Examensarbeit, 2006
34 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
2. Unterrichtsreihe „Gewalt im 20. Jahrhundert“
3.1. Lerngruppe und Unterrichtsverlauf
3.2. Reflexion
3. Schule und Nationalsozialismus
3. 1. Bedingungen
3.1.1. Nationalsozialismus und Familiengedächtnis
3.1.2. Geschichtsbilder junger Migranten in Deutschland
3.1.3. Nationalsozialismus im Unterricht
3. 2. Schulischer Unterricht und Nationalsozialismus
3.2.1. Perspektiven zum Unterricht über Nationalsozialismus
3.2.2. Didaktische Zugriffe
4. Vorschläge für die Praxis
4. 1. Unterricht
4. 2. Pädagogische Bearbeitung
4. 3. Lehrende
Die Arbeit untersucht, wie eine zeitgemäße „Erziehung nach Auschwitz“ im historisch-politischen Unterricht an Schulen gestaltet werden kann, insbesondere unter Berücksichtigung des demographischen Wandels, der Generationenfolge und der zunehmenden kulturellen Heterogenität der Schülerschaft. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie eine Vermittlung des Nationalsozialismus und des Holocaust gelingen kann, die über rein kognitives Wissen hinausgeht und die Lernenden in der Einwanderungsgesellschaft erreicht.
3.1. Lerngruppe und Unterrichtsverlauf
Außer wenigen Hospitationsstunden waren mir die Schüler der Klasse 9b nicht bekannt. Die Klasse besuchen 30 Schüler, von denen 16 migrantischer Herkunft sind: Türkei 6, Ukraine 3, Russland 2, Eritrea 1, Marokko 1, Serbien 1, Sri Lanka 1, Tunesien 1. Die Schüler hatten mit Ausnahme einer Doppelstunde anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht das Thema Nationalsozialismus im schulischen Unterricht noch nicht behandelt.
Als Einstieg in die Unterrichtsreihe wählte ich Bilder des durch Bombenangriffe zerstörten Elberfelder Rathauses und des Hauptbahnhofs und verband dies mit der Frage, was die Schüler über diese Bilder wissen und was sie beim Anblick solcher Bilder denken und fühlen. Die Beantwortung dieser und der Frage, was sie sonst noch über die Zeit von 1914-1945 wissen, zeigte, dass fast alle Schüler, wenn auch nicht detailliert, etwas über den Zweiten Weltkrieg wussten. In Absprache mit den Schüler, die Fragen zur Unterrichtsreihe aufschreiben sollten, wurden folgende Leitfragen für die Unterrichtsreihe formuliert: In welchem Land lebten unsere Vorfahren vor dem Ersten Weltkrieg? Warum brach der Erste Weltkrieg aus? Wer kämpfte gegen wen? Wie wurde gekämpft? Wie ging die Kaiserzeit zu Ende? Wie entstand die NSDAP? Warum hassten die Nazis die Juden? Wie kam es zum Rassismus? Wie kam Hitler zur Macht? Wie kam es zum Zweiten Weltkrieg?
Als Einstieg in das Thema Erster Weltkrieg sollten die Schüler, ihre Eltern fragen, wo ihre Groß- und Urgroßeltern von 1914-1945 gelebt hatten. Die Besprechung des Themas zeigte, dass der Erste Weltkrieg im familiären Gedächtnis kaum noch präsent ist, da nur ganz wenige Schüler wussten, in welcher Armee ihre männlichen Vorfahren gekämpft hatten. Auch die Staatenwelt vor 1914 war fast allen Schülern unbekannt. Zur Bearbeitung der Fragen hinsichtlich des Ersten Weltkrieges fertigten die Schüler in Gruppenarbeit politische Landkarten von Europa an, auf denen später die militärischen Bündnisse als auch der Frontverlauf eingetragen wurden. Diese Karten ermöglichten im Unterricht einerseits die Veranschaulichung der Kriegsziele der einzelnen Staaten als auch den Vergleich zur europäischen Staatenwelt in der Zwischenkriegszeit, der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und der Veränderung der politischen Geographie Europas nach dem Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten 1989.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderungen einer „Erziehung nach Auschwitz“ im Kontext einer veränderten Erinnerungskultur, des demographischen Wandels und der Notwendigkeit, Schüler in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft zu erreichen.
2. Unterrichtsreihe „Gewalt im 20. Jahrhundert“: Dieses Kapitel beschreibt den praktischen Ausgangspunkt der Arbeit: eine durchgeführte Unterrichtsreihe zum Ersten und Zweiten Weltkrieg in einer 9. Klasse, die unter dem Konzept der Allgemeinbildung an Schlüsselproblemen der Gegenwart ausgerichtet war.
3. Schule und Nationalsozialismus: Hier werden die theoretischen und empirischen Rahmenbedingungen beleuchtet, einschließlich der Diskrepanz zwischen Familien- und kulturellem Gedächtnis sowie der Geschichtsbilder junger Migranten.
4. Vorschläge für die Praxis: Das abschließende Kapitel entwickelt konkrete didaktische Vorschläge für den Unterricht, die pädagogische Bearbeitung und die Anforderungen an die Lehrenden, um eine zeitgemäße, historisch orientierte Menschenrechtsbildung zu ermöglichen.
Nationalsozialismus, Holocaust, Geschichtsunterricht, Erinnerungskultur, Erziehung nach Auschwitz, Migrationshintergrund, Menschenrechtsbildung, Geschichtsbewusstsein, Politische Bildung, Familiengedächtnis, Tätergesellschaft, Didaktik, Rassismus, Partizipation, Identitätsbildung.
Die Arbeit befasst sich mit der Vermittlung des Nationalsozialismus und des Holocaust in der heutigen Schule, unter besonderer Berücksichtigung der Herausforderungen durch eine zunehmend heterogene, von Einwanderung geprägte Schülerschaft.
Zentrale Themen sind die Erinnerungskultur, der Generationenwandel, die Rolle von Migrationsgeschichten bei der Aneignung der NS-Vergangenheit sowie Konzepte einer historisch orientierten Menschenrechtsbildung.
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie eine „Erziehung nach Auschwitz“ praktiziert werden kann, die historisches Wissen vermittelt und gleichzeitig die Schüler in ihrer heutigen Lebensrealität erreicht, ohne in „Ethnisierungsfallen“ zu tappen.
Die Arbeit basiert auf einer Reflexion eigener Unterrichtserfahrungen, der Analyse aktueller geschichtsdidaktischer Diskurse und der Einbeziehung empirischer Studien zur politischen Sozialisation und zum Geschichtsbewusstsein.
Der Hauptteil analysiert theoretische Hintergründe, wie den Unterschied zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis, erörtert didaktische Zugänge und entwickelt konkrete Praxisvorschläge, etwa zur Arbeit mit lokalen Biographien.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Holocaust, Erziehung nach Auschwitz, Geschichtsunterricht, Menschenrechtsbildung und Einwanderungsgesellschaft charakterisiert.
Die Arbeit nutzt diese Unterscheidung, um zu erklären, warum es eine Diskrepanz zwischen der offiziellen Erinnerungskultur und den in Familien tradierten Geschichten über die NS-Zeit gibt, was für das Geschichtslernen entscheidend ist.
Die Arbeit plädiert für einen nicht-ethnisierenden Unterricht. Ethnische Herkunft sollte nicht deterministisch mit Geschichtsbildern verknüpft werden; stattdessen sollte der Fokus auf post-nationale oder universalistische Perspektiven gelegt werden.
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