Magisterarbeit, 2006
92 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
2. Die Tätowierung als Symbol
2.1 Tätowierungen und Identität
2.1.1 Bilder des Selbst – Konstruktion, Kommunikation und Stabilisierung von Identität
2.1.2 Verkörperungen von Individualität und Gemeinschaft – Zu Anschluss und Abgrenzung durch Tätowierungen
2.1.3 Der sexuell markierte Körper – Tätowierungen und Geschlechtsidentität
2.1.4 Die Inszenierung des „Echten“ – Zur Konstruktion von Authentizität
2.2 Strukturierung und Regulierung der Biographie
2.2.1 Die Tätowierung als Erinnerungszeichen – Zur Markierung biographischer Brüche
2.2.2 Die Tätowierung als Event – Zur Produktion biographischer Brüche
2.3 Tätowierungen im Kontext von Macht und Kontrolle
2.3.1 Der geschmückte Körper – Macht über den Raum
2.3.2 Eingestochene Elemente des Zivilisationsprozesses – Kontrolle über den Körper
2.3.3 „Reclaiming“ von Körperzonen – Die Entmachtung des Diskurs
2.3.4 „Der erste Eindruck“ – Zu Informations- und Kommunikationskontrolle durch Tätowierungen
2.4 Die Tätowierung als Element gesellschaftlicher Systeme
2.4.1 Die Tätowierung als Modeerscheinung
2.4.2 Der konsumierte Körper – Tätowierungen und Konsum
3. Resumée
Die Arbeit analysiert die sozialen Funktionen der aktuellen Tätowierungspraxis in Deutschland vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels und postmoderner Identitätskonstruktionen. Ziel ist es, das Tattoo als symbolisches Medium zu verstehen, durch das Individuen Identität stabilisieren, biographische Brüche markieren sowie Macht- und Kontrollverhältnisse im sozialen Raum aushandeln.
2.1.1 Bilder des Selbst – Konstruktion, Kommunikation und Stabilisierung von Identität
Aus postmoderner Perspektive wird die Identität eines Akteurs nicht mehr automatisch im Sozialisationsprozess durch traditionale Bezüge erworben. Familiäre, kollegiale oder ähnlich gelagerte strukturelle Bindungen des modernen Menschen erodieren zunehmend und setzen das Individuum aus vorgegebenen Gewissheiten frei (vgl. Beck/Beck-Gernsheim 1994; Beck 1986).
„Der individualisierte Mensch ist aus Selbstverständlichkeiten ausgebettet. Um sich wieder einzubetten, muss er sich für (biographisch mehr oder minder rasch wechselnde) Mitgliedschaften bei irgendwelchen Gruppierungen, Gruppen und Gemeinschaften entscheiden [Hervorhebung i.O.]“ (Hitzler 2002: 76).
Was Hitzler hier für den Gruppenanschluss von Akteuren feststellt, nämlich die Notwendigkeit einer permanenten Neu-Entscheidung für oder gegen eine Mitgliedschaft, findet seine körpersoziologische Entsprechung in Giddens´ „reflexivem Identitätsprojekt“ (vgl. Giddens 1991). Im reflexiven Umgang mit seinem Körper ist einem Akteur die soziale Inszeniertheit seiner Erscheinung bewusst und er entschließt sich immer wieder, eine bestimmte Form körperlicher Repräsentation, die seinem (gewünschten) Selbstbild entspricht, beizubehalten oder abzulegen. Es gilt: Jeder ist seines Körpers Schmied! Die Folge ist eine Vielzahl an Möglichkeiten, den Körper sowohl temporär als auch dauerhaft zu modifizieren (vgl. Crossley 2005: 10f). Eine dieser Möglichkeiten ist die Tätowierung.
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Verbreitung von Tätowierungen in der Gesellschaft und verortet die Arbeit in den theoretischen Diskursen der Körpersoziologie.
2. Die Tätowierung als Symbol: Dieses Kapitel erörtert die Rolle von Tätowierungen als symbolische Kommunikationsmedien und deren Bedeutung für die Identitätsbildung.
2.1 Tätowierungen und Identität: Hier wird der Zusammenhang zwischen Körpermodifikation und der reflexiven Konstruktion des Selbst untersucht.
2.1.1 Bilder des Selbst – Konstruktion, Kommunikation und Stabilisierung von Identität: Der Abschnitt diskutiert, wie Individuen in der Postmoderne durch bewusste Körpergestaltung ihr Selbstbild stabilisieren.
2.1.2 Verkörperungen von Individualität und Gemeinschaft – Zu Anschluss und Abgrenzung durch Tätowierungen: Dieses Kapitel analysiert, wie Tattoos sowohl Zugehörigkeit als auch Distanz zu sozialen Gruppen ausdrücken.
2.1.3 Der sexuell markierte Körper – Tätowierungen und Geschlechtsidentität: Hier wird die performative Komponente der Geschlechterrollen im Kontext tätowierter Körper beleuchtet.
2.1.4 Die Inszenierung des „Echten“ – Zur Konstruktion von Authentizität: Dieser Teil befasst sich mit dem Bedürfnis nach Authentizität durch körperliche Modifikationen.
2.2 Strukturierung und Regulierung der Biographie: Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Tätowierungen für den narrativen Lebenslauf.
2.2.1 Die Tätowierung als Erinnerungszeichen - Zur Markierung biographischer Brüche: Dieser Abschnitt untersucht, wie Tattoos als dauerhafte Markierungen für einschneidende biographische Ereignisse dienen.
2.2.2 Die Tätowierung als Event – Zur Produktion biographischer Brüche: Es wird analysiert, wie der Tätowiervorgang selbst als Event zur bewussten Gestaltung der Biographie genutzt wird.
2.3 Tätowierungen im Kontext von Macht und Kontrolle: Der Abschnitt diskutiert Machtverhältnisse, die sich durch den Körper manifestieren.
2.3.1 Der geschmückte Körper – Macht über den Raum: Untersucht wird, wie tätowierte Personen ihren persönlichen Raum durch Schmuck und Präsenz erweitern.
2.3.2 Eingestochene Elemente des Zivilisationsprozesses – Kontrolle über den Körper: Hier wird die Rolle des Tattoos im Zivilisationsprozess und bei der Selbstdisziplinierung analysiert.
2.3.3 „Reclaiming“ von Körperzonen – Die Entmachtung des Diskurs: Die Wiederaneignung diskursiv besetzter Körperzonen durch den Träger steht hier im Mittelpunkt.
2.3.4 „Der erste Eindruck“ – Zu Informations- und Kommunikationskontrolle durch Tätowierungen: Dieser Teil analysiert, wie das Hautbild als Filter bei sozialen Erstkontakten fungiert.
2.4 Die Tätowierung als Element gesellschaftlicher Systeme: Hier wird das Tattoo in ökonomische und modische Zusammenhänge eingeordnet.
2.4.1 Die Tätowierung als Modeerscheinung: Die Ambivalenz zwischen permanenter Tätowierung und flüchtiger Mode wird erörtert.
2.4.2 Der konsumierte Körper – Tätowierungen und Konsum: Dieser Abschnitt betrachtet den Körper als Investitionsgut im Rahmen einer Erlebnisgesellschaft.
3. Resumée: Die abschließende Zusammenfassung reflektiert die zentralen Ergebnisse der Untersuchung hinsichtlich Identität, Biographie und Macht.
Tätowierung, Körpersoziologie, Identitätskonstruktion, Authentizität, Biographieforschung, Machtdispositive, Symbolik, Distinktion, Konsum, Postmoderne, Leib, Körpermodifikation, Kommunikation, Rollendistanz, Körperkapital.
Die Magisterarbeit untersucht, welche sozialen Funktionen die aktuelle Tätowierungspraxis in Deutschland erfüllt und wie Tattoos als Symbole zur Identitätsarbeit beitragen.
Die zentralen Themen sind Identitätskonstruktion, biographische Strukturierung durch den Körper, Macht- und Kontrollverhältnisse sowie die Einordnung der Tätowierung in Mode- und Konsumsysteme.
Ziel ist es, den modifikatorischen Umgang mit dem Körper als sozial wirksamen Mechanismus zu begreifen, der es Individuen ermöglicht, ihre Realität symbolisch abzubilden und zu strukturieren.
Die Autorin stützt ihre Analyse auf narrative Experteninterviews mit fünf Tätowierten sowie auf die Auswertung aktueller soziologischer und kulturwissenschaftlicher Literatur.
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte zu Körper und Gesellschaft, die Rolle von Tattoos als biographische Marker, deren Machtaspekte im sozialen Raum sowie die Bedeutung als Mittel zur Inszenierung von Authentizität.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Körpersoziologie, Identität, Machtdispositive, Distinktion und Biographie beschreiben.
Im Gegensatz zu früheren Studien, die Tätowierte häufig als devianter Gruppe betrachteten, fokussiert diese Arbeit auf moderne Individuen und versteht Tätowierungen als strategische Identitätsarbeit.
Der Schmerz wird als leibliche Erfahrung gewertet, die dem Tattoo als symbolischem Marker eine „Wahrhaftigkeit“ verleiht und den Träger im „Hier und Jetzt“ verankert.
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