Magisterarbeit, 2005
120 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Thomas Morus und der englische Humanismus
2.1 Zum Begriff des Humanismus: Schwierigkeiten einer Definition
2.2 Der englische Humanismus im europäischen Kontext
2.3 Thomas Morus: „The king’s good servant, but God’s first”
3. Zur Geistesgeschichte von vita activa und vita contemplativa
3.1 Platon: Die Untrennbarkeit von Theorie und Praxis
3.2 Aristoteles: Das Primat der Kontemplation
3.3 Cicero: Philosophie als Bildungsgut
3.4 Augustinus: Handeln als Notwendigkeit
4. Vita activa und vita contemplativa im ersten Buch von Thomas Morus’ Utopia
4.1 Die Utopie der Neuzeit: Kritik und Gegenbild
4.2 Die Figuren Thomas Morus und Petrus Aegidius
4.3 Die Figur Raphael Hythlodaeus
4.4 Der Dialogue of Counsel als Problematisierung des Konflikts zwischen vita activa und vita contemplativa
4.4.1 Im Dienste des Königs: These und Antithese
4.4.2 Die Morton-Episode: Ein zweifelhaftes Exemplum
4.4.3 Der Philosoph als Staatsmann: Platon versus Platon
4.4.4 Die rhetorische Strategie der Dialogpartner
4.4.5 Die Fremdheit des Philosophen in der Welt
4.4.6 Die Unvereinbarkeit von vita activa und vita contemplativa
5. Schlussfolgerungen
Die vorliegende Arbeit untersucht den zeitlosen Widerstreit zwischen vita activa und vita contemplativa im ersten Buch von Thomas Morus’ Utopia. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, zu welchem Ergebnis Morus in seinem Dialogue of Counsel hinsichtlich der Frage gelangt, ob und warum Philosophen in den Staatsdienst treten oder diesen meiden sollten, und welche Lebensform dabei als höherwertig dargestellt wird.
Die Unvereinbarkeit von vita activa und vita contemplativa
Mit der Wahl der literarischen Form des Dialogs trägt Morus der prinzipiellen Unvereinbarkeit von vita activa und vita contemplativa Rechnung. Wie bereits erwähnt, ermöglicht die Dialogform dem Autor, ein moralisches Problem zu diskutieren, ohne die eigene Sichtweise offen legen zu müssen. Sie setzt den Leser einem beständigen Zweifel hinsichtlich der „wahren” Auffassung des Verfassers aus.
Morus bedient sich ausgiebig der Freiheit, die die Dialogform bietet: Das Problem der politischen Beratung wird mehrfach angegangen und wieder fallen gelassen und die Vor- und Nachteile einer politischen vita activa werden aus mehreren Perspektiven beleuchtet, ohne dass jedoch eine Lösung aufgezeigt würde. Dies attestiert auch Damian Grace; als Fazit seiner Untersuchung schreibt Grace jedoch: „And the problem of counsel is resolvable: both parties are right. Christ’s words must be adhered to, but it cannot be imparted by dogmatics and it cannot be practised by formulae.” Zwar sieht Grace richtig, dass beide Dialogpartner Recht haben, er verkennt aber, dass gerade weil beide Parteien Recht (und Unrecht) haben, Morus keine Lösung für das Problem der politischen Beratung anbietet. Gerade darin liegt das Dilemma des Dialogue of Counsel.
1. Einleitung: Einführung in die geistesgeschichtliche Tradition des Konflikts zwischen vita activa und vita contemplativa und Formulierung der zentralen Fragestellung der Arbeit.
2. Thomas Morus und der englische Humanismus: Kontextualisierung von Morus innerhalb des englischen Humanismus und dessen Fokus auf utilitaristische sowie christliche Aspekte.
3. Zur Geistesgeschichte von vita activa und vita contemplativa: Überblick über die antike und christliche Tradition des Begriffspaares, von Platon und Aristoteles bis hin zu Cicero und Augustinus.
4. Vita activa und vita contemplativa im ersten Buch von Thomas Morus’ Utopia: Tiefenanalyse des Dialogue of Counsel und Untersuchung der Figurenkonstellation als Dramatisierung des zentralen Konflikts.
5. Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, wobei die prinzipielle Unlösbarkeit des moralischen Dilemmas der politischen Beratung bei Morus betont wird.
Thomas Morus, Utopia, Humanismus, vita activa, vita contemplativa, politische Beratung, Dialogue of Counsel, Theorie und Praxis, Raphael Hythlodaeus, Renaissance, Politische Philosophie, Idealstaat, Geistesgeschichte, Staatsdienst, Dilemma.
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen einem Leben in politischer Aktion (vita activa) und philosophischer Kontemplation (vita contemplativa) im ersten Buch von Thomas Morus' Utopia.
Es geht um die geistesgeschichtliche Einordnung des Theorie-Praxis-Konflikts, die Rolle des humanistischen Gelehrten im Staatsdienst und die literarische Inszenierung dieser Problematik durch Morus.
Ziel ist es, zu ergründen, ob Morus eine abschließende Bewertung der politischen Beratung vornimmt und welche Rolle dabei die Unvereinbarkeit der zwei Lebensmodelle spielt.
Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche und literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text von Morus im Kontext seiner zeitgenössischen Rezeption und antiker Vorbilder interpretiert.
Der Hauptteil widmet sich der antiken Tradition (Platon, Aristoteles, Cicero, Augustinus) und deren Transformation bei Thomas Morus, insbesondere durch die Figuren Hythlodaeus, Morus und Aegidius.
Neben den zentralen Begriffen vita activa und vita contemplativa sind dies vor allem das Dilemma der Beratung, der humanistische Bildungsbegriff und die Rolle des Philosophen in der Welt.
Raphael verkörpert den kompromisslosen Philosophen, dessen Radikalität den notwendigen Kontrast zu den pragmatisch orientierten Dialogpartnern bildet und das moralische Dilemma verdeutlicht.
Die Episode zeigt ironisch, dass theoretische Ratschläge in einer korrupten Realpolitik scheitern, auch wenn der Staatsmann (Morton) an sich tugendhaft erscheint.
Nein, der Autor verweigert eine finale Aussage, da er das Thema als unlösbares moralisches Dilemma begreift, das dem Leser zur eigenen Reflexion überlassen bleibt.
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