Examensarbeit, 2006
104 Seiten, Note: 1.0
I. Einleitung
TEIL A VOR- UND UMFELD DES ZEITKONZEPTES AUS CONFESSIONES XI
A I Zum Verständnis von Confessiones XI im Rahmen des Denkens Augustins und der antiken Philosophie und Theologie
A I.1 Grundzüge der Biographie und der denkerischen Entwicklung Augustins
A I.2 Der Ort der Zeitthematik im Denken Augustins
A II Die Confessiones als Ort der Zeitreflexion
A II.1 Die Confessiones und ihr philosophischer Kontext
A II.2 Buch XI und sein Ort in den Confessiones
A III Zeittheorien im zeitlichen Vorfeld der Confessiones
A III.1 Zeit in der Bibel
A III.2 Voraugustinische Zeittheorien in der christlichen Theologie
A III.3 Voraugustinische Zeittheorien in der Philosophie
A IV Zusammenfassend: Grundstrukturen der Einbettung der Zeiterörterung Augustins
TEIL B AUGUSTINS ERÖRTERUNG VON EWIGKEIT UND ZEIT IN BUCH XI DER CONFESSIONES
B I Zum Aufbau von Confessiones XI
B II Confessiones XI: Zeit und Ewigkeit
B II.1 Ausgangsposition
B II.2 Philosophische Auslegungen zu Genesis 1,1
B III.1 Quid est tempus? Die Zeit als unausgedehnte Gegenwart
B III.2 Ubi sunt tempora? Die Gegenwart der Zeiten im Geist
B III.3 Zeit und Bewegung
B III.4 Zeit als distentio animi
B IV Die Ewigkeit und der ewige Gott
B V Confessiones XI im Überblick und einige Fragen seiner Interpretation
TEIL C ASPEKTE DES WEITERWIRKENS DER ZEITTHEORIE AUS CONFESSIONES XI IM 20. JAHRHUNDERT
C I Aspekte der Aufnahme Augustins in der Zeitphilosophie des 20.Jahrhunderts durch E.Husserl und M.Heidegger
C I 1 Husserl: Die Phänomenologie des inneren Zeit-Bewusstseins und Bezüge zur augustinischen Zeittheorie
C I 2 Heidegger: Die Frage nach der ursprünglichen und vulgären Zeit und Bezüge zur augustinischen Zeittheorie
C II Aspekte der Aufnahme Augustins in theologischen Zeitmodellen des 20.Jahrhunderts durch K.Barth und W.Pannenberg
C II 1 Barth: Zeit als Selbstkundgebung Gottes und Bezüge zur augustinischen Zeittheorie
C II 2 Pannenberg: Die Vermittlung von Zeit und Ewigkeit und ihre Verantwortung vor dem Forum neuzeitlicher Vernunft und Bezüge zur augustinischen Zeittheorie
C III Perspektiven – Augustins Zeitkonzept in Confessiones XI aus verschiedenen Blickwinkeln
Die Arbeit untersucht das Zeitverständnis des hl. Augustinus, wie er es in Buch XI seiner Confessiones darlegt, und analysiert, wie diese Theorie im 20. Jahrhundert in philosophischen und theologischen Modellen rezipiert und weiterentwickelt wurde. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Augustin das Verhältnis von zeitlichem Erleben und der Ewigkeit Gottes bestimmt und welche anthropologischen sowie heilsgeschichtlichen Konsequenzen er daraus ableitet.
Die geschaffene Welt verweist auf ihren Schöpfer
Augustin wendet sich im weiteren Himmel und Erde zu, wie er sie vorfindet, nämlich als sich ändernde und wandelbare. So meint Augustinus vom so beschaffenen Himmel und der Erde den Ruf zu vernehmen, dass sie geschaffen sind. Ungeschaffenes nämlich enthält nichts was nicht schon immer war, es ändert und wandelt sich nicht. Das Veränderliche muss einen Beginn haben, eine Ursache; und da keine Wirkung ihre eigene Ursache sein kann, bedarf die Schöpfung einer Ursache von außen, nämlich des Schöpfers. In der ausdrücklichen Aussage der Dinge, dass sie nicht waren, bevor sie geschaffen wurden, kann man die creatio ex nihilo ausgedrückt sehen, wenngleich jede Art von Schöpfung einen Anfang markiert, der etwas neues hervorbringt, was vorher nicht war. Das das Nicht-Sein vor der Schöpfung aber eigens angesprochen wird, weist darauf hin, dass die creatio ex nihilo schon an dieser Stelle mindestens im Hintergrund gegeben ist, bevor sie in XI,7 deutlich hervortritt.
