Diplomarbeit, 1994
57 Seiten, Note: 1.0
0. Präambel
1. Teil: Gesellschaftliche Stigmatisierung
1.1. Einleitung
1.2. Gesellschaft und Stigmatisierung
1.3 Differenzierungen von Stigma bzw. Stigmatisierung
1.3.1. Diskreditierte und diskreditierbare Personen
1.3.2. Defektive und kulpative Stigmata
1.4. In-group und out-group Orientierungen
1.5. Der Begriff der Devianz
1.5.1. Der Etikettierungsansatz
1.5.2. Heimliche Devianz
1.5.3. Primäre und sekundäre Devianz im labeling-Ansatz
1.5.4. Das Stufenmodell als "Karriere-Modell"
1.5.5. Kritik am labeling-Ansatz
1.6. Selbststigmatisierung als Alternativkonzept
1.7. Zusammenfassung von Teil 2
2. Teil: Theorie(n) der Subkultur
2.1. Einleitung
2.2. Der Begriff der Kultur
2.2.1. Von der Kultur zur Subkultur
2.3. Der Begriff der Subkultur
2.4. Differenzierungen von Subkulturen
2.4.1. Progressive und regressive Subkulturen
2.4.2. Unfreiwillige und freiwillige Subkulturen
2.5. Jugendliche Subkulturen
2.6. Entstehungsansätze von Subkulturen
2.7. Externer und interner Nutzen von Subkulturen
2.8. Identitätsbildung und Normen in einer Subkultur
2.9. Zusammenfassung von Teil 2
2.10 Stigmatisierung und die Entstehung von Subkulturen
3. Teil: Sadomasochismus als Subkultur
3.1. Einleitung
3.2. Zur Begrifflichkeit von Sadismus/Masochismus
3.2.1. Der Sadismus
3.2.2. Der Masochismus
3.3. Entstehungsansätze und Ursachen von S/M
3.4. Die S/M-Szene als Subkultur
3.4.1. Die heterosexuelle S/M-Szene
3.4.2. Die schwule S/M-Szene
3.4.3. Die lesbische S/M-Szene
3.4.4. Die professionelle S/M-Szene
3.5. Der Entstehungsweg der S/M-Karriere
3.6. Schutz und Identität in der S/M- Szene
3.7. S/M, Macht, Gewalt und Herrschaftsverhältnisse
3.8. S/M und gesellschaftliche Stigmatisierung
3.9. Zusammenfassung von Teil 3 und Fazit
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Stigmatisierung und der Entstehung von Subkulturen am spezifischen Beispiel der S/M-Szene (Sadomasochismus). Ziel ist es, durch eine Sekundäranalyse aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Stigmatisierungsprozesse, abweichendes Verhalten und der Wunsch nach Identitätsbildung zur Konstituierung von Subkulturen beitragen.
1.2. Gesellschaft und Stigmatisierung
In einer Gesellschaft werden an ihre Mitglieder bestimmte Erwartungen an das (Rollen) Verhalten und ebenso an die visuelle Erscheinung gerichtet, wie z.B. körperliche Unversertheit. Sie resultieren aus den sozialen Normen, welche eine anthropologische Voraussetzung für soziales Handeln darstellen. Zu ihnen gehören Attribute, die man bestimmten Kategorien von Menschen zuordnet und daher als gewöhnlich und natürlich empfindet. Betrachtet man z.B. einen Fremden, mit dem man evtl. interagieren möchte, wird seine soziale Identität (Attribute, Personen-Kategorie, optische Erscheinung etc.) i.d.R. antizipiert. Alle diese Antizipationen (Rollenerwartungen) sind von der Gesellschaft selbst bestimmt und daher normativ verankert. Da dieser Prozeß der Antizipation zum größten Teil unbewußt abläuft und erst in einer akuten Situation zu tragen kommt, bezeichnet Goffman diesen Vorgang als eine "Charakterisierung im Effekt", welche die "virtuale soziale Identität" konstituiert. Die Eigenschaften und Kategorien, die dem Individuum realiter nachgewiesen werden können, stellen die "aktuale soziale Identität" dar. Erweist sich nun eine Verhaltensweise als evident abweichend von der normativen Erwartung und liegt damit außerhalb des "kulturellen Standards", stellt dieses Attribut in unserer Vorstellung ein Stigma dar, auf das sich eine Widersprüchlichkeit zwischen virtualer und aktualer sozialer Identität gründet.
0. Präambel: Einleitung in die Gliederung der Arbeit, welche Stigmatisierung, Subkulturtheorie und den spezifischen S/M-Kontext behandelt.
1. Teil: Gesellschaftliche Stigmatisierung: Analyse der soziologischen Mechanismen der Stigmatisierung, inklusive des Labeling-Ansatzes und der Auswirkungen auf die soziale Identität.
2. Teil: Theorie(n) der Subkultur: Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff und den verschiedenen Entstehungstheorien sowie Differenzierungen von Subkulturen.
3. Teil: Sadomasochismus als Subkultur: Anwendung der theoretischen Konzepte auf die S/M-Szene, Untersuchung ihrer Infrastruktur, Entwicklungskurven und des Umgangs mit gesellschaftlicher Stigmatisierung.
Stigmatisierung, Subkultur, Devianz, Labeling-Ansatz, Sadomasochismus, Identitätsbildung, soziale Kontrolle, S/M-Szene, gesellschaftliche Normen, Rollenverhalten, Diskreditierung, Selbststigmatisierung, Minderheit, Machtstrukturen.
Die Arbeit analysiert den soziologischen Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Stigmatisierung und der Entstehung von Subkulturen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Stigmatisierung, den soziologischen Definitionen von Subkulturen und deren Anwendung auf den Sadomasochismus.
Das Ziel ist eine Sekundäranalyse, die aufzeigen soll, ob und wie die sadomasochistische Subkultur eine gesellschaftliche Stigmatisierung erfährt und darauf reagiert.
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Sekundäranalyse soziologischer Fachliteratur und Konzepte, unter anderem von Goffman und Becker.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte: Grundlagen der Stigmatisierung, Theorie der Subkultur und die praktische Untersuchung der S/M-Szene.
Zu den zentralen Begriffen gehören Stigmatisierung, Subkultur, Devianz, Identitätsbildung und der Labeling-Ansatz.
Da S/M-Praktiken von gesellschaftlichen Normen abweichen, eignet sich das Beispiel hervorragend, um Mechanismen der sozialen Ausgrenzung, geheimen Devianz und des Aufbaus subkultureller Schutzräume zu illustrieren.
Der Autor nutzt diese Differenzierung, um zu klären, ob der Eintritt in eine Szene durch sozialen Druck erzwungen ist oder ob Stigmatisierung aktiv durch den Beitritt in eine geschützte Gemeinschaft bewältigt wird.
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