Magisterarbeit, 1992
95 Seiten, Note: 1
1. VORWORT
2. METHODOLOGISCH-THEORETISCHER TEIL
2.1. Der semantisch-axiologische Zugang zum Thema:
2.1.1. Denotation und Konnotation
2.1.2. Wie läuft der semantische Vorgang einer »Wertzuordnung« ab, wie wird ein semantisches Merkmal mit »Wert« besetzt?
2.1.3. Der »positive Held«: Wie soll sich der Rezipient konkret mit sozrealistischen Wertpositionen identifizieren?
2.1.4. Der Personenaufbau sozialistisch-realistischer Prosawerke; weiterführende Fragestellungen
2.2. Čto takoe detskaja literatura: Die (sowjet-)russische Kinder- und Jugendliteratur
2.2.1. Traditionelle Begriffsbestimmungen von Kinderliteratur
2.2.2. Der funktionsanalytische Zugang zum Thema: Die sozialpädagogische Bedeutung von Kinder- und Jugendliteratur In der Gesellschaft der früheren UdSSR
2.2.3. Der poetologische Zugang zum Thema Kinder- und Jugendliteratur: Eine Gegenstandsbeschreibung aus rezeptionsästhetischer Sicht
2.2.4. Kriegsthematik, Jugendliteratur und »Jeansprosa«
2.3. Der literar-ideologische Zugang zum Thema: Der sozialistische Realismus und sein Einfluss auf die (sowjet-)russische Literatur
2.3.1. Der sozialistische Realismus als Stilformation
2.3.2. Sozialistischer Realismus als schöpferische Methode
2.3.2.1. Die Parteilichkeit (partijnost')
2.3.2.2. Die Volkstümlichkeit (narodnost')
2.3.2.3. Das Typische (tipičnost')
2.3.3. Die Dekanonisierungsphase des sozialistischen Realismus
2.4. Die Präsentation des Kriegsthemas in der sowjetrussischen Literatur:
2.4.1. Oboronnaja Iiteratura
2.4.2. »Tauwetter« und »Neue Welle«
2.4.3. Kriegsliteratur In der Ära Gorbačev
2.5. Die wichtigsten Rahmendaten zur sowjetischen Geschichte nach Stalin und ihrem Echo in der sowjetrussischen Literatur
3. TEXTANALYTISCHER TEIL
3.1. Vasilij P. Aksenov: Zavtraki sorok tret'ego goda (1962)
3.1.1. Vasilij Pavlovič Aksenov: Kurzcharakteristik:
3.1.2. Rekonstruktion der Fabel von Zavtraki sorok tret'ego goda nach den Hauptereignissen
3.1.3. Vaslij Aksenov und das Kriegsthema In der Jeansprosa
3.2. Boris I. Balter: Do svidanija, mal‘čiki! (1963)
3.2.1. Boris Isaakovič Balter: Kurzcharakteristik
3.2.2. Rekonstruktion der Fabel von Do svidanija, mal'čiki! nach den Hauptereignissen
3.2.3. Das System der handelnden Figuren und deren axiologische Distribution
3.2.4. Die Zeitschichten der Erzählung
3.2.5. Kriterien der Jugendliteratur
3.3. Bulat S. Okudžava: Front prichodit k nam (1967)
3.3.1. Bulat Šalvovič Okudžava: Kurzcharakteristik
3.3.2. RekonstruktIon der Fabel von Front prichodit k nam nach den Hauptereignissen
3.3.3. Das System der handelnden Personen oder: Märchenhaftigkeit von Abenteuergeschichten - Aktualisierung von Märchenverfahren?
3.3.4. Die Interpretatorische Bedeutung der Gedichtpassagen
3.3.5. Sprachlich-poetologische Merkmale, die Front prichodit k nam als kindliterarischen Text ausweisen
3.3.6. Die Kriegsdarstellung bei Okudžava
3.4. Boris Vasil‘ev : A zori zdes' tichie (1969)
3.4.1. Boris L‘vovič Vasil‘ev: Kurzcharakteristik
3.4.2. Rekonstruktion der Fabel von A zori zdes' tichie nach den Hauptereignissen
3.4.3. Das System der handelnden Figuren: Das Bild der Frau Im Krieg
3.4.4. Tötenmüssen und Getötetwerden
3.4.5. Kriterien der Jugendliteratur
3.5. Vladislav Krapivin: Ten‘ karavelly (1973)
3.5.1. Vladislav Petrovič Krapivin: Kurzcharakteristik
3.5.2. RekonstruktIon der Fabel von Ten’ karavelly nach den Hauptereignissen
3.5.3. Exkurs: Vladiks und Pavliks phantastischer Kampf gegen den deutschen Piraten Bobbin Gapp
3.5.4. Die Bedeutung des Krieges für die Sujetfügung und Wertedidaktik in Krapivins Ten‘ karavelly
3.6. Anatolij Aleksin: SignaI‘ščiki i gornisti, (späte 70er Jahre)
3.6.1. Anatolij Grigorevič Aleksin: Kurzcharakteristik
3.6.2. Rekonstruktion der Fabel von Signal'ščiki i gornisti nach den Hauptereignissen
3.6.3. Das Schema der handelnden Figuren und die von Ihnen verkörperten Wertpositionen
3.6.4. Vorgaben der sozrealistischen Literaturkonzeption
3.6.5 Rezeptionspsychologische Bemerkungen
3.7 Aleksandr Prochanov: Derevo v centre Kabula (1982)
3.7.1 Aleksandr Andreevič Prochanov: Kurzcharakteristik
3.7.2 Kurzer Abriss der Geschichte und Vorgeschichte der sowjetischen Invasion in Afghanistan
3.7.3 Rekonstruktion der Fabel von Derevo v centre Kabula nach den Hauptereignissen
3.7.4 Prochanovs Derevo v centre Kabula als neo-sozrealistischer Roman: narrative Kriterien
3.7.5 Die Rezeption des ersten sowjetischen Afghanistan-Romans als Jugendliteratur
3.7.6 Einige Anmerkungen zu Prochanovs Supermachtromantik
4. RESÜMEE DER WERKANALYSEN UND AUSBLICK
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und den Paradigmenwechsel der sowjetischen Kinder- und Jugendliteratur zum Thema Krieg von den 1960er Jahren bis zur Ära Gorbačev. Ziel ist es, mittels systemtheoretischer und textanalytischer Ansätze zu verstehen, wie diese Literatur gesellschaftliche Werte vermittelt, das Bild des Krieges transformiert und den jungen Rezipienten moralische oder ideologische Orientierung bietet.
