Magisterarbeit, 1999
110 Seiten, Note: 1,85
1. Einleitung
2. "Das letzte ganz große Unternehmen" Heinrich Manns
2.1. Der Friedrich-Stoff
2.2. Zur Entstehungsgeschichte von Essay und Fragment
2.3. Die zeitgenössische Rezeption
3. Der Essay "Der König von Preußen"
3.1. Der Essay als eine geschichtsphilosophische Abhandlung Heinrich Manns
3.2. Die "Überspannung der Kräfte"
3.3. "Ruhmbegehren"
3.4. "Frédéric, le roi de Prusse"
4. Das Fragment "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen"
4.1. Die strukturelle Komposition
4.2. Der szenisch-dialogische Aufbau
4.3. Das Handlungsgeschehen
4.3.1. Der Kronprinz
4.3.2. Der König
4.3.2.1. Der Feldherr und Diplomat
4.3.2.2. Der Intellektuelle
4.3.2.3. Der alte König
4.4. Analyse des Friedrich-Bildes Heinrich Manns - dargestellt an sechs ausgewählten Aspekten
4.4.1. Erziehung und Persönlichkeitsstruktur
4.4.2. Friedrich und die Frauen
4.4.3. Der Herrscher und sein Volk
4.4.4. Der "französelnde" König
4.4.5. Der "Schauspieler"
4.4.6. "Geist und Macht"
5. Exkurs: Thomas Mann und sein Essay "Friedrich und die Große Koalition"
6. Schlußbetrachtung
6.1. Heinrich Mann als Tiefenpsychologe "avant la lettre"
6.2. Das "Friedrich"-Fragment als "Lehrbuch einer modernen psychologischen Analyse"
6.3. Heinrich Manns psychologisches Friedrich-Bild als Beispiel für die Negativentwicklung eines Herrschers
Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich Manns Auseinandersetzung mit der historischen Figur Friedrichs des Großen in seinem späten Fragment „Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen“ und dem zugehörigen Essay „Der König von Preußen“. Dabei wird analysiert, wie Mann mittels psychologischer Analyse die Legendenbildung um den preußischen König kritisch hinterfragt und in den Kontext seiner antifaschistischen Exilliteratur stellt.
4.4.3. Der Herrscher und sein Volk
In der Gestalt Friedrichs des Großen diskutiert Heinrich Mann einen zweiten, anders als bei Henri Quatre gelagerten Fall des Herrschers und dessen Beziehung zur sozialen Gemeinschaft, dem Volk - und letztlich auch das Problem der Wirkungskraft der Vernunft.
Der junge Henri wird als ein Kind der Natur beschrieben. Er darf seine Sinne in der unmittelbaren Verbindung mit ihr auf spielerische Art und Weise erleben. Frei und ungezwungen wächst er inmitten von Bergen, Wäldern, Tieren und Bauernkindern auf. Dies alles existiert in der Kindheit des Kronprinzen Friedrich nicht. Seine Tage dominieren der allgegenwärtige, unausgeglichene Vater und dessen Erziehung, ein strenges Reglement von Unterrichtsstunden und Predigt. Er hat keinen Kontakt zu anderen Kindern, außer zu seiner Schwester. Seine menschlichen Beziehungen beschränken sich auf die Erwachsenen am preußischen Hof.
Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm verkörpert ein Extrem väterlichen Autoritätsanspruchs. Er versucht mit aller Kraft, seinem Sohn eine Erziehung nach seinem Bilde angedeihen zu lassen. Ohne Blick für dessen Naturell vollzieht er die ihm von Gott auferlegte Pflicht, einen preußischen Thronfolger zu formen. In der Kontrastierung durch diese problematische Vaterfigur wird das Vorteilhafte im Aufwachsen Henris - ohne Vater und dessen eventuelle Ansprüche und Erwartungen - besonders deutlich.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der historischen und literarischen Auseinandersetzung mit Friedrich dem Großen in Heinrich Manns Werken.
2. "Das letzte ganz große Unternehmen" Heinrich Manns: Analyse der Entstehung des Friedrich-Stoffs, der Schreibweise des Dialogromans sowie der zeitgenössischen Kritik.
3. Der Essay "Der König von Preußen": Untersuchung der geschichtsphilosophischen Sicht Heinrich Manns auf Friedrich, geprägt von Ruhmsucht und der ambivalenten Beziehung zu Frankreich.
4. Das Fragment "Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen": Analyse der strukturellen Komposition und der psychologischen Entwicklung Friedrichs vom Kronprinzen zum alten, einsamen König.
5. Exkurs: Thomas Mann und sein Essay "Friedrich und die Große Koalition": Vergleich der unterschiedlichen Herangehensweise der Brüder Mann an die Figur Friedrichs vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs.
6. Schlußbetrachtung: Bewertung von Heinrich Manns Rolle als kritischer Tiefenpsychologe und Einordnung seines Friedrich-Bildes als Negativbeispiel für Machtentwicklung.
Heinrich Mann, Friedrich der Große, Preußen, Friedrich-Fragment, Literaturkritik, Thomas Mann, Machtpolitik, Psychologie, Exilliteratur, Aufklärung, Geschichtsphilosophie, Herrscherbild, Französische Kultur, Antifaschismus, Vater-Sohn-Konflikt.
Die Arbeit analysiert Heinrich Manns literarische Auseinandersetzung mit der Person Friedrich des Großen, insbesondere in seinem Fragment „Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen“ und dem Essay „Der König von Preußen“.
Im Zentrum stehen die psychologische Charakterstudie des Königs, die Rolle des Militarismus, der Gegensatz zwischen Geist und Macht sowie die kritische Hinterfragung des preußischen Heroenkults.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Heinrich Mann den preußischen König als negatives Herrschaftsbeispiel zeichnet, um den deutschen „Untertanengeist“ zu kritisieren und Warnungen vor nationalsozialistischen Tendenzen auszusprechen.
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen und sozialpsychologischen Ansatz, um das Werk Heinrich Manns in seinen historischen Kontexten zu analysieren und mit zeitgenössischen Rezensionen abzugleichen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Entstehungsgeschichte, eine Untersuchung des Essays, eine strukturelle Analyse des Fragments sowie eine tiefgehende psychologische Auswertung von Friedrichs Persönlichkeit anhand ausgewählter Aspekte.
Heinrich Mann, Friedrich der Große, Preußen, Psychologie, Machtpolitik, Exilliteratur, Vater-Sohn-Konflikt und historische Legendenbildung.
Während Thomas Mann Friedrich in seinem Essay „Friedrich und die Große Koalition“ als eine Art tragisches, aber geschichtlich legitimes Genie betrachtet, sieht Heinrich Mann in ihm ein gescheitertes, tragisches Opfer einer traumatischen Erziehung, das Macht zur Kompensation nutzt.
Voltaire wird von Heinrich Mann als „Gegenmacht“ zum deutschen Despotismus konzipiert; der Austausch mit ihm dient Friedrich dabei primär als Instrument zur Imagepflege und zur Selbstbestätigung seines eigenen Ruhms.
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