Magisterarbeit, 2006
97 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Zur Untersuchung des Schauerlichen: Ein Kriterienkatalog
2. Die Entwicklung der Schauerelemente in den Novellen Storms
2.1. Marthe und ihre Uhr (1848)
2.1.1. Ein kleines Bürgerhaus der Stadt: Zum Schauplatz
2.1.2. Mitten in der Nacht: Die unheimliche Zeit
2.1.3. In Gesellschaft einer Uhr: Figuren und Gegenstände
2.1.4. Allein: Themen und Motive
2.2. Draussen im Heidedorf (1872)
2.2.1. Am Wilden Moor: Zum Schauplatz
2.2.2. Die weißen Nebel: Zur Beschreibung der Natur
2.2.3. Es war kein Mondschein: Die unheimliche Zeit
2.2.4. Der weiße Alp: Figuren und Gegenstände
2.2.5. Wild wie eine Katze: Themen und Motive
2.3. Eekenhof (1879)
2.3.1. Beisammen in einer Gruft: Zum Schauplatz
2.3.2. In hellen Mondnächten: Die unheimliche Zeit
2.3.3. Die Dame mit der Reiherfeder: Figuren und Gegenstände
2.3.4. Des Vaters Wille: Themen und Motive
2.4. Der Schimmelreiter (1888)
2.4.1. Draußen auf den Watten: Zum Schauplatz
2.4.2. Das Wutgebrüll der Nordsee: Zur Beschreibung der Natur
2.4.3. Wüste Dämmerung: Die unheimliche Zeit
2.4.4. Die Geister der Ertrunkenen: Figuren und Gegenstände
2.4.5. Flatternder Mantel, bleiches Gesicht: Themen und Motive
3. Ein Blick auf Zeitgenossen
3.1. Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne (1842)
3.1.1. Wald und Schlucht: Zum Schauplatz
3.1.2. Zornesvoll heult der Sturm: Zur Beschreibung der Natur
3.1.3. Geister der Nacht: Die unheimliche Zeit
3.1.4. Des ´Grünen´ teuflisch Gesicht: Figuren und Gegenstände
3.1.5. Rote Feder, roter Bart: Themen und Motive
3.2. Theodor Fontane: Unterm Birnbaum (1885)
3.2.1. Tief im Keller: Zum Schauplatz
3.2.2. Unter der Erde: Zur Beschreibung der Natur
3.2.3. Mitternachtsgrusel: Die unheimliche Zeit
3.2.4. Unheimlich verzerrte Gestalten: Figuren und Gegenstände
3.2.5. Tod im Haus: Themen und Motive
4. Vergleichende Analyse
Diese Arbeit untersucht das Vorkommen und die Entwicklung von Schauerelementen in ausgewählten Novellen von Theodor Storm und vergleicht diese mit Erzählungen von Jeremias Gotthelf und Theodor Fontane. Ziel ist es herauszuarbeiten, wie die Autoren Gattungskomponenten des Schauerromans adaptieren, abwandeln und für eigene, oft kritische Zwecke einsetzen, wobei die Analyse von Schauplatz, Natur, Zeit, Figuren und Motiven im Zentrum steht.
2.1.1. Ein kleines Bürgerhaus der Stadt: Zum Schauplatz
In Theodor Storms erster Novelle gibt es nur eine Kulisse: Marthes Haus. Dieses Gebäude und die darin lebende Protagonistin der Binnenhandlung sind intensiv miteinander verbunden. Da Marthes Geburtsstätte als Bühne für ihre Phantasie fungiert, erlebt sie eine Stätte voller Leben, wo eigentlich keines sein dürfte. Der auktoriale Ich-Erzähler des Rahmens klärt nicht eindeutig, ob Marthe die Vorgänge und Erscheinungen nur in den Schauplatz hinein illusioniert oder ob sie tatsächlich stattfinden. Er bemerkt, dass die Heldin den Möbeln des Hauses die Befähigung aneignet, „sich mit ihr zu unterhalten“ (ST I, 282).