2.1. Der semantische Vorgang einer »Wertzuordnung«
Die Theorie der »sekundären semiotischen Systeme« von Roland Barthes enthält auch wichtige Bestandteile, die für die Wertvermittlung relevant sind.
Der Anwendungsbereich logisch relationierender Verfahren ist gegenüber den rein quantifizierenden Verfahren größer, weil sie Bedeutung nicht wegquantifizieren, sondern bedeutungsbildende Relationen herstellen.
Voraussetzung ist, dass wir die Prämisse Barthes' gelten lassen, nach der der größte Teil aller Botschaften »mögliche »Wertverhältnisse« nicht auf der ersten semantischen Ebene signifiziert, sondern auf zweiten und dritten Ebenen.«
Ich will dies anhand der Umschlagsillustration der deutschen Ausgabe von Nikolaj Ostrovskijs »Kak zakaljalas' stal'« veranschaulichen. Hier liegt eine Botschaft vor, die sowohl verbal als auch ikonisch verschlüsselt ist. Dem durch die ikonischen Zeichen zusammengesetzten Bild-Text entnehmen wir schnell die erste Bedeutung: Zwei Menschen, ein Junge und ein Erwachsener liegen in einer Art Schützengraben; der Junge blickt entschlossen durch das Visier seines Gewehrs. Auf den Kopfbedeckungen beider prangt der fünfzackige Stern, der durch Rotdruck hervorgehoben ist.
VORWORT: Der Autor erläutert die Entstehung der Magisterarbeit und die persönliche Motivation durch das Studium und den Aufenthalt in Volgograd.
METHODOLOGISCH-THEORETISCHER TEIL: Vorstellung der theoretischen Grundlagen und Analysemodelle zur Untersuchung der sowjetischen Kinder- und Jugendliteratur.
TEXTANALYTISCHER TEIL: Detaillierte Fallstudien zu Werken von Aksenov, Balter, Okudžava, Vasil‘ev, Krapivin, Aleksin und Prochanov mit Fokus auf deren Kriegsdarstellung.
RESÜMEE DER WERKANALYSEN UND AUSBLICK: Zusammenführung der Ergebnisse und Reflexion über die zukünftige Entwicklung der russischen Kinder- und Jugendliteratur.
Sowjetische Kinderliteratur, Jugendliteratur, Kriegsthematik, Sozialistischer Realismus, Jeansprosa, Wertvermittlung, Rezeptionsästhetik, Bewusstseinsbildung, Identifikation, Ideologie, Literaturkritik, Kriegserlebnis, Heldenbild, Afghanistanfeldzug, Literaturtheorie.
Die Arbeit analysiert, wie die sowjetische Kinder- und Jugendliteratur das Thema Krieg seit den 1960er Jahren dargestellt hat und wie sich dabei Paradigmen und Perspektiven verschoben haben.
Im Mittelpunkt stehen die Wertvermittlung, die ideologischen Einflüsse des sozialistischen Realismus, die Rolle der Jeansprosa und der Wandel des Heldenbildes im Kontext des Krieges.
Es soll untersucht werden, wie literarische Werke den jungen Lesern ein Bild des Krieges vermitteln und ob diese Werke als erzieherisches Instrument zur Identifikation mit dem "neuen Menschen" dienen.
Die Analyse stützt sich auf systemtheoretische Konstrukte, die semantisch-axiologische Methode nach Roland Barthes und einen rezeptionsästhetischen Zugang.
Der Hauptteil widmet sich der textanalytischen Untersuchung spezifischer Werke von Autoren wie Aksenov, Balter, Okudžava und Prochanov hinsichtlich ihrer Struktur, Figurenkonstellation und ideologischen Ausrichtung.
Die wichtigsten Charakteristika sind "Wertvermittlung", "Sozialistischer Realismus", "Jeansprosa", "Kriegserinnerung" und "Rezeptionsästhetik".
Die "Neue Welle" ab den 1960er Jahren wandte sich von der idealisierten, pathetischen Kriegsdarstellung ab und fokussierte stärker auf eine ungeschminkte, teilweise subjektive und kritische "Schützengrabenwahrheit".
Er markiert den ersten Versuch einer literarischen Verarbeitung des sowjetischen Afghanistankrieges, wobei er als Bindeglied zwischen traditioneller ideologischer Prosa und neueren Themenfeldern fungiert.
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