Examensarbeit, 2007
126 Seiten, Note: 1,3
1. Begriffsklärung
1.1. Was ist geistige Behinderung?
1.2. Komplexität des Phänomens geistige Behinderung
1.3. Was ist Sexualität?
1.4. Sexualität und geistige Behinderung
2. Sexualerziehung und Sexualpädagogik
2.1. Geschichte der Sexualerziehung
2.2. Geschichte der Sexualpädagogik
3. Sexualerziehung bei Schülerinnen und Schülern mit Förderschwerpunkt geistige Behinderung
3.1. Allgemeines
3.2. Wer ist verantwortlich für Sexualerziehung?
3.3. Charakter der Sexualerziehung an Schulen mit Förderschwerpunkt geistige Behinderung
3.4. Ziele der Sexualerziehung
4. Themen der Sexualerziehung in der Schule – eine Analyse des Thüringer Lehrplans
4.1. Allgemeines
4.2. Analyse des Thüringer Lehrplans
4.3. Materialien zur sexuellen Aufklärung bei Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt geistige Behinderung
5. Verknüpfung von Theorie und Praxis an ausgewählten Beispielen
5.1. Konzeption Stiftung Finneck
5.2. Lehrerinterviews Förderzentrum „Schule am Zoopark“ Erfurt
5.3. Unterrichtseinheit (Dokumentation)
6. Probleme, Grenzen und Unterschiede
6.1. Probleme und Grenzen der Sexualerziehung bei geistig behinderten Schülerinnen und Schülern
6.2. Unterschiede zwischen behinderten und nichtbehinderten Mädchen und Jungen
6.3. Unterschiede zwischen Aufklärung von Mädchen und Jungen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische schulische Umsetzung der Sexualerziehung für Schüler mit geistiger Behinderung, wobei der Fokus auf der Analyse des Thüringer Lehrplans und der Überwindung gesellschaftlicher Tabus liegt.
3.1. Allgemeines
Die Sexualerziehung gehört heute zum Auftrag einer jeden Schule und wird in der Regel fächerübergreifend als Gesamtunterricht durchgeführt. Sie sollte unbedingt den einzelnen Schüler entsprechend seinem Lernverhalten, seinen Interessen und Fragen in angemessener Art und Weise mit den Fragen der Sexualität vertraut machen. Diesem offiziellen Auftrag der Schule steht, sowohl bei Eltern als auch bei Pädagogen ein gehöriges Maß an Unsicherheit gegenüber. Dafür sehe ich eine Reihe von Ursachen, welche ich an dieser Stelle nur kurz auflisten möchte:
die allgemeine Tabuisierung des Themas „Sexualität und geistige Behinderung“,
die Einengung des Begriffes auf Genitalsexualität,
wenig Akzeptanz und Toleranz des geistig behinderten Menschen mit sexuellen Bedürfnissen und
mangelnde sexualpädagogische Kompetenz und Unsicherheiten auf Seiten der Eltern, Erzieher und Pädagogen.
Die ersten drei Thesen habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich diskutiert, aber die letzte These wirkt an dieser Stelle eventuell provozierend, aus diesem Grund möchte ich einige Ausführungen anschließen.
1. Begriffsklärung: Erläutert die komplexen und variablen Begriffe "geistige Behinderung" und "Sexualität" aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven.
2. Sexualerziehung und Sexualpädagogik: Beleuchtet die geschichtliche Entwicklung beider Konzepte und ihre Bedeutung im pädagogischen Diskurs.
3. Sexualerziehung bei Schülerinnen und Schülern mit Förderschwerpunkt geistige Behinderung: Diskutiert Zuständigkeiten, Ziele und den grundlegenden Charakter des Unterrichts in diesem spezifischen Setting.
4. Themen der Sexualerziehung in der Schule – eine Analyse des Thüringer Lehrplans: Analysiert detailliert die Lehrplanvorgaben und zeigt Möglichkeiten zur Materialauswahl auf.
5. Verknüpfung von Theorie und Praxis an ausgewählten Beispielen: Veranschaulicht die Umsetzung durch eine spezifische Stiftungs-Konzeption, Experteninterviews und eine ausführliche Unterrichtsdokumentation.
6. Probleme, Grenzen und Unterschiede: Reflektiert kritisch über Herausforderungen in der Praxis sowie Unterschiede zwischen Schülern mit und ohne Behinderung sowie zwischen den Geschlechtern.
Sexualerziehung, Geistige Behinderung, Sexualpädagogik, Thüringer Lehrplan, Persönlichkeitsentwicklung, Sexualität, Behinderung, Inklusion, Aufklärung, Prävention, Partnerschaft, Unterrichtspraxis, Elternarbeit, Geschlechterrollen, Sonderpädagogik.
Die Arbeit behandelt die Notwendigkeit und Umsetzung der Sexualerziehung an Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung unter Berücksichtigung gesetzlicher und pädagogischer Rahmenbedingungen.
Zu den Kernbereichen gehören die Identitätsfindung, Körperhygiene, partnerschaftliche Beziehungen, Kommunikation sowie die Prävention von sexueller Gewalt.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Sexualerziehung für Menschen mit geistiger Behinderung ein unverzichtbarer Teil der Persönlichkeitsentfaltung ist und wie dies trotz bestehender Tabus professionell umgesetzt werden kann.
Neben einer theoretischen Literaturanalyse nutzt die Autorin eine Lehrplananalyse, Experteninterviews mit Pädagogen sowie eine Hospitation in einer Unterrichtseinheit zur Dokumentation der Praxis.
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der Analyse der Thüringer Lehrpläne sowie der Verknüpfung dieser theoretischen Vorgaben mit praktischen Beispielen, wie der Konzeption der Stiftung Finneck.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "geistige Behinderung", "Sexualpädagogik", "Selbstbestimmung" und "Schutz vor Missbrauch" charakterisiert.
Die Autorin betont den höheren Stellenwert der Sexualerziehung im Förderschulalltag, da diese fächerübergreifend und lebenspraktisch gestaltet wird, um auf die individuelle Lebensbewältigung vorzubereiten.
Eltern werden als wichtige Partner gesehen; die Autorin stellt jedoch fest, dass oft Ängste und Hemmungen bestehen, weshalb eine enge Kooperation zwischen Elternhaus und Schule essenziell ist.
Aufgrund der hohen Abhängigkeit und Vulnerabilität geistig behinderter Menschen ist Prävention, insbesondere die Stärkung des Nein-Sagens und das Erlernen von Abwehrreaktionen, ein zentrales, schützendes Ziel der pädagogischen Arbeit.
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