Diplomarbeit, 2001
87 Seiten, Note: 1
1. WORUM ES GEHEN SOLL
1.1. Darstellung eigener „Beweg-Gründe“
1.2. Problemaufriss und Schwerpunktsetzung
1.2.1. Kindheit als ein gesellschaftliches Konstrukt
1.2.2. Entwicklung als Anlage – Umwelt - Interaktion
1.2.3. Veränderte Kindheit –veränderte Kinder?
1.2.4. Krank durch Mangel an Bewegung?
1.2.5. Zum Wandel von Kindheit
1.3. Zielsetzung
2. KINDLICHE SELBST – UND WELTANEIGNUNG
2.1. Zur Bedeutung von Körper- und Bewegungserfahrungen
2.1.1. Bewegung als Medium
2.1.2. Bewegung als Mittel der Erfahrungsgewinnung
2.1.2.1. Materiale Erfahrungsdimension
2.1.2.2. Personale Erfahrungsdimension
2.1.2.3. Soziale Erfahrungsdimension
2.2. Der Einfluss von Bewegungserfahrungen auf Faktoren der Entwicklung
2.2.1. Bewegungserfahrungen und Entwicklung der Wahrnehmung
2.2.1.1. Die Einheit von Wahrnehmung und Bewegung
2.2.1.2. Das Zentralnervensystem (ZNS)
2.2.1.3. Die Sinnessysteme
2.2.1.4. Zwischenfazit
2.2.2. Bewegungserfahrungen und kognitive Entwicklung
2.2.2.1. Die Strukturgenese
2.2.2.2. Der Äquilibrationsprozess
2.2.2.3. Anpassung und Organisation
2.2.2.4. Zwischenfazit
2.2.3. Bewegungserfahrungen und Entwicklung des Selbstkonzeptes
2.2.3.1. Definition
2.2.3.2. Auswirkungen des Selbstkonzeptes auf das Verhalten
2.2.3.3. Zwischenfazit
2.2.4. Bewegungserfahrungen und Entwicklung des Sozialverhaltens
2.3. Zusammenfassung und Folgerungen
2.3.1. Möglichkeiten zur „Eigentätigkeit“
2.3.2. Spiel - und Erfahrungsräume
2.3.3. Kinder brauchen Kinder
3. SPIEL- UND BEWEGUNGSWELT HEUTE
3.1. Eingeschränkte Bewegungswelt
3.1.1. Verhäuslichung
3.1.2. Verinselung
3.2. Veränderte Aneignung der Kultur
3.2.1. Sekundärerfahrungen durch Einfluss der Medien
3.2.1.1. Zwischenfazit
3.2.2. Konsumorientierte Verhaltensweisen durch Konsumismus
3.2.2.1. Veränderte Spielwelt
3.2.2.2. Auswirkungen des Massenkonsums
3.3. Zusammenfassung und Folgerungen
4. WAS IST ZU TUN?
4.1. Schritte in die richtige Richtung
4.2. Was ist in der Elementarpädagogik zu tun?
4.2.1. Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung
4.2.1.1. Förderung personaler Gesundheitsressourcen
4.2.1.2. Förderung sozialer Gesundheitsressourcen
4.2.2. Bewegungsangebote zur Bildungsförderung
4.2.3. Bewegungserfahrungen und kindliche Lebensfreude
4.2.4. Zwischenfazit
4.3. Der Bewegungskindergarten
4.3.1. Zur Geschichte des Bewegungskindergartens
4.3.2. Die Weiterentwicklung
4.3.3. Das Gütesiegel
4.3.4. Was zu einem Bewegungskindergarten mit Gütesiegel gehört
4.3.4.1. Konzept Bewegungserziehung
4.3.4.2. Aus-/Fortbildung
4.3.4.3. Bewegungsangebote
4.3.4.4. Räumliche/materielle Ausstattung
4.3.4.5. Elternarbeit
4.3.4.6. Kooperation
4.3.5. Der Bewegungskindergarten Sonnenblume
4.3.5.1. Gruppenübergreifende Projektarbeit (Freinetorientiert)
4.3.5.2. Bedürfnisorientiertes (kindzentriertes) Freispiel
4.3.5.3. Angeleitete Bewegung in der Halle
4.3.5.4. Naturerfahrungen und Bewegungsbaustelle
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Das primäre Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zu untersuchen, inwieweit das Konzept des Bewegungskindergartens als pädagogische Antwort auf die Veränderungen der kindlichen Lebenswelt fungieren kann. Dabei liegt der Fokus nicht auf einer rein defizitorientierten Betrachtung, sondern auf der Frage, wie Kinder in einer zunehmend mediatisierten und verplanten Welt in ihrer gesunden Entwicklung, Eigenaktivität und Handlungskompetenz gestärkt werden können.
3.1. Eingeschränkte Bewegungswelt
Die Möglichkeiten, sich zu bewegen, sind heute nicht mehr die gleichen wie noch vor einigen Generationen. Ein Grund für den Mangel an unmittelbaren Bewegungserfahrungen wird unter anderem in der zunehmenden Verbauung von Spiel- und Bewegungsräumen gesehen. Durch die hohe Bevölkerungsdichte werden freie Grundstücke und Wiesen immer seltener, durch die Zunahme des Straßenverkehrs ist die in früheren Kindergenerationen bestehende Straßenspielkultur nicht mehr gegeben, heute ist es den Kindern nur noch bedingt möglich, wie früher unbeaufsichtigt und bewegt, draußen zu spielen und ihre Welt zu entdecken.
