifischen Chancenungleichheit: Diskussion und kritische Prüfung von Reformmaßnahmen wie vorschulische Förderung, Ganztagsschulen und Gesamtschulmodellen.
5. Das Problem der schichtspezifischen Chancenungleichheit aus Sicht der Lehrer: Empirische Untersuchung der Einstellung von Lehrkräften gegenüber der Chancenungleichheit mittels Fragebogen und Experteninterviews.
6. Fazit, Diskussion und Ausblicke: Resümee der Ergebnisse und kritische Diskussion des Reformbedarfs im deutschen Bildungswesen.
Chancenungleichheit, soziale Herkunft, Bildungschancen, PISA-Studie, primärer Herkunftseffekt, sekundärer Herkunftseffekt, Schichtmodell, Sprachcode, Bildungsselektion, Gesamtschule, Ganztagsschule, Lehrerfortbildung, soziale Selektion, Bildungsgerechtigkeit, Bildungssoziologie.
Die Hausarbeit analysiert die Ursachen für die schichtspezifische Chancenungleichheit im deutschen Schulsystem und untersucht dabei sowohl soziologische Faktoren als auch die Rolle der Lehrkräfte.
Die Arbeit behandelt die Definition der Chancengleichheit, die Auswirkungen des Elternhauses (primäre/sekundäre Effekte), die Selektionsfunktion des dreigliedrigen Schulsystems und mögliche bildungspolitische Reformansätze.
Ziel ist es, die Gründe für die soziale Benachteiligung im Bildungswesen zu ergründen, Lösungswege zu diskutieren und die Einstellung von Lehrern zu diesem gesellschaftlichen Problem empirisch zu erheben.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer empirischen Erhebung, die qualitative Experteninterviews und eine schriftliche Befragung mittels Fragebögen umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Ursachenforschung (Elternhaus/Schule) und eine anschließende Evaluation von Reformmaßnahmen wie vorschulische Förderung oder der Einführung von Gesamtschulen.
Zentrale Begriffe sind Chancenungleichheit, soziale Herkunft, Bildungsselektion, PISA-Studie und das Verhältnis von Elternhaus und Schule.
Die Mehrheit der befragten Lehrkräfte sieht das Elternhaus als primäre Ursache. Die eigene Rolle der Schule oder der Lehrerschaft als mitverantwortlicher Faktor wird von vielen Lehrern nur selten kritisch reflektiert.
Die Arbeit belegt, dass Schullaufbahnempfehlungen oft nicht rein leistungsorientiert sind, sondern durch soziale Kriterien beeinflusst werden, was Kinder aus sozial schwächeren Schichten systematisch benachteiligt.
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