Das Haus nimmt die Protagonistin auf unheimliche Weise in Besitz. Dies hat für Marthe zur Folge, dass sie immer einsamer wird: Denn als „alternde unverheiratete Tochter“ (ST I, 283) wohnt sie alleine in diesem Gebäude und verlässt es selten. Unternimmt sie den Versuch auszugehen, scheint das Haus durch sein Mobiliar Impulse zu senden, die sie endlich doch wieder umstimmen.
Einleitung: Die Einleitung skizziert das theoretische Spannungsfeld der Schauerliteratur und definiert das Ziel der Arbeit, Schauerelemente bei Storm und Zeitgenossen zu bewerten.
1. Zur Untersuchung des Schauerlichen: Ein Kriterienkatalog: Dieses Kapitel etabliert einen Katalog zur systematischen Erfassung von Schauerelementen, wie Orte, Naturdarstellungen, Zeit, Figuren und Motive.
2. Die Entwicklung der Schauerelemente in den Novellen Storms: Dieser Hauptteil analysiert chronologisch vier Novellen Storms hinsichtlich ihrer spezifischen Nutzung und Ausgestaltung unheimlicher Elemente.
3. Ein Blick auf Zeitgenossen: Hier werden zur vergleichenden Untersuchung Erzählungen von Gotthelf und Fontane unter den gleichen Kriterien analysiert.
4. Vergleichende Analyse: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse der Einzelanalysen zusammen und bewertet die Wandlung sowie die kritische Reflexion des Schauergenres bei den untersuchten Autoren.
Theodor Storm, Schauerliteratur, Novelle, Gothic Novel, Schauerelemente, Jeremias Gotthelf, Theodor Fontane, unheimlicher Schauplatz, Phantastik, Aberglaube, Motivik, Dämonisierung, literarische Analyse, Gespenstergeschichte, Realismus
Die Magisterarbeit untersucht die Verwendung, Ausführung und Entwicklung von Schauerelementen in ausgewählten Novellen von Theodor Storm im Vergleich zu Werken von Jeremias Gotthelf und Theodor Fontane.
Zentrale Aspekte sind der Einfluss des Schauplatzes, die Naturdarstellung, die Bedeutung der Tageszeit, die Charakterisierung von Figuren sowie die spezifische Motivik (wie Teufelspakt oder Vorahnungen), die zur schaurigen Wirkung der Texte beiträgt.
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich diese Erzählungen vor der Gattungstradition des Schauerromans darstellen und inwiefern die Autoren diese Genrekomponenten nicht einfach kopieren, sondern verändern und für eigene Zwecke nutzen.
Die Untersuchung stützt sich auf einen eigens erstellten Kriterienkatalog, der auf literaturwissenschaftlichen Standardwerken zur Schauerliteratur basiert, um die Prosatexte einer detaillierten Einzelanalyse und einem anschließenden Vergleich zu unterziehen.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der vier Storm-Novellen „Marthe und ihre Uhr“, „Draussen im Heidedorf“, „Eekenhof“ und „Der Schimmelreiter“, gefolgt von einer vergleichenden Betrachtung der Erzählungen „Die schwarze Spinne“ von Gotthelf und „Unterm Birnbaum“ von Fontane.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schauerliteratur, Novellistik, Gattungstradition, Dämonisierung, Aberglaube und die kritische Reflexion des Übersinnlichen durch die Autoren.
Die Uhr fungiert als personifiziertes Objekt, das Marthes Einsamkeit symbolisiert und steuert; sie wird als „beredteste Gesellschaft“ der Heldin charakterisiert und verdeutlicht durch ihr unheimliches Ticken das Spannungsfeld zwischen Marthes Realität und ihrer Phantasiewelt.
Im Gegensatz zu den anderen untersuchten Werken, in denen das Übersinnliche und die Dämonisierung eine tragende Rolle spielen, nutzt Fontane Elemente der Schauerliteratur humorvoll oder als Begleiterscheinung eines Kriminalfalls, ohne sie zur Darstellung übernatürlicher Mächte zu erheben.
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