Die für die Entwicklung von Kindern so wichtigen Bewegungsmöglichkeiten sind heute in mehrfacher Weise begrenzt. Durch den Zuwachs des Verkehrs können die Kinder ihre Wohnumgebung nicht mehr selbsttätig erforschen und entdecken. Zimmer beklagt, dass die Kinder ihre Bewegungsbedürfnisse heute nicht mehr ungehindert ausleben können, „die derzeitige Wohn - und Verkehrssituation behindern sie in ihrer körperlichen und motorischen Entwicklung“ (Zimmer 2001a, 18).
Es wurde 1993 eine Untersuchung des Wohnumfeldes von Kindern in Freiburg herausgebracht. In der Studie „Aktionsräume von Kindern in der Stadt“ kann man Aufschlüsse über die Spiel - und Bewegungswelt von Kindern erlangen. Es wurde besonders die Entwicklung des Autoverkehrs dokumentiert. Nach dieser Untersuchung gab es in Freiburg im Jahre 1961 circa 20 000 Kraftfahrzeuge, 27 Jahre später, also 1988, hat sich diese Zahl mehr als vervierfacht, 90 000 Fahrzeuge (117 000 inkl. Pendler) wurden gezählt.
„1955 befanden sich auf derselben Fläche 5 Autos und 10 Kinder, 1988 waren es bereits 20 Autos und 5 Kinder...das Auto und der Verkehr haben das Kind aus seinen informellen Spielräumen verdrängt...“ (Pühse 1995, 423).
Ohne Rücksichtnahme auf die Spiel –und Bewegungsbedürfnisse der Kinder wurden die Wohngebiete errichtet und die Zunahme des Verkehrs schränkte die Lebenswelt der Kinder ein. Früher verbrachten Kinder ihre Zeit überwiegend auf den Strassen, Wiesen und Hinterhöfen, das „Spielen fand früher im Freien statt. Kinder spielten mit Sand, Matsch, Wasser, Zweigen und Holz. Sie bauten, liefen, versteckten sich, tobten und balgten“ (Eicke/Eicke 1994, 31). Heute ist das Spielen und Toben auf den Straßen zu gefährlich, auf den Höfen und in den Parkanlagen oft verboten, und frei zugängliche Wiesen oder verlassene Grundstücke sind selten geworden.
1. WORUM ES GEHEN SOLL: Der Autor erläutert seine persönlichen Beweggründe für die Themenwahl und setzt sich kritisch mit der "Defizithypothese" der aktuellen Kindheitsforschung auseinander.
2. KINDLICHE SELBST – UND WELTANEIGNUNG: Dieses Kapitel analysiert die fundamentale Rolle von Körper- und Bewegungserfahrungen als Medium der Weltaneignung und deren Einfluss auf Wahrnehmung, Kognition, Selbstkonzept und Sozialverhalten.
3. SPIEL- UND BEWEGUNGSWELT HEUTE: Hier wird die heutige Kindheit hinsichtlich ihrer veränderten Rahmenbedingungen, wie der "Verhäuslichung", "Verinselung" und der Mediatisierung durch Konsum und Medien, reflektiert.
4. WAS IST ZU TUN?: Dieser Teil leitet pädagogische Konsequenzen für die Elementarpädagogik ab und stellt das Konzept des Bewegungskindergartens sowie konkrete Qualitätsanforderungen vor.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Der Autor fasst die Bedeutung der Primärerfahrungen zusammen und plädiert für den Bewegungskindergarten als unterstützenden Rahmen, warnt aber zugleich vor einer Überhöhung zum "Königsweg".
Bewegungskindergarten, Kindheit im Wandel, Eigentätigkeit, Primärerfahrungen, Psychomotorik, Körpererfahrung, Selbstkonzept, Wahrnehmungsentwicklung, Elementarpädagogik, Medienkonsum, Gesundheitsförderung, Sozialkompetenz, Bewegungsbaustelle, Salutogenese.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Bewegung für die kindliche Entwicklung und hinterfragt, wie der Kindergarten als pädagogischer Ort auf die veränderten Lebensbedingungen moderner Kinder antworten kann.
Die zentralen Themen umfassen die kindliche Selbst- und Weltaneignung durch Bewegung, die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen (Mediatisierung, Konsum) auf Kinder sowie die konzeptionelle Gestaltung von Bewegungskindergärten.
Das Ziel ist zu klären, inwieweit Bewegung als zentrales Mittel zur Kompensation und Bildungsförderung dienen kann, um Kindern die für ihre Entwicklung notwendigen "Primärerfahrungen" zu ermöglichen.
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung aktueller pädagogischer, psychologischer und kindheitswissenschaftlicher Fachliteratur und verknüpft diese mit dem praktischen Beispiel eines spezifischen Bewegungskindergartens.
Der Hauptteil analysiert, wie sich das Kind durch körperliche Aktivität eine materiale, soziale und personale Welt erschließt und diskutiert kritisch die Einschränkungen dieser Erfahrungen durch heutige Lebenswelten.
Wichtige Begriffe sind insbesondere "Eigentätigkeit", "Primärerfahrung", "Selbstwirksamkeit", "Psychomotorik", "Salutogenese" und "Bewegungskindergarten".
Die Verinselung beschreibt den Verlust eines zusammenhängenden Lebensraums für Kinder; der Alltag wird durch gezielte, getrennte Förderangebote zerstückelt, wodurch die selbstständige Eroberung der Umwelt unmöglich wird.
Das Gütesiegel ist ein Qualitätsstandard, der sicherstellen soll, dass Einrichtungen nicht nur "Bewegung" anbieten, sondern die Prinzipien der Psychomotorik, eine spezifische Qualifizierung des Personals sowie eine kindgerechte räumliche Ausstattung nachweisen können.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