Dem Kirchenvater erscheint seine Argumentation an dieser Stelle als ipsa evidentia. Er geht aber noch weiter und postuliert, dass sein Gott, also der dreieinige christliche Gott, von den Geschöpfen als ihr Schöpfer ausgerufen wird und bedient sich im Folgenden des neuplatonischen Partizipationsschemas um das Verhältnis zwischen Gott und Schöpfung zu beschreiben. Gott kommen dabei die jeweiligen Eigenschaften auf mit den Geschöpfen unvergleichbare Weise zu. Der Text nährt sich Gott hier dialektisch zum einen auf der via affirmationis und der via negativa. An dieser Stelle zeigt sich, wie Augustinus Philosophie und Theologie verknüpft. Er verwendet der Spätantike geläufige Vorstellungen, so das Geschaffen-Sein der Welt durch eine Gottheit, die analogia entis und die aus dem (Neu-)Platonismus bekannte Partizipation des Endlichen am Sein der Gottheit um diese – wenn nötig in abgewandelter Form – auf den christlichen Gott zu beziehen.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Zeit bei Augustinus ein und beleuchtet kurz das Spannungsfeld zwischen naturwissenschaftlichen und philosophisch-theologischen Zeitverständnissen.
TEIL A VOR- UND UMFELD DES ZEITKONZEPTES AUS CONFESSIONES XI: Dieser Teil ordnet Augustins Denken in den biographischen und philosophischen Kontext der Antike ein und skizziert die Vorläufer seiner Zeittheorie.
TEIL B AUGUSTINS ERÖRTERUNG VON EWIGKEIT UND ZEIT IN BUCH XI DER CONFESSIONES: Hier analysiert der Autor Augustins zentrale Ausführungen zu Zeit, Ewigkeit und Schöpfung im elften Buch der Confessiones.
TEIL C ASPEKTE DES WEITERWIRKENS DER ZEITTHEORIE AUS CONFESSIONES XI IM 20. JAHRHUNDERT: Dieser Abschnitt untersucht die Rezeption und kritische Weiterentwicklung augustinischer Zeitgedanken durch Denker wie Husserl, Heidegger, Barth und Pannenberg.
Augustinus, Confessiones, Zeit, Ewigkeit, Schöpfung, Zeitlichkeit, distentio animi, Erinnerung, Phänomenologie, Zeitphilosophie, Husserl, Heidegger, Barth, Pannenberg, Zeiterleben
Die Arbeit untersucht das Zeitverständnis des Kirchenvaters Augustinus, wie es im elften Buch seiner Confessiones dargelegt wird, sowie dessen Rezeption in der modernen Philosophie und Theologie des 20. Jahrhunderts.
Zentrale Themen sind das ontologische Verständnis von Zeit und Ewigkeit, das Verhältnis von menschlichem Zeiterleben (distentio animi) und göttlicher Ewigkeit sowie die kritische Auseinandersetzung mit der augustinischen Position in der Moderne.
Das Ziel ist es, Augustins komplexe Zeittheorie aus dem 11. Buch der Confessiones adäquat herauszuarbeiten und zu analysieren, wie diese Gedanken bei Philosophen (Husserl, Heidegger) und Theologen (Barth, Pannenberg) im 20. Jahrhundert aufgenommen wurden.
Die Arbeit folgt einer philologisch-historischen und systematischen Analyse, die Augustins Text eng auslegt und ihn in den Dialog mit antiken Denkern sowie modernen Vertretern der Phänomenologie und Theologie stellt.
Im Hauptteil (Teil B) wird das 11. Buch der Confessiones detailliert ausgelegt, insbesondere Augustins Argumentation zur Schöpfung, zum Verhältnis von Zeit und Bewegung sowie die Analyse der Zeit im menschlichen Geist.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind distentio animi (Zerstreuung des Geistes), memoria (Gedächtnis), Ewigkeit, Schöpfung, Sein, sowie die anthropologische Dimension des Zeiterlebens als Gott-Suche.
Während die Skeptiker der Zeit aufgrund ihrer Flüchtigkeit das Sein absprachen, integriert Augustin die menschliche Zeit als ein von Gott geschaffenes Phänomen in sein Denken, das jedoch eine ständige Ausrichtung auf das Unvergängliche erfordert.
Heidegger griff auf Augustins distentio animi zurück, radikalisierte den Ansatz jedoch, indem er die Zeit vollständig von der Sorgestruktur des menschlichen Daseins her interpretierte und den metaphysischen Bezug zur Ewigkeit zugunsten einer bejahten Endlichkeit eliminierte.
Pannenberg versucht eine Vermittlung zwischen Zeit und Ewigkeit durch das Konzept der christlichen Eschatologie, wobei er Augustin zwar als wichtigen Wegweiser sieht, aber dessen Begrenzung der Zeit auf das menschliche Bewusstsein durch einen universalgeschichtlichen Ansatz zu erweitern sucht.
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