Magisterarbeit, 2006
76 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. EINLEITUNG
2. JUDEN IN DEUTSCHLAND – EINE KOMPLIZIERTE GESCHICHTE
2.1. JUDEN IN DEUTSCHLAND 1945 – 1989
2.2. DAS DEUTSCH-JÜDISCHE VERHÄLTNIS NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG
2.3. JUDEN IN DEN DEUTSCHEN MEDIEN
3. DIE RUSSISCH-JÜDISCHE ZUWANDERUNG NACH DEUTSCHLAND
3.1. „DEUTSCHLAND NIMMT“ – DIE ENTSTEHUNG DES KONTINGENTFLÜCHTLINGSGESETZES FÜR JÜDISCHE EMIGRANTEN
3.2. OFFIZIELLE BESTIMMUNGEN FÜR JÜDISCHE KONTINGENTFLÜCHTLINGE
3.3. KONSEQUENZEN UND PROBLEME DER RUSSISCH-JÜDISCHEN ZUWANDERUNG
4. DIE DISKUSSION UM DIE AUFNAHME DER RUSSISCHEN JUDEN
4.1. DIE DEBATTE IN DER POLITIK
4.2. DIE DEBATTE IN DEN MEDIEN
5. RUSSISCHE JUDEN IN DEN DEUTSCHEN MEDIEN 1992 – 2006
5.1. MEDIENUNTERSUCHUNGEN ZU RUSSISCHEN JUDEN
5.2. DIE FÄLSCHUNGSDEBATTE
5.3. DER FALL GOLLWITZ – KONTINGENTFLÜCHTLINGE ALS OPFER
5.4. DIE BEGRENZUNGSDEBATTE
5.5. AKADEMIKER VS. ABZOCKER – DAS BILD DER ZUWANDERER IN DEN MEDIEN
5.5.1. DIE NEGATIVEN BEISPIELE
5.5.2. DIE POSITIVEN BEISPIELE
5.5.3. DIE „OBJEKTIVE“ BERICHTERSTATTUNG
5.6. ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE
6. SCHLUSSBETRACHTUNG
Diese Arbeit untersucht den Wahrnehmungswandel russischer Juden in ausgewählten deutschen Medien zwischen 1989 und 2006 vor dem Hintergrund des historisch belasteten deutsch-jüdischen Verhältnisses, um zu klären, ob das vermeintliche gesellschaftliche Tabu, Kritik an Juden zu üben, in der medialen Berichterstattung tatsächlich besteht.
3.1. „Deutschland nimmt“ – Die Entstehung des Kontingentflüchtlingsgesetzes für jüdische Emigranten
Die Perestroika Ende der 80er Jahre in der Sowjetunion, die das politische und wirtschaftliche System im größten Land der Erde umstürzen sollte, führte zu einer allumfassenden Verunsicherung und Existenzängsten in der Bevölkerung. In dieser Zeit der extremen Mangelwirtschaft wurden unter anderem Juden zu Sündenböcken erklärt – der Antisemitismus nahm zu. Diese Entwicklung verstärkte unter den Juden in der Sowjetunion den Wunsch, das Land zu verlassen. Die Ausreisezahlen nach Israel und in die USA stiegen an. In dieser Zeit kursierte unter der jüdischen Bevölkerung das hinter vorgehaltener Hand verbreitete Gerücht: „Deutschland nimmt.“
Ende der 80er versuchten viele Russen, mit Touristenvisa in die ehemalige DDR, vor allem nach Ostberlin, einzuwandern in der Hoffnung, vor Ort eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Unter diesen Einwanderern befanden sich auch viele Juden. In der DDR hatte nach dem Sturz des Systems eine bis dahin vermiedene Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus begonnen, darüber hinaus wurde die DDR-Politik des Antizionismus von der Regierung Lothar de Maizière aufgegeben. Bis Ende 1990 waren bereits 9.000 Juden aus der Sowjetunion in die DDR eingewandert. Diese Ereignisse sorgten für internationale Schlagzeilen: Die Presseagentur Reuters verbreitete in einer Eilmeldung: „Russische Juden in Berlin“. In der DDR machten Gerüchte die Runde, die Moskauer DDR-Botschaft werde von Juden belagert. Diese sich überstürzende Entwicklung setzte die Politik unter Handlungsdruck. Da die DDR niemals die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet hatte und kein Asylgesetz existierte, musste die Regierung de Maizière eine neue Regelung für die russischen Juden finden. Im Juli 1990 erklärte sich die DDR offiziell dazu bereit, bedrohte Juden unbürokratisch aufzunehmen. Aufgrund der außergewöhnlich hektischen politischen Situation – die DDR stand kurz vor ihrem Ende – fand diese Entwicklung kaum Beachtung in der Öffentlichkeit.
1. EINLEITUNG: Darstellung der Forschungsfrage und methodischen Vorgehensweise zur Analyse der medialen Berichterstattung über russische Juden vor dem Hintergrund des deutsch-jüdischen Verhältnisses.
2. JUDEN IN DEUTSCHLAND – EINE KOMPLIZIERTE GESCHICHTE: Historischer Überblick über die Situation jüdischer Minderheiten in Deutschland von 1945 bis 1989 und die Prägung durch das Erbe des Holocaust.
3. DIE RUSSISCH-JÜDISCHE ZUWANDERUNG NACH DEUTSCHLAND: Analyse der politischen Rahmenbedingungen, der Entstehung des Kontingentflüchtlingsstatus und der daraus resultierenden Herausforderungen für die Integration.
4. DIE DISKUSSION UM DIE AUFNAHME DER RUSSISCHEN JUDEN: Untersuchung der politischen Debatten in DDR und Bundesrepublik sowie der ersten Reaktionen der deutschen Medien auf die Zuwanderungsentscheidungen.
5. RUSSISCHE JUDEN IN DEN DEUTSCHEN MEDIEN 1992 – 2006: Ausführliche Analyse der Medienberichte, inklusive der Kontroversen um Fälschungen, Opferbilder, Begrenzungsdebatten und der Darstellung der Zuwanderer als Akademiker oder Problemfälle.
6. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse und Bestätigung des Normalisierungsprozesses im deutsch-jüdischen Verhältnis sowie der kritischen medialen Auseinandersetzung.
Kontingentflüchtlinge, russische Juden, Medienanalyse, deutsch-jüdisches Verhältnis, Antisemitismus, Integration, Fälschungsdebatte, Zentralrat der Juden, Einwanderungspolitik, Shoa, Identität, jüdische Gemeinden, Wahrnehmungswandel, Aussiedler, DDR-Geschichte.
Die Magisterarbeit befasst sich mit dem Wandel der öffentlichen Wahrnehmung von russisch-jüdischen Einwanderern in deutschen Medien zwischen 1989 und 2006.
Zentrale Felder sind die Medienberichterstattung, das Verhältnis der Mehrheitsgesellschaft zu jüdischen Zuwanderern sowie die politisch-historische Aufarbeitung der Zuwanderungsentscheidungen.
Die Untersuchung soll klären, ob in den deutschen Medien ein Tabu existiert, jüdische Zuwanderer zu kritisieren, oder ob sich das deutsch-jüdische Verhältnis in diesem Kontext normalisiert hat.
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Medienauswertung sowie der Auswertung von Experteninterviews und politischen Dokumenten.
Im Hauptteil werden neben den historischen Grundlagen die politischen Debatten sowie die Berichterstattung über Themen wie Fälschungsvorwürfe, Integrationsprobleme und die Wahrnehmung der Juden als Opfer oder Bereicherung analysiert.
Wichtige Begriffe sind Kontingentflüchtlinge, Integrationserfolg, Fälschungsdebatte, Antisemitismus, deutsch-jüdisches Verhältnis und Medienbild.
Anfangs wurden die Zuwanderer weitgehend positiv als hochgebildete, bereichernde "ideale Flüchtlingsgruppe" wahrgenommen; später überwogen differenziertere, oft kritische Berichte über Integrationsdefizite, Fälschungen und ein "russifiziertes" Judentum.
Der Fall Gollwitz dient als prominentes Beispiel für die mediale Stilisierung der russisch-jüdischen Einwanderer als homogene Opfergruppe, während gleichzeitig eine intensive Debatte über Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit im ostdeutschen Kontext ausgelöst wurde.
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