Magisterarbeit, 2002
105 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Das Wortfeld wilde
2. Das Nibelungenlied
2.1. Überlieferung
2. 2. Wildnis und Natur
2.2.1. Die reale Gefahrenquelle
2.2.2. Der Jagdwald
2.2.3. Die Wunderwildnis und ihre Bewohner
2.3. Wildnis und Hof
2.3.1. Das höfische Fest
2.4. Wildnis und Religion
2.5. Wildnis und Heldentum
2.5.1. Siegfried
2.5.2. Brünhild
2.5.3. Hagen
2.6. Wildnis und ihre Grenzen
2.6.1. Dietrich von Bern
3. Laurin
3.1. Überlieferung
3.2. Wildnis und Natur
3.2.1. Der reale Raum
3.2.2. Der Rosengarten
3.3. Wildnis und Religion
3.4. Wildnis, Fest und Kampf
3.5. Wildnis und Heldentum
3.5.1. Laurin
3.5.2. Dietrich von Bern
4. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Erscheinungsformen und symbolischen Funktionen von Wildnis und Wildheit im Nibelungenlied sowie in der Erzählung vom Zwerg Laurin, um aufzuzeigen, wie diese Konzepte die höfische Ordnung herausfordern oder spiegeln.
2.2.1. Die reale Gefahrenquelle
Obwohl die Natur in den Werken des Mittelalters zumeist als realer Raum entkonkretisiert und in ihrer symbolischen Funktion verfügbar gemacht wird, gibt es und gab es auch zur damaligen Zeit Wildnis, deren einzige Funktion darin besteht, zwei Orte miteinander zu verbinden. Findet diese Art von Wildnis Einlass in das Nibelungenlied? Wenn ja, wie wird sie dargestellt?
Im Hochmittelalter noch wurde der Wald, der sich über weite Teile Europas erstreckte, als bedrohliche Wildnis gesehen. Da er unmittelbar an die von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft grenzte, die durch Städte, Burgen, Dörfer und urban gemachtes Land gekennzeichnet war, und die mittelalterlichen Menschen es noch nicht gelernt hatten, die Natur vollkommen zu beherrschen, standen sie „dem Wald eher feindlich als freundlich gegenüber; verbreitet waren Ängste vor seinen realen und irrealen Gefahren (Furcht, von wilden Tieren oder dämon. Wesen angegriffen zu werden, in die Irre zu gehen, von umstürzenden Bäumen erschlagen zu werden, im Winter zu erfrieren usw.). Bei Fahrten in benachbarte Siedlungen wurde daher eine Durchquerung des W.es nach Möglichkeiten vermieden und der Wasserweg bevorzugt. Der Wald war siedlungsfeindlich.“ Er markierte die Grenze im rechtlichen und im gesellschaftlichen Sinne, da seine Bewohner entweder aus der Gesellschaft ausgestoßene (z.B. Kranke, Aussätzige, Verbrecher), oder freiwillig aus der Welt flüchtende Menschen (z.B. Einsiedler) waren.
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Interesse an der Heldenepik dar und definiert "Wildnis" als ein komplexes Spannungsfeld zwischen höfischer Kultur und unzivilisierten Kräften.
1.1. Das Wortfeld wilde: Dieses Kapitel erörtert die etymologische Breite des mhd. Begriffs "wilde" und seine Bedeutung als Gegenbegriff zur sozialen, höfischen Ordnung.
2. Das Nibelungenlied: Eine allgemeine Einführung in die handschriftliche Überlieferung und Entstehungsgeschichte des Epos.
2.1. Überlieferung: Detaillierte Betrachtung der Manuskriptsituation und Begründung der Wahl der Bartsch-Ausgabe für die Analyse.
2. 2. Wildnis und Natur: Untersuchung der Wald- und Naturdarstellungen hinsichtlich ihrer Funktion im Epos.
2.2.1. Die reale Gefahrenquelle: Analyse des Waldes als lebensfeindlichem Raum, der zwischen zivilisierten Herrschaftszentren liegt.
2.2.2. Der Jagdwald: Beleuchtung der Jagd als ritterliche Betätigung und die Rolle des Waskenwaldes als Schauplatz.
2.2.3. Die Wunderwildnis und ihre Bewohner: Untersuchung der mythischen Elemente und deren Interaktion mit der menschlichen Welt.
2.3. Wildnis und Hof: Erörterung der Präsenz des Wilden innerhalb der höfischen Sphäre und des Begriffs der "höveschheit".
2.3.1. Das höfische Fest: Analyse der Hoffeste als Orte, an denen sich Schein und Sein sowie soziale Spannungen manifestieren.
2.4. Wildnis und Religion: Auseinandersetzung mit der Einteilung in Christen und Heiden und der Bedeutung religiöser Praxis.
2.5. Wildnis und Heldentum: Untersuchung heldischer Identitäten und deren Defizite im Umgang mit dem Wilden.
2.5.1. Siegfried: Analyse der ambivalenten Rolle des Helden zwischen mythischer Kraft und höfischer Idealisierung.
2.5.2. Brünhild: Untersuchung der "übermenschlichen" Kraft Brünhilds und ihrer gesellschaftlichen Normabweichung.
2.5.3. Hagen: Beleuchtung der Figur Hagens als "wilder Ritter" und Träger der tragischen Handlung.
2.6. Wildnis und ihre Grenzen: Zusammenfassende Betrachtung der zerstörerischen Dynamik zwischen höfischen Werten und wilden Trieben.
2.6.1. Dietrich von Bern: Dietrich wird als Ausnahmeerscheinung charakterisiert, die das "Wilde" kontrollieren kann.
3. Laurin: Einführung in die Dietrichepik und die spezifischen Besonderheiten des Laurin-Stoffes.
3.1. Überlieferung: Überblick über die Manuskriptlage und die verschiedenen Fassungen des Laurin.
3.2. Wildnis und Natur: Analyse der Wildnisdarstellung in Bezug auf das "Laurin"-Abenteuer.
3.2.1. Der reale Raum: Betrachtung der geografischen Einbettung von Bern und Tirol.
3.2.2. Der Rosengarten: Der Rosengarten als locus amoenus und Wunderwildnis zugleich.
3.3. Wildnis und Religion: Analyse der religiösen Komponente und der Kritik am Heidentum im Laurin.
3.4. Wildnis, Fest und Kampf: Untersuchung der Umdeutung höfischer Feste in gewaltsame Konflikte.
3.5. Wildnis und Heldentum: Bewertung des Heldentums in Laurin im Kontrast zum Nibelungenlied.
3.5.1. Laurin: Laurin als "kleiner Held" und ambivalente Zwergengestalt.
3.5.2. Dietrich von Bern: Dietrichs Heldentum unter der Bedingung der aventiure.
4. Resümee: Zusammenführung der Ergebnisse: Wildnis ist sowohl realer Raum als auch Spiegel innerer Protagonistenzustände.
Nibelungenlied, Laurin, Wildnis, Wildheit, höveschheit, Rittertum, Heldentum, Wunderwildnis, Naturdarstellung, Mittelalter, ritterliche Tugenden, Siegfried, Dietrich von Bern, höfische Kultur, heidnisch-christliche Dichotomie.
Die Magisterarbeit untersucht die Darstellung und Funktion von "Wildnis" und "Wildheit" im Nibelungenlied sowie im Laurin-Epos des Mittelalters.
Zentrale Felder sind die Bedeutung der Natur als realer und symbolischer Raum, die höfische Lebensform ("höveschheit") und deren Konfrontation mit dem Wilden sowie die heldische Identität.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Dichter dieser Werke Wildnis-Motive nutzen, um soziale Ordnung und das Tugendsystem des hohen Mittelalters zu reflektieren und zu hinterfragen.
Die Autorin wählt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historisch-kulturelle Kontexte (wie Rittertum, Minne, religiöse Prägung) einbezieht, um die Handlungen und Symbolik der Figuren zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Analyseteile: Zuerst das Nibelungenlied (mit Fokus auf Natur, Hof, Religion und Helden) und anschließend den Laurin (mit ähnlicher thematischer Struktur).
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "höveschheit", "Wildnis", "Wunderwelt", "Heldentum" und "Siegfried" charakterisiert.
Während im Nibelungenlied Wildnis oft als existenzielle Bedrohung außerhalb der Höfe fungiert, wird der Laurin eher als fantastische "Wunderwildnis" (wie der Rosengarten) konzipiert, die jedoch moralisch hinterfragt wird.
Dietrich fungiert als Kontrastfigur: Er gilt als einziger Held, der die "wilde" Kraft in sich beherrschen kann, und wird somit als Idealbild eines "beherrschten" ritterlichen Menschen dargestellt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

