Magisterarbeit, 2006
111 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Reisen und Literatur
2.1. Bedeutung und Bedeutungswandel des Reisens
2.2. „France, that Sweet Enemy“ – zur britischen Sichtweise Frankreichs
2.3. Der literarische Reisebericht: Gattungstheorie und Gattungsprobleme
2.4. Reiseliteratur als mentalitätsgeschichtliche Quelle
3. Werkanalyse
3.1. Tobias Smollett: „Travels to France and Italy“
3.1.1. Zu Person und Werk
3.1.2. Inhalt und verwendete Ausgabe
3.1.3. Der Roman im zeitgenössischen Kontext: Ein kommerzieller Reisebericht?
3.1.4. Fakt und Fiktion: persönliche Briefe?
3.1.5. Hauptmotive und -strukturen des Romans
3.1.6. Der Misanthrop
3.1.7. Der britische Bürger
3.1.8. Satire, Gesellschaftskritik und Unterhaltung
3.1.9. Der Bildungsreisende
3.1.10. Arzt und Patient
3.2. Laurence Sterne: „A Sentimental Journey through France and Italy“
3.2.1. Zu Person und Werk
3.2.2. Inhalt und verwendete Ausgabe
3.2.3. Fakt und Fiktion: Mr. Yorick
3.2.4. Vordenker eines neuen Zeitalters: Die ästhetische Innovations-leistung des Romans
3.2.5. „Sentimental“ – Zum Bedeutungswandel eines Schlüsselbegriffs
3.2.6. „A Comedy of Moral Sentiments“?
3.2.7. The Sentimental Traveller
4. Integrative Gegenüberstellung
4.1. „Das Eigene“ – Motivationen und Ingroup
4.2. „Das Fremde“
4.2.1. Xenophobie und Xenophilie
4.2.2. Das Fremde als Prüfstein der eigenen Kultur
4.2.3. Teilnehmer oder Beobachter?
5. Fazit und Ausblick
Diese Arbeit führt eine interdisziplinäre Beispielanalyse der Reiseliteratur von Tobias Smollett und Laurence Sterne durch, um kulturelle Faktoren und Muster der Fremdwahrnehmung im 18. Jahrhundert zu untersuchen und deren Bedeutung für die Entstehung bürgerlicher Identität zu beleuchten.
3.1.4. Fakt und Fiktion: persönliche Briefe?
Die in Kapitel 2.3. aufgeworfene Frage nach dem Grad der Fiktionalität soll in diesem Kapitel für Smolletts „Travels“ beantwortet werden. Für das berichtende ‚Ich’ innerhalb des Werks wurde im vorangegangenen Kapitel bewusst der Begriff „Erzähler“ gewählt, statt diesen einfach mit Smollett gleichzusetzen. Warum diese Unterscheidung jedoch weder eine einfache noch eine unumstrittene ist und hier dennoch gemacht wurde, soll im Folgenden geklärt werden.
Ogée stellt den Entstehungsprozess des Werks wie folgt dar: „[Smollett] decided to take notes as he went along, which he then intended to rustle up into a book“, woraus er folgert: „The literary status of Smollett’s Travels is far from clear, and critics have diverging views as to the real identity of the persona who narrates/relates this trip.“ So wird auch im Klappentext einer verwendeten Ausgabe ganz unverblümt davon gesprochen, dass „the novelist Smollett left England for the Mediterranean“, und auch Bowers setzt Erzähler und Autor gleich, wie folgendes Zitat zeigt: „Tobias Smollett exiled himself to the Continent.“ Als Grund für diese in der Literaturwissenschaft eigentlich ‚verbotene’ Praxis kann zweierlei vermutet werden: Zunächst legt die nachgewiesene Reise des Autors zur selben Zeit und an die selben Orte nahe, dass es sich bei den „Travels“ um einen autobiografischen Reisebericht handelt. Doch hier ist Vorsicht vor allzu schnellen Schlussfolgerungen geboten: Wie Kahrl nachgewiesen hat, stimmen die autobiografischen Daten mit den Datierungen der Briefe in den „Travels“ in einigen Teilen nicht überein. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass Smollett sich zumindest einige Freiheiten bei der literarischen Aufbereitung seiner Reise erlaubt hat, was bereits ausschließt, dass es sich um einen vollständig autobiografischen Bericht handelt.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Reiseliteratur als Abbild der Fremdwahrnehmung und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Reisen und Literatur: Theoretische Grundlegung und historischer Kontext der Reiseliteratur sowie Diskussion von Gattungstheorie und mentalitätsgeschichtlichen Analyseansätzen.
3. Werkanalyse: Detaillierte Einzelanalyse der Werke von Smollett und Sterne unter Berücksichtigung biografischer Aspekte, formaler Struktur und thematischer Schwerpunkte wie Misanthropie oder Empfindsamkeit.
4. Integrative Gegenüberstellung: Vergleichende Betrachtung beider Autoren hinsichtlich ihrer Motivation, Fremdwahrnehmung und der Instrumentalisierung ihrer Texte zur Selbstdefinition.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse in den Kontext des 18. Jahrhunderts und Reflexion über die Kontinuität der untersuchten Grundmuster.
Reiseliteratur, Smollett, Sterne, Fremdwahrnehmung, Identitätsbildung, Grand Tour, Mentaliätsgeschichte, Aufklärung, Sentimentalismus, Misanthropie, Narr, Kulturrezeption, Interkulturelle Kommunikation, Stereotype, Individualismus.
Die Arbeit analysiert die Reiseliteratur des 18. Jahrhunderts, speziell die Werke von Smollett und Sterne, als Spiegel kultureller Faktoren und Muster der Fremdwahrnehmung.
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Reisetradition, die Konstruktion von nationalen Identitäten durch Abgrenzung sowie die literarische Darstellung des Fremden als Instrument der Selbstdefinition.
Ziel ist es, die in den Reiseberichten transportierten individuellen und kulturellen Selbstverständnisse der Autoren herauszuarbeiten und ihre Haltung gegenüber dem Fremden zu analysieren.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Analyseansatz aus Literaturwissenschaft, Soziologie sowie Mentalitäts- und Kulturgeschichte, insbesondere das Konzept der „asymmetrischen Gegenbegriffe“ nach Harbsmeier/Koselleck.
Im Hauptteil erfolgen detaillierte Werkanalysen von Smolletts „Travels to France and Italy“ und Sternes „A Sentimental Journey“, gefolgt von einer integrativen Gegenüberstellung der Ergebnisse.
Schlüsselbegriffe sind Reiseliteratur, Fremdwahrnehmung, Identität, Aufklärung, Sentimentalismus, Misanthropie, Stereotype und Kulturrezeption.
Smollett nutzt eine konventionelle, eher kritisch-rationale Perspektive, während Sterne den „Sentimental Traveller“ als neue, subjektive Figur einführt, die den Fokus stärker auf Gefühle und die psychologische Dynamik des Reisens legt.
Hofstedes Modell der „Software of the mind“ dient dazu, die Ebenen von Persönlichkeit und Kultur zu unterscheiden, um zu verstehen, warum die Autoren Schwierigkeiten haben, die „fremde“ Kultur objektiv wahrzunehmen.
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