Magisterarbeit, 2001
86 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 mythische Vorbilder
2.1.1 Ursprung der Elementarfrauen
2.1.2 Die Verbundenheit der Wasserfrauen zu ihrem Element
2.2 Die wichtigsten Bearbeitungen des Wasserfrauen-Mythos
2.2.1 Die Rolle des Mythischen
2.2.2 Das Elementare und weibliche Sexualität
3. Fontanes melusinische Frauenfiguren
3.1 Die Namensschwestern der Melusine und ihre Symbolik
3.1.1 Die Symbolträgerin
3.1.2 Die emanzipierte Melusine
3.1.3 Die mythische Frau in der Gesellschaftswelt
3.2 Kindfrau und Naturkind
3.2.1 Die Kindfrau zwischen Natur- und Zivilisationswelt
3.2.2 Die Passivität der Person und die Übermacht des Elements
3.2.3 Der Bruch zwischen Natur und Geschichte
3.3 Die Hysterikerin
3.3.1 Hysterie als Weiblichkeitsdefinition
3.3.2 Die Krankheit als Antwort auf kranke Gesellschaftszustände
3.4 Das Melusine-Motiv in der Übertragung auf den Mann
3.4.1 Die Umkehr des Melusine-Motivs
3.4.2 Die Bedeutung des Mythischen im Hinblick auf Schach
3.5 Frigidität und Gefühlskälte
3.5.1 Frigidität als melusinische Eigenschaft
3.5.2 Das (Nicht-)Überwinden des melusinischen Makels
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Motivgeschichte auf Theodor Fontanes Romanwerk unter besonderer Berücksichtigung des Melusine-Motivs. Ziel ist es, zu analysieren, wie Fontane dieses Motiv aufarbeitet und welche zeitgenössischen Einflüsse auf die Konstruktion seiner weiblichen (und männlichen) Romanfiguren eingewirkt haben, um so ein neues Frauenbild und eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Zuständen des 19. Jahrhunderts zu beleuchten.
Die Symbolträgerin
Oceane von Parceval ist wohl eine der Melusinen Fontanes, die am dichtesten an der Mythologie gehalten ist, jedoch ins Preußentum des 19. Jahrhunderts übertragen ist und somit nicht mehr der naturhafte Elementargeist der mittelalterlichen Erzählung ist. In jenem Fragment wird der konstitutive Punkt der Sagengestalt ausgeführt, nämlich die Sehnsucht nach dem Gefühl. Damit steht Oceane in der Tradition der Mangelwesen, und das in einer wesentlich prägnanteren Weise als die meisten der Fontaneschen Wasserfrauen. Die Figur der Oceane stellt einen frühen, unvollendeten Entwurf Fontanes über die Wasserfrauen seines Werkes dar. Oceane kann mit ihrem Symbolgehalt zunächst als Übertragung der Sagengestalt in Fontanes Gegenwart (und dadurch als eine Modernisierung des Stoffes) verstanden werden, der in einem weiteren Schritt den Stoff und die Symbolik bietet, der erst in den späteren Elementarfrauen ausgeführt werden soll.
Dies lässt sich daran festmachen, dass Oceane zwar als Übertragung des Melusine-Stoffes gesehen werden kann, aber nur noch „entfernteste Ähnlichkeit“ mit dem Urstoff aufweist: Thürings Melusine ist als rein naturhafter Elementargeist gezeichnet, Oceane lässt sich als eine domestizierte Melusine fassen; sie ist kosmopolitisch und lebt in Heringsdorf, was zwar Verbindung mit dem Meer aufweist, aber auf ebenfalls domestizierte Weise. Während in der Histoire de Lusignan eine mythische Gestalt im Mittelpunkt steht, ist dies in Fontanes Bearbeitung eine menschliche Gestalt, die mythisch gedeutet werden kann.
1. Einleitung: Einführung in das Motiv der Wasserfrau und Definition des Forschungsziels: Die Untersuchung der Bedeutung und Entwicklung der Melusinen in Fontanes Romanwerk.
2. Grundlagen: Beleuchtung der mythologischen Vorbilder (Nymphen, Sirenen) und der literarischen Entwicklung des Wasserfrauen-Mythos vom Mittelalter bis zur Romantik.
3. Fontanes melusinische Frauenfiguren: Hauptteil der Arbeit, der verschiedene Ausprägungen des Melusine-Motivs bei Fontane (Namensschwestern, Kindfrauen, Hysterikerinnen, Frigidität) detailliert analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse: Fontane nutzt das Melusine-Motiv, um dezent Kritik an den gesellschaftlichen Normen des 19. Jahrhunderts zu üben und neue Weiblichkeitsbilder zu entwerfen.
Theodor Fontane, Melusine, Wasserfrau, Mythos, Literaturgeschichte, Romanwerk, Weiblichkeit, Emanzipation, Hysterie, Frigidität, Außenseiter, Preußische Gesellschaft, 19. Jahrhundert, Motivgeschichte, Elementargeister
Die Arbeit analysiert das literarische Motiv der „Melusine“ beziehungsweise der Wasserfrau im Werk von Theodor Fontane.
Zentrale Themen sind die Transformation mythologischer Wasserfrauenfiguren in den gesellschaftlichen Kontext des deutschen Realismus sowie die kritische Reflexion des damaligen Frauenbildes.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane durch die Verarbeitung des Melusine-Mythos Aspekte wie weibliche Emanzipation, Sexualität und gesellschaftliche Außenseiterrollen modern interpretiert.
Die Arbeit folgt einem motivgeschichtlichen Ansatz, der literarische Texte historisch vergleichend analysiert und diese in den Kontext zeitgenössischer gesellschaftlicher Diskurse einbettet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von „Namensschwestern“, „Kindfrauen“, das Krankheitsbild der Hysterie, das Phänomen der Frigidität sowie die ungewöhnliche Übertragung des Motivs auf männliche Figuren.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fontane, Melusine, Wasserfrau, Weiblichkeitskonstruktion und Gesellschaftskritik charakterisiert.
Der See dient als symbolischer Spiegel der Realität und als Verbindungselement zwischen der mythischen Welt und der modernen Zivilisation, wodurch die Gräfin als Mittlerin zwischen diesen Welten fungiert.
Die Übertragung dient dazu, traditionelle Geschlechterrollen zu hinterfragen und zu verdeutlichen, dass die Problematik der "Außenseiterrolle" nicht auf das weibliche Geschlecht beschränkt ist, wodurch das Geschlechterverhältnis des 19. Jahrhunderts dekonstruiert wird.